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Fakten statt Polemik. Aufklärung über radikalen Tierschutz.

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Schlagwort: Lebendtiertransporte

  • Rinder-Langstreckentransporte über Linz-Hörsching: Kaineder fordert Stopp

    Rinder-Langstreckentransporte über Linz-Hörsching: Kaineder fordert Stopp

    Rinder-Langstreckentransporte über den Flughafen Linz-Hörsching sorgen in Oberösterreich für politische Diskussionen. Grünen-Landesrat Stefan Kaineder fordert ein sofortiges Ende der Transporte lebender Rinder nach Turkmenistan und bezeichnet diese als grausam und sinnlos. Der Flughafen verweist dagegen auf veterinärmedizinische Kontrollen ohne Beanstandungen und die Einhaltung internationaler Transportvorschriften. Doch die Auseinandersetzung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Sind internationale Lebendtiertransporte tatsächlich überflüssig, oder erfüllen sie in bestimmten Ländern eine wichtige Funktion für die Versorgung?

    Hunderte Rinder werden nach Turkmenistan transportiert

    Nach aktuellen Medienberichten werden Rinder aus Ungarn zunächst mit Lastwagen zum Flughafen Linz-Hörsching gebracht und anschließend per Frachtflugzeug nach Turkmenistan ausgeflogen. Laut dem Nachrichtenportal LINZA sind bis Mitte Oktober elf Flüge mit jeweils etwa 72 Tieren vorgesehen. Insgesamt wären das rund 792 Rinder, wobei diese Zahlen auf Angaben eines Flughafenbeobachter-Kanals beruhen und noch keine bestätigte Gesamtbilanz darstellen. Der Transport soll unter anderem mit Flugzeugen der mexikanischen Frachtfluggesellschaft MAS erfolgen.

    Kaineder behauptet, dass die Tiere in Turkmenistan geschlachtet werden sollen. Ob es sich tatsächlich um Schlachtrinder handelt, ist bislang jedoch nicht unabhängig bestätigt. Nach der vorliegenden Berichterstattung könnte auch eine Verwendung als Zucht- oder Nutztiere infrage kommen. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil sie den Transportzweck und damit auch die politische Argumentation erheblich beeinflusst.

    Kaineder verlangt Verbot – Flughafen widerspricht

    „Rinder sind fühlende Lebewesen und keine Frachtstücke, die wir beliebig um die halbe Welt schicken können“, erklärt Kaineder. Er fordert, die Transporte über Linz-Hörsching unverzüglich einzustellen, und bezeichnet sie als sinnlos und grausam. Besonders kritisch sieht er die Verantwortung des Landes Oberösterreich, das den bisherigen 50-Prozent-Anteil der Stadt Linz am Flughafen übernehmen will. Der entsprechende Landtagsbeschluss wurde am 1. Oktober 2026 gefasst, wobei mittelfristig eine Beteiligung privater Investoren von bis zu 49 Prozent vorgesehen ist.

    Der Flughafen verweist hingegen auf die Ergebnisse der amtstierärztlichen Kontrollen. Nach eigenen Angaben wurden bei den Untersuchungen durch den zuständigen Amtstierarzt des Bezirks Linz-Land keine Beanstandungen festgestellt. Außerdem würden die Transporte entsprechend den „Live Animals Regulations“ des internationalen Luftfahrtverbandes IATA abgewickelt. Ein behördlich dokumentierter Tierschutzverstoß bei den beschriebenen Flügen ist bislang nicht bekannt.

    Dass konsequente Kontrollen notwendig sind, steht außer Frage. GERATI berichtete bereits über einen Tiertransporter mit 190 Kälbern auf der A94, bei dem die Polizei erhebliche Verstöße feststellte und die Weiterfahrt untersagte. Dort lagen konkrete Beanstandungen vor, während der Flughafen Linz bislang auf Kontrollen ohne festgestellte Mängel verweist. Beide Fälle gleichzusetzen, wäre deshalb journalistisch nicht gerechtfertigt.

    Warum Lebendtiertransporte notwendig sein können

    Die Forderung nach einem generellen Verbot internationaler Lebendtiertransporte berücksichtigt nicht immer die unterschiedlichen Bedingungen der weltweiten Lebensmittelversorgung. Während europäische Staaten über gut ausgebaute Kühlketten und Schlachtbetriebe verfügen, ist diese Infrastruktur in anderen Regionen teilweise weniger entwickelt. Gerade in ländlichen Gebieten können zuverlässige Kühlschränke, Kühlhäuser und Kühlfahrzeuge fehlen oder nur eingeschränkt verfügbar sein. Unter solchen Voraussetzungen kann der Import lebender Tiere eine praktische Möglichkeit darstellen, die Versorgung mit frischem Fleisch sicherzustellen.

