Interview mit Frau Dr. med. vet. K. Alexandra Dörnath, renommierte Wildtierärztin aus Bremen. Wir erfahren etwas über inkompetente Gutachter, das Deutsche Tierschutzgesetz im internationalen Vergleich sowie den größten Reifenhersteller der Welt.

Kurzvita: Dr. med. vet. K. Alexandra Dörnath, geboren 1971, Tierärztin seit 1998, leitet gegenwärtig die tierärztliche Überweisungspraxis Klein Mexiko für Zoo-, Zirkus- und Wildtiere sowie exotische Heimtiere in Bremen. Sie erwarb 1999 in einem internationalen Studiengang einen Master in Wild Animal Health (Wildtiergesundheit) am Zoo in London und promovierte danach bei Prof. Dr. Klaus Eulenberger über Immobilisationsverfahren und medikamentöse Ruhigstellung beim Gorilla. Frau Dörnath verfügt über internationale Erfahrungen in der Zoo- und Wildtiermedizin sowie im Artenschutz. So hat sie z. B. in wissenschaftlichen Freilandprojekten zu Ohrenrobben auf Galápagos, Walen in den Hebriden, dem Nagelmanati in Belize, dem Swift-Fuchs in Kanada, der Suppenschildkröte auf Hawaii, in Venezuela und Australien sowie in einer Wildtierauffangstation im Ecuadorianischen Regenwald mitgewirkt. Sie arbeitete tierärztlich in vier großen Zoos und in einem Delphinarium. Sie war Tierschutzbeauftragte des Zentrums für Marine Tropenökologie und betreute sechs Jahre lang Reptilienbörsen. Frau Dörnath war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes für ihr Studium sowie ihr Aufbaustudium, der Zebra Foundation for Veterinary Zoological Education für ihren Master, von ERASMUS für ihren Studienaufenthalt in der Schweiz sowie von GOULD für ihre Teilnahme am Leadership Training Program an der Cornell University in New York. Weiterhin erhielt den Windsor Safari Park Student Award der European Association for Aquatic Mammals.

Gegenwärtig ist sie Ansprechpartnerin für Behörden zu Fragen des Tier- und Artenschutzes sowie für Behörden und Einsatzkräfte zu Fund- und Gefahrtieren. Dr. Dörnath betreut einen Krokodilzoo, ein Schulvivarium, berät diverse zoologische Einrichtungen, Zirkusse, den Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU), den Berufsverband der Tierlehrer, Tierheime sowie Auffangstationen. Sie berät im wissenschaftlichen Beirat eines deutschen Forsts für das Wildlife Estate Label zur Wildtiergesundheit. Frau Dörnath ist Tierschutzbeauftragte des großen Circus Belly. Sie publiziert regelmäßig, hat eine eigene Kolumne („Neues aus Klein Mexiko“) in einer Fachzeitschrift, und ihre Expertise ist von den Medien (Print, Hörfunk, Fernsehen) gefragt. Sie wird regelmäßig für Vorträge gebucht. Bei SAT-1 hat sie eine eigene TV-Serie („Tierisches aus Klein Mexiko“). Ihre absolute Herzensangelegenheit ist der Ausnahmeschimpanse Robby.

GERATI Redaktion: Frau Dr. Dörnath, wenn man liest, wie viele Qualifikationen Sie haben und an wie vielen Projekten sie beteiligt sind und waren, wird einem ja schwindelig. Wie viele Stunden am Tag, Arbeiten Sie?

Dr. Alexandra Dörnath: …fragen Sie mich lieber, wie viele Tage ich pro Stunde arbeite …

GERATI Redaktion: Die Gründung Ihrer tierärztlichen Überweisungspraxis „Klein Mexiko“ schlug in Bremen ein wie eine Bombe. Läuft es bei Ihnen immer noch so gut?

