In Traismauer steht erneut ein landwirtschaftlicher Betrieb wegen schwerer Vorwürfe zur Tierhaltung im Fokus. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) berichtet von stark abgemagerten Schafen und Ziegen, massiv verschmutzten Haltungsbereichen für Rinder sowie zahlreichen verendeten Tieren. Die Angaben beruhen auf Medienberichten vom 25. und 26. August 2026 sowie auf Material, das vom VGT veröffentlicht wurde. Die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten bestätigte, dass der Betrieb zuletzt am 12. August 2026 kontrolliert wurde. Der betroffene Landwirt weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
VGT spricht von 249 verendeten Tieren in vier Monaten
Nach Angaben des VGT werden auf dem Betrieb Schafe, Ziegen und Rinder gehalten. Der „Kurier“ nennt einen Bestand von rund 1.000 Tieren, die in zwei Hallen untergebracht sein sollen. Zwischen Anfang April und Anfang August 2026 sollen laut einer mutmaßlich betriebsinternen Liste insgesamt 249 Tiere verendet sein. Rechnerisch wären das etwas mehr als zwei Tiere pro Tag. Welche Ursachen hinter den Todesfällen stehen, ob die Liste vollständig ist und wie die Zahlen veterinärmedizinisch einzuordnen sind, lässt sich anhand der bislang veröffentlichten Informationen jedoch nicht beurteilen.
David Richter vom VGT bezeichnet die Zustände auf dem Betrieb als katastrophal. Auf vom Verein vorgelegten Aufnahmen sollen Rinder in stark verschmutzten Bereichen sowie tote und sterbende Tiere zu sehen sein. Darüber hinaus behauptet der VGT, der Betreiber habe trotz eines im Mai 2023 ausgesprochenen Tierhalteverbots weiterhin Tiere gehalten. Auf einer Aufnahme soll der Betreiber außerdem eine Ziege an den Hörnern über eine Buchtenwand ziehen, während eine weitere Person mehrfach mit einer Mistgabel auf Tiere eingeschlagen haben soll. Dabei handelt es sich zunächst um Darstellungen des VGT und nicht um rechtskräftig festgestellte Tatsachen.
Der aktuelle Fall steht nach Medienberichten nicht für sich allein. Bereits 2013 sowie in den Jahren 2022 und 2023 soll es Anzeigen im Zusammenhang mit der Tierhaltung auf dem Betrieb gegeben haben. Laut VGT wurde gegen den Betreiber in der Vergangenheit bereits ein Verfahren wegen Tierquälerei geführt, das mit einer Diversion beendet worden sein soll. Nach früheren Anzeigen wurde zudem wiederholt eine Taskforce Tierschutz eingesetzt. Dass nun erneut massive Vorwürfe erhoben werden, wirft deshalb auch die Frage auf, welche konkreten Beanstandungen den Behörden bereits bekannt waren und welche Maßnahmen daraus tatsächlich folgten.
Behörde ordnet Behebung festgestellter Mängel an
Die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten bestätigte gegenüber Medien den Eingang entsprechender Anzeigen. Der Betrieb sei zuletzt am 12. August 2026 durch die Veterinärbehörde kontrolliert worden. Dabei habe die Behörde die umgehende Behebung festgestellter Mängel angeordnet und angekündigt, die Umsetzung dieser Aufträge zu überwachen. Zusätzlich wurden Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Damit steht zumindest fest, dass bei der Kontrolle Beanstandungen festgestellt wurden – welche davon mit den vom VGT erhobenen schweren Vorwürfen übereinstimmen, ist bislang jedoch offen.
