Der Jahreswechsel ist traditionell ein Moment der Reflexion. Man blickt zurück, zieht Bilanz und formuliert Erwartungen für das Kommende. Auch im Themenfeld Tierschutz und Tierhaltung bietet der Beginn eines neuen Jahres Anlass, innezuhalten und nüchtern zu analysieren, wo wir stehen – und wohin sich gesellschaftliche Debatten entwickeln.
Für GERATI ist das neue Jahr kein bloßer Kalendereinschnitt, sondern ein weiterer Abschnitt in einem fortlaufenden Diskurs, der zunehmend emotionalisiert, ideologisiert und politisiert wird. Während seriöser Tierschutz auf fachlicher, rechtlicher und praktischer Ebene stattfindet, dominieren in der öffentlichen Wahrnehmung häufig radikale Narrative, vereinfachte Schuldzuweisungen und moralische Absolutheitsansprüche.
Gerade deshalb ist es notwendig, zum Jahresbeginn einen klaren Blick auf die Realität zu werfen.
Tierschutz ist kein Gefühl – sondern Verantwortung
Ein zentrales Missverständnis, das sich auch im vergangenen Jahr erneut gezeigt hat, ist die Gleichsetzung von persönlicher Betroffenheit mit fachlicher Kompetenz. Emotionen spielen im gesellschaftlichen Diskurs eine Rolle, sie dürfen jedoch nicht zum alleinigen Maßstab politischen oder rechtlichen Handelns werden.
Tierschutz im Sinne des deutschen und europäischen Rechts ist kein ideologisches Konzept, sondern ein Schutzauftrag mit klar definierten Grenzen. Er basiert auf dem Grundsatz, Tieren Schmerzen, Leiden und Schäden ohne vernünftigen Grund zu ersparen. Er ist eingebettet in ein Spannungsfeld aus Ernährungssicherung, Forschung, Landwirtschaft, Artenschutz und kulturellen Traditionen.
Wer Tierschutz ernst nimmt, muss bereit sein, diese Komplexität anzuerkennen – auch wenn sie unbequeme Realitäten einschließt.
Der fortschreitende Bedeutungsverlust des Rechts
Besorgniserregend ist die zunehmende Entkopplung öffentlicher Debatten vom geltenden Recht. Immer häufiger werden Forderungen erhoben, die nicht nur über bestehende Gesetze hinausgehen, sondern diese faktisch delegitimieren. Tierhaltungsformen, die nachweislich legal, kontrolliert und wissenschaftlich begleitet sind, werden pauschal als „Tierquälerei“ diffamiert.
Diese Entwicklung ist gefährlich. Sie untergräbt das Vertrauen in rechtsstaatliche Verfahren und fördert eine Atmosphäre, in der moralische Selbstüberhöhung über rechtliche Bewertung gestellt wird. Im vergangenen Jahr zeigte sich erneut, dass Anzeigen, Kampagnen und mediale Skandalisierungen oft nicht der Verbesserung des Tierschutzes dienen, sondern politischen oder aktivistischen Zielen.
GERATI wird auch im neuen Jahr klar benennen, wo Recht missachtet, verzerrt oder bewusst ignoriert wird.
Radikalisierung im Namen der Tiere
Ein weiterer Trend, der sich nicht ignorieren lässt, ist die zunehmende Radikalisierung bestimmter Strömungen, die sich selbst als „Tierrechtsbewegung“ bezeichnen. Aktionen, bei denen Ställe illegal betreten, Betriebe öffentlich an den Pranger gestellt oder Mitarbeiter persönlich bedroht werden, sind längst keine Einzelfälle mehr.
Dabei wird häufig der Eindruck erweckt, es handle sich um notwendige Mittel zur Aufdeckung angeblicher Missstände. Tatsächlich jedoch werden rechtliche Verfahren umgangen, Beweise manipuliert und Existenzen gefährdet – oft ohne dass am Ende ein tatsächlicher Rechtsverstoß festgestellt wird.
