Lebenshof De Hun’nenhoff: Rollihunde, aufwendige Versorgung und die dauerhafte Abhängigkeit von Spenden

De Hun’nenhoff in Schneverdingen: Ein Lebenshof mit besonderem Schwerpunkt

Der Lebenshof De Hun’nenhoff in Schneverdingen betreut seit rund zwei Jahrzehnten alte, kranke, vernachlässigte und körperlich eingeschränkte Tiere. Nach Angaben der Stiftung leben derzeit etwa 152 Tiere auf dem rund 50.000 Quadratmeter großen Gelände, darunter ungefähr 30 sogenannte Rollihunde. Dabei handelt es sich überwiegend um Hunde, die infolge von Lähmungen oder schweren Bewegungseinschränkungen dauerhaft oder zeitweise auf einen speziell angepassten Rollwagen angewiesen sind. Gegründet wurde der Hof im Jahr 2006 von der Tierärztin Dr. Usha Peters, die 2018 zusätzlich die Stiftung De Hun’nenhoff ins Leben rief. Für ihr langjähriges Engagement wurde sie nach Angaben der Stiftung im Jahr 2026 für die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen.

Die Einrichtung versteht sich nicht ausschließlich als klassischer Gnaden- oder Lebenshof. Zum Angebot gehören außerdem die spezialisierte Hundepension „Rolliday Inn“, eine Praxis für Tierphysiotherapie und Rehabilitation sowie die Anfertigung individuell angepasster Rollwagen. Mehr als 20 fest angestellte Mitarbeiter und rund 40 ehrenamtliche Helfer sollen nach Angaben des Hofes an der täglichen Versorgung beteiligt sein. Finanziert wird die Arbeit über Einnahmen aus den angebotenen Dienstleistungen, Patenschaften, Spenden, Verkäufe und Aktionen des angeschlossenen Fördervereins. Staatliche Fördermittel nimmt der Hof nach eigener Darstellung nicht in Anspruch, wodurch ein erheblicher Teil des Betriebs von freiwilliger finanzieller Unterstützung abhängig bleibt.

Pflege und Therapie: Der aufwendige Alltag der Rollihunde

Die Versorgung querschnittsgelähmter oder stark bewegungseingeschränkter Hunde ist deutlich aufwendiger als die Betreuung gesunder Tiere. Der Hun’nenhoff beschreibt einen strukturierten Schichtbetrieb mit festen Zuständigkeiten, dokumentierten Pflegeabläufen und regelmäßigen Besprechungen innerhalb des Teams. Zu den täglichen Aufgaben gehören unter anderem die manuelle Entleerung der Blase, die Versorgung von Druckstellen und Wunden, Verbandswechsel sowie die Reinigung und Anpassung der verwendeten Rollwagen. Hinzu kommen physiotherapeutische Anwendungen, etwa Übungen auf dem Unterwasserlaufband, Massagen sowie Laser- oder Elektrotherapie. Diese Leistungen sollen dazu beitragen, die Beweglichkeit der Tiere möglichst lange zu erhalten, Schmerzen zu lindern und Folgeerkrankungen durch dauerhafte Immobilität zu vermeiden.

Ehrenamtliche Helfer übernehmen unter anderem Spaziergänge und Beschäftigungsangebote, während Fachkräfte für medizinische Pflege und Therapie zuständig sind. Der Hof berät außerdem Halter, die erstmals mit einer Lähmung oder schweren Behinderung ihres Hundes konfrontiert werden. Gebrauchte Rollwagen werden nach Angaben der Einrichtung teilweise kostengünstig weitergegeben oder individuell umgebaut. Die Verbindung aus stationärer Aufnahme, ambulanter Behandlung, Hilfsmittelversorgung und Beratung soll verhindern, dass Tiere allein wegen der Überforderung ihrer Besitzer eingeschläfert werden. Allerdings hängt auch dieses Unterstützungsangebot davon ab, ob ausreichend Personal, Geld und freie Kapazitäten zur Verfügung stehen.