Welche konkreten Mängel festgestellt wurden, wurde öffentlich bisher nicht näher erläutert. Ebenso ist noch nicht bekannt, welche Sanktionen aus den eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahren resultieren könnten. Die Bezirkshauptmannschaft erklärte, den Betrieb weiterhin hinsichtlich der Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorgaben zu beobachten. Der VGT kritisiert deshalb nicht nur den Landwirt, sondern auch das Vorgehen der zuständigen Behörden. Entscheidend wird nun sein, ob die laufenden Kontrollen und Verfahren die vom Verein erhobenen Vorwürfe bestätigen oder ein deutlich differenzierteres Bild ergeben.
Landwirt weist Vorwürfe zurück – Gemeinde grenzt Betrieb klar ab
Der betroffene Landwirt Franz Gramer bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Damit stehen sich derzeit die schwerwiegenden Darstellungen des VGT und die Zurückweisung durch den Betreiber gegenüber. Eine abschließende behördliche oder gerichtliche Bewertung der aktuell veröffentlichten Vorwürfe liegt bislang nicht vor. Gerade deshalb ist es wichtig, zwischen dokumentierten Behördenmaßnahmen, Angaben aus Medienberichten und den weitergehenden Behauptungen des VGT zu unterscheiden.
Auch die Stadtgemeinde Traismauer reagierte auf die Berichterstattung und distanzierte sich von den geschilderten Vorgängen. Gleichzeitig stellte die Gemeinde klar, dass der betroffene Betrieb Franz Gramer gehört und nicht mit dem Betrieb von Herbert Gramer aus Traismauer verwechselt werden darf. Zwischen beiden Betrieben beziehungsweise Personen bestehe weder ein verwandtschaftlicher noch ein sachlicher Zusammenhang. Diese Klarstellung ist angesichts der Namensgleichheit wichtig, um eine falsche Zuordnung der Vorwürfe zu vermeiden.
Unabhängig davon bleiben erhebliche Fragen offen. Wenn tatsächlich innerhalb weniger Monate 249 Tiere verendet sein sollten, muss geklärt werden, welche Ursachen dahinterstehen und ob diese Zahl im Verhältnis zum gesamten Tierbestand außergewöhnlich ist. Ebenso muss sich zeigen, welche der vom VGT veröffentlichten Aufnahmen und Schilderungen durch die zuständigen Behörden bestätigt werden können. Dass die Behörde Mängel festgestellt und Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet hat, ist bereits dokumentiert – daraus lässt sich jedoch noch nicht automatisch ableiten, dass sämtliche vom VGT erhobenen Vorwürfe zutreffen.
Für eine belastbare Bewertung des Falls sind deshalb die Ergebnisse der weiteren Kontrollen und Verfahren entscheidend. Sollten sich die schwersten Vorwürfe bestätigen, wäre zu erklären, weshalb trotz früherer Anzeigen und behördlicher Maßnahmen offenbar erneut gravierende Zustände entstanden sein konnten. Sollten sich einzelne Darstellungen dagegen als überzogen oder nicht belegbar herausstellen, müsste dies ebenso deutlich benannt werden. Bis dahin bleibt der Fall ein Beispiel dafür, warum zwischen öffentlichkeitswirksamen Vorwürfen und tatsächlich festgestellten Verstößen sauber unterschieden werden muss.
Quellen
- meinbezirk.at – Mögliche Tierquälerei: Schwerwiegende Vorwürfe gegen Bauer aus Traismauer
https://www.meinbezirk.at/herzogenburgtraismauer/c-lokales/schwerwiegende-vorwuerfe-gegen-bauer-aus-traismauer_a8865731 - kurier.at – 249 tote Tiere in vier Monaten: erneute Vorwürfe gegen Mastbetrieb
https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/st-poelten-vgt-vorwuerfe-misstaende/403186193 - kurier.at – Tierhaltung in St. Pölten: Kritik an Behörden wächst
https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/vgt-st-poelten-land-mastbetrieb-tierhaltung-david-richter-traismauer/403186472 - meinbezirk.at – Tierquälerei-Skandal in Traismauer
https://www.meinbezirk.at/herzogenburgtraismauer/c-lokales/tierquaelerei-skandal-in-traismauer_a5585404
