In einem Waldstück in Bottrop-Grafenwald sind 18 Schildkröten ausgesetzt worden. Die Tiere wurden in der Schildkröten-Auffangstation von Barbara Klobusch in Dorsten untergebracht. PETA hat wegen des Vorfalls Anzeige gegen Unbekannt erstattet und eine Belohnung von 500 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Verantwortlichen führen.
17 Landschildkröten und eine Breitbandschildkröte gerettet
Zunächst wurden 17 Tiere gefunden und am 21. August in die Schildkröten-Auffangstation von Barbara Klobusch gebracht. Bei ihnen handelte es sich um sieben weibliche und neun männliche Griechische Landschildkröten sowie eine Breitbandschildkröte. Nachdem die Fundstelle mehrfach abgesucht worden war, konnte am folgenden Tag eine weitere Griechische Landschildkröte gesichert werden. Damit befinden sich insgesamt 18 Schildkröten in der Dorstener Auffangstation. Wer die Tiere in dem Waldstück zurückgelassen hat und wie lange sie sich dort befanden, ist bislang nicht bekannt.
In Dorsten leben die Reptilien derzeit in zwei Außengehegen. Die Station verfügt über rund 750 Quadratmeter Fläche und betreut bereits etwa 120 Schildkröten. Barbara Klobusch kümmert sich seit 25 Jahren um Schildkröten, die Auffangstation selbst besteht seit 17 Jahren. Für Fundtiere kommen nach Angaben der Einrichtung die Städte auf, in denen die Tiere gefunden wurden. Der laufende Betrieb der Auffangstation ist darüber hinaus auf Spenden angewiesen.
Die Unterbringung der 18 Tiere ist zunächst vorläufig. Nach Angaben der Auffangstation müssen die Schildkröten sechs Monate lang für einen möglichen ursprünglichen Besitzer vorgehalten werden, bevor eine Vermittlung erfolgen kann. Während dieser Frist können die Tiere daher nicht regulär an neue Halter abgegeben werden. Die Auffangstation weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass die Schildkröten derzeit noch nicht zur Vermittlung stehen. Erst nach Ablauf der Frist kann über die weitere Unterbringung entschieden werden.
PETA setzt Belohnung aus und fordert Haltungsverbot
PETA richtet die Anzeige gegen bislang unbekannte Verantwortliche. Hinweise können nach Angaben der Organisation an die Polizei oder auch anonym an PETA übermittelt werden. Für Informationen, die zur Ergreifung der Verantwortlichen führen, hat die Organisation eine Belohnung von 500 Euro ausgelobt. Wer die 18 Schildkröten tatsächlich ausgesetzt hat, ist bislang ungeklärt. Entsprechend richtet sich das Verfahren derzeit nicht gegen eine konkret bekannte Person.
Lisa Redegeld, Fachreferentin bei PETA, bezeichnete das Aussetzen der Tiere als tierschutzwidrig. Nach Darstellung der Organisation können ausgesetzte Reptilien unter anderem wegen fehlender Nahrung und niedriger Temperaturen sterben. Dass die Schildkröten in diesem Fall gefunden und in eine Auffangstation gebracht wurden, ändert nichts daran, dass sie zuvor möglichen Gefahren ausgesetzt waren. Welche konkreten Auswirkungen das Aussetzen auf die einzelnen Tiere hatte, geht aus den vorliegenden Berichten allerdings nicht hervor. Entscheidend bleibt daher zunächst der dokumentierte Fund der Tiere in Bottrop-Grafenwald.
PETA verbindet den Fall zugleich mit einer weitergehenden politischen Forderung. Die Organisation fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, den Handel und die private Haltung von Wildtieren generell zu verbieten. Diese Forderung geht deutlich über die konkrete Anzeige wegen der ausgesetzten Schildkröten hinaus und zielt auf eine grundsätzliche Regulierung der privaten Reptilienhaltung. Der einzelne Fund belegt zunächst lediglich, dass 18 Schildkröten offenbar in einem Waldstück zurückgelassen wurden. Ob daraus ein generelles Verbot von Haltung und Handel mit Wildtieren abgeleitet werden sollte, ist hingegen eine politische Forderung PETAs und keine unmittelbare Schlussfolgerung aus dem konkreten Fall.
Auffangstation warnt vor vorschnellen Vermittlungsanfragen
Für Interessenten bedeutet der Fund zunächst, dass keines der 18 Tiere kurzfristig übernommen werden kann. Die Auffangstation bittet deshalb darum, von Anfragen nach einer sofortigen Vermittlung abzusehen. Zunächst läuft die sechsmonatige Frist, innerhalb derer sich ein möglicher Eigentümer melden könnte. Erst anschließend kann geprüft werden, welche Tiere vermittelt werden können und welche Haltungsbedingungen dafür erforderlich sind. Damit soll verhindert werden, dass die Schildkröten bereits weitergegeben werden, bevor die Eigentumsfrage abschließend geklärt ist.
Derzeit werden alle 18 Schildkröten in der Dorstener Auffangstation versorgt. Offen ist weiterhin, wem die Tiere ursprünglich gehörten und wer sie in Bottrop-Grafenwald ausgesetzt hat. Hinweise zum Geschehen können an die Polizei, den Ordnungsdienst der Stadt Bottrop oder direkt an PETA gegeben werden. Bis zur Klärung bleibt damit vor allem die Versorgung der Tiere Aufgabe der Auffangstation. Gleichzeitig muss abgewartet werden, ob sich weitere Erkenntnisse zu den Verantwortlichen ergeben.
Quellen
- dorstenerzeitung.de – Nach Fund von Schildkröten in Kirchhellen: PETA hat Anzeige erstattet – Tiere in Dorsten – https://www.dorstenerzeitung.de/dorsten/fund-griechische-landschildkroeten-kirchhellen-peta-anzeige-belohnung-dorsten-w1239967-4002194052
- www1.wdr.de – 18 Schildkröten in Bottrop ausgesetzt: Tiere sind jetzt in einer Auffangstation in Dorsten – https://www1.wdr.de/nrw/ruhrgebiet/kreis-recklinghausen/schildkroeten-ausgesetzt-auffangstation-100.html

Schreibe einen Kommentar