Unterschiedliche Angaben zur Zahl der Rollihunde

Bei den öffentlich genannten Tierzahlen ist eine gewisse Vorsicht erforderlich. Während aktuelle Darstellungen des Hofes von rund 30 Rollihunden sprechen, nannte ein Beitrag von RiffReporter aus dem Jahr 2024 insgesamt 26 Rollihunde bei damals 97 auf dem Hof lebenden Hunden. Andere hofnahe Veröffentlichungen sprechen zeitweise sogar von ungefähr 40 Tieren, die auf einen Rollwagen angewiesen seien. Solche Abweichungen müssen nicht zwangsläufig auf fehlerhaften Angaben beruhen, da sich der Tierbestand eines Lebenshofes durch Neuaufnahmen, Vermittlungen und Todesfälle regelmäßig verändert. Für Leser wäre dennoch eine einheitliche und regelmäßig aktualisierte Veröffentlichung der Tierzahlen hilfreich, insbesondere wenn diese Angaben zur Begründung von Spendenaufrufen verwendet werden.

Auch der Begriff „Rollihund“ ist nicht immer eindeutig definiert. Manche Tiere benötigen den Rollwagen dauerhaft, andere nur während längerer Spaziergänge oder im Rahmen der Rehabilitation. Deshalb lassen sich Zahlen aus unterschiedlichen Berichten nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Entscheidend wäre eine transparente Aufschlüsselung, wie viele Tiere dauerhaft gelähmt sind, wie viele sich in therapeutischer Behandlung befinden und wie viele lediglich zeitweise ein Hilfsmittel nutzen. Eine solche Differenzierung findet sich in den bisher geprüften Veröffentlichungen nur teilweise.

Finanzierung: Hohe laufende Kosten und geringe Planungssicherheit

Der Betrieb einer Einrichtung mit mehr als 150 Tieren verursacht dauerhaft hohe Kosten. Neben Gehältern, Energie, Instandhaltung und tierärztlicher Versorgung werden große Mengen an Spezialfutter, Medikamenten, Verbandsmaterialien, Inkontinenzunterlagen und Pflegeprodukten benötigt. Der Hun’nenhoff verweist deshalb regelmäßig auf Patenschaften, direkte Spenden und öffentlich einsehbare Wunschlisten. Zusätzliche Einnahmen entstehen durch die Hundepension, physiotherapeutische Behandlungen, den Verkauf von Waren und die Anfertigung oder Vermittlung von Rollwagen. Veranstaltungen und Aktionen des Fördervereins sollen ebenfalls dazu beitragen, laufende Ausgaben zu decken.

Diese Mischfinanzierung ermöglicht zwar eine gewisse wirtschaftliche Eigenständigkeit, beseitigt die strukturelle Abhängigkeit von Spenden jedoch nicht. Gerade die laufenden Personalkosten lassen sich nicht zuverlässig über einzelne Sachspenden oder kurzfristige Spendenaktionen absichern. Wenn Einnahmen schwanken, kann dies unmittelbar beeinflussen, wie viele Tiere aufgenommen und wie viele Pflegekräfte beschäftigt werden können. Der Hof berichtet selbst davon, dass Aufnahmeanfragen wegen fehlender Kapazitäten abgelehnt werden müssen. Die Bezeichnung „Lebenshof“ darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch eine etablierte Einrichtung permanent wirtschaftliche Entscheidungen treffen und Hilfesuchenden Grenzen setzen muss.

Belastung für Mitarbeiter und Ehrenamtliche

Die Arbeit mit schwer kranken, alten oder gelähmten Tieren ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional anspruchsvoll. Mitarbeiter müssen regelmäßig beurteilen, ob Therapien noch zu einer tatsächlichen Verbesserung der Lebensqualität führen oder lediglich den Sterbeprozess verlängern. Gleichzeitig werden sie mit Besitzern konfrontiert, die ihr Tier abgeben möchten, weil sie sich die Pflege zeitlich, finanziell oder emotional nicht mehr zutrauen. Solche Entscheidungen lassen sich nicht allein durch Mitgefühl lösen, sondern erfordern medizinische Erfahrung, belastbare Abläufe und klare Kapazitätsgrenzen. Eine dauerhaft angespannte Personalsituation kann diese Entscheidungen zusätzlich erschweren.

