Ein Wolf aus der italienischen Population hat Anfang Oktober in Saalfelden im Salzburger Pinzgau ein Rinderkalb und zwei Schafe getötet. Eine DNA-Analyse bestätigte den Verursacher, nachdem das Verletzungsbild zunächst nicht auf einen Wolf hingedeutet hatte. Die drei Nutztiere waren am 5. Oktober tot aufgefunden worden. Dieses Datum bezeichnet den Fundtag, nicht zwingend den Zeitpunkt der Tötung. Über das Laborergebnis informierte der Salzburger Landeswolfsbeauftragte Hannes Üblagger am 22. Oktober 2026; damit erhielten die zunächst unklaren Todesfälle eine bestätigte Ursache.
Das Rissbild führte zunächst nicht zum Wolf
Beim Fund der Tiere hatten die Fachleute zunächst nicht mit einem Wolfsriss gerechnet. Salzburg24 beschreibt das Rissbild, also die Verletzungen und Spuren der Tötung, als untypisch und unklar. Erst die genetische Untersuchung änderte diese Einschätzung und ordnete die drei getöteten Tiere einem Wolf aus der italienischen Population zu. Der Fall macht damit einen für betroffene Tierhalter wichtigen Unterschied sichtbar: Eine erste Einschätzung anhand der toten Tiere ist noch kein abschließendes Untersuchungsergebnis, und ein ungewöhnliches Rissbild schließt einen Wolf als Verursacher nicht aus.
Bereits im September wurden Risse im Pinzgau untersucht
Der Oktoberfall folgt auf einen weiteren genetisch bestätigten Wolfsriss in der Region. Am 24. September hatte der ORF über das Untersuchungsergebnis zu vier Schafen berichtet, die Anfang September in Unken tot gefunden worden waren. Das Land Salzburg hatte nach diesem Fund das Gebiet für zulässige Wolfsabschüsse um das Saalachtal erweitert. Während in Saalfelden die Abweichung zwischen erster Einschätzung und Laborergebnis auffällt, zeigt der frühere Fall in Unken bereits eine konkrete behördliche Reaktion auf Nutztierrisse im Pinzgau.
Davon zu unterscheiden ist ein weiterer Septemberfall im Steinernen Meer zwischen Saalfelden und Weißbach. Dort waren drei Schafe gerissen worden; zum Berichtsstand des ORF vom 24. September standen die DNA-Ergebnisse noch aus. Auch der frühere GERATI-Beitrag über Wolfsübergriffe und die Belastung der Salzburger Nutztierhalter behandelte einen September-Verdachtsfall bei Saalfelden. Das am 22. Oktober mitgeteilte Ergebnis betrifft dagegen das Kalb und die beiden Schafe, die am 5. Oktober gefunden wurden, und ist keine nachträgliche Aufklärung sämtlicher zuvor gemeldeter Risse rund um Saalfelden.
Bestätigte Schäden und praktische Schutzmaßnahmen
Für den Umgang mit dem nachgewiesenen Übergriff ist die Unterscheidung zwischen genetischem Befund und einer Abschussentscheidung wesentlich. Salzburg24 berichtet, dass im Bundesland jährlich zwei Wölfe präventiv geschossen werden dürfen und nach nachgewiesenen Nutztierrissen zusätzliche Abschussfreigaben über dieses Kontingent hinaus möglich sind. Eine solche Möglichkeit ist jedoch noch keine konkrete Freigabe für den Verursacher des Saalfeldener Falls. Der erste und nach dem Berichtsstand vom 22. Oktober einzige Wolfsabschuss des Jahres 2026 in Salzburg hatte bereits am 6. Juni in Viehhofen stattgefunden, also Monate vor dem Fund der drei Tiere.
Neben möglichen Eingriffen setzt Salzburg seit Jahren auf finanzielle Unterstützung beim Herdenschutz. Nach den vom ORF im September wiedergegebenen Landeszahlen flossen seit 2018 rund 1,5 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen. Für 2025 nennt der Bericht rund 357.000 Euro, für den Zeitraum bis Ende Juli 2026 weitere rund 168.000 Euro. Diese Beträge beziehen sich auf unterschiedlich lange Zeiträume und erlauben deshalb keinen unmittelbaren Vergleich der Jahresausgaben; sie zeigen aber, dass Prävention bereits vor dem bestätigten Oktoberfall ein finanziell unterlegter Bestandteil des Salzburger Umgangs mit Wolfsübergriffen war.
Gefördert werden unter anderem Zäune, Netze für Nachtpferche, elektrische Impulsgeber und GPS-Halsbandsender. Knapp die Hälfte der Schaf- und Ziegenhalter im Land hatte nach den im September veröffentlichten Angaben bereits präventive Schutzmaßnahmen umgesetzt. Diese landesweite Angabe beschreibt allerdings weder die Haltung noch die Schutzvorkehrungen an den betroffenen Tieren in Saalfelden und erklärt deshalb auch nicht, wie es dort zu dem Übergriff kam. Für die betroffenen Halter liegt die praktische Bedeutung des DNA-Ergebnisses zunächst in der geklärten Schadensursache: Der Tod ihrer Tiere kann nun einem Wolfsübergriff zugeordnet werden, während Schutzmaßnahmen und mögliche behördliche Eingriffe jeweils gesondert zu beurteilen sind.
Quellen
- salzburg24.at – Überraschendes DNA-Ergebnis: Wolf tötet Kalb und zwei Schafe in Saalfelden – salzburg24 – https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/ueberraschendes-dna-ergebnis-wolf-toetet-kalb-und-zwei-schafe-in-saalfelden-art-342135
- sn.at – DNA-Ergebnis bestätigt Wolfsriss in Saalfelden – https://www.sn.at/salzburg/chronik/dna-ergebnis-bestaetigt-wolfsriss-in-saalfelden-art-679878
- salzburg.orf.at – DNA-Analyse bestätigt Wolfsriss bei Unken – **salzburg.ORF.at** – https://salzburg.orf.at/stories/3372432/

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