Dr. Alexandra Dörnath: Es läuft leider so gut, dass ich inzwischen manchmal Patienten abweisen muss, weil ein Tag nur 24 Stunden hat. Ich wünschte, ich könnte mich zweiteilen.

Basteln gehört zu meinem Beruf. Mein Herz schlägt höher, wenn ich damit meinen geliebten Patienten helfen kann.

GERATI Redaktion: Sie lieben Ihren Beruf vor allem, weil er Ihnen erlaubt, Ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Können Sie uns das anhand von Beispielen verdeutlichen?

Dr. Alexandra Dörnath: Mein Lieblingsgeschäft ist der Baumarkt und solche Läden, die Lego verkaufen. Viele meiner täglichen Materialien kommen tatsächlich aus dem Baumarkt sowie dem Modellbau- und sonstigem Bastelbereich. Ich könnte Hunderte an Beispielen nennen … Basteln gehört zu meinem Beruf. Mein Herz schlägt höher, wenn ich damit meinen geliebten Patienten helfen kann.

Was macht man beispielsweise mit einer Ringelnatter, die beidseitig einen Kieferbruch hat? Man näht ihr Maul für etwa 8 Wochen zu, stabilisiert ihren Kiefer mit einem Bogen aus adäquatem Draht, und lässt vorne eine kleine Lücke, damit sie züngeln und trinken kann. Nach 8 Wochen entfernt man den Draht. Der Kiefer ist wie neu …

Was macht man mit einer Wasserschildkröte, deren Panzer zerbrach, weil sie aus hoher Höhe gefallen ist? Man stabilisiert sie, indem man ihren Schock bekämpft. Dann klebt man den Panzer mit Zweikomponentenkleber, damit er wieder stabil und wasserdicht ist. Natürlich darf der Kleber nicht direkt auf die zerbrochenen Panzerknochen aufgetragen werden. Hier appliziere ich zunächst medizinischen Knochenwachs, den es natürlich nicht im Baumarkt gibt …

Und zu guter Letzt: was macht man mit einer Landschildkröte, die nicht mehr richtig gehen kann? Man tritt mit dem größten Reifenhersteller der Welt, mit Lego, in Kontakt und baut Legorollen an den Panzerträger …

Und wer hat schon sein Zuhause immer dabei? Schildkröten erinnern mich daher an Reisende. Sie lassen sich dort nieder, wo es gefällt. 

GERATI Redaktion: Ihre Lieblingstiere sind Schildkröten. Wann begann die Leidenschaft und was ist für Sie das Faszinierende an diesen Tieren?

Dr. Alexandra Dörnath: Das stimmt nicht ganz: immer das Tier, welches ich gerade behandle, ist mein Lieblingstier, denn ich liebe alle Tiere und fühle mich als ihr „Anwalt“, der ihnen eine Stimme gibt. Allerdings habe ich eine ganz besonders ausgeprägte Leidenschaft für Panzerträger. Mein erstes Buch, an das ich mich erinnern kann und welches mir meine Oma geschenkt hatte, war übrigens eines zu Gorillas. Und der Zufall wollte es, dass ich über diese, uns so nahen Verwandten, promovieren durfte.

Aber nochmal zu den Schildkröten: als ich auf die Welt kam, hielt meine Mutter bereits eine griechische Landschildkröte und eine Steppenschildkröte. Tante Laura und Onkel Alfred. Ich bin mit diesen Tieren aufgewachsen. Sie sind der Grund, weshalb ich unbedingt Tierarzt werden wollte. Obwohl sie keine Mimik wie wir Menschen haben, kann ich sie „lesen“ und verstehen. Sie wirken beruhigend und sind einfach wunderschön. Ich würde auch gerne einmal eine so lange Winterpause halten, wie sie es tun. Und: wer hat schon sein Zuhause immer dabei? Schildkröten erinnern mich daher an Reisende. Sie lassen sich dort nieder, wo es gefällt.

