PETA veröffentlicht Aufnahmen aus „Farbenspiel – Gold Edition“
Circus Krone gastiert ab Mittwoch in Stendal. Noch vor Beginn des Gastspiels erhebt die Tierrechtsorganisation PETA erneut schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Grundlage sind Videoaufnahmen aus dem seit April 2025 laufenden Programm „Farbenspiel – Gold Edition“, die Dressuren mit Großkatzen, Pferden, Hunden und Kamelen zeigen sollen.
Auf dem von PETA veröffentlichten Material sind unter anderem Hunde zu sehen, die auf den Hinterbeinen laufen, sowie Szenen einer Großkatzendressur, bei der Stock und Peitsche eingesetzt werden. PETA bewertet diese Bilder als Beleg für Tierquälerei und fordert Circus Krone, das Direktorenpaar sowie dessen Sohn Alexis Lacey auf, Tierdressuren vollständig einzustellen. Gleichzeitig ruft die Organisation Besucher dazu auf, keine Eintrittskarten für das Gastspiel zu kaufen.
Dabei muss jedoch zwischen der Darstellung einer Tierrechtsorganisation und einer behördlich festgestellten Tierschutzverletzung unterschieden werden. Die veröffentlichten Aufnahmen stammen aus einer PETA-Dokumentation und werden von der Organisation selbst interpretiert. Eine unabhängige veterinärmedizinische Bewertung der gezeigten Szenen oder eine amtliche Feststellung zu Verstößen beim aktuellen Gastspiel in Stendal liegt bislang nicht vor.
PETA-Fachreferentin Yvonne Würz spricht von sichtbar verängstigten Großkatzen und Pferden. Die Organisation beschreibt außerdem ein Pferd, das aus der Manege ausgebrochen und nur knapp gestoppt worden sein soll, ruckartige Zügelbewegungen bei Kamelen sowie ein Kamel, das eine Reiterin abgeworfen habe.
Solche Situationen können spektakulär wirken, sind für sich genommen jedoch noch kein Nachweis dafür, dass gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wurde. Entscheidend wäre vielmehr eine fachliche Bewertung der konkreten Haltung, Trainingsmethoden und des körperlichen Zustands der betroffenen Tiere durch die zuständigen Veterinärbehörden.
Frühere Verfahren zeigen Unterschiede zwischen PETA-Vorwurf und juristischer Bewertung
PETA verweist zur Untermauerung der aktuellen Kritik auf frühere Aufnahmen und Verfahren gegen Circus Krone. Bereits 2019 hatte die Organisation nach Aufnahmen einer Dressurprobe mit Löwinnen und einem Tiger Anzeige erstattet.
Das damalige Ermittlungsverfahren wurde nach Angaben PETAs von der zuständigen Staatsanwaltschaft eingestellt. Nach Darstellung der Organisation seien keine erheblichen Leiden oder erheblichen Schmerzen festgestellt worden, sondern lediglich leichtere Schmerzen.
Gerade dieser frühere Fall zeigt allerdings, dass die juristische Bewertung deutlich von der öffentlichen Darstellung PETAs abweichen kann. Aus einer von einer Tierrechtsorganisation als „Tierquälerei“ bezeichneten Szene folgt nicht automatisch, dass tatsächlich ein strafbarer oder tierschutzrechtlich relevanter Verstoß vorliegt.
Auch für den aktuellen Fall in Stendal müsste daher zunächst geklärt werden, was auf den Aufnahmen tatsächlich zu sehen ist, in welchem Zusammenhang die einzelnen Szenen entstanden und ob die zuständigen Behörden darin einen Verstoß gegen geltende Vorschriften erkennen.
Weitere von PETA angeführte Fälle betreffen eine Aufnahme aus dem November 2022, auf der ein Mitarbeiter ein Pferd mit einem Strick am Kopf getroffen haben soll, sowie Material aus dem August 2024 von der Krone-Farm in Weßling. Dort soll erneut der Einsatz einer Peitsche gegenüber Großkatzen zu sehen gewesen sein.
Für diese Darstellungen liegen in den öffentlich verfügbaren Informationen jedoch keine vollständigen amtlichen Bescheide, veterinärmedizinischen Gutachten oder gerichtlichen Entscheidungen vor, die PETAs Bewertung bestätigen würden. Entsprechend können sie nicht ohne weitere Einordnung als festgestellte Missstände dargestellt werden.