Das neue Jahr darf nicht mit der stillschweigenden Akzeptanz solcher Methoden beginnen. Wer Recht und Ordnung aushebelt, schadet nicht nur den betroffenen Betrieben, sondern auch dem Ansehen des seriösen Tierschutzes insgesamt.
Die Rolle der Medien – zwischen Aufklärung und Skandalisierung
Medien tragen eine besondere Verantwortung in der Vermittlung komplexer Sachverhalte. Leider hat sich auch im vergangenen Jahr gezeigt, dass diese Verantwortung nicht immer wahrgenommen wird. Verkürzte Darstellungen, emotional aufgeladene Bildsprache und fehlende rechtliche Einordnung prägen viele Berichte über Tierhaltung und Landwirtschaft.
Das Resultat ist eine verzerrte Wahrnehmung, in der Einzelfälle als systemisches Versagen dargestellt werden. Differenzierung bleibt auf der Strecke, während Narrative bedient werden, die hohe Reichweite versprechen.
GERATI wird auch im neuen Jahr Medienberichte kritisch analysieren, Quellen prüfen und dort widersprechen, wo journalistische Sorgfalt durch Aktivismus ersetzt wird.
Landwirtschaft zwischen Realität und Erwartungshaltung
Kaum ein Bereich steht gesellschaftlich so unter Druck wie die Nutztierhaltung. Landwirte sehen sich mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert: günstig produzieren, höchste Standards erfüllen, regional wirtschaften, klimaneutral arbeiten und gleichzeitig wirtschaftlich überleben.
Diese Anforderungen lassen sich nicht durch moralische Appelle lösen. Sie erfordern politische Weichenstellungen, realistische Förderkonzepte und einen ehrlichen Dialog mit denjenigen, die täglich Verantwortung für Tiere tragen.
Ein neues Jahr sollte Anlass sein, die Rolle der Landwirtschaft nicht weiter zu dämonisieren, sondern sachlich zu diskutieren, wie Tierwohl realistisch und nachhaltig verbessert werden kann – ohne ideologische Scheuklappen.
Warum klare Begriffe entscheidend sind
Ein zentrales Anliegen von GERATI bleibt die klare Trennung zwischen Tierschutz und Tierrecht. Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern grundlegend für jede sachliche Debatte. Während Tierschutz innerhalb bestehender gesellschaftlicher Strukturen agiert, zielt Tierrecht auf deren grundlegende Abschaffung ab.
Wer diese Unterschiede verwischt, trägt zur Verwirrung bei und erschwert konstruktive Lösungen. Auch im neuen Jahr wird GERATI Begriffe präzise verwenden und dort korrigieren, wo Sprache bewusst instrumentalisiert wird.
Ausblick: Was das neue Jahr bringen muss
Das neue Jahr wird Herausforderungen mit sich bringen – rechtlich, politisch und gesellschaftlich. Es wird weitere Kampagnen geben, weitere Skandalisierungsversuche und weitere Versuche, den Tierschutzbegriff für ideologische Zwecke zu vereinnahmen.
GERATI wird diesen Entwicklungen weiterhin mit Analyse, Dokumentation und klarer Haltung begegnen. Nicht laut, nicht populistisch, sondern faktenbasiert und rechtsorientiert.
Ein neues Jahr bedeutet nicht, alte Probleme zu vergessen. Es bedeutet, ihnen mit neuer Klarheit zu begegnen.
Schlussgedanke zum Jahresbeginn
Tierschutz lebt nicht von Empörung, sondern von Verantwortung. Er braucht Fachwissen statt Schlagworte, Rechtssicherheit statt Moralismus und Dialog statt Eskalation.
In diesem Sinne versteht sich GERATI auch im neuen Jahr als Gegenpol zu Radikalisierung und Vereinfachung – und als Plattform für eine Debatte, die Tiere schützt, ohne den Rechtsstaat zu untergraben.
Das neue Jahr beginnt. Die Aufgabe bleibt.
