Tierärztin im Kölner Zoo: So versorgt Sandra Marcordes 11.000 Tiere aus 800 Arten

Vom wenige Gramm schweren Gecko bis zum rund 4,5 Tonnen schweren Elefantenbullen: Die medizinische Versorgung in einem modernen Zoo verlangt weit mehr als klassische Kleintiermedizin. Seit zehn Jahren leitet Dr. Sandra Marcordes die Tierarztabteilung des Kölner Zoos und trägt damit Verantwortung für rund 11.000 bis 12.000 Tiere aus etwa 800 Arten.

Ein aktuelles Porträt gibt Einblick in einen Arbeitsalltag, der Routineuntersuchungen, komplexe Narkosen, wissenschaftlichen Datenaustausch und internationale Artenschutzprojekte miteinander verbindet. Es zeigt zugleich, wie spezialisiert die tiermedizinische Arbeit in zoologischen Einrichtungen inzwischen geworden ist.

Zwischen Gecko, Menschenaffe und Elefant

Die Bandbreite der Behandlungen ist ungewöhnlich groß. Marcordes und ihr Team versorgen beschlagnahmte Vögel, behandeln Häutungsstörungen bei Schlangen, kümmern sich um Verletzungen an Schildkrötenpanzern und begleiten medizinische Eingriffe bei Menschenaffen und Großsäugern.

Auch Elefanten wie der rund 4.500 Kilogramm schwere Bulle Tarak gehören zu ihren Patienten. Regelmäßiges Target-Training ermöglicht es den Pflegern und Tierärzten, Untersuchungen möglichst stressarm durchzuführen. Tiere lernen dabei, bestimmte Körperteile gezielt zu zeigen oder ruhig in einer festgelegten Position zu bleiben.

Solche Trainings ersetzen keine medizinischen Eingriffe, erleichtern aber Blutentnahmen, Temperaturmessungen, Fußkontrollen und andere Untersuchungen erheblich. Gerade bei großen oder potenziell gefährlichen Tieren kann diese Form der Zusammenarbeit das Narkoserisiko reduzieren.

Tiermedizin, die nicht am Zooeingang endet

Die Arbeit der Kölner Tierärzte beschränkt sich nicht auf die Behandlung einzelner Tiere. Klinische Befunde, Blutwerte, Hormonprofile und Informationen zur Fortpflanzung werden in internationalen Datenbanken erfasst und mit anderen zoologischen Einrichtungen ausgetauscht.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Zoological Information Management System, kurz ZIMS. Das von Species360 betriebene System wird von Tiergärten weltweit genutzt, um Bestandsdaten, veterinärmedizinische Erkenntnisse und genetische Informationen zu dokumentieren.

Dadurch können Erfahrungen aus Köln auch anderen Einrichtungen helfen. Erkenntnisse über Erkrankungen, Medikamentendosierungen oder Narkoseverfahren bleiben nicht auf einen einzelnen Zoo beschränkt, sondern fließen in die Behandlung und Haltung vergleichbarer Tierarten ein.

Gerade bei seltenen oder bedrohten Arten ist dieser Austausch von Bedeutung. Häufig gibt es nur wenige Tiere einer Art in menschlicher Obhut, sodass jede medizinische Erfahrung helfen kann, künftige Behandlungen sicherer zu machen.

Zusammenarbeit mit Spezialisten

Trotz ihrer langjährigen Erfahrung kann eine Zootierärztin nicht jede medizinische Fachrichtung allein abdecken. Bei besonders komplexen Fällen zieht das Team daher externe Spezialisten hinzu.

Das kann etwa bei Augenoperationen, Zahnbehandlungen, bildgebender Diagnostik oder Eingriffen notwendig sein, bei denen Erfahrungen aus der Humanmedizin oder spezialisierten Tierkliniken hilfreich sind. Die moderne Zootiermedizin arbeitet deshalb zunehmend interdisziplinär.

Marcordes wird unter anderem von ihrer Kollegin Elisabeth Hembach unterstützt. Gemeinsam betreut das Team eine Tierpopulation, deren medizinische Anforderungen kaum unterschiedlicher sein könnten.