GERATI hat die wiederkehrenden Vorwürfe PETAs gegen Circus Krone bereits ausführlicher eingeordnet. Der Beitrag „Tierquälerei? PETA gegen Circus Krone“ zeigt, wie regelmäßig die Organisation aus einzelnen Aufnahmen weitreichende Schlussfolgerungen über Tierhaltung und Dressur zieht:
PETA verbindet aktuellen Vorwurf mit grundsätzlicher Kampagne gegen Zirkustiere
Die aktuellen Vorwürfe gegen Circus Krone bleiben nicht auf die konkreten Szenen beschränkt. PETA nutzt das Gastspiel in Stendal erneut, um eine grundsätzliche politische Forderung nach einem Verbot von Wildtieren in Zirkusbetrieben zu platzieren.
Die Organisation fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, ein entsprechendes Verbot durchzusetzen, und verweist dabei unter anderem auf Circus Roncalli. Dieser verzichtet seit den 1990er-Jahren auf Wildtierdressuren und seit 2018 vollständig auf lebende Tiere im Programm.
Darüber hinaus nennt PETA Länder wie Griechenland, Malta und Zypern, in denen Tierhaltung in Zirkusbetrieben weitgehend oder vollständig untersagt wurde, sowie weitere europäische Staaten mit Einschränkungen für bestimmte Tierarten.
Diese Beispiele sind Teil der politischen Argumentation PETAs. Sie ändern jedoch nichts daran, dass Tierhaltung und Tierdressuren in deutschen Zirkusbetrieben nicht grundsätzlich verboten sind. Ob im Einzelfall gegen Tierschutzvorschriften verstoßen wird, muss daher anhand der konkreten Haltung und des konkreten Umgangs mit den Tieren beurteilt werden und nicht allein anhand der grundsätzlichen Ablehnung von Tierdressuren.
PETA verweist außerdem auf eine angeblich repräsentative Umfrage, nach der 62 Prozent der Befragten ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen unterstützen sollen. In der veröffentlichten Mitteilung werden jedoch weder die exakte Fragestellung noch sämtliche methodischen Details der Erhebung ausführlich dargestellt. Ohne diese Angaben lässt sich die Aussagekraft einer solchen Zahl nur eingeschränkt bewerten.
Kritik ist legitim – Beweise müssen trotzdem belastbar sein
Dass Tierhaltung und Dressur in Zirkusbetrieben kritisch beobachtet werden, ist selbstverständlich legitim. Auch Videoaufnahmen können Anlass für Kontrollen oder weitere Untersuchungen sein.
Problematisch wird es jedoch, wenn aus einzelnen Szenen bereits eine abschließende Bewertung abgeleitet wird, bevor Behörden oder unabhängige Fachleute die betreffenden Vorgänge eingeordnet haben. Genau diese Trennung zwischen Vorwurf und festgestelltem Verstoß ist bei der Berichterstattung über Tierschutzthemen entscheidend.
Für das Gastspiel von Circus Krone in Stendal ist derzeit dokumentiert, dass PETA Vorwürfe erhebt, Videos veröffentlicht und zu einem Boykott des Zirkus aufruft. Eine amtliche Bestätigung, dass die gezeigten Dressuren gegen das Tierschutzrecht verstoßen, liegt bislang jedoch nicht vor.
Damit bleibt auch dieser Fall zunächst das, was viele ähnliche Auseinandersetzungen zwischen PETA und Tierhaltern sind: eine öffentlichkeitswirksame Kampagne mit schweren Vorwürfen, deren tatsächliche rechtliche und fachliche Bewertung erst durch zuständige Behörden erfolgen müsste.
Quellen
- PETA Presseportal – Circus Krone in Stendal – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde – PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-stendal-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/
- PETA Presseportal – Circus Krone in Landau – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde – PETA-Video zeigt Tierleid – https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-landau-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid/
- PETA Presseportal – Circus Krone in Heidenheim – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde – PETA-Video zeigt Tierleid bei aktueller Tour – https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-heidenheim-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid-bei-aktueller-tour/
- PETA Presseportal – Circus Krone in Marburg – knallende Peitschen sowie verängstigte Großkatzen, Pferde und Hunde – PETA-Video zeigt Tierleid – https://presseportal.peta.de/circus-krone-in-marburg-knallende-peitschen-sowie-veraengstigte-grosskatzen-pferde-und-hunde-peta-video-zeigt-tierleid/
- GERATI – Tierquälerei? PETA gegen Circus Krone – https://gerati.de/2025/06/11/tierquaelerei-peta-gegen-circus-krone-6rkz/
