Bei einer Durchsuchung von zwei Häusern in Colonia Frías in der argentinischen Provinz Río Negro hat die Ländliche Brigade von General Conesa zwei männliche Gelbkardinäle beschlagnahmt. Die Polizei stellte außerdem sechs Fallen und 13 Käfige sicher. Die Vögel sollen zur Rehabilitation nach General Roca gebracht werden. Der Einsatz richtete sich gegen die Haltung geschützter Wildtiere und wurde von der Staatsanwaltschaft Nr. 6 in Viedma begleitet.
Durchsuchung mit richterlicher Genehmigung
Die Maßnahme fand in der Sektion Chacras von Colonia Frías zwischen 13:00 und 14:15 Uhr statt. Nach Angaben von Noticias Ambientales war sie von Richterin Georgina Amaro Piccinini genehmigt worden. Die Ländliche Brigade ist der Polizei von Río Negro unterstellt. Sie übergab die sichergestellten Gegenstände an das zuständige Faunapersonal.
Damit beschreibt der Fall bislang vor allem eine Beschlagnahmung im Rahmen eines behördlichen Einsatzes. Ob gegen die Bewohner der beiden Häuser konkrete strafrechtliche Vorwürfe erhoben wurden, geht aus dem veröffentlichten Bericht nicht hervor. Auch welche weiteren Schritte die Staatsanwaltschaft plant, wird darin nicht genannt. Eine rechtskräftige Entscheidung liegt nach den vorliegenden Angaben ebenfalls nicht vor.
Zwei Vögel einer besonders bedrohten Art
Bei den Tieren handelt es sich um Gelbkardinäle der wissenschaftlichen Art Gubernatrix cristata. Noticias Ambientales beziffert die weltweite Population in freier Wildbahn auf etwa 2.000 bis 3.000 Exemplare. Der Bericht ordnet die Art als kritisch vom Aussterben bedroht ein. Konkrete Auswirkungen dieses Einsatzes auf den Bestand lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.
Gelbkardinäle leben unter anderem in den argentinischen Ökoregionen Espinal, Monte und Chaco. Die Art ist der einzige Vertreter ihrer Gattung. Wegen ihres auffälligen Gefieders und ihres Gesangs gilt sie als begehrter Käfigvogel. Nach dem Bericht werden vor allem Männchen gefangen, weil ihr Gesang im illegalen Handel besonders gefragt ist.
Rehabilitation soll über die weitere Verwendung entscheiden
Die beiden beschlagnahmten Vögel werden nicht unmittelbar freigelassen, sondern zunächst nach General Roca zur Rehabilitation überführt. Dort müssen Fachleute prüfen, in welchem körperlichen Zustand sich die Tiere befinden. Ebenso ist zu klären, ob sie an eine Rückkehr in die Natur angepasst werden können. Die Zuständigkeit für diese Rehabilitation wird in den vorliegenden Angaben nicht näher einer bestimmten Einrichtung zugeordnet.
Für die Artenschutzarbeit in Argentinien arbeitet die sogenannte Allianz des Gelbkardinals nach Angaben des Berichts mit Aves Argentinas, der Fundación Temaikèn, dem Ökopark von Buenos Aires und Provinzbehörden zusammen. Genannt werden dabei auch genetische Untersuchungen. Mit ihnen kann der geografische Ursprung von Tieren bestimmt werden. Eine solche Prüfung kann relevant sein, bevor ein rehabilitierter Vogel in eine bestimmte Population zurückgeführt wird; ob sie im vorliegenden Fall tatsächlich eingesetzt wird, ist nicht belegt.
Gesetz verbietet den Handel mit geschützten Wildtieren
Das nationale Faunagesetz Nr. 22.421 bildet den rechtlichen Rahmen für den Schutz der Wildtiere. Der Bericht nennt als einschlägige Grundlage das Verbot des Handels mit geschützten Wildtieren. Ein möglicher Verstoßtatbestand könnte damit insbesondere im Anbieten, Verkaufen oder sonstigen Überlassen geschützter Exemplare liegen; ob ein solcher Tatbestand hier erfüllt ist, lässt sich anhand der vorliegenden Angaben jedoch nicht feststellen. Für die rechtliche Bewertung müssten die konkret anwendbare Vorschrift und die festgestellten Handlungen im Verfahren geprüft werden.
Die Staatsanwaltschaft Nr. 6 von Viedma war an der Maßnahme beteiligt. Ihre konkrete Rolle besteht nach den vorliegenden Angaben darin, das Verfahren im Zusammenhang mit dem behördlichen Einsatz zu begleiten und die weitere rechtliche Bewertung vorzunehmen. Ob sie bereits Anklage erhoben oder weitere Ermittlungen veranlasst hat, ist nicht bekannt. Die bei dem Einsatz gefundenen Fallen und Käfige ergänzen die Angaben zur Beschlagnahmung, erlauben aber keine sichere Aussage über den Zweck jedes einzelnen Stücks.
Der Einsatz in Colonia Frías beendet die bisher festgestellte Haltung der beiden beschlagnahmten Vögel an diesem Ort. Die Tiere sollen anschließend rehabilitiert und auf ihre weitere Verwendung geprüft werden. Ob sie erfolgreich ausgewildert werden können, ist nach den vorliegenden Angaben noch offen. Welche unmittelbare Wirkung die Maßnahme für die freie Population hat, lässt sich deshalb derzeit nicht bestimmen.
Quellen
- noticiasambientales.com – Río Negro: yellow cardinals rescued in police operation against illegal wildlife trafficking – Noticias Ambientales – https://noticiasambientales.com/animals/rio-negro-yellow-cardinals-rescued-in-police-operation-against-illegal-wildlife-trafficking
