Der Circus Hoppla Hopp gastiert derzeit in Niederlehme bei Königs Wusterhausen. Zirkusdirektor Sven Rogall spricht offen über den Alltag seines Familienbetriebs, die wirtschaftlichen Belastungen und seine Tierhaltung. Besonders deutlich wird er bei der Frage nach einer Zukunft ohne Tiere: Einen solchen Zirkus möchte er nach eigener Aussage nicht mehr erleben.
Familienzirkus zwischen Tradition und täglicher Arbeit
Seit 2008 betreibt Sven Rogall den Circus Hoppla Hopp als Familienunternehmen. Das Programm verbindet klassische Elemente wie Akrobatik, Clownerie und Tierdressuren mit moderner Unterhaltung, darunter eine Dino-Show. Der Betrieb wird weitgehend von der Familie selbst getragen.
Rogall ist dabei nicht nur Direktor. Er trainiert die Tiere, tritt in verschiedenen Rollen auf, organisiert die Tournee, kümmert sich um Genehmigungen und Werbung und hilft beim Auf- und Abbau des Zeltes. Auch seine erwachsenen Töchter und sein elfjähriger Sohn wirken im Programm und hinter den Kulissen mit. Die Familie beschreibt ihren Betrieb deshalb nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als Lebensform.
Der Zirkus gastiert vom 29. Juli bis zum 16. August 2026 in der Wernsdorfer Straße in Niederlehme. Die Vorstellungen umfassen Mitmachangebote für Kinder, Artistik, Comedy, die Dino-Show und Tiernummern.
Tiere gehören für Rogall zum Zirkus
Zum aktuellen Tierbestand gehören nach Angaben Rogalls drei Kamele, zwei Pferde, vier Ponys, fünf Hunde und Tauben. Gegenüber der Märkischen Oderzeitung erklärte der Zirkusdirektor, alle Tiere seien gechipt und geimpft. Die Transporte dauerten höchstens drei Stunden, weil der Zirkus ausschließlich in Berlin und Brandenburg unterwegs sei.
Die Pferde und Kamele waren während des Besuchs der Zeitung auf einer Koppel untergebracht. Die Ponys standen im Schatten einer Plane, die Hunde in einem Zwinger. Die Journalistin beschrieb die Koppel am Tag ihres Besuchs als ausreichend groß. Rogall selbst erklärte, er richte die Ausläufe sogar größer ein, als es die geltenden Richtlinien verlangten.
Während der Vorstellungen tragen die Pferde nach Angaben des Direktors kein Geschirr. Seine Tiere dressiere er ohne Schläge, Gewalt oder Ketten. Die drei Kamele Kalli, Simba und Ali seien bereits im Zirkus geboren worden.
Für Rogall sind die Tiere kein austauschbares Programmelement. Seit seinem 13. Lebensjahr arbeite er mit ihnen. Sie gehörten zu seinem Leben, zu seiner Familie und zur Identität des Circus Hoppla Hopp.
„Ich habe nichts zu verbergen“
Rogall verweist darauf, dass die Haltung regelmäßig durch Veterinärbehörden kontrolliert werde. Bereits in einem ausführlichen Lokalbericht aus dem Jahr 2015 erklärte er, am ersten Spieltag eines neuen Gastspielortes würden der Platz und die Tiere durch das zuständige Veterinäramt überprüft.
Auch gegenüber der Märkischen Oderzeitung betonte Rogall nun erneut, dass er nichts zu verbergen habe und für Fragen zur Verfügung stehe. Eine solche Offenheit ist bemerkenswert, denn gerade kleinere Zirkusbetriebe werden immer häufiger pauschal unter Verdacht gestellt, sobald Tiere Teil des Programms sind.
Die öffentlich zugänglichen Berichte enthalten keine Hinweise auf aktuelle Beanstandungen durch eine Veterinärbehörde. Umgekehrt liegen GERATI allerdings auch keine amtlichen Kontrollprotokolle zum aktuellen Gastspiel in Niederlehme vor. Das bedeutet nicht, dass die Kontrollen fragwürdig wären. Solche Protokolle werden schließlich nicht automatisch veröffentlicht.
Entscheidend ist daher die belastbare Quellenlage: Aktuell sind weder behördlich bestätigte Verstöße noch konkrete Vorwürfe gegen die Tierhaltung des Circus Hoppla Hopp dokumentiert. Wer dennoch Missstände behaupten möchte, müsste dafür überprüfbare Belege vorlegen. Bloße Ablehnung von Tieren im Zirkus ersetzt keine fachliche Bewertung.
Tierrechtsdruck trifft vor allem kleine Familienbetriebe
Rogall sieht die Zukunft des traditionellen Zirkus zunehmend unter Druck. Neben steigenden Kosten für Stellplätze, Genehmigungen, Versicherungen und technische Prüfungen kämen sinkende Besucherzahlen hinzu. Wegen der finanziellen Belastungen habe der Betrieb im Sommer 2026 sogar vier Wochen pausieren müssen.
