PETA will am 22. August 2026 auf der Pfingstwiese in Bad Kreuznach gegen das dort angekündigte Ponykarussell demonstrieren. Das freiwillige Streetteam plant nach Angaben der Organisation eine Kundgebung von 13:30 bis 14:30 Uhr an der Ecke zum Weinzelt am Damm. Mit einem Ponykostüm, Postern und Flyern soll auf die aus Sicht von PETA problematische Nutzung der Pferde aufmerksam gemacht werden. Zugleich fordert die Tierrechtsorganisation die Stadt auf, solche Angebote auf städtischem Gelände künftig nicht mehr zuzulassen.
Der Protest ist keine erstmalige Auseinandersetzung. PETA hatte Oberbürgermeister Emanuel Letz bereits im August 2023 nach eigenen Angaben schriftlich aufgefordert, Ponykarussells auf städtischen Flächen zu verbieten. Eine Antwort sei ausgeblieben. Im November 2023 entschied der Marktausschuss Bad Kreuznach nach Darstellung der Organisation jedoch mehrheitlich, an der Attraktion festzuhalten. Damit steht die angekündigte Demonstration für einen seit mehreren Jahren bestehenden politischen und gesellschaftlichen Streit über die Gestaltung des Jahrmarkts.
PETA kritisiert Belastung durch Kreisbewegung und Veranstaltungslärm
PETA begründet die Forderung mit der wiederholten Bewegung der Ponys im Kreis. Die Organisation argumentiert, Wirbelsäule und Beine der Pferde seien nicht für stundenlanges Laufen in einer gleichförmigen Richtung ausgelegt. Hinzu komme der Lärm eines Jahrmarkts, der für die als Fluchttiere bezeichneten Pferde zusätzlichen Stress bedeuten könne. Diese Einschätzungen gibt PETA als Begründung für ihre Kampagne und nicht als konkrete behördliche Feststellung zu den Tieren in Bad Kreuznach wieder.
In ihrer Ankündigung verweist die Organisation außerdem auf Aussagen von Fachleuten. Dr. Sabine Beckmann vom Kreisveterinäramt Gütersloh bewertete die Praxis bereits 2010 in einem Interview als verhaltenswidrig und sprach von möglichen physischen und psychischen Belastungen. Der österreichische Tierarzt Hans Christ warnte laut PETA vor langfristigen Auswirkungen einseitiger Kreisbewegungen auf den Bewegungsapparat sowie vor zusätzlicher psychischer Belastung durch die monotone und reizarm beschriebene Tätigkeit. Konkrete veterinärmedizinische Befunde zu den beim Bad Kreuznacher Jahrmarkt eingesetzten Ponys werden in der aktuellen Ankündigung nicht genannt.
Streit über kommunale Entscheidung und Vorbilder anderer Städte
PETA verweist auf Städte, in denen Ponykarussells nach Angaben der Organisation nicht mehr zugelassen werden. Genannt werden unter anderem Hamburg, München, Düsseldorf, Mainz, Konstanz, Duisburg, Coburg, Dachau und Zwickau. Die kommunalen Regelungen sind dabei politische beziehungsweise veranstalterische Entscheidungen und belegen nicht automatisch eine einheitliche rechtliche Bewertung der Tierhaltung. Für Bad Kreuznach entscheidend bleibt daher, ob der zuständige Marktausschuss seine bisherige Linie ändern will oder an der Zulassung festhält.
Die Organisation stützt ihre gesellschaftspolitische Forderung zudem auf eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2015. Danach hielten rund zwei Drittel der Befragten den Einsatz von Ponys in solchen Karussells für nicht tiergerecht; etwa 59 Prozent sprachen sich für ein Verbot aus, während 19 Prozent die weitere Zulassung befürworteten. Die Zahlen beschreiben die damalige öffentliche Meinung und sind kein aktuelles Abstimmungsergebnis für Bad Kreuznach. Sie zeigen jedoch, warum Ponykarussells über den einzelnen Jahrmarkt hinaus regelmäßig zum Gegenstand kommunaler Debatten werden.
Streetteam will Kritik direkt am Veranstaltungsort sichtbar machen
Fabian Miksch, der in der Ankündigung als Leiter des Streetteams genannt wird, erklärte, PETA wolle die fröhliche Stimmung des Jahrmarkts nicht grundsätzlich stören. Die Organisation sehe sich jedoch zum Protest veranlasst, weil die Stadt den Betrieb trotz ihrer früheren Forderung weiterhin ermögliche. Miksch bezeichnete die Nutzung sensibler Tiere für ein kurzes Kindervergnügen als unethisch und nannte Hamburg und München als Vorbilder. Seine Äußerungen geben die Position des Streetteams wieder.
Die Aktion richtet sich damit vor allem an die kommunale Entscheidungsebene und an die Besucher des Jahrmarkts. PETA Deutschland verfolgt dabei eine grundsätzliche Tierrechtsposition, nach der Tiere nicht zur Unterhaltung eingesetzt werden sollen. Ob der Protest die Entscheidung des Marktausschusses beeinflusst, ist offen. Fest steht zunächst nur, dass das Ponykarussell für 2026 erneut angekündigt ist und der Konflikt zwischen der bisherigen Veranstaltungspraxis und PETAs Verbotsforderung damit weitergeht.
Quellen
- presseportal.peta.de – Termineinladung: PETA Streetteam demonstriert vor Ponykarussell auf Bad Kreuznacher … – https://presseportal.peta.de/termineinladung-peta-streetteam-demonstriert-vor-ponykarussell-auf-bad-kreuznacher-jahrmarkt-und-fordert-von-stadt-traurige-attraktion-nicht-mehr-zuzulassen-2
- presseportal.peta.de – Kritik am Ponykarussell auf Bad Kreuznacher Jahrmarkt: PETA appelliert an Oberbürgermeister Emanuel Letz, Tierqual-„Attraktion“ künftig nicht zuzulassen – Presse Portal – https://presseportal.peta.de/kritik-am-ponykarussell-auf-bad-kreuznacher-jahrmarkt-peta-appelliert-an-oberbuergermeister-emanuel-letz-tierqual-attraktion-kuenftig-nicht-zuzulassen
- wochenspiegellive.de – PETA protestiert gegen Ponykarussell auf dem Jahrmarkt – Landkreis Bad Kreuznach – Wochenspiegel – https://www.wochenspiegellive.de/landkreis-bad-kreuznach/artikel/peta-protestiert-gegen-ponykarussell-auf-dem-jahrmarkt
