Brittany Ferries will Transporte lebender Nutztiere von Irland nach Frankreich beenden

Die französische Reederei Brittany Ferries will den Transport lebender Nutztiere auf der Route von Irland nach Frankreich spätestens im September 2026 einstellen. Die Entscheidung wurde nach Angaben mehrerer beteiligter Organisationen am 3. August bekannt und betrifft Rinder, Schweine sowie ausdrücklich nicht abgesetzte Kälber. Damit zieht sich das Unternehmen rund anderthalb Jahre nach der Wiederaufnahme dieses Geschäfts wieder zurück.

Rückzug nach Protesten und Gesprächen

Brittany Ferries hatte im März 2025 nach einer etwa 30-jährigen Pause erneut Lebendtiertransporte angeboten. Darauf folgte eine internationale Kampagne von Compassion in World Farming, Ethical Farming Ireland, WELFARM, VIER PFOTEN, L214, Eyes on Animals, Eurogroup for Animals sowie Southampton Animal Action und Dorset Animal Action. Nach deren Darstellung wurden mehr als 100.000 E-Mails an die Reederei geschickt; zwei Petitionen erhielten ebenfalls insgesamt über 100.000 Unterschriften. Außerdem fanden im vergangenen Jahr Proteste in Irland, Frankreich und Großbritannien statt.

Die Organisationen berichten von vier Gesprächen mit Brittany Ferries. Auch eine koordinierte Aktion in sozialen Netzwerken richtete sich gegen die Reederei; dabei sei das Unternehmensprofil auf Trustpilot zeitweise geschlossen worden. Diese Angaben stammen aus Kampagnenmaterial und Medienberichten der beteiligten oder ihnen nahestehenden Akteure. Eine unabhängige behördliche Bewertung, die die Kampagnenzahlen oder einen unmittelbaren ursächlichen Zusammenhang zwischen einzelnen Aktionen und der Unternehmensentscheidung bestätigt, liegt in den verfügbaren Quellen nicht vor.

Charlotte Reid, stellvertretende Direktorin für globale Kampagnen bei Compassion in World Farming, bezeichnete den Rückzug als historischen Erfolg. Die Organisation will den Druck nun auf Irish Ferries ausweiten. Nach dem Rückzug von Brittany Ferries und dem bereits zuvor gemeldeten Ausscheiden von Stena Line bleibt Irish Ferries nach den vorliegenden Berichten der einzige Anbieter, der auf dieser Strecke weiterhin lebende Kälber und andere Nutztiere transportiert.

Streitpunkt sind nicht abgesetzte Kälber

Im Mittelpunkt der Kampagne standen nicht abgesetzte Kälber. Compassion in World Farming erklärte, die Tiere hätten bei der Ankunft in Frankreich mehr als 18 Stunden ohne Nahrung verbracht. Die Organisation wertet dies als Verstoß gegen geltendes EU-Tierschutzrecht, insbesondere gegen die Regeln der EU-Tiertransportverordnung. Ein amtlicher veterinärmedizinischer Befund, ein behördlicher Kontrollbericht oder eine gerichtliche Entscheidung zu den konkret beanstandeten Überfahrten ist in den recherchierten Quellen jedoch nicht dokumentiert.

Die EU erlaubt den Export lebender Nutztiere weiterhin. Die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 regelt den Schutz von Tieren während des Transports und wird auf europäischer Ebene überprüft. Die Tierschutzorganisationen verbinden den Rückzug der Reederei deshalb mit der Forderung nach strengeren Regeln und einem Ende von Lebendtierexporten zur Mast oder Schlachtung. Diese Forderungen sind ihre politische Position; sie stellen keine Entscheidung der EU-Kommission oder eine bereits geltende Änderung des EU-Rechts dar.

Ein Unternehmensstopp verändert die Route, nicht das System

Für die konkrete Fährverbindung ist der Rückzug dennoch erheblich: Von drei zuvor genannten Anbietern bleibt nach den vorliegenden Angaben nur noch Irish Ferries übrig. Der Transport lebender Tiere von Irland nach Frankreich wird dadurch nicht automatisch beendet, sondern konzentriert sich auf einen verbliebenen Betreiber. Brittany Ferries’ Entscheidung ist damit ein unternehmerischer Ausstieg und kein allgemeines Verbot.

Der Rückzug löste in Irland auch Sorgen bei Vertretern der Landwirtschaft aus. Der Irish Examiner zitierte Sean McNamara, den Präsidenten der Irish Cattle and Sheep Association, mit der Einschätzung, Lebendexporte seien ein wichtiger Absatzweg für irische Landwirte und sorgten für Wettbewerb um irisches Vieh. Weniger Transportkapazität könne den Handel, insbesondere den Kälberexport, beeinträchtigen. Von Bord Bia genannte Zahlen bezogen sich dem Bericht zufolge auf insgesamt 253.836 Rinder im Lebendexport in die kontinentale EU im Jahr 2025 und 228.528 Tiere bis zum Erhebungszeitpunkt 2026. Diese Zahlen beschreiben nicht speziell die Brittany-Ferries-Route und belegen daher auch keine konkrete wirtschaftliche Folge des Rückzugs.

Die Kampagne traf ein Unternehmen, das seine Flotte und seine Außendarstellung stark mit Nachhaltigkeit verbindet. Genau diese Verbindung machte die Reederei für öffentliche Kritik besonders erreichbar: Der Vorwurf der Tierschutzorganisationen richtete sich nicht nur gegen einen einzelnen Transport, sondern gegen den Widerspruch zwischen dem Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens und dem Angebot von Lebendtiertransporten. Belegt ist der Rückzug; offen bleibt anhand der verfügbaren Quellen, welchen Anteil wirtschaftliche Erwägungen, Kundenreaktionen und die Gespräche mit den Organisationen jeweils an der Entscheidung hatten.

#### Quellen:: https://goodnews-magazin.de/brittany-ferries-stoppt-lebendtiertransporte/

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