Köln hat Roncalli-Direktor Bernhard Paul für sein Lebenswerk geehrt. Oberbürgermeister Torsten Burmester empfing den Zirkusgründer am 27. Oktober 2026 in der Piazzetta des Rathauses, wo Paul sich ins Gästebuch der Stadt eintrug. Der Empfang fiel in das Jahr des 50-jährigen Roncalli-Jubiläums, dessen Programm im Frühjahr auch auf dem Kölner Neumarkt zu sehen war. Im Mittelpunkt stand neben Pauls künstlerischer Arbeit seine Verbindung zu einer Stadt, in der er nach schwierigen Anfängen eine dauerhafte Heimat für sein Unternehmen fand.
Köln als Heimat und künstlerischer Wendepunkt
1978 kam Paul nach Köln, zwei Jahre nach Roncallis Weltpremiere auf der Bonner Hofgartenwiese. Seine Ankunft beschrieb er beim Empfang mit einem persönlichen Bild: „Ich kam mit nichts, aber mit einem vollen Herzen.“ Burmester erinnerte daran, dass der Zirkus damals kurz vor dem Scheitern gestanden habe und das Geld aufgebraucht gewesen sei. Dass Paul sich unter diesen Umständen für Köln entschieden hatte, machte der Oberbürgermeister zu einem zentralen Punkt seiner Würdigung. „Sie haben unsere Stadt nie nur als Standort gesehen“, sagte er.
Auch in Roncallis eigener Unternehmensgeschichte nimmt Köln eine besondere Stellung ein. Die Welturaufführung datiert das Unternehmen auf den 18. Mai 1976; die Kölner Premiere von „Die Reise zum Regenbogen“ am 4. Juni 1980 beschreibt es als entscheidenden Durchbruch. Damit liegen zwischen dem Beginn des Zirkus und diesem künstlerischen Wendepunkt vier Jahre. Beim Rathausempfang würdigte Burmester Pauls neue Interpretationen der Zirkuskunst und die Arbeit hinter scheinbar mühelosen Bewegungen. Zur Verbundenheit mit Köln gehört außerdem eine Restaurierungspatenschaft, die Paul nach dem Einsturz des Stadtarchivs übernommen hatte.
Der Stammsitz soll in Köln bleiben
Paul verband seinen Dank für die Ehrung mit einem Bekenntnis zum Standort. Seine Familie und er seien trotz mancher Anstrengung froh über die Entscheidung, sich in Köln niedergelassen zu haben. „Die Stadt ist mir ans Herz gewachsen“, sagte er. Roncalli will seinen Stammsitz und seinen Steuersitz in Köln behalten. Für die Stadt reicht diese Verbindung damit über die Zeiten hinaus, in denen das Zirkuszelt auf dem Neumarkt steht: Ein reisendes Unternehmen kann andernorts auftreten und dennoch wirtschaftlich an seinem Heimatstandort verankert bleiben.
Diesen Zusammenhang erläuterte Paul mit einer konkreten Zahl. Roncalli zahle jährlich 400.000 Euro Gewerbesteuer in Köln, sagte er beim Empfang. Auch die Einnahmen aus dem Geschäft von New York bis Kopenhagen würden hier versteuert, erklärte der Direktor. Die Summe ist seine eigene Angabe. Seinen Hinweis auf die Steuerzahlung verband er mit einer selbstironischen Bemerkung: „Das zahlen wir gerne und reden da nicht drüber. Außer heute.“ So bekam das persönliche Bekenntnis zu Köln neben der kulturellen auch eine wirtschaftliche Dimension.
Museumswunsch und nächste Generation
Ein Zirkusmuseum in Köln gehört seit mehr als zehn Jahren zu Pauls Wünschen. Beim Empfang griff er das Thema mit Humor auf: „Eines Tages, vielleicht zum 100. Geburtstag, eröffnen wir das.“ Paul wird 2027 zunächst 80 Jahre alt. Er erklärte, in den nächsten Jahren noch einiges erledigen zu wollen. Der Museumswunsch richtet den Blick dabei auf eine andere Form der Verbindung zwischen Roncalli und Köln: Neben den zeitlich begrenzten Gastspielen steht Pauls Vorstellung eines festen Ortes für Zirkusgeschichte.
Zum Empfang begleiteten ihn seine Frau Eliana, Tochter Vivian und Sohn Adrian. Tochter Lili stand unterdessen in Innsbruck in der Manege; das dortige Jubiläumsprogramm behandelt auch der GERATI-Bericht über Roncallis Jubiläumstournee in Innsbruck. Bereits bei der Ankündigung der Tournee hatte das Unternehmen Vivian, Adrian und Lili als nächste Generation hervorgehoben. Im Rathaus sorgte Musikdirektor Georg Pommer für die musikalische Begleitung, während unter anderem Tommy Engel und Matthias Opdenhövel gratulierten; NRW-Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur schickte eine Videobotschaft. Paul selbst beließ es nicht beim Rückblick auf sein Lebenswerk, sondern bot der Stadt Unterstützung an: „Wenn ihr etwas benötigt und wir helfen können, sind wir da.“
Quellen
- express.de – Empfang der Stadt Köln für Roncalli: Paul scherzt über Steuer | Express – https://www.express.de/koeln/empfang-der-stadt-koeln-fuer-roncalli-paul-scherzt-ueber-steuer-1404067
- roncalli.de – Vorverkaufsstart Tournee 2026 – Circus-Theater Roncalli – https://www.roncalli.de/news/vorverkaufsstart-tournee-2026/

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