In Köln-Ehrenfeld sind in den vergangenen Wochen mehrfach Igel mit dem Kopf in weggeworfenen Plastikbechern stecken geblieben. Der NABU Köln veröffentlichte auf Instagram zwei anonymisierte Fälle und erklärte, die Tiere hätten sich ohne menschliche Hilfe nicht befreien können. Auf den Fotos war teilweise der Schriftzug des Cafés „Impi“ zu erkennen. Damit geriet der Betrieb in den Mittelpunkt einer Debatte über Müll, Tiergefahren und die Verantwortung von Gastronomie und Kundschaft.
Wie aus einem Becher eine Falle wird
Nach Angaben des NABU liegt das Problem in der Form der Becher: Sie verjüngen sich nach oben. Ein Igel kann seinen Kopf hineinstecken, ihn wegen des engeren Bereichs aber nicht ohne Weiteres wieder herausziehen. Die Tiere suchen in solchen Behältern vermutlich nach zurückgebliebenen Getränkeresten oder Gerüchen. Für die betroffenen Igel bedeutet das, dass sie ohne Hilfe festgesetzt bleiben und sich nicht selbst aus der Situation befreien können.
Der NABU Köln fordert deshalb, möglichst Mehrwegbecher einzusetzen oder die Form von Einwegbechern so zu verändern, dass sie keine solche Engstelle bilden. Zusätzlich ruft der Verein dazu auf, herumliegende Becher aufzusammeln und in Abfallbehältern zu entsorgen. Die Forderung richtet sich damit nicht nur an das Café, sondern auch an alle Menschen, die ihren Müll im öffentlichen Raum zurücklassen. Dadurch soll verhindert werden, dass weitere Tiere in die Behälter geraten. Die Diskussion verbindet somit konkrete Tierschutzmaßnahmen mit der allgemeinen Frage nach einem verantwortungsvollen Umgang mit Verpackungen.
Betreiber verweist auf Mehrweg und tägliche Reinigung
Café-Betreiber Robin Bohn zeigte sich gegenüber den Medien betroffen. Es tue ihm leid, wenn Kunden Becher achtlos wegwürfen und dadurch Tiere gefährdeten. Zugleich weist er darauf hin, dass sein Team täglich rund um das Café aufräume. Außerdem bestehe beim „Impi“ bereits seit Jahren ein Mehrwegsystem, bei dem leere Becher im Geschäft zurückgegeben werden können.
Auf dem Instagram-Konto des Cafés bittet Bohn die Kundschaft, Becher, Strohhalme und weiteren Müll in die vorgesehenen Abfalleimer zu werfen. Das Ziel sei, gemeinsam Rücksicht auf Anwohner, Umwelt und Tiere zu nehmen. Nach Angaben aus der Berichterstattung bot der Betreiber dem NABU zudem eine gemeinsame Spendenaktion für Igelfutter an. Eine konkrete Vereinbarung zwischen Café und Verein gab es zunächst nicht.
Wer trägt die Verantwortung für den Müll?
Der aktuelle Streit macht einen praktischen Unterschied sichtbar: Ein Mehrwegsystem kann das Risiko durch weggeworfene Einwegbecher verringern, verhindert aber nicht automatisch, dass einzelne Behälter im Viertel auf dem Boden landen. Für die unmittelbare Gefahr ist deshalb entscheidend, dass Becher nicht liegen bleiben. Die tägliche Reinigung durch das Café kann dabei helfen, ersetzt aber nicht die ordnungsgemäße Entsorgung durch die Kundschaft.
Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die verwendeten Becher für eine Umgebung mit vielen Wildtieren besonders geeignet sind. Der NABU sieht bereits in der Becherform eine vermeidbare Gefahrenquelle und verlangt deshalb eine technische oder organisatorische Lösung. Bohn verweist dagegen auf bestehende Angebote und Reinigungsmaßnahmen. Der Konflikt dreht sich somit weniger um die Frage, ob die Igel gefährdet waren, sondern darum, welche Maßnahme diese Gefahr künftig am zuverlässigsten reduziert.
Vorgeschichte belastet die Debatte
Das Thema fällt in eine bereits angespannte Situation rund um das „Impi“. Nachbarn hatten im April eine Petition gegen das Café gestartet. Im Sommer kam es außerdem zu einem Stink-Anschlag auf das Lokal. Bei einem späteren Gespräch suchten die Beteiligten nach einer Lösung, ohne den Konflikt rechtlich auszutragen.
Gerade deshalb kann der Fund der Igel die Auseinandersetzung weiter verschärfen. Für den NABU ist der Vorfall ein Anlass, auf eine konkrete Gefahr für Wildtiere hinzuweisen. Für das Café steht zugleich der Vorwurf im Raum, für Müll verantwortlich gemacht zu werden, den nach den vorliegenden Berichten offenbar Kunden hinterlassen. Eine tragfähige Lösung müsste daher beide Ebenen berücksichtigen: weniger problematische Verpackungen und eine konsequente Entsorgung im Umfeld des Betriebs.
Für Passanten ist die wichtigste Maßnahme unmittelbar umsetzbar: Herumliegende Becher sollten nicht als harmloser Abfall betrachtet, sondern sicher entsorgt werden. Ein Mehrwegbecher kann das Problem grundsätzlich verringern, entscheidend bleibt jedoch, dass kein Behälter als Falle auf der Straße zurückbleibt.
Quellen
- wetterauer-zeitung.de – NABU kritisiert Café wegen in Bechern gefangener Igel. – https://www.wetterauer-zeitung.de/deutschland/nabu-kritisiert-cafe-wegen-in-bechern-gefangener-igel-zr-94472206.html
- express.de – Igel steckt mit Kopf in Becher: Kölner Café wehrt sich gegen Nabu-Vorwurf – https://www.express.de/koeln/igel-drama-in-koeln-caf-wehrt-sich-gegen-nabu-vorwurf-1364003
- ksta.de – Ärger ums Impi: Nachbarn starten Petition gegen Ehrenfelder Café | Kölner Stadt-Anzeiger – https://www.ksta.de/koeln/ehrenfeld/ehrenfeld/aerger-ums-impi-nachbarn-starten-petition-gegen-ehrenfelder-caf-1250959