    Diesen Zusammenhang bestätigt auch eine Untersuchung des australischen Landwirtschaftsministeriums über Rinderexporte nach Südostasien. Demnach ermöglichen Lebendtierimporte die Mast oder Schlachtung näher am Verbrauchermarkt, wodurch der Bedarf an durchgehender Kühlung reduziert werden kann. Indonesien importiert beispielsweise lebende Rinder aus Australien, die teilweise zunächst in heimischen Mastbetrieben weitergehalten werden. Daneben importiert das Land auch gekühltes und gefrorenes Fleisch, sodass unterschiedliche Versorgungssysteme nebeneinander bestehen.

    Internationale Tiertransporte erfüllen damit nicht zwangsläufig einen sinnlosen wirtschaftlichen Zweck. Sie können vielmehr Versorgungslücken ausgleichen, wenn die heimische Tierproduktion den Bedarf nicht vollständig deckt oder bestimmte Infrastrukturen fehlen. Allerdings lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass gerade die Flüge von Linz nach Turkmenistan notwendig sind. Dafür müssten insbesondere der tatsächliche Verwendungszweck und die Bedingungen im Zielland bekannt sein.

    GERATI-Standpunkt: Tierschutz ja, pauschale Verbote nein

    Aus meiner persönlichen Sicht wird die Diskussion über Lebendtiertransporte in Europa häufig zu einseitig geführt. Ich lebe seit vielen Jahren in Indonesien und sehe, dass die Lebensmittelversorgung außerhalb Europas unter teilweise völlig anderen Voraussetzungen funktioniert. Nicht überall verfügen Haushalte und traditionelle Märkte über zuverlässige Kühlmöglichkeiten, während gleichzeitig die eigene Rinderproduktion den Fleischbedarf nicht immer decken kann. Wer unter diesen Bedingungen pauschal sämtliche Lebendtiertransporte verbieten möchte, muss auch erklären, wie die Versorgung der betroffenen Bevölkerung alternativ sichergestellt werden soll.

    Deshalb halte ich es für falsch, internationale Tiertransporte grundsätzlich als überflüssig oder sinnlos darzustellen. Entscheidend ist für mich, dass die Tiere während des Transports angemessen untergebracht, versorgt und vor vermeidbaren Belastungen geschützt werden. Werden Vorschriften verletzt, müssen die Behörden konsequent eingreifen und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen. Ein grundsätzliches Verbot ersetzt jedoch keine sachliche Prüfung der tatsächlichen Transportbedingungen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

    Auch die Transportdauer allein beantwortet nicht alle tierschutzrelevanten Fragen. Ein Flugzeug kann lange Entfernungen erheblich schneller zurücklegen als ein Lastwagen, während Verladung, Temperatur und Versorgung zusätzliche Belastungen verursachen können. Wie GERATI bereits im Zusammenhang mit Tiertransporten bei Hitze berichtete, spielen insbesondere klimatische Bedingungen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist daher die Belastung der Tiere während des gesamten Transportverlaufs und nicht ausschließlich die zurückgelegte Entfernung.

    Was bei den Rindertransporten weiterhin ungeklärt bleibt

    Für eine abschließende Bewertung der Transporte über Linz-Hörsching fehlen weiterhin wesentliche Informationen. Unklar ist insbesondere, ob die Rinder tatsächlich unmittelbar zur Schlachtung bestimmt sind oder für andere landwirtschaftliche Zwecke exportiert werden. Auch detaillierte Angaben über die vollständigen Transportzeiten, die Versorgung während der Reise und die Bedingungen am Bestimmungsort liegen bislang nicht öffentlich vor. Diese Informationen wären notwendig, um den gesamten Transport sachgerecht beurteilen zu können.

    Ebenso wenig beweist die bisherige Beanstandungsfreiheit automatisch, dass die Beförderung für die Tiere völlig stressfrei erfolgt. Allerdings rechtfertigt das Fehlen solcher Informationen auch nicht die Behauptung, es handele sich nachweislich um grausame Transporte. Die Diskussion über ein Verbot von Lebendtiertransporten bei Hitze zeigt ebenfalls, wie wichtig die Unterscheidung zwischen konkreten Risiken und pauschalen Verbotsforderungen ist. Für eine belastbare Beurteilung müssen die tatsächlichen Umstände jedes Transportes berücksichtigt werden.

