Eine Touristin ist gemeinsam mit ihrem Kind auf den Rücken einer Riesenschildkröte gestiegen. Aufnahmen des Vorfalls aus einem chinesischen Zoo wurden anschließend öffentlich verbreitet und lösten Empörung aus. Kritiker werfen der Einrichtung vor, das Verhalten der Besucher nicht verhindert zu haben. Ob die Frau identifiziert wurde oder der Zoo Konsequenzen angekündigt hat, ist nicht bekannt.
Aufnahmen zeigen ungewöhnliches Verhalten einer Besucherin
Das veröffentlichte Videomaterial zeigt nach Angaben von BILD eine Frau, die mit ihrem Kind auf dem Panzer des Tieres sitzt. Der konkrete Standort des Zoos wird in dem Bericht nicht genannt. Ebenso bleibt offen, wie lange beide auf der Schildkröte blieben und ob Mitarbeiter unmittelbar eingriffen. Angaben zu sichtbaren Verletzungen des Tieres enthält der Bericht nicht.
Die Bezeichnung „Tierquälerei“ ist in diesem Zusammenhang eine Bewertung des Vorfalls. Fest steht, dass das Aufsteigen auf ein Tier keine normale Form des Zoobesuchs ist. Ein harter Panzer sagt zudem nichts darüber aus, wie das Tier auf zusätzliches Gewicht reagiert. Körpergewicht, Dauer der Belastung und die konkrete Reaktion der Riesenschildkröte sind unbekannt.
Kritik an Besucherlenkung und Aufsicht
Neben dem Verhalten der Besucherin steht deshalb die Besucherlenkung des Zoos im Mittelpunkt. Dass die Handlung offenbar stattfinden konnte, wirft Fragen nach der konkreten Gehegegestaltung, den Abständen und der Reaktionszeit des Personals auf. Eine abschließende Bewertung der Aufsicht ist ohne diese Angaben nicht möglich. Für den Betreiber bleibt jedoch die praktische Aufgabe, Besucher über klare Regeln vom Betreten von Gehegen und vom Kontakt mit Tieren abzuhalten und Verstöße zu beenden.
Riesenschildkröten bewegen sich langsam und können Besuchern dadurch besonders leicht zugänglich erscheinen. Diese vermeintliche Ruhe darf jedoch nicht mit Belastbarkeit oder einer Erlaubnis zum Anfassen verwechselt werden. Abstände, geeignete Barrieren und eine erkennbare Aufsicht können dazu beitragen, vergleichbare Situationen zu verhindern. Welche dieser Maßnahmen am betroffenen Gehege vorhanden war oder fehlte, ist nicht bekannt.
Kein Nachweis für konkrete Verletzungen
Der bekannte Bericht nennt weder einen veterinärmedizinischen Befund noch eine behördliche Untersuchung. Damit lässt sich nicht feststellen, ob die Riesenschildkröte durch den Vorfall verletzt wurde. Auch eine strafrechtliche Bewertung oder eine Sanktion gegen die Besucherin beziehungsweise den Zoo ist nicht bekannt. Der Vorfall erlaubt deshalb keine Aussage über den Gesundheitszustand des Tieres oder mögliche rechtliche Folgen.
Der Fall steht zugleich vor dem Hintergrund wiederkehrender Tierschutzkritik an einzelnen chinesischen Zoos. National Geographic berichtete 2017 über einen chinesischen Zoo, in dem ein lebender Esel an Tiger verfüttert wurde, und verwies auf weitere verstörende Ereignisse sowie Bedenken hinsichtlich der Tierwohlstandards. Dieser Fall ist mit dem aktuellen Vorfall nicht sachlich verbunden und belegt keine Serie von Besucherübergriffen. Er zeigt lediglich, dass Berichte über problematischen Umgang mit Tieren in chinesischen Zoos wiederholt öffentliche Kritik ausgelöst haben.
Zoos werden grundsätzlich unterschiedlich bewertet. Der WWF verweist laut einem RND-Bericht auf ihre mögliche Bedeutung für Bildung, Artenschutz und Forschung; zugleich kritisieren Tierschutzorganisationen und andere Stimmen Haltungsbedingungen und den Umgang mit Tieren. Diese allgemeine Debatte ersetzt keine Prüfung des konkreten Schildkrötenvorfalls.
Verantwortung liegt bei Besuchern und Betreiber
Besucher tragen die unmittelbare Verantwortung dafür, Tiere nicht zu besteigen, zu verfolgen oder gegen ihren natürlichen Bewegungsablauf zu berühren. Der Betreiber muss zugleich Regeln sichtbar machen, den Zugang zum Tier kontrollieren und bei Verstößen eingreifen. Gerade wenn ein Erwachsener ein Kind auf ein Tier setzt, ist eine schnelle Reaktion des Personals wichtig. Welche Konsequenzen der Zoo aus den Aufnahmen zieht, wurde nicht mitgeteilt.
Die zentrale offene Frage betrifft daher die konkrete Reaktion vor Ort: Wurde die Handlung sofort beendet, und überprüft der Zoo anschließend seine Schutzmaßnahmen? Solange dazu keine Informationen vorliegen, ist eine gesundheitliche oder rechtliche Bewertung des Vorfalls nicht möglich. Die Aufnahmen machen jedoch deutlich, dass sowohl das Verhalten der Besucher als auch die praktische Besucherlenkung des Zoos relevant sind.
Quellen
- bild.de – Tierquälerei im Zoo: Mutter reitet mit Kind auf Schildkröte | News | BILD.de – https://www.bild.de/news/ausland/tierquaelerei-im-zoo-mutter-reitet-mit-kind-auf-schildkroete-6a95762b518a586e1855e4f6
- nationalgeographic.de – Chinesischer Zoo verfüttert lebenden Esel an Tiger – National Geographic – https://nationalgeographic.de/tiere/2017/11/chinesischer-zoo-verfuettert-lebenden-esel-an-tiger
- rnd.de – Zoos: Tierschutz oder Tierquälerei? Wie sinnvoll oder nützlich sind zoologische Gärten? – https://www.rnd.de/wissen/zoos-tierschutz-oder-tierquaelerei-wie-sinnvoll-oder-nuetzlich-sind-zoologische-gaerten-ABA77TXOYBJJTDBV6PIX2A7SNA.html
