Dürre in Baden-Württemberg belastet Milchviehhalter

Die anhaltende Hitze und Trockenheit bedrohen im baden-württembergischen Crailsheim-Ingersheim die Futterversorgung von rund 130 Milchkühen. Auf dem Familienbetrieb von Harald Gronbach geht der Mais, die wichtigste Futtergrundlage für die Tiere, deutlich früher als üblich in Notreife. Statt Ende September muss der Landwirt die Ernte voraussichtlich bereits Mitte August häckseln – mit entsprechend geringerer Menge und nach seiner Einschätzung mäßiger Qualität.

Maisernte kommt Wochen zu früh

Gronbach berichtet, dass sich tiefe Risse durch das ausgetrocknete Feld im Hohenlohekreis ziehen. In normalen Jahren würde der Mais länger wachsen und mehr Futter für Herbst und Winter liefern. Nun reicht die eigene Ernte nach seinen Angaben nicht aus, sodass der Betrieb zusätzlich Silomais und anderes Futter zukaufen muss. Erste Angebote seien jedoch deutlich teurer als es die derzeitige Qualität rechtfertige, weshalb bei Bedarf auch längere Transporte aus niederschlagsreicheren Regionen erforderlich werden könnten.

Die Folgen reichen damit über einen Ernteausfall hinaus. Kann Gronbach nicht genügend Futter beschaffen, steht nach seiner Darstellung die Zahl der Tiere zur Disposition: Einige ältere Kühe und für die Zucht weniger geeignete Tiere wurden bereits geschlachtet. Weitere Tiere könnten folgen, damit die übrige Herde durch den Herbst und Winter gebracht werden kann. Der Landwirt beschreibt dies als existenzielle Belastung für den Familienbetrieb, betont aber zugleich, dass die Versorgung und das Wohlergehen der Tiere für ihn Vorrang haben.

Hitze belastet auch die Kühe

Neben dem Futtermangel wirkt sich die Hitze unmittelbar auf die Haltung aus. Ventilatoren sorgen im Stall für Luftbewegung und sollen die Kühe abkühlen. Nach Gronbachs Einschätzung kommen die Tiere bis etwa 30 Grad noch gut zurecht; Temperaturen über 35 Grad würden sie deutlich stärker belasten und zugleich die Austrocknung von Feldern und Wiesen verschärfen. Bei Temperaturen nahe 40 Grad setzt der Betrieb zusätzlich eine Viehdusche ein.

Der Landwirt vergleicht die aktuelle Situation mit früheren Hitze- und Trockenjahren wie 1976, 2003, 2006 und 2013. Er habe bereits mehrere außergewöhnliche Sommer als Unternehmer erlebt, die diesjährige Trockenphase dauere jedoch besonders lange. Während es in Teilen der Umgebung geregnet habe, sei die Region um Crailsheim und Hohenlohe weitgehend leer ausgegangen. Eine kurzfristige Wetterwende war zum Zeitpunkt des Berichts nicht absehbar.

Land plant Hilfen für Futter und Transporte

Baden-Württemberg reagiert mit Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft. Brachflächen sollen vorübergehend zur Gewinnung von Futtermitteln genutzt werden können. Für Ökobetriebe wurde zudem der Zukauf konventionellen Grünland- und Ackerfutters ermöglicht. Agrarministerin Marion Gentges (CDU) kündigte außerdem an, prüfen zu lassen, ob Transport- und Beschaffungskosten bezuschusst werden können.

Für Milchviehbetriebe ist diese Unterstützung besonders relevant, weil sie ihre Tierbestände nicht kurzfristig an die verfügbare Futtermenge anpassen können. Futterzukäufe können die Versorgung sichern, erhöhen aber gleichzeitig die Betriebskosten.

Dürre trifft auf längerfristigen Strukturwandel

Die Wetterkrise verschärft eine Entwicklung, die die Milchviehhaltung bereits seit Jahren prägt. Der Milchkuhbestand im Südwesten sank zuletzt auf rund 301.100 Tiere, die Zahl der Milchviehhalter auf 4.890 Betriebe. Damit gibt es nach den Angaben des Landesbauernverbands nur noch etwa halb so viele Milchviehbetriebe wie vor 15 Jahren. Auch der Rinderbestand ging im selben Zeitraum um fast ein Viertel zurück.

Roswitha Geyer-Fäßler, Vizepräsidentin des Landesbauernverbands, bezeichnete den Strukturwandel insbesondere in der Milchviehhaltung als anhaltend. Der tägliche und ganzjährige Arbeitsaufwand erschwere es den Betrieben, zusätzliche Belastungen aufzufangen. Für Gronbach bedeutet die unsichere Futterlage deshalb auch eine Investitionsentscheidung: Größere Ausgaben will er vorerst vermeiden, weil nicht absehbar ist, wie viel Geld in den kommenden Monaten für Futter benötigt wird.

Trotz der wirtschaftlichen Risiken hält der Landwirtschaftsmeister an einem vorsichtigen Optimismus fest. Er verweist auf frühere Dürrejahre, nach denen der Regen zurückkehrte und neue Grünlandschnitte ermöglicht wurden. Für seinen Betrieb bleibt zunächst entscheidend, ob ausreichend Futter zu vertretbaren Preisen verfügbar wird.

Quellen

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