    Kontrolle statt pauschaler Verurteilung

    Die Forderung Kaineders nach einem sofortigen Transportstopp ist eine politische Position, die öffentlich diskutiert werden kann. Bislang stehen dieser Forderung jedoch amtstierärztliche Kontrollen ohne Beanstandungen und offene Fragen zum tatsächlichen Transportzweck gegenüber. Gleichzeitig zeigen internationale Beispiele wie Indonesien, dass Lebendtiertransporte unter bestimmten Voraussetzungen eine wichtige Funktion für die Fleischversorgung erfüllen können. Eine pauschale Verurteilung wird diesen unterschiedlichen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Bedingungen nicht gerecht.

    GERATI sieht deshalb die konsequente Einhaltung und Überprüfung von Tierschutzstandards als entscheidenden Maßstab. Unternehmen müssen nachvollziehbar darlegen können, wie Tiere während der gesamten Beförderung geschützt werden, während Behörden mögliche Verstöße konsequent verfolgen müssen. Wirtschaftliche Notwendigkeiten rechtfertigen keine Missstände, aber ebenso wenig beweist eine lange Transportstrecke automatisch Tierquälerei. Wer verantwortungsvollen Tierschutz fordert, sollte deshalb überprüfbare Fakten und konkrete Transportbedingungen in den Mittelpunkt stellen.

    Quellen

  • Tiertransporte bei Hitze: Warum Tierschützer ein Verbot ab 25 Grad fordern

    Tiertransporte bei Hitze: Warum Tierschützer ein Verbot ab 25 Grad fordern

    Tiertransporte bei sommerlicher Hitze stehen regelmäßig in der Kritik. Österreichische Tierschutzorganisationen fordern deshalb deutlich strengere Regeln, insbesondere Vier Pfoten verlangt ein generelles Transportverbot ab 25 Grad Celsius Außentemperatur. Dass Hitze für Tiere auf Transportfahrzeugen problematisch werden kann, ist unstrittig. Ob eine starre Temperaturgrenze von 25 Grad dafür die richtige Lösung ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

    Hitze kann im Transporter schnell zum Problem werden

    Besonders kritisch können Tiertransporte werden, wenn Lastwagen längere Zeit stehen, etwa in Staus, an Grenzen oder während anderer Wartezeiten. Dann fällt ein Teil der Luftbewegung weg, während die Tiere selbst zusätzlich Wärme produzieren. Vier Pfoten weist darauf hin, dass sich das Fahrzeuginnere dadurch stärker aufheizen kann als die Umgebung. Ventilatoren sorgen zwar für Luftaustausch, stellen aber keine Klimaanlage dar und können hohe Temperaturen deshalb nicht in jedem Fall ausgleichen.

    Nach Darstellung von Vier Pfoten können die Folgen von Hitzestress von Unruhe und Erschöpfung bis hin zu schweren Kreislaufproblemen reichen. Schweine gelten als besonders hitzeempfindlich, weil sie ihre Körpertemperatur nur eingeschränkt über Schwitzen regulieren können und unter natürlichen Bedingungen unter anderem Suhlen nutzen. Auch Rinder und Geflügel können unter hohen Temperaturen leiden. Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein die Außentemperatur, sondern ebenso Luftfeuchtigkeit, Transportdauer, Besatzdichte, Belüftung, Wasserversorgung und die tatsächliche Temperatur im Fahrzeug.

    Vier Pfoten fordert ein Verbot ab 25 Grad

    Vier Pfoten verlangt, Tiertransporte grundsätzlich zu untersagen, sobald die Außentemperatur 25 Grad Celsius überschreitet. Zusätzlich soll die Transportdauer nach Vorstellung der Organisation grundsätzlich auf höchstens acht Stunden begrenzt werden. Für Geflügel und Kaninchen fordert Vier Pfoten maximal vier Stunden, während Kälber unter zwölf Wochen nach dieser Position überhaupt nicht transportiert werden sollten. Außerdem spricht sich die Organisation gegen Langstreckentransporte lebender Tiere in Drittstaaten aus.

    Der Verein gegen Tierfabriken verfolgt eine ähnliche Richtung und fordert unter anderem mehr Platz, Einstreu und einen stärkeren Wechsel vom Lebendtiertransport zum Transport gekühlter Schlachtkörper. Dabei muss jedoch klar zwischen Forderungen von Tierschutzorganisationen und geltendem Recht unterschieden werden. Gerade die Grenze von 25 Grad ist zunächst eine politische beziehungsweise tierschutzpolitische Forderung. Aus den vorliegenden Quellen ergibt sich kein Nachweis, dass genau diese Außentemperatur wissenschaftlich als allgemeingültige Grenze für sämtliche Tiertransporte festgelegt werden müsste.