GERATI Redaktion: Ihr Doktorvater Professor Dr. Klaus Eulenberger war seinerzeit Cheftierarzt des Leipziger Zoos und ist jetzt im „Unruhestand“ wie Sie selber mal scherzhaft erwähnt haben. Gibt es eine erzählenswerte Anekdote aus der Zeit der Gorilla-Forschung?

Dr. Alexandra Dörnath: Bei unserer ersten Begegnung habe ich leider fast gar nichts verstanden. Sächsisch ist eben doch ganz anders als der Bremer Slang … Ich zeigte bei meiner Doktorarbeit vollen Einsatz: in dem Gästezimmer, das sich im Affenhaus eines der vielen Zoos befand, die ich für meine Datensammlung aufsuchte, konnte ich zwei Nächte nicht schlafen. Es wimmelte derart dort von Kakerlaken, dass ich beide Nächte bei Licht sitzend verbrachte … In einem anderen Zoo hingegen blieb ich länger Gast, da ich auf dem Weg dorthin in den Alpen einen Autounfall hatte. In diesem Zoo durfte ich meine Gehirnerschütterung auskurieren.

Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich so viele wunderbare Zoos besuchen konnte und dort Menschen- und Menschenaffenpersönlichkeiten begegnen durfte. Niemals werde ich die stimulierenden Unterhaltungen, insbesondere mit dem Ethologen Jörg Hess, vergessen. Aber alle Tierpfleger, Tierärzte und Biologen werden mir für immer in Erinnerung bleiben.

Wer eine Hundenummer im Zirkus beobachtet, sieht, mit welcher Begeisterung diese Zirkustiere dabei sind: Schwanzwedeln, leuchtende Augen, hoher Aufmerksamkeitspegel, Spielgesicht. Für sie ist das ein Riesenspaß.

Zirkustiere freuen sich auf ihren Auftritt, auf die Vorführsituation, die eindeutig für sie etwas Angenehmes, heiß Erwartetes ist. Diese Beobachtungen werden gestützt durch wissenschaftliche Hormontests, deren Ergebnisse zeigen, dass untersuchte Elefanten, Löwen und auch der Schimpanse „Robby“ tiefenentspannt sind.

GERATI Redaktion: Frau Dr. Yvonne Würz ist für Peta die „Fachreferentin für Tiere in Zoo und Zirkus“. Sie sagt im MDR Beitrag „Zoff in der Manege“ ab Min. 7:36 Folgendes:

„Wir von Peta stehen heute vor Zirkus Krone, weil wir uns für ein Verbot von Tieren im Zirkus einsetzen. Die Tiere hier verbringen fast ihr ganzes Leben auf engen LKWs, auf ständigen Transporten, winzig kleinen Käfigen und werden meist mit Gewalt dressiert und das Tierleid muss endlich ein Ende haben.“

Viele Menschen sind wegen solcher Aussagen verunsichert, ob der Zirkus ein guter Platz für Tiere ist. Können Sie als Expertin einmal ausführlich erklären, wie Ihre Sicht der Dinge ist?

Dr. Alexandra Dörnath: Peta verleiht seinen Mitarbeitern Fantasie Titel. Hauptaufgabe dieser „Fachreferenten“ ist es wohl, zur Steigerung der Spendeneinnahmen den Menschen Horrorgeschichten zu erzählen. Yvonne Würz hat noch nie in ihrem Leben in einem Zoo oder in einem Zirkus gearbeitet. Auf Deutsch gesagt: Sie hat noch nie in ihrem Leben einem Tiger den Arsch geputzt. Sie hat also gar keine praktische Kenntnis von Dingen, über die sie dennoch spricht. In ihrem Studium hat sie sogar Tierversuche durchgeführt. Was sie aber sehr gut versteht ist, wie man für den Bettelverein Peta Tierliebhabern das Geld aus der Tasche zieht. Diese denken, sie spenden für einen guten Zweck, in Wahrheit finanzieren sie aber die Gehälter der Tierrechtler.

