In Deutsch Kaltenbrunn im burgenländischen Bezirk Jennersdorf haben Behörden insgesamt elf Pferde und fünf Schafe aus einer Tierhaltung genommen. Vorausgegangen war eine Anzeige wegen mutmaßlich unzumutbarer Haltungsbedingungen auf dem Anwesen eines pensionierten Tierhalters. Bei einer Kontrolle am 13. August 2026 fanden die Behörden nach einem Bericht der „Kronen Zeitung“ unter anderem stark verschmutzte Tränken sowie Mist, Brennholz und weiteren Unrat auf einem Grundstück vor, das als Weide für die Tiere dienen sollte.
Besonders schwer wiegen die Angaben zum Zustand einzelner Tiere. Mehrere Pferde sollen deutlich abgemagert gewesen sein, während bei den Schafen unter anderem verfilztes Fell und wunde Klauen festgestellt worden sein sollen. Die Behörden entschieden schließlich, sämtliche 16 Tiere aus der Haltung zu nehmen.
Tiere offenbar hinter dem Wohnhaus untergebracht
Bei der Kontrolle waren zunächst nicht alle Pferde auf dem weitläufigen Grundstück zu sehen. Nach Angaben der „Kronen Zeitung“ hatte der Halter sechs Pferde und fünf Schafe in einem kleinen Stall hinter dem Wohnhaus untergebracht. Die Polizei entdeckte die Tiere dort dennoch.
Der Zustand einiger Tiere soll erheblichen Anlass zur Beanstandung gegeben haben. Mehrere Pferde wurden im Bericht als stark beziehungsweise extrem abgemagert und ausgezehrt beschrieben. Auch bei den fünf Schafen wurden deutliche Auffälligkeiten genannt. Sie sollen verfilzt gewesen sein, wunde Klauen aufgewiesen haben und teilweise kaum noch sicher stehen oder gehen können.
Damit geht es in diesem Fall nicht um kleinere formale Beanstandungen oder unterschiedliche Auffassungen darüber, wie eine Weide auszusehen hat. Sollten sich die von den Behörden festgestellten Zustände in diesem Umfang bestätigen, handelt es sich um konkrete Probleme, die unmittelbar das Wohlergehen der Tiere betreffen.
Halter widerspricht der Einschätzung der Kontrolleure
Der Tierhalter selbst stellte die Versorgung seiner Tiere gegenüber den Kontrolleuren anders dar. Nach dem Medienbericht erklärte er, die Pferde täglich mit frischem Wasser zu versorgen und ihnen jeweils zwischen 18 und 20 Uhr Auslauf zu ermöglichen.
Die Kontrolleure kamen jedoch offenbar zu einer deutlich anderen Bewertung. Als Tränken dienten demnach alte Badewannen, von denen zum Zeitpunkt der Kontrolle lediglich eine teilweise mit Wasser gefüllt gewesen sein soll. Dieses Wasser wurde als stark verschmutzt beschrieben. Auch der Zustand des Grundstücks entsprach nach Auffassung der Behörden offenbar nicht dem, was für eine geeignete Weidefläche erwartet werden kann.
Genau an dieser Stelle ist eine sachliche Trennung wichtig: Die Angaben des Halters sind zunächst seine Darstellung der Tierhaltung. Dem gegenüber stehen die bei der Kontrolle dokumentierten beziehungsweise im Medienbericht wiedergegebenen Feststellungen der Behörden. Über mögliche weitere rechtliche Konsequenzen entscheiden nicht Schlagzeilen oder soziale Netzwerke, sondern die zuständigen Stellen auf Grundlage der erhobenen Befunde.
Elf Pferde und fünf Schafe aus der Haltung genommen
Betroffen waren insgesamt elf Pferde, darunter zwei Haflinger, mehrere Ponys und ein männliches Fohlen, sowie fünf Schafe. Bei den Pferden sollen unterschiedliche Grade körperlicher Auszehrung festgestellt worden sein. Die Schafe wurden als ängstlich und teilweise deutlich in ihrer Bewegungsfähigkeit beeinträchtigt beschrieben.
Ein ausführlicher tierärztlicher Befund zu jedem einzelnen Tier wurde in dem bislang veröffentlichten Bericht allerdings nicht genannt. Damit lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen, welche konkreten Diagnosen gestellt wurden, wie lange einzelne gesundheitliche Probleme bereits bestanden oder welche Behandlung nun erforderlich ist.