    Eine starre Temperaturgrenze greift zu kurz

    Die geltenden Vorschriften unterscheiden nach Transportdauer und Fahrzeugausstattung. Für Langstreckentransporte von mehr als acht Stunden gelten zusätzliche Anforderungen, darunter Vorgaben zur Belüftung und Temperaturkontrolle. In den von Vier Pfoten veröffentlichten Informationen wird dabei für bestimmte Transporte eine Obergrenze von 30 Grad Celsius im Fahrzeug genannt. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, dass jeder Transport bis 30 Grad Außentemperatur erlaubt wäre, noch dass unterhalb von 25 Grad automatisch unproblematische Bedingungen herrschen.

    Genau hier liegt das Problem einer pauschalen Außentemperaturgrenze. Ein kurzer regionaler Transport in einem gut belüfteten Fahrzeug ist nicht mit einem über Stunden stehenden Lastwagen an einer Grenze vergleichbar. Ebenso können 24 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit und schlechter Belüftung problematischer sein als 26 Grad während einer kurzen Fahrt mit funktionierender Ventilation. Wer tatsächlich Tierleid verhindern will, muss deshalb stärker auf die realen Bedingungen im Fahrzeug schauen und nicht allein auf die Zahl auf dem Außenthermometer.

    Langstreckentransporte bleiben der entscheidende Streitpunkt

    Besonders kritisch bewertet Vier Pfoten seit Jahren Transporte nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Die Organisation kritisierte bereits 2022, dass angekündigte Einschränkungen solcher Transporte aus ihrer Sicht nicht ausreichend umgesetzt worden seien. Nach Angaben von Vier Pfoten können einzelne Lebendtiertransporte sehr lange dauern, wobei die Organisation in diesem Zusammenhang Fahrzeiten von bis zu 82 Stunden nennt. Diese Angabe beschreibt allerdings die von Vier Pfoten kritisierte Situation und darf nicht mit einer pauschal zulässigen Transportdauer für jeden Tiertransport verwechselt werden.

    Gerade bei sehr langen Transporten steigt das Risiko durch Verzögerungen, Wetterwechsel, technische Probleme und mangelnde Versorgung. Hier erscheint eine strengere Kontrolle deutlich nachvollziehbarer als ein pauschales Verbot sämtlicher Transporte ab einer bestimmten Außentemperatur. Eine Fahrt von wenigen Kilometern zu einem regionalen Schlachthof stellt eine andere Belastung dar als ein mehrtägiger Transport quer durch Europa. Diese Unterschiede müssten bei einer Reform der Regeln deutlich stärker berücksichtigt werden.

    Ein Verbot ab 25 Grad hätte weitreichende Folgen

    Ein generelles Transportverbot ab 25 Grad würde in vielen Regionen Europas während der Sommermonate regelmäßig greifen. Betroffen wären dann nicht nur internationale Langstreckentransporte, sondern möglicherweise auch kurze Fahrten zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, Tierkliniken, Zuchtbetrieben und Schlachthöfen. Ob eine solche starre Grenze praktisch sinnvoll und verhältnismäßig wäre, müsste deshalb anhand belastbarer Daten geprüft werden. Die Forderung allein beantwortet diese Frage nicht.

    Sinnvoller erscheint eine stärkere Kontrolle der tatsächlichen Transportbedingungen. Dazu gehören funktionierende Belüftung, ausreichende Wasserversorgung, angemessene Besatzdichten, klare Regeln für Standzeiten und eine nachvollziehbare Temperaturüberwachung im Fahrzeug. Damit ließen sich problematische Transporte gezielter erfassen, ohne automatisch jeden Transport bei sommerlichen Temperaturen zu untersagen. Ein früherer Fall eines Tiertransports bei Hitze auf der A2 zeigt schließlich, dass akute Gefahren vor allem dann entstehen, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen.

    Fazit

    Dass Tiere auf Transportfahrzeugen vor Hitze geschützt werden müssen, ist keine Frage. Ob deshalb jeder Tiertransport bereits ab 25 Grad Außentemperatur verboten werden sollte, ist deutlich weniger eindeutig. Vier Pfoten formuliert hier eine weitreichende Forderung, deren praktische Folgen erheblich wären. Entscheidend sollte deshalb nicht nur eine starre Temperaturzahl sein, sondern vor allem, unter welchen Bedingungen Tiere tatsächlich transportiert werden.

    Quellen