Nach den Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern hat PETA den Einsatz von Polizeipferden kritisiert und Anzeige beim Veterinäramt Mannheim erstattet. Nach Angaben der Tierrechtsorganisation waren vier Pferde im Einsatz und wurden während der Auseinandersetzungen mit Pyrotechnik attackiert beziehungsweise erheblichen Gefahren ausgesetzt. Bemerkenswert ist allerdings, gegen wen sich PETAs Vorstoß richtet: nicht nur gegen unbekannte Pyrotechnikwerfer, sondern auch gegen Polizeibeamte beziehungsweise Verantwortliche für den Einsatz der Pferde. Damit macht PETA aus einem Angriff auf Einsatzkräfte und Tiere zugleich eine grundsätzliche Debatte über die Nutzung von Polizeipferden.
Nach dem Abpfiff der Partie kam es Berichten zufolge zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Polizei ging gegen Randalierer vor und setzte dabei neben anderen Kräften auch eine Reiterstaffel ein. FOCUS berichtet, dass ein pyrotechnischer Brandsatz unmittelbar neben einem Pferd explodiert sein soll. Eine bestätigte veterinärmedizinische Diagnose oder Angaben über konkrete Verletzungen eines der eingesetzten Pferde nennen die vorliegenden Berichte allerdings nicht.
PETA nimmt Täter und Polizei gleichzeitig ins Visier
Nach Angaben von PETA richtet sich die Anzeige einerseits gegen unbekannte Personen, die Pyrotechnik geworfen haben sollen. Andererseits nimmt die Organisation die Reiter beziehungsweise die für den Einsatz verantwortlichen Polizeibeamten ins Visier. PETA argumentiert, die Tiere seien durch den Polizeieinsatz erheblichem Stress und einer vermeidbaren Gefahr ausgesetzt worden. Fachreferentin Yvonne Würz bezeichnete den Einsatz auf dem Spielfeld als sinnlos und forderte Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel auf, den Einsatz von Pferden im Polizeidienst zu beenden.
Genau an diesem Punkt wird die Argumentation interessant. Denn die unmittelbare Gefahr für die Pferde entstand nach den vorliegenden Berichten nicht dadurch, dass Polizeibeamte selbst Pyrotechnik einsetzten, sondern weil Personen im Umfeld der Ausschreitungen entsprechende Gegenstände warfen. PETA kritisiert damit einerseits diejenigen, die diese Gefahr verursachten, leitet daraus andererseits aber zugleich einen Vorwurf gegen diejenigen ab, die ihre Pferde in dem Einsatz führten. Ob daraus tatsächlich ein tierschutzrechtlicher Verstoß der Polizei folgt, ist damit keineswegs geklärt.
Natürlich darf auch ein Polizeieinsatz mit Tieren nicht von jeder Prüfung ausgenommen sein. Wer Pferde in einer angespannten Lage einsetzt, muss Risiken berücksichtigen und gegebenenfalls reagieren, wenn sich die Situation verändert. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jeder Einsatz eines Polizeipferdes bei einem Fußballspiel tierschutzwidrig wird, sobald einzelne Personen verbotene Pyrotechnik werfen. Genau diese Trennung zwischen dem Verhalten der Täter und der Verantwortung der Einsatzleitung sollte bei der Bewertung nicht verloren gehen.
Aus einem konkreten Vorfall wird eine Grundsatzforderung
PETA beschränkt seine Kritik nicht auf die Ereignisse in Mannheim. Die Organisation nutzt den Vorfall zugleich, um eine grundsätzliche Forderung gegen Polizeipferde bei Hochrisikospielen zu formulieren. Nach ihrer Argumentation seien Pyrotechnik, Gewalt und unkontrollierbare Menschenmengen bei solchen Veranstaltungen vorhersehbar und Pferde deshalb einem unnötigen Risiko ausgesetzt.
Damit verschiebt sich die Debatte allerdings erheblich. Aus der Frage, ob die Einsatzleitung in Mannheim in einer konkreten Situation richtig gehandelt hat, wird die wesentlich weitergehende Frage, ob Pferde überhaupt noch in entsprechenden Polizeieinsätzen eingesetzt werden sollten. Für diese generelle Forderung reicht der Hinweis auf eine Explosion neben einem Pferd allein nicht aus. Entscheidend wäre unter anderem, wie Polizeipferde ausgebildet werden, welche taktische Funktion sie erfüllen, welche Einsatzregeln gelten und unter welchen Bedingungen eine berittene Einheit tatsächlich zurückgezogen wird.
PETA verweist in diesem Zusammenhang auch auf Hamburg, wo die Reiterstaffel Ende 2027 aufgelöst werden soll. Als Argument gegen den Polizeipferdeeinsatz in Mannheim taugt dieses Beispiel allerdings nur bedingt. Nach den vorliegenden Angaben spielen bei der Entscheidung in Hamburg vor allem Kosten- und Personalfragen eine Rolle. Eine organisatorische oder finanzielle Entscheidung über eine Reiterstaffel ist keine Feststellung, dass der Einsatz von Polizeipferden gegen das Tierschutzrecht verstößt.
Wer trägt die Verantwortung für die Gefahr?
Der Mannheimer Fall wirft deshalb eine grundsätzliche Verantwortungsfrage auf. Wenn Personen bei Ausschreitungen Pyrotechnik in Richtung von Polizeikräften oder Tieren werfen, liegt die unmittelbare Verantwortung für diese Handlung zunächst bei denjenigen, die den Gegenstand werfen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich bei dem Ziel um einen Polizeibeamten, ein Fahrzeug oder ein Pferd handelt. Dass gleichzeitig geprüft werden kann, ob die Einsatzleitung angemessen auf eine eskalierende Gefahr reagiert hat, ändert daran nichts.
