Pferdeantilope im Zoo Dortmund erschossen und verfüttert – Warum der Fall für Diskussionen sorgt

Dortmund. Der Tod der Pferdeantilope „Latifa“ im Dortmunder Zoo sorgt für Aufmerksamkeit. Das 16 Jahre alte Tier wurde aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes von seinem Leiden erlöst. Anschließend wurde der Kadaver an andere Zootiere verfüttert. Während Zoos ein solches Vorgehen als Teil eines natürlichen Kreislaufs betrachten, sorgt die Kombination aus Tötung und Verfütterung regelmäßig für kontroverse Diskussionen.

Altersbedingter Verfall trotz intensiver Betreuung

Nach Angaben des Zoos Dortmund hatte sich der Gesundheitszustand der Pferdeantilope bereits seit Ende des vergangenen Jahres zunehmend verschlechtert. Die Tierpfleger bemerkten einen stetigen körperlichen Abbau, der sich trotz intensiver Betreuung und spezieller Fütterung nicht aufhalten ließ.

Tierärztliche Untersuchungen zeigten unter anderem stark abgenutzte Zähne. Solche Zahnprobleme treten bei älteren Antilopen häufig auf und erschweren die Aufnahme von Nahrung erheblich. Dennoch sahen die Veterinäre darin nicht die alleinige Ursache für den raschen Kräfteverlust. Auch die zusätzliche Gabe von Kraftfutter führte zu keiner erkennbaren Verbesserung.

Als das Tier schließlich kaum noch selbstständig aufstehen konnte und sein Zustand sich weiter verschlechterte, entschieden sich Tierpfleger und Tierärzte gemeinsam für eine Erlösung des Tieres.

Jäger führte den tödlichen Schuss aus

Die Tötung erfolgte nicht durch eine klassische tierärztliche Einschläferung, sondern durch einen gezielten Schuss eines hinzugezogenen Jägers. Nach Angaben des Zoos geschah dies schnell und schmerzfrei.

Diese Vorgehensweise hat einen praktischen Hintergrund. Viele Medikamente, die bei einer Einschläferung eingesetzt werden, verbleiben im Körper des Tieres und können später für andere Tiere gefährlich werden. Eine anschließende Verfütterung wäre in solchen Fällen nicht mehr möglich.

Genau deshalb greifen Zoos in bestimmten Situationen auf die Tötung mittels Kugelschuss zurück, wenn geplant ist, das Tier anschließend als Futter für Raubtiere oder andere Fleischfresser zu verwenden.

Warum wurde die Antilope verfüttert?

Im Fall von Latifa lagen nach Angaben des Zoos keine schweren Erkrankungen vor. Zudem befanden sich keine relevanten Medikamentenrückstände im Körper. Aus diesem Grund entschied sich der Zoo, das Tier nicht wie üblich einer pathologischen Untersuchung zuzuführen, sondern als Futter für andere Zootiere zu nutzen.

Für zoologische Einrichtungen gehört dieses Vorgehen seit Jahren zum Management vieler Tierbestände. Pflanzenfresser, die aus Altersgründen oder aufgrund schwerer gesundheitlicher Probleme sterben oder eingeschläfert werden müssen, werden unter bestimmten Voraussetzungen an Raubtiere verfüttert.

Aus Sicht der Zoos handelt es sich dabei um eine sinnvolle Nutzung eines bereits verstorbenen Tieres und um einen natürlichen Nahrungskreislauf, wie er auch in freier Wildbahn vorkommt.

Emotionale Reaktionen in der Öffentlichkeit

Trotzdem sorgen solche Fälle immer wieder für öffentliche Diskussionen. Viele Menschen verbinden Zoos mit dem Schutz und der Pflege von Tieren. Wenn bekannt wird, dass ein Tier erschossen und anschließend verfüttert wurde, löst dies häufig emotionale Reaktionen aus.

Dabei steht oft weniger die Entscheidung zur Erlösung des leidenden Tieres im Mittelpunkt. Vielmehr stößt die anschließende Verfütterung auf Unverständnis. Kritiker empfinden dies teilweise als respektlos gegenüber dem verstorbenen Tier.

Befürworter argumentieren hingegen, dass genau dieser Umgang einem natürlichen Kreislauf entspricht. In der Natur werden geschwächte oder verendete Tiere ebenfalls zur Nahrungsquelle anderer Tiere. Zudem werden täglich Millionen Nutztiere geschlachtet, deren Fleisch letztlich ebenfalls an Tiere oder Menschen verfüttert beziehungsweise verzehrt wird.

Unterschiedliche Maßstäbe im Tierschutz?

Der Fall wirft auch eine grundsätzliche Frage auf: Warum sorgen solche Vorgänge in Zoos regelmäßig für Schlagzeilen, während vergleichbare Abläufe in der Landwirtschaft oder bei der Fütterung von Haustieren kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhalten?

Tatsächlich werden auch in der Heimtierhaltung zahlreiche Futtermittel aus geschlachteten Nutztieren hergestellt. Für Hunde- und Katzenhalter ist dies meist selbstverständlich. Sobald jedoch ein bekanntes Zootier betroffen ist, fällt die öffentliche Reaktion häufig deutlich emotionaler aus.

Auch Tierrechtsorganisationen äußern sich zu vergleichbaren Fällen unterschiedlich. Während einige grundsätzlich jede Nutzung von Tieren kritisieren, konzentrieren sich andere vor allem auf die Haltungsbedingungen und nicht auf die Verwertung eines bereits verstorbenen Tieres.

Latifa hinterlässt Nachkommen im Zoo Dortmund

Die Pferdeantilope lebte fast 13 Jahre im Zoo Dortmund und brachte dort insgesamt drei Jungtiere zur Welt. Zu den Nachkommen gehört auch ihre Tochter Luela, die weiterhin gemeinsam mit einer weiteren Antilope namens Vera in Dortmund lebt.

Mit dem Tod von Latifa endet die Geschichte eines langjährigen Zootieres. Die Diskussion über den Umgang mit verstorbenen Tieren in zoologischen Einrichtungen dürfte jedoch auch künftig immer wieder für kontroverse Debatten sorgen.

GERATI-Einschätzung: Der Fall zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Tierhaltung und Tiernutzung ausfallen kann. Während die Erlösung eines leidenden Tieres von vielen Menschen akzeptiert wird, stößt die anschließende Verfütterung häufig auf Ablehnung. Dabei handelt es sich um eine Praxis, die in zahlreichen Zoos seit Jahren angewendet wird und aus Sicht der Einrichtungen Teil eines natürlichen Nahrungskreislaufs ist. Die öffentliche Debatte offenbart damit vor allem die unterschiedlichen Maßstäbe, die bei verschiedenen Formen der Tiernutzung angelegt werden.


Quellen:

Schreibe einen Kommentar