Brandenburgs Landestierschutzbeauftragte warnt vor Qualzucht bei Haustieren

In Potsdam hat Brandenburgs Landestierschutzbeauftragte Anne Zinke vor den gesundheitlichen Folgen bestimmter Zuchtmerkmale bei Haustieren gewarnt. Besonders kurzköpfige Hunderassen wie Französische und Englische Bulldoggen könnten bei hohen Temperaturen schneller überhitzen, weil ihre Fähigkeit zur Thermoregulation eingeschränkt sei. Auch Dackel und Zwergspitze werden im Zusammenhang mit gesundheitlich problematischen Zuchtmerkmalen genannt. Zinkes Warnung richtet sich damit unmittelbar an Menschen, die über die Anschaffung eines solchen Tieres nachdenken.

Kurze Schnauzen erschweren die Abkühlung

Nach Darstellung der Landestierschutzbeauftragten können äußerliche Merkmale wie gerundete Köpfe, breite Gesichter oder übergroße Augen mit Schmerzen, Leiden und gesundheitlichen Schäden verbunden sein. Bei kurzköpfigen Hunden betrifft das unter anderem die Atmung und die Fähigkeit, den Körper bei Hitze ausreichend zu kühlen. Das Risiko ist deshalb im Sommer besonders relevant, weil betroffene Tiere schneller überhitzen können als Hunde ohne diese Einschränkungen. Die Warnung beschreibt dabei allgemeine gesundheitliche Risiken dieser Zuchtmerkmale und keinen einzelnen dokumentierten Notfall.

Zinke verweist außerdem auf die finanziellen und emotionalen Folgen für Halter. Tierarzt- und Operationskosten könnten sich nach ihren Angaben schnell auf vier- bis fünfstellige Beträge summieren, während die Versorgung betroffener Tiere den Alltag dauerhaft einschränken kann. Für Kaufinteressenten ist damit nicht nur die Frage des Aussehens entscheidend, sondern auch, ob Elterntiere und Nachkommen voraussichtlich ein belastbares und möglichst beschwerdearmes Leben führen können. Eine sorgfältige Gesundheitsprüfung vor der Anschaffung kann spätere Belastungen zumindest besser einschätzbar machen.

Kampagne stellt Lifestyle-Entscheidungen infrage

Gemeinsam mit dem Verein „Tierwohl statt Lifestyle – Gemeinsam gegen Qualzucht“ hat Zinke die Kampagne „Lifestyle oder Lebewesen“ gestartet. Sie soll darauf aufmerksam machen, dass die öffentliche Präsentation bestimmter Tiere nicht automatisch deren gesundheitliche Eignung belegt. Zinke kritisiert in diesem Zusammenhang den Einfluss von Petfluencern und Prominenten, die Tiere mit auffälligen Merkmalen in sozialen Medien zeigen und dabei mögliche Einschränkungen nicht immer thematisieren. Die Aussage ist als Kritik der Landestierschutzbeauftragten einzuordnen; konkrete Nachweise zu einzelnen Influencern oder einer bestimmten Kampagne werden nicht genannt.

Rechtlich ist die Zucht mit leidensverursachenden Merkmalen nach dem Tierschutzgesetz bereits seit 1986 verboten. Die anhaltende Verbreitung entsprechender Zuchtlinien zeigt jedoch, dass ein gesetzliches Verbot allein die Nachfrage und die Zuchtpraxis nicht beendet. Entscheidend ist daher auch, wie Züchter gesundheitliche Merkmale bewerten, welche Informationen Käufer erhalten und ob Behörden Verstöße im Einzelfall feststellen können.

Tierheime und seriöse Züchter als Anlaufstellen

Kaufinteressenten rät Zinke, zunächst Tierheime in Betracht zu ziehen oder sich an seriöse Züchter zu wenden. Dort sollten Fragen zur Gesundheit der Elterntiere, zu bekannten rassetypischen Erkrankungen und zu tierärztlichen Untersuchungen offen beantwortet werden. Ein besonders auffälliges Aussehen ist für sich genommen kein verlässlicher Hinweis auf die Gesundheit eines Tieres. Die Kampagne lenkt den Blick deshalb auf eine praktische Konsequenz: Bei der Auswahl sollte das erwartbare Wohlbefinden des Tieres höher gewichtet werden als ein kurzlebiges Lifestyle-Signal.

Quellen

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