Ein gut geführter Zirkus – das ist ein wirklich guter Ort für Tiere. Ich werde Ihnen etwas über Wissenschaft kontra Märchen erzählen: Wer eine Hundenummer im Zirkus beobachtet, sieht, mit welcher Begeisterung diese Zirkustiere dabei sind: Schwanzwedeln, leuchtende Augen, hoher Aufmerksamkeitspegel, Spielgesicht. Für sie ist das ein Riesenspaß. Wieso soll es bei Pferden, Seelöwen, Kamelen, Elefanten, Lamas, Affen, Großkatzen anders sein? Naht ihr Auftritt mit entsprechender Musik stehen sie am Gehege bereit. Wird dies geöffnet, eilen alle zur Manege. Ethologen nennen dies positives Appetenzverhalten: Zirkustiere freuen sich auf ihren Auftritt, auf die Vorführsituation, die eindeutig für sie etwas Angenehmes, heiß Erwartetes ist. Diese Beobachtungen werden gestützt durch wissenschaftliche Hormontests, deren Ergebnisse zeigen, dass untersuchte Elefanten, Löwen und auch der Schimpanse „Robby“ tiefenentspannt sind.

Tierlehrer im Zirkus mit moderner, tiergerechter Haltung lieben ihre Tiere und die Tiere lieben sie. Nirgendwo sonst ist die Mensch-Tier-Beziehung so eng und so weit entwickelt wie hier. Ihre Harmonie ist entscheidend für das Wohlbefinden, dem vornehmsten Ziel aller Tierhaltungen. Hierfür ist v. a. die Vorerfahrung entscheidend, nicht so sehr der Unterschied Haus-/Wildtier. Tiergerechte Haltung hat nichts mit Domestikation, sondern mit individueller Zahmheit zu tun.

Zirkus kennt keine Eintönigkeit: an jedem neuen Ort gibt es neue Verhältnisse, Bodenbeschaffenheit und Eindrücke. Und was das Reisen, den sogenannten Platzwechsel anbelangt: Dieser ist mitnichten Stress für Zirkustiere – die Tiere steigen, im Gegensatz zu Zootieren oder Schlachttieren, gerne in ihre Wagen ein. Sie sind dies gewohnt und es ist Teil der Abwechslung für sie. Ich begleite regelmäßig Transporte mit Zirkustieren und weiß, dass die Tiere tiefenentspannt sind. Wir haben auch dies mit Stresshormonmessungen nachgewiesen.

Tiere messen ihr Glück übrigens nicht mit dem Zollstock, sie fühlen. Wichtiger als Gehegegröße sind Struktur und Beschäftigung. Letztere hält in Form von Ausbildung und Vorführung mental und körperlich fit. Wer Sternstunden der Mensch-Tierkommunikation erleben möchte, wohnt der Übungsstunde eines guten Tierlehrers bei. Mit seinem „verlängerten Arm“, der Peitsche oder dem Stock, gibt er den Takt an – wie ein Dirigent in einem Orchester. Niemals schlägt er den Schützling. Weshalb auch sollte er das Tier, welches er liebt, achtet und außerdem Geld mit diesem verdient, schlecht behandeln?

Tiere im Zirkus sind sicherer, aufmerksamer, wacher und aufgeweckter als ihre Artgenossen in der Wildnis oder im Zoo. Sie zeigen keine Kunststücke, sondern natürliche Verhaltensweisen. Ihr Leben ist reizvoll, sie erreichen ein hohes Alter und sind vor Krankheiten, Raubtieren, Verhungern und Wilderern geschützt. Keine andere Haltung wird übrigens so oft tierärztlich überwacht. Tierrechtler ignorieren die von namhaften Verhaltensbiologen vorgelegten Forschungsergebnisse. Sie veranstalten eine Hexenjagd auf den klassischen Zirkus, der ein Teil der Kultur Europas ist. Dass Zirkustiere leiden, ist ein Märchen. Sie können den Zirkus mit gutem Gewissen besuchen. Zirkus ist ein guter Ort für Tiere!