Ehrenamtliche Unterstützung ist für viele Lebenshöfe unverzichtbar, ersetzt jedoch keine qualifizierten Pflegekräfte. Tätigkeiten wie Blasenentleerung, Wundversorgung oder therapeutische Maßnahmen dürfen nicht davon abhängen, ob an einem bestimmten Tag genügend freiwillige Helfer erscheinen. Dass der Hun’nenhoff nach eigenen Angaben mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigt, spricht für eine vergleichsweise professionelle Organisationsstruktur. Gleichzeitig zeigt die große Zahl betreuungsintensiver Tiere, dass der Personalbedarf dauerhaft hoch bleibt. Je stärker der Betrieb von Spenden abhängig ist, desto größer ist damit auch das Risiko, dass wirtschaftliche Engpässe langfristig auf Kosten der Beschäftigten oder der Aufnahmefähigkeit gehen.

Dr. Usha Peters: Anerkennung für langjähriges Engagement

Die Entwicklung des Hofes ist eng mit der Gründerin Dr. Usha Peters verbunden. Ihre Arbeit wird in regionalen Medien, Tierporträts und Selbstdarstellungen der Stiftung ausführlich gewürdigt. Die angekündigte Auszeichnung mit dem Verdienstkreuz am Bande unterstreicht, dass ihr Engagement auch außerhalb der unmittelbaren Tierschutzszene wahrgenommen wird. Über viele Jahre hinweg hat sie eine Einrichtung aufgebaut, die sich auf eine Tiergruppe spezialisiert hat, für die es in Deutschland nur wenige vergleichbare Angebote gibt. Gerade für Halter querschnittsgelähmter Hunde kann die Kombination aus Beratung, Therapie, Pension und Rollwagenversorgung eine wichtige praktische Hilfe darstellen.

Öffentliche Anerkennung ersetzt allerdings keine unabhängige fachliche Kontrolle. In den geprüften Quellen finden sich keine veröffentlichten veterinärmedizinischen Gutachten, detaillierten behördlichen Prüfberichte oder öffentlich zugänglichen Qualitätsbewertungen, mit denen sich die Versorgung auf dem Hof unabhängig beurteilen ließe. Das bedeutet nicht, dass Mängel vorliegen, sondern lediglich, dass die meisten verfügbaren Angaben vom Hof selbst oder aus wohlwollenden Medienporträts stammen. Für eine belastbare Bewertung wären Informationen über behördliche Kontrollen, tierärztliche Standards, Sterbefälle, Behandlungsentscheidungen und die fachliche Dokumentation der Pflege relevant. Gerade bei Einrichtungen, die dauerhaft schwerstbehinderte Tiere betreuen, sollte Transparenz nicht erst dann hergestellt werden, wenn öffentlich Kritik entsteht.

GERATI-Einordnung: Fachliches Angebot mit strukturellen Grenzen

De Hun’nenhoff ist nach den verfügbaren Informationen weit mehr als eine reine Auffangstation. Der Hof verbindet dauerhafte Unterbringung mit Rehabilitation, Physiotherapie, Beratung, Hilfsmittelversorgung und einer spezialisierten Pension für körperlich eingeschränkte Hunde. Dieses Angebot kann Tierhaltern helfen, die nach einer Lähmung ihres Hundes zunächst nicht wissen, wie sie Pflege, Mobilität und medizinische Versorgung organisieren sollen. Gleichzeitig darf nicht der Eindruck entstehen, der Hof könne jedes Tier aufnehmen oder jede schwierige Situation dauerhaft auffangen. Freie Plätze, qualifiziertes Personal und finanzielle Mittel sind begrenzt.

