Island hat 21 Besatzungsmitglieder des Aktivistenschiffs „Bandero“ ausgewiesen und mit Wiedereinreiseverboten belegt. Die Crew steht nach einer Aktion gegen das Walfangschiff „Hvalur 9“ im Mittelpunkt eines Konflikts zwischen der isländischen Polizei und der Captain Paul Watson Foundation. Polizeisprecher Gunnar Runar Sveinbjornsson bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, dass allen Betroffenen die Ausweisungsbeschlüsse zugestellt worden seien. Die Aktivisten wurden zuvor in Reykjavik festgehalten, ihr Schiff wurde von den Behörden beschlagnahmt.
Aktion gegen die „Hvalur 9“ scheiterte
Nach den bislang veröffentlichten Angaben verfolgte die „Bandero“ die „Hvalur 9“, eines der letzten in Island eingesetzten Walfangschiffe. Die Aktivisten sollen zunächst versucht haben, das Schiff zu rammen, diesen Plan jedoch nicht umgesetzt haben. Stattdessen setzten sie ein Schlauchboot aus und brachten ein Netz aus, das die Propeller der „Hvalur 9“ beeinträchtigen sollte. Der Versuch blieb erfolglos; ein Erreichen oder Beschädigen des Walfangschiffs wird nicht berichtet.
Die isländische Polizei wirft der Besatzung mutmaßliche Verstöße gegen das internationale Seerecht und eine Gefährdung der Sicherheit auf See vor. Dabei handelt es sich um behördliche Vorwürfe, nicht um eine rechtskräftige gerichtliche Feststellung. Die Mobiltelefone der Crew wurden nach den vorliegenden Berichten beschlagnahmt, während die „Bandero“ zunächst immobilisiert blieb. Die Stiftung bestreitet den rechtlichen Ansatz der Behörden und erklärt, das Schiff habe sich beim Einschreiten in internationalen Gewässern befunden.
Einreiseverbote treffen internationale Crew
An Bord befanden sich nach Angaben der Captain Paul Watson Foundation Aktivisten aus den Vereinigten Staaten, Brasilien, Frankreich und Spanien. Die Ausweisung betrifft damit eine international zusammengesetzte Crew, die gezielt gegen den isländischen Walfang vorgehen wollte. Für Bürger aus dem Schengen-Raum gilt das Einreiseverbot nach den Berichten nur für Island; andere Betroffene sollen mit weiterreichenden Beschränkungen im Schengen-Raum belegt worden sein.
Paul Watson selbst war nicht an Bord der „Bandero“. Die Stiftung führt ihre Kampagne gegen den kommerziellen Walfang jedoch in seinem Namen fort. Der aktuelle Fall unterscheidet sich von einer bloßen Protestkundgebung, weil die Aktion unmittelbar in den Betrieb eines Walfangschiffs eingreifen sollte und deshalb Fragen der maritimen Sicherheit und der Zuständigkeit auf See berührt.
Walfang bleibt politisch umstritten
Island gehört neben Norwegen und Japan zu den wenigen Staaten, die den kommerziellen Walfang weiterhin erlauben. Das Unternehmen Hvalur nahm die Jagd nach einer mehrjährigen Unterbrechung wieder auf; die geltenden Quoten sehen nach den Berichten den Fang von bis zu 150 Finnwalen und 168 Zwergwalen vor. Die Wiederaufnahme hat die Auseinandersetzung mit internationalen Tierschutz- und Umweltorganisationen erneut verschärft.
Gleichzeitig steht die isländische Walfangpolitik innenpolitisch zur Debatte. Die Regierung plant für den Herbst einen Gesetzentwurf, der eine mögliche Abschaffung des kommerziellen Walfangs zum Gegenstand haben soll. Ob daraus ein verbindliches Verbot entsteht, ist offen. Die Ausweisung der 21 Aktivisten beendet deshalb zwar den unmittelbaren Konflikt um die „Bandero“, nicht aber die politische Auseinandersetzung über die Zukunft der Walfanglizenz in Island.
Quellen
- noticiasambientales.com – Operation in Reykjavik: Island verbannt 21 Aktivisten der Bandero während der Debatte … – https://noticiasambientales.com/tiere/operation-in-reykjavik-island-verbannt-21-aktivisten-der-bandero-wahrend-der-debatte-uber-den-walfang
- merkur.de – Walfang-Eklat: Island wirft 21 Aktivisten raus und erteilt ihnen lebenslanges Einreiseverbot – https://www.merkur.de/welt/paul-watson-island-walfang-einreiseverbot-wale-protest-aktivisten-zr-94430949.html
- de.euronews.com – Island weist 21 Walfang-Gegner aus und verhängt Einreiseverbote | Euronews – https://de.euronews.com/my-europe/2026/08/05/island-weist-21-walfang-gegner-aus-und-verhangt-einreiseverbote
- berliner-zeitung.de – Island weist 21 Walschützer aus – sie wollten Walfangschiff rammen – https://www.berliner-zeitung.de/article/versuchte-walfang-sabotage-island-weist-21-aktivisten-aus-10268767