Robby wurde von Peta als Gelddruckmaschine missbraucht.

GERATI Redaktion: Seit wann drängte Peta darauf, dass der Ausnahmeschimpanse Robby, der der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus ist, aus seinem Zuhause gerissen und von seiner Menschenfamilie getrennt werden soll?

Dr. Alexandra Dörnath: Im Oktober 2011 schrieb ein sogenannter Fachreferent von Peta an die Veterinärbehörde in Celle. Nach meiner Kenntnis gab es da keinen speziellen Auslöser. Vermutlich hat Peta überlegt, womit sie als Nächstes am besten Geld erbetteln können. Und Robby eignet sich da für die Tierrechtler ganz hervorragend. Sie haben ihn für eine Kampagne missbraucht, viel Geld mit dem Thema erbettelt, welches Robby nie zugutekam. Robby wurde von Peta als Gelddruckmaschine missbraucht. Ich selber habe mich erst seit April 2017 aktiv mit der Thematik um Robby auseinandergesetzt, als RTL mich angerufen hatte, um nach meiner Expertise zu dem Thema zu fragen.

Alleine das Ansinnen, diesen beinahe ein halbes Jahrhundert unumkehrbar auf den Menschen geprägten Schimpansengreis seiner Familie entreißen zu wollen, ist inkompetent und, für den Fall des Durchführens, tierschutzwidrig.

GERATI Redaktion: Die Organisation Peta schreibt auf ihrer Webseite, dass mehrere Gutachter und Primatologen den Umzug von Robby in eine Schimpansenauffangstation befürwortet hätten. Konkret waren dies Dr. Pierre Grothmann sowie die Psychologin Signe Preuschoft. Hatten diese Gutachter überhaupt das entsprechende Fachwissen, um eine solche Aussage treffen zu können?

Dr. Alexandra Dörnath: Nein. Leider nicht. Robby’s Leben und das Leben der Zirkusfamilie Köhler hat diese „Experten“ auch nicht wirklich interessiert. Es ging hier um das Erreichen eines politisch-ideologischen Zieles, nämlich darum, Robby wegzusperren. In eine sogenannte Auffangstation. Um jeden Preis. Diese Auffangstation gleicht einer Nervenheilanstalt für Schimpansen. Hier bekommen unsere nächsten Verwandten „bunte Pillen“ – sie werden hier unter Psychopharmaka gesetzt. Und hier wird tatsächlich die Euthanasie dieser wunderbaren Menschenaffen offen diskutiert. Eine skandalöse Option. Dies belegt der Dokumentarfilm „Der Schimpansen-Komplex“. Mitarbeiter schildern hier ihre Albträume mit den Insassen. Tötet man eigentlich seine Schützlinge? Lässt man sie aneinandergeraten, bis Blut fließt? Hierhin gehört Robby definitiv nicht. Er ist nämlich nicht verhaltensgestört, sondern auf eine andere Art, nämlich auf uns, auf den Menschen, geprägt. Leider war kein Verhaltensforscher vor Gericht geladen, der dies hätte verständlich erörtern können.

Alleine das Ansinnen, diesen beinahe ein halbes Jahrhundert unumkehrbar auf den Menschen geprägten Schimpansengreis seiner Familie entreißen zu wollen, ist inkompetent und, für den Fall des Durchführens, tierschutzwidrig. Robby gehört nicht in eine Nervenheilanstalt. Diese Gutachter haben die Biologie einer irreversiblen Prägung eines Schimpansen auf den Menschen und ihre Folgen nicht begriffen.

