Der Timmendorfer Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke darf mit sofortiger Wirkung seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben. Der Hauptausschuss der Gemeinde Timmendorfer Strand fasste den entsprechenden Beschluss am 17. September 2026. Grundlage ist nach Angaben der Gemeinde § 39 Beamtenstatusgesetz; das Verbot umfasst sämtliche mit dem Bürgermeisteramt verbundenen Dienstgeschäfte, Aufgaben und Befugnisse. Die Vorgeschichte führt zurück zu einem inzwischen monatelangen Konflikt, in dessen Mittelpunkt neben dem Bürgermeister auch der YouTuber Robert Marc Lehmann steht.
Hauptausschuss untersagt sämtliche Dienstgeschäfte
Die Gemeinde erklärte, das Verbot diene ausschließlich dem Schutz der Gemeinde Timmendorfer Strand und solle bis zur abschließenden Klärung der disziplinarrechtlichen und gegebenenfalls strafrechtlichen Verfahren gelten. Partheil-Böhnke steht seit Monaten im Fokus strafrechtlicher Ermittlungen, außerdem läuft seit dem Sommer ein Disziplinarverfahren beim Kreis. Die Amtsgeschäfte übernehmen weiterhin die ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister. Gleichzeitig betont die Gemeinde ausdrücklich die Unschuldsvermutung, denn eine strafrechtliche Schuld des Bürgermeisters ist bislang nicht festgestellt worden.
Der aktuelle Schritt ist damit erheblich, darf aber nicht mit einer Verurteilung gleichgesetzt werden. Welche konkreten Erkenntnisse den Hauptausschuss letztlich zum Verbot der Dienstgeschäfte veranlassten, legt die Gemeinde nicht offen. Sie verweist dabei ausdrücklich auf den Schutz des Bürgermeisters. Fest steht lediglich, dass inzwischen sowohl disziplinarrechtliche als auch strafrechtliche Fragen im Raum stehen.
Robert Marc Lehmann war selbst Teil des eskalierten Konflikts
Ausgangspunkt der späteren Affäre war die Strandung eines Buckelwals vor Niendorf im März 2026. Robert Marc Lehmann reiste nach Timmendorfer Strand und beteiligte sich an den Maßnahmen rund um das Tier. Bereits während und nach dem Einsatz entstanden jedoch erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie fachgerecht vorgegangen worden war und welche Rolle Lehmann bei den Ereignissen gespielt hatte. Bürgermeister Partheil-Böhnke kritisierte Lehmann anschließend öffentlich und erklärte unter anderem, dieser habe sich aus seiner Sicht nicht als der erhoffte Experte erwiesen.
Genau dieser Punkt sollte in der späteren Debatte nicht untergehen: Die Ermittlungen gegen den Bürgermeister beantworten nicht automatisch die Frage, ob Lehmann bei der Wal-Aktion fachlich richtig gehandelt oder die Ereignisse anschließend zutreffend dargestellt hat. Beides sind voneinander getrennte Fragen. Auch die Lübecker Nachrichten beschrieben die Auseinandersetzung später als öffentliche „Schlammschlacht“, in der beide Seiten ihre Version der Ereignisse verbreiteten. Lehmann selbst ging Monate später mit seiner Sicht an die Öffentlichkeit und kündigte dazu auch ein eigenes YouTube-Video an.
Schwere Vorwürfe gegen Lehmann tauchten in E-Mails auf
Nach der Wal-Aktion wurden mehrere E-Mails bekannt, die über einen Dienst-Account beziehungsweise im Namen des Bürgermeisters verschickt worden sein sollen. Darin wurde Lehmann massiv angegriffen. Nach Recherchen der Lübecker Nachrichten wurden seine Kompetenz und seine Darstellung der Ereignisse infrage gestellt; in einer der bekannt gewordenen Nachrichten standen sogar Hochstapelei-Vorwürfe im Raum. Die Tatsache, dass solche Vorwürfe erhoben wurden, bedeutet allerdings nicht, dass sie damit bewiesen sind.
Partheil-Böhnke bestreitet, für die betreffenden Nachrichten verantwortlich zu sein, und erklärte, sein Kommunikationszugang sei durch einen Hackerangriff kompromittiert worden. Genau diese Darstellung ist inzwischen selbst Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Lübeck bestätigte einen Anfangsverdacht wegen des möglichen Vortäuschens einer Straftat; zusätzlich wird wegen des Verdachts der Beleidigung ermittelt. Polizei und Staatsschutz prüfen insbesondere, ob der vom Bürgermeister behauptete Fremdzugriff tatsächlich stattgefunden hat.