PETAs Argumentation läuft jedoch darauf hinaus, beide Ebenen miteinander zu verbinden. Weil bei einem Hochrisikospiel mit Ausschreitungen gerechnet werden könne, soll bereits die Entscheidung zum Einsatz der Pferde problematisch sein. Folgt man dieser Logik konsequent, könnte das Fehlverhalten gewalttätiger Personen zunehmend bestimmen, welche Einsatzmittel die Polizei überhaupt noch verwenden darf. Das ist eine weitreichende Konsequenz, die über die Frage des Tierschutzes hinausgeht.
Andererseits wäre es ebenso falsch, die Verantwortung der Polizei grundsätzlich auszublenden. Pferde sind Fluchttiere, und extreme Knallereignisse, Feuer, Rauch und aggressive Menschenmengen können erhebliche Belastungen darstellen. Entscheidend ist deshalb nicht die pauschale Behauptung, Polizeipferde hätten bei solchen Veranstaltungen nichts zu suchen, sondern die konkrete Frage, ob ihr Einsatz professionell geplant wurde und ob bei einer erkennbaren Eskalation rechtzeitig reagiert wurde.
PETA-Anzeige beweist noch keinen Tierschutzverstoß
Eine Anzeige beim Veterinäramt ist zunächst einmal genau das: eine Anzeige. Sie beweist weder, dass gegen das Tierschutzrecht verstoßen wurde, noch dass sich die von PETA vertretene Bewertung des Einsatzes bestätigt. Das zuständige Veterinäramt muss vielmehr prüfen, ob die konkreten Umstände des Einsatzes tatsächlich Anlass für weitere Maßnahmen geben.
Dabei dürfte unter anderem entscheidend sein, wo sich die Pferde zum Zeitpunkt der Eskalation befanden, wie lange sie der Situation ausgesetzt waren, welche Gefahr für die Tiere erkennbar war und welche Reaktionsmöglichkeiten den Einsatzkräften zur Verfügung standen. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob die Verantwortlichen ihre Pflichten verletzt haben. Eine entsprechende behördliche Entscheidung ist bislang nicht bekannt.
Gerade deshalb sollte zwischen dokumentierten Ereignissen und PETAs politischer Bewertung unterschieden werden. Dokumentiert beziehungsweise berichtet ist, dass es Ausschreitungen gab, Polizeipferde eingesetzt wurden und Pyrotechnik in unmittelbarer Nähe eines Pferdes detoniert sein soll. PETAs Schlussfolgerung daraus lautet, dass nicht nur die Pyrotechnikwerfer, sondern auch Verantwortliche des Polizeieinsatzes zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Ob das Veterinäramt dieser Interpretation folgt, ist eine völlig andere Frage.
Der Fall zeigt damit erneut ein bekanntes Muster: Ein konkreter Vorfall wird von PETA nicht nur aufgegriffen, sondern unmittelbar mit einer weitergehenden politischen Forderung verbunden. Über die Gefährdung der Pferde darf und sollte diskutiert werden. Dabei sollte jedoch nicht aus dem Blick geraten, wer die gefährliche Situation nach den bisherigen Berichten überhaupt ausgelöst hat. Wer Pyrotechnik in unmittelbarer Nähe von Polizeipferden zur Explosion bringt, kann schwerlich aus der Verantwortungsdebatte verschwinden, nur weil anschließend auch der Einsatz der Tiere grundsätzlich infrage gestellt wird.
Quellen
- focus.de – Pferde und Hunde auf dem Platz: Peta will Polizei anzeigen – FOCUS online – https://www.focus.de/sport/fussball/pferde-und-hunde-auf-dem-platz-peta-will-polizei-anzeigen_2064fb9d-b716-40bf-ac84-647ef977d792.html
- rnz.de – Skandal-Derby Waldhof-FCK: Peta erstattet Anzeige gegen Polizeipferde-Einsatz im Stadion – https://www.rnz.de/region/metropolregion-mannheim_artikel,-Skandal-Derby-Waldhof-FCK-Peta-erstattet-Anzeige-gegen-Polizeipferde-Einsatz-im-Stadion-_arid,2413225.html
- presseportal.peta.de – Horror-Einsatz von „Polizeipferden“ bei Ausschreitungen nach DFB-Pokalspiel in Mannheim: PETA erstattet Anzeige beim Veterinäramt – Presse Portal – https://presseportal.peta.de/horror-einsatz-von-polizeipferden-bei-ausschreitungen-nach-dfb-pokalspiel-in-mannheim-peta-erstattet-anzeige-beim-veterinaeramt
- mrn-news.de – Mannheim – Einsatz von „Polizeipferden“ bei Ausschreitungen nach DFB-Pokalspiel: PETA erstattet Anzeige – https://www.mrn-news.de/2026/08/24/mannheim-einsatz-von-polizeipferden-bei-ausschreitungen-nach-dfb-pokalspiel-peta-erstattet-anzeige-650857
- faz.net – PETA erstattet Anzeige nach Polizeipferde-Einsatz im DFB-Pokalspiel in Mannheim | FAZ – https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/peta-erstattet-anzeige-nach-polizeipferde-einsatz-im-dfb-pokalspiel-in-mannheim-201155561.html