Die Herausforderung besteht nicht nur in den verschiedenen Körpergrößen. Stoffwechsel, Medikamentenverträglichkeit, Anatomie und Verhalten unterscheiden sich von Art zu Art erheblich. Ein Medikament, das bei einem Säugetier routinemäßig eingesetzt wird, kann bei einem Reptil wirkungslos oder sogar gefährlich sein.

Forschung und Artenschutz als Teil des Berufs

Marcordes beteiligt sich nach Medienberichten an Forschungsprojekten und am fachlichen Austausch mit anderen Zoos. Zudem wirkt sie an einem Standardwerk zur Behandlung von Wild- und Zootieren mit.

Diese Arbeit ist für zoologische Einrichtungen von praktischer Bedeutung. Medizinisches Wissen über seltene Tierarten stammt häufig aus Zoos, weil viele dieser Arten in freier Wildbahn kaum untersucht werden können. Blutwerte, Krankheitsverläufe und Behandlungserfahrungen lassen sich bei wild lebenden Tieren meist nur eingeschränkt erfassen.

Zoos schaffen deshalb eine medizinische Wissensbasis, die auch für Erhaltungszuchtprogramme und teilweise für den Schutz von Wildpopulationen genutzt werden kann. Nicht jede Untersuchung führt unmittelbar zu einer Auswilderung oder zu einem sichtbaren Artenschutzprojekt. Dennoch ist verlässliches veterinärmedizinisches Wissen eine Voraussetzung dafür, bedrohte Arten langfristig erhalten zu können.

Das aktuelle Porträt nennt allerdings nur wenige konkrete Forschungsprojekte. Die grundsätzliche internationale Vernetzung der Kölner Tiermedizin wird deutlich, einzelne wissenschaftliche Ergebnisse werden jedoch nicht ausführlich dargestellt.

Keine Hinweise auf persönliche Vorwürfe

Kritische Diskussionen über Zoos betreffen regelmäßig Haltungsbedingungen, Zuchtentscheidungen oder das Einschläfern schwer erkrankter Tiere. Auch der Kölner Zoo war in der Vergangenheit Gegenstand öffentlicher Debatten und Anzeigen.

In den ausgewerteten Berichten finden sich jedoch keine belastbaren Hinweise auf persönliche Vorwürfe gegen Sandra Marcordes oder auf dienst- beziehungsweise strafrechtliche Maßnahmen gegen sie. Frühere Kontroversen um den Zoo lassen sich daher nicht ohne konkrete Belege auf die Leiterin der Tierarztabteilung übertragen.

Ihre Aussage, sie sei bei ihren Patienten „nicht besonders beliebt“, beschreibt vielmehr eine typische Realität tierärztlicher Arbeit. Untersuchungen, Spritzen und Behandlungen sind für Tiere selten angenehm. Entscheidend ist nicht die kurzfristige Reaktion des Patienten, sondern die medizinische Notwendigkeit des Eingriffs.

Die unterschätzte Arbeit moderner Zoos

Der Alltag von Sandra Marcordes zeigt, welcher medizinische Aufwand hinter der Haltung von Zootieren steht. Moderne Zoos präsentieren nicht nur Tiere, sondern beschäftigen spezialisierte Tierärzte, führen langfristige Gesundheitsdaten und tauschen Erkenntnisse international aus.

In der öffentlichen Debatte wird diese Arbeit häufig kaum wahrgenommen. Zoogegner reduzieren Einrichtungen vielfach auf Gehege, Eintrittsgelder und einzelne kontroverse Entscheidungen. Die tägliche medizinische Versorgung, die Entwicklung spezieller Behandlungsmethoden und der Aufbau international nutzbarer Datenbestände bleiben dagegen oft unerwähnt.

Das Porträt aus Köln vermittelt deshalb einen wichtigen Einblick. Es zeigt, dass Zootiermedizin weit über die Behandlung eines einzelnen kranken Tieres hinausgeht. Sie verbindet klinische Praxis, Forschung, Zuchtmanagement und Artenschutz – und schafft Wissen über Tierarten, das an anderer Stelle häufig nicht gewonnen werden könnte.

Dr. Sandra Marcordes steht damit beispielhaft für einen Beruf, dessen Bedeutung weit über die Grenzen eines einzelnen Zoos hinausreicht.

Quellen:

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