Die Spendenabhängigkeit ist dabei kein nebensächliches Detail, sondern ein zentraler Bestandteil des gesamten Betriebsmodells. Je größer der Tierbestand und je aufwendiger die Pflege, desto höher sind die dauerhaft zu finanzierenden Fixkosten. Wunschlisten und Einzelspenden können kurzfristig Materialien beschaffen, schaffen aber keine langfristige Sicherheit für Personal, Tierarztkosten und Gebäudebetrieb. Der Hof muss deshalb wirtschaftliche Leistungen anbieten, Spender dauerhaft ansprechen und gleichzeitig einen erheblichen Verwaltungsaufwand bewältigen. Diese Realität betrifft nicht nur De Hun’nenhoff, sondern zeigt ein grundsätzliches Problem vieler privat finanzierter Lebenshöfe.

Fazit

Der Lebenshof De Hun’nenhoff bietet nach eigenen Angaben ein umfangreiches Versorgungs- und Therapieangebot für alte, kranke und mobilitätseingeschränkte Tiere. Besonders die Spezialisierung auf querschnittsgelähmte Hunde, die Herstellung individueller Rollwagen und die physiotherapeutische Betreuung unterscheiden die Einrichtung von vielen klassischen Tierheimen. Das rund 50.000 Quadratmeter große Gelände, mehr als 20 Beschäftigte und etwa 40 Ehrenamtliche verdeutlichen, welchen organisatorischen Aufwand die Versorgung von mehr als 150 Tieren erfordert. Gleichzeitig basiert ein wesentlicher Teil dieses Systems auf Patenschaften, Spenden, Wunschlisten und Einnahmen aus eigenen Dienstleistungen.

Damit bleibt der Hof trotz seiner Größe und öffentlichen Anerkennung finanziell verletzlich. Schwankende Einnahmen können die Aufnahmefähigkeit einschränken und erhöhen den Druck auf Mitarbeiter und Verantwortliche. Die bislang verfügbaren Quellen zeichnen überwiegend ein positives Bild, liefern jedoch nur begrenzte unabhängige Informationen über behördliche Prüfungen und veterinärmedizinische Qualitätsstandards. Für eine abschließende Bewertung wären veröffentlichte Kontrollberichte oder andere externe Nachweise hilfreich. Bis dahin lässt sich festhalten: De Hun’nenhoff leistet eine anspruchsvolle und spezialisierte Arbeit, deren langfristige Stabilität jedoch wesentlich von der anhaltenden Unterstützung durch Spender, Kunden und ehrenamtliche Helfer abhängt.

Quellen:

– Ein erfülltes Leben mit Handicap: Die Rollihunde vom Hun’nenhoff – Uelzener Nachrichten – https://www.uelzener-nachrichten.com/tierwelten/10263-ein-erfuelltes-leben-mit-handicap-die-rollihunde-vom-hunnenhoff – Recherchierte Quelle – https://de-hunnenhoff.de/ – Stiftung De Hun’nenhoff. – Tierschutzhof für Rollis, gehandicapte Tiere und Hundephysiotherapie, Schneverdingen (De-hunnenhoff) – https://de-hunnenhoff.de/ – Pflegeheim für Rollstuhl-Hunde: Der „Hun’nenhoff“ macht’s möglich (RiffReporter) – https://www.riffreporter.de/de/wissen/hunnenhoff-rollstuhl-hunde-gnadenhof-usha-peters-tierpension-rolliday-inn-tierschutz – Die Menschen – Stiftung De Hun’nenhoff. (De-hunnenhoff) – https://de-hunnenhoff.de/ueber-uns – Der Tierschutzhof für Rolli-Hunde (De-hunnenhoff) – https://de-hunnenhoff.website/ – De Hun´nenhoff | Der Hof & die tägliche Arbeit (Dein Fellnasen Shop) – https://deinfellnasenshop.de/pages/de-hunnenhoff-der-hof-die-taegliche-arbeit – GERATI: Katzenschutz Kampagne oder Showeffekt auf Rädern? – https://gerati.de/2025/10/30/katzenschutz-showeffekt-auf-raedern-waci/

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