Konkret ist Folgendes zu den beiden „Experten“ zu sagen: Die von der Veterinärbehörde beauftragte Psychologin bezieht ihr Salär von der Tierrechtsorganisation „Vier Pfoten“. Sie ist daher also befangen und den Tierrechtlern ideologisch verpflichtet. Eigentlich nicht nachvollziehbar, dass diese Person von der Behörde gehört wurde, denn Behörden sind dem Grundsatz der Neutralität verpflichtet. Aber die Behörde stand unter Druck von Peta und sie erweckte so vermutlich den Anschein, einer „Expertenmeinung“ zu folgen.

Der vom Gericht bestellte Gutachter, ein Tierarzt, sagt im allerletzten Satz seines Gutachtens über sich selbst: „… Ich bin aber kein ausgewiesener Spezialist für Menschenaffen, Tierverhalten oder Psychologie“. Dieser Satz bedeutet im Umkehrschluss eigentlich, dass diese Person nicht befähigt ist, in diesem Fall ein adäquates Gutachten zu erstellen. Übrigens: tierärztlich untersucht hat dieser Veterinär Robby auch nie. Das ist aber insofern wichtig, als dass alte, insbesondere männliche Schimpansen prädisponiert sind für Herzprobleme. Anatomische Strukturen des Schimpansen hat er allerdings in seinem amateurhaften Gutachten fehlerhaft benannt. Natürlich aber gab es Geld für das Verfassen dieses Gutachtens. Und das nicht zu wenig. Diese Person hätte Robby’s Leben auf dem Gewissen gehabt, wenn das Oberverwaltungsgericht seiner Meinung gefolgt wäre. Er hat vor Gericht behauptet, auf eine andere Art geprägte Tiere litten häufiger an Verhaltensstörungen als solche, die auf ihre eigene Art geprägt sind. Dies ist eine wissenschaftlich nicht belegte Behauptung und verhaltensbiologisch allergrößter Unfug. Viele Kollegen, auch Amtstierärzte, sind der festen Überzeugung, dass dieser Tierarzt sich für seine Fehleinschätzung wirklich schämen und seine Berufswahl überdenken sollte.

Wirklich renommierte Primatologen, wie der inzwischen pensionierte Prof. Dr. Kaup vom Deutschen Primatenzentrum, sowie der Zoodirektor von Osnabrück, Prof. Dr. Böer, sind in ihren Aussagen von der Behörde ignoriert worden. Beide warnten vor der Entnahme Robby’s. Da diese nicht in die Ideologie der Celleschen Veterinärbehörde passten, wurden ihre Warnungen ignoriert. Auch der renommierte Verhaltensforscher Dr. Birmelin sowie der auf Verhalten spezialisierte Veterinärmediziner Prof. Dr. Hackbarth sahen bei einer Herausnahme Robby’s ein tödliches Ende für diesen voraus. Mein Doktorvater, Prof. Dr. Eulenberger, der vor etwa 20 Jahren als Cheftierarzt des Leipziger Zoos an der Entstehung von Pongoland mitgewirkt hatte, sowie Dr. Rietschel, Jahrzehnte Tierarzt der Stuttgarter Wilhelma, sind beide die in Deutschland erfahrensten klinischen Tierärzte für Menschenaffen. Beide wurden natürlich nicht gefragt. Wer sich in Deutschland professionell mit Schimpansen auseinandersetzt, kommt an diesen beiden Tierärzten aber nicht vorbei. Auch Grothmann kennt diese, hat sie bemerkenswerterweise aber nicht zu Robby befragt. Beide hätten sich deutlich für den Verbleib von Robby bei seiner Familie ausgesprochen.