Forensische Untersuchung wirft weiterhin Fragen auf
Bemerkenswert ist, dass die Gemeinde den behaupteten Hackerangriff zusätzlich forensisch untersuchen ließ. Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt dem Hauptausschuss bereits seit Monaten vor. Öffentlich bekannt gemacht wurde es bislang jedoch nicht. Daraus lässt sich weder ableiten, dass ein Hackerangriff nachgewiesen wurde, noch dass die Untersuchung einen Fremdzugriff ausgeschlossen hätte.
Gerade deshalb bleibt eine vorschnelle Bewertung problematisch. Sollte tatsächlich ein Fremdzugriff nachgewiesen werden, wäre die zentrale Verteidigung des Bürgermeisters gestützt. Sollte sich dagegen ergeben, dass es keinen solchen Zugriff gab, würde sich zwangsläufig die Frage stellen, wie die Nachrichten entstanden sind und weshalb ein Hackerangriff als Erklärung genannt wurde. Bis die Ermittlungsbehörden diese Fragen abschließend beantworten, gilt für Partheil-Böhnke die Unschuldsvermutung.
Ermittlungen gegen den Bürgermeister sind kein Freispruch für Lehmann
Für die öffentliche Debatte ist vor allem eine Trennung wichtig: Ein mögliches Fehlverhalten des Bürgermeisters macht Robert Marc Lehmann nicht automatisch zum fachlich richtigen Akteur der ursprünglichen Wal-Auseinandersetzung. Die Kritik an Lehmanns Rolle während und nach der Aktion bleibt eine eigenständige Frage und muss anhand der damaligen Abläufe, seiner Aussagen sowie der Einschätzungen anderer Beteiligter beurteilt werden. Ebenso wenig darf aus Kritik an Lehmann geschlossen werden, dass die später über ihn verschickten Nachrichten rechtmäßig oder inhaltlich zutreffend gewesen seien. Die strafrechtlichen Ermittlungen befassen sich mit konkreten Handlungen und nicht mit der Frage, wer den öffentlichen Streit „gewonnen“ hat.
Aus einer kontroversen Wal-Aktion ist damit innerhalb weniger Monate ein Fall geworden, der weit über den ursprünglichen Streit hinausgeht. Lehmann spielte bei der Eskalation der öffentlichen Auseinandersetzung eine zentrale Rolle, während Partheil-Böhnke inzwischen mit strafrechtlichen Ermittlungen, einem Disziplinarverfahren und dem vollständigen Verbot seiner Amtsgeschäfte konfrontiert ist. Welche strafrechtlichen Konsequenzen daraus folgen, ist derzeit offen. Die Entscheidung des Hauptausschusses zeigt jedoch, dass die Angelegenheit für die Gemeinde inzwischen eine neue Dimension erreicht hat.
Quellen
- Lübecker Nachrichten – Timmendorf: Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke darf Geschäfte nicht mehr führen – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/timmendorf-buergermeister-sven-partheil-boehnke-darf-geschaefte-nicht-mehr-fuehren-AYI4Q5XAJND3PEJCROSGC7W4KU.html
- NDR – Ermittlungen gegen Timmendorfer Bürgermeister Partheil-Böhnke – https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/luebeck_herzogtum-lauenburg_ostholstein/ermittlungen-gegen-timmendorfer-buergermeister-partheil-boehnke%2Cregionluebecknews-2696.html
- NDR – Chronologie: Buckelwal in der Ostsee – Was geschah wann? – https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/verirrter-buckelwal-was-bisher-geschah%2Cwal-412.html
- Lübecker Nachrichten – „Lehmann ist ein Lügner“: Weitere Bürgermeister-Mails über Lehmann aufgetaucht – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/lehmann-ist-ein-luegner-timmendorfs-buergermeister-nach-neuen-mails-unter-beschuss-im-wal-streit-LMFHBTZXIVBNDBDRBDBBKQEADE.html
- Lübecker Nachrichten – Nach Walrettung in Timmendorf: Hochstapler-Vorwürfe gegen Robert Marc Lehmann – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/nach-walrettung-in-timmendorf-hochstapler-vorwuerfe-gegen-robert-marc-lehmann-VFWWRIS7YVGY3HVQ7MQSJI5MQI.html
- Lübecker Nachrichten – Hackerangriff wurde untersucht: Bürgermeister verschweigt Ergebnis – https://www.ln-online.de/lokales/ostholstein/timmendorf-buergermeister-partheil-boehnke-verschweigt-ergebnis-um-hackerangriff-N5LYHBZOLVHCHE7GRYK6DK4HOU.html

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