Gerade bei solchen Fällen sollte zwischen sichtbaren beziehungsweise behördlich dokumentierten Auffälligkeiten und einer veterinärmedizinischen Diagnose unterschieden werden. Dass Tiere abgemagert oder in schlechtem Pflegezustand erscheinen, ist ein wichtiger Befund. Die genaue gesundheitliche Bewertung bleibt dennoch Aufgabe von Tierärzten.
Fast alle Equidenpässe sollen gefehlt haben
Neben den Haltungsbedingungen beanstandeten die Behörden offenbar auch die Dokumentation der Pferde. Nach Angaben der „Kronen Zeitung“ fehlten bei nahezu allen Tieren die vorgeschriebenen Equidenpässe.
Ein Equidenpass dient der eindeutigen Identifikation von Pferden, Ponys und anderen Equiden und begleitet das jeweilige Tier grundsätzlich während seines Lebens. Darin werden unter anderem Identitätsmerkmale und weitere für Haltung, Verbringung und tiermedizinische Behandlung relevante Angaben dokumentiert.
Fehlende Dokumente sind daher nicht lediglich eine nebensächliche Formalität. Sie können einen eigenständigen verwaltungsrechtlichen Verstoß darstellen. Gleichzeitig muss auch hier zwischen solchen Dokumentationsmängeln und den eigentlichen Vorwürfen hinsichtlich der Versorgung und des Gesundheitszustands der Tiere unterschieden werden.
Tierschutz muss sich an konkreten Zuständen messen lassen
Der Fall aus Deutsch Kaltenbrunn zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen ideologisch geführten Tierschutzdebatten und praktischer Tierschutzarbeit. Hier geht es nicht um abstrakte Forderungen nach immer neuen Verboten oder darum, Tierhaltung grundsätzlich infrage zu stellen. Entscheidend ist vielmehr die konkrete Frage, ob Tiere ausreichend versorgt, gepflegt und bei gesundheitlichen Problemen behandelt werden.
Genau für solche Situationen existieren behördliche Kontrollen und tierschutzrechtliche Eingriffsmöglichkeiten. Wenn Tiere tatsächlich nicht ausreichend mit sauberem Wasser versorgt werden, erheblich abmagern oder aufgrund mangelnder Pflege gesundheitliche Probleme entwickeln, muss eine Behörde handeln können. Das ist praktischer Tierschutz und keine Symbolpolitik.
Gleichzeitig bedeutet die Herausnahme der Tiere aus einer Haltung nicht automatisch, dass sämtliche rechtlichen Vorwürfe gegen den bisherigen Halter bereits abschließend bewiesen sind. Welche Verstöße tatsächlich festgestellt werden, welche Verantwortung den Halter trifft und ob weitere Verwaltungs- oder Strafverfahren folgen, müssen die zuständigen Behörden klären.
Wie es mit den Tieren weitergeht, ist noch offen
Mit der behördlichen Wegnahme ist zunächst sichergestellt, dass die Tiere anderweitig untergebracht und bei Bedarf veterinärmedizinisch versorgt werden können. Welche dauerhafte Lösung für die elf Pferde und fünf Schafe gefunden wird, wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.
Ebenso ist derzeit nicht dokumentiert, ob gegen den Tierhalter zusätzlich ein Strafverfahren eingeleitet wurde, welche verwaltungsrechtlichen Maßnahmen folgen oder ob ihm Kosten für Unterbringung und Versorgung der Tiere auferlegt werden. Auch über eine mögliche spätere Rückgabe oder endgültige anderweitige Unterbringung liegen bislang keine belastbaren Informationen vor.
Fest steht nach den bisher veröffentlichten Angaben lediglich: Die zuständigen Behörden sahen die Situation als so problematisch an, dass alle 16 Tiere aus der Haltung genommen wurden. Die weitere Aufarbeitung sollte nun auf dokumentierten Befunden und tierärztlichen Feststellungen beruhen – nicht auf vorschnellen Verurteilungen, aber ebenso wenig auf einer Verharmlosung möglicherweise erheblicher Haltungsdefizite.
Quellen
- krone.at – Vor Visite versteckt – Abgemagerte Schafe und Pferde nach Razzia gerettet | krone.at – https://www.krone.at/4256043
- tierimrecht.org – In welchen Fällen werden Tiere beschlagnahmt und was geschieht danach mit ihnen? – https://www.tierimrecht.org/de/recht/rechtsauskunfte/tierqualerei/in-welchen-fllen-werden-tiere-beschlagnahmt-und-was-geschieht-danach-mit-ihnen
- GERATI – Tiger-Beschlagnahmung bei Carmen Zander: Ging es wirklich um Tierschutz oder lediglich um den Zollstock? – https://gerati.de/2026/07/03/tiger-beschlagnahmung-carmen-zander-vqho/