Als das Thema bei der Tagung der European Primate Veterinarians in Göttingen im Jahre 2017 mit etwa 60 internationalen Kollegen diskutiert wurden, schüttelten alle ihren Kopf, wie jemand nur auf die Idee gekommen war, die Herausnahme eines alten, nicht Verhaltens gestörten, wohl aber fehl geprägten Schimpansen, anzuordnen. Hier lag grobe Inkompetenz vor. Leider wagten es Amtsveterinäre anderer Landkreise nicht, ihre Celleschen Kollegen hierauf anzusprechen. Ich hätte hier mehr Sachverstand und Rückgrat gegenüber Peta seitens der Behörde in Celle erwartet. Allerdings sehen manche Tierrechtler aus, als entstammten sie direkt dem Schwarzen Block. Wer weiß, was da so hinter den Kulissen vorgefallen ist.

Im letzten Moment wurde dort Robby vor dem behördlichen Irrsinn und den unwissenden Tierrechtlern gerettet.

GERATI Redaktion: Der Rechtsstreit ging über viele Jahre, kostete Einiges an Geld und Nerven. Robby darf nun aber seinen Lebensabend mit Zirkusdirektor Klaus Köhler im Circus Belly verbringen. Welche Rolle spielten Sie in dieser unendlichen Geschichte?

Dr. Alexandra Dörnath: RTL kontaktierte mich am 28. April 2017, einen Tag nach der mündlichen Verhandlung, die vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg stattgefunden hatte. Hier war die Abgabe von Robby aus dem Circus Belly verhandelt worden. Es standen sich Klaus Köhler und die Veterinärbehörde Celle gegenüber. Mittendrin ein völlig inkompetenter, vom Gericht bestellter Gutachter. RTL wollte von mir wissen, was ich von der Angelegenheit hielte. Meine Antwort war: die Entnahme dieses auf den Menschen geprägten, uralten Schimpansen aus seiner „Familie“ führe zu seinem Tode. Doch nicht nur der Affe würde an gebrochenem Herzen sterben, auch Klaus Köhler und seine Ehefrau Waltraut. Das war meine Einschätzung der Lage.

Nachdem ich einige Nächte gegrübelt hatte, kontaktierte ich Klaus Köhler und bot ihm meine Hilfe an. Bis dahin waren wir beide uns nicht begegnet. Eineinhalb intensive Jahre kämpften wir gemeinsam gegen diesen behördlichen Irrsinn. Und wir sollten gewinnen. Klaus Köhler erhielt vor der nächsten Instanz, dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg, also nicht nur ein Urteil, sondern auch Recht. Somit war Robby’s Leben gerettet.

Auch für mich war das Ganze hochemotional: Es war so, als kämpfte ich um das Leben meines eigenen Affen. Ich habe meine Praxis für diesen Kampf komplett umstrukturiert. Viele wunderbare Menschen haben uns in diesem Kampf unterstützt.

Bei der Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht war ich das rechtliche Hilfsmittel des Rechtsanwaltes von Klaus Köhler. Im letzten Moment wurde dort Robby vor dem behördlichen Irrsinn und den unwissenden Tierrechtlern gerettet. Wäre anders entschieden worden und wäre Robby infolge dessen mit Gewalt der Zirkusfamilie entzogen worden, dann lebte Robby heute nicht mehr. Er wäre qualvoll zugrunde gegangen. Davon bin ich fest überzeugt. Ich sage Ihnen aber eines: Selbst wenn das Gericht anders geurteilt hätte, wir alle hätten unser Leben gegeben, Robby vor den Behördenvertretern zu beschützen!

Inzwischen haben sich diverse Amtstierärzte bei mir gemeldet und sich bedankt, dass ich mich eingemischt habe. Sie konnten ihre Kollegen in Celle einfach nicht verstehen. Drei Jahre danach kann ich zu Recht sagen: ein Leben ohne Robby und ohne die Zirkusfamilie Köhler – für mich inzwischen unvorstellbar! Zirkusdirektor Klaus Köhler und ich haben inzwischen sogar gemeinsam das Schimpansen-Kompetenzzentrum gegründet. Robby wird uns lebenslänglich verbinden.

Wer für Robby Spenden m