Wolfsangriffe in Bari: Taskforce sucht Tier nach drei verletzten Kindern

In der italienischen Provinz Bari suchen die Behörden nach einem mutmaßlichen Wolf, der seit Anfang August drei Kinder verletzt haben soll. Die Vorfälle ereigneten sich im Gemeindegebiet von Noicattaro, zwei davon in kommunalen Parks. Nach dem jüngsten Angriff am 15. August wurde ein sechsjähriges Kind mit Verletzungen im Brustbereich im Kinderkrankenhaus Giovanni XXIII behandelt. Ein ebenfalls sechsjähriges Mädchen musste nach einem früheren Vorfall sogar auf die Intensivstation gebracht werden.

Bislang konnte das gesuchte Tier allerdings weder gefangen noch eindeutig als Verursacher der Angriffe identifiziert werden. Fotofallen lieferten Aufnahmen eines Caniden, doch eine genetische oder veterinärmedizinische Bestätigung dafür, dass tatsächlich ein Wolf hinter allen drei Vorfällen steckt, liegt bislang nicht vor. Genau diese Unterscheidung ist wichtig, denn zwischen einer plausiblen Annahme und einer zweifelsfreien Identifizierung besteht ein erheblicher Unterschied. Die Behörden behandeln die Situation dennoch als akute Sicherheitslage und haben ihre Maßnahmen inzwischen deutlich ausgeweitet.

Weitere Wolfssichtungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit

Nach den Angriffen in Noicattaro wurden auch aus Bitonto und Cellamare Sichtungen von Wölfen gemeldet. Ob dabei dasselbe Tier beobachtet wurde, das mit den Angriffen in Verbindung gebracht wird, ist derzeit völlig offen. Noicattaros Bürgermeister Raimondo Innamorato hält zumindest bei einzelnen Sichtungen einen Zusammenhang für möglich. Für Bitonto geht er dagegen eher davon aus, dass dort ein Wolf aus dem Gebiet der Lama Balice unterwegs gewesen sein könnte, der bislang keine auffällige Nähe zu Menschen gezeigt habe.

Damit zeigt sich zugleich das zentrale Problem der aktuellen Suche. Eine Sichtung eines Wolfes bedeutet nicht automatisch, dass es sich um das gesuchte Tier handelt. Gerade in Regionen, in denen mehrere Wölfe vorkommen können, ist eine eindeutige Zuordnung ohne genetische Proben oder andere belastbare Merkmale schwierig. Wer sämtliche Sichtungen vorschnell einem einzigen Tier zuschreibt, riskiert deshalb eine falsche Bewertung der Lage.

Das mutmaßliche Aufenthaltsgebiet des Tieres aus Noicattaro wird derzeit in einem Steinbruchbereich zwischen der Straße nach Torre a Mare und der Grenze zu Rutigliano vermutet. Nach bisherigen Beobachtungen nimmt der Canide Menschen wahr und zieht sich zurück. Das erschwert die geplante Gefangennahme erheblich. Gleichzeitig zeigt dieses Verhalten, dass aus den bisherigen Sichtungen allein noch keine allgemeine Aggressivität gegenüber Menschen abgeleitet werden kann.

Region Apulien genehmigt Fang des mutmaßlichen Wolfs

Nach einer Dringlichkeitssitzung in der Präfektur Bari haben die Präfektur und die Region Apulien eine gemeinsame Taskforce eingerichtet. Regionalpräsident Antonio Decaro genehmigte am 14. August per Erlass die Entnahme beziehungsweise Gefangennahme des mutmaßlichen Tieres. Damit reagierten die Behörden auf eine Serie von Vorfällen, bei denen inzwischen drei Kinder verletzt worden sein sollen.

Bereits zuvor hatte Bürgermeister Innamorato Zugangsbeschränkungen für bestimmte Bereiche in der Nähe landwirtschaftlicher Flächen und Schluchten angeordnet. Auch kommunale Parks dürfen nachts zeitweise nicht genutzt werden. Nach einer weiteren Sitzung der Taskforce am 17. August wurden diese Maßnahmen nochmals verschärft und um sieben Tage verlängert. Angesichts der noch ungeklärten Identität des Tieres steht damit zunächst die Gefahrenabwehr im Mittelpunkt.

Die Carabinieri sollen bei der Suche Drohnen mit Wärmebildkameras einsetzen. Zusätzlich stellt der Nationalpark Alta Murgia Fangschlingen zur Verfügung, die in dem vermuteten Aufenthaltsgebiet ausgelegt werden sollen. Ziel ist ausdrücklich die Gefangennahme und eindeutige Identifizierung des betreffenden Tieres. Erst danach dürfte sich belastbarer beantworten lassen, ob tatsächlich ein einzelner Wolf für sämtliche Angriffe verantwortlich war.

Warum nähert sich ein Wolf überhaupt Wohngebieten?

Über die Ursachen für die mögliche Annäherung des Tieres an bewohnte Gebiete wird inzwischen intensiv spekuliert. Als ein möglicher Faktor gilt die wachsende Wildschweinpopulation in der Provinz Bari. Wildschweine gehören zum natürlichen Beutespektrum von Wölfen und könnten Tiere damit auch näher an landwirtschaftlich genutzte Flächen führen. Hinzu kommen Wasserstellen in bewässerten Weinbergen, die während trockener Sommerperioden ebenfalls attraktiv sein können.

Als weiterer möglicher Anlockfaktor wird frei zugängliches Futter für streunende Katzen genannt. Solche Futterstellen können nicht nur Katzen, sondern auch andere Tiere anziehen. Ob dies bei den konkreten Vorfällen tatsächlich eine Rolle gespielt hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Es handelt sich bislang lediglich um mögliche Erklärungsansätze.

Gerade deshalb wäre es falsch, aus einzelnen Vermutungen bereits eine abgeschlossene Erklärung zu konstruieren. Entscheidend ist zunächst, welches Tier tatsächlich für die Angriffe verantwortlich war und ob sich dessen Verhalten von anderen Wölfen in der Region unterscheidet. Die aktuelle Suche muss deshalb sowohl dem Schutz der Bevölkerung als auch einer möglichst eindeutigen Identifizierung dienen.

Drei verletzte Kinder verändern die Debatte

Unabhängig von der noch ausstehenden eindeutigen Identifizierung zeigt der Fall aus Noicattaro, wie schnell sich die Diskussion über Wölfe verändert, sobald Menschen direkt betroffen sind. Bei drei verletzten Kindern können Behörden das Geschehen nicht mehr ausschließlich als normales Wildtiermanagement behandeln. Zugangsbeschränkungen, Überwachung und der Versuch einer gezielten Gefangennahme sind deshalb nachvollziehbare Maßnahmen.

Gleichzeitig sollte auch in einer solchen Situation sauber zwischen bestätigten Tatsachen und Vermutungen unterschieden werden. Bislang spricht vieles dafür, dass ein Wolf beziehungsweise wolfähnlicher Canide mit den Angriffen in Verbindung steht, zweifelsfrei bewiesen ist dies jedoch noch nicht. Genau deshalb ist die Arbeit der Taskforce jetzt entscheidend: Das Tier muss gefunden, identifiziert und der Ablauf der Vorfälle möglichst eindeutig rekonstruiert werden.

Der Fall dürfte auch über Italien hinaus aufmerksam verfolgt werden. Denn er berührt eine Frage, die mit der weiteren Ausbreitung des Wolfs in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie reagieren Behörden, wenn einzelne Tiere ihre natürliche Distanz zum Menschen verlieren und möglicherweise ein konkretes Sicherheitsrisiko darstellen?

Quellen

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