Fremdpersonal könne sich der Familienzirkus kaum noch leisten. Nahezu alle Aufgaben würden daher von den Familienmitgliedern selbst übernommen. Ähnliche wirtschaftliche Schwierigkeiten wurden bereits in älteren Reportagen über den Betrieb beschrieben. Tierfutter, tierärztliche Untersuchungen, Impfungen, Platzmieten und Transportkosten verursachen laufende Ausgaben, während die Einnahmen stark von den Besucherzahlen abhängig sind.
Hinzu kommt der gesellschaftliche Druck durch Tierrechtsorganisationen und Aktivisten, die Tierhaltung im Zirkus grundsätzlich ablehnen. Dabei wird häufig nicht zwischen unterschiedlichen Betrieben, Tierarten und tatsächlichen Haltungsbedingungen unterschieden. Der ideologische Ausgangspunkt lautet bereits: Tiere gehören nicht in den Zirkus.
Eine solche Haltung kann man vertreten. Sie darf jedoch nicht als Ergebnis einer amtlichen oder fachlichen Einzelfallprüfung ausgegeben werden. Wer einen konkreten Zirkus kritisiert, muss auch dessen konkrete Tierhaltung betrachten – und nicht lediglich eine allgemeine Kampagne gegen Zirkustiere wiederholen.
Zirkuskinder zwischen Manege und Unterricht
Auch die Kinder der Familie sind in das Zirkusleben eingebunden. Rogalls elfjähriger Sohn tritt als Clown Peppino auf und wird nach Angaben seines Vaters über ein schulisches Modell für Kinder beruflich Reisender unterrichtet. Dazu gehört ein Schultagebuch, das regelmäßig kontrolliert werde. Auch Zeugnisse würden ausgestellt.
Bereits 2015 berichtete Rogall ausführlich über eine Stammschule am Winterquartier. Die jeweils besuchten Schulen würden Lernberichte erstellen, die anschließend an die Stammschule geschickt und dort zusammengeführt würden. Das System soll gewährleisten, dass Kinder reisender Familien trotz wechselnder Aufenthaltsorte kontinuierlich beschult werden.
Die Mitwirkung der Kinder im Familienbetrieb wird von außen schnell kritisch betrachtet. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass das Aufwachsen in einem Zirkus eine eigene familiäre und berufliche Tradition darstellt. Entscheidend sind der Schulbesuch, der Schutz der Kinder und die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen – nicht die pauschale Abwertung einer Lebensform, nur weil sie vom üblichen Alltag sesshafter Familien abweicht.
GERATI-Fazit: Erst prüfen, dann urteilen
Der Circus Hoppla Hopp steht beispielhaft für kleine Familienzirkusse, die zwischen steigenden Kosten, rückläufigen Besucherzahlen und politischem Druck um ihre Existenz kämpfen. Für Sven Rogall gehören Tiere weiterhin selbstverständlich zur traditionellen Zirkuskultur. Seine Haltung ist eindeutig: Einen Zirkus ohne Tiere kann und will er sich nicht vorstellen.
Die bislang zugänglichen Quellen dokumentieren einen langjährig betriebenen Familienzirkus, regelmäßige behördliche Kontrollen nach Angaben des Direktors und eine Tierhaltung, die bei journalistischen Besuchen nicht als auffällig beschrieben wurde. Konkrete aktuelle Verstöße oder amtliche Beanstandungen sind nicht bekannt.
Damit ist nicht jede Aussage des Betreibers automatisch unabhängig bewiesen. Genauso wenig darf jedoch aus der bloßen Existenz von Tiernummern ein Tierschutzverstoß konstruiert werden. Für GERATI gilt auch hier: Kritik muss sich auf überprüfbare Tatsachen stützen.
Wer den Circus Hoppla Hopp beurteilen möchte, sollte sich deshalb zuerst selbst ein Bild machen und konkrete Fakten prüfen. Pauschale Kampagnen gegen Tiere im Zirkus sagen mehr über die Ideologie ihrer Urheber aus als über die tatsächliche Haltung der Tiere in Niederlehme.
Quellen:
- Zirkus in Königs Wusterhausen: Direktor erzählt, was ihn herausfordert – MOZ.de – https://www.moz.de/lokales/koenigs-wusterhausen/zirkus-in-koenigs-wusterhausen-einen-zirkus-ohne-tiere-moechte-ich-nicht-erleben-79336024.html
- Cirus Hopplahopp Rogall Familienzirkus (circus hopplahopp) – https://circus-hopplahopp.com/
- Der harte Alltag der Zirkusfamilie Rogall – B.Z. – Die Stimme Berlins – https://www.bz-berlin.de/archiv-artikel/der-harte-alltag-der-zirkusfamilie-rogall
- Immer unterwegs: Der Zirkus Hoppla Hopp – ein Zirkus für Kinder zum Anfassen (Mueggelheimer-bote) – http://www.mueggelheimer-bote.de/15/07/immer-unterwegs-der-zirkus-hoppla-hopp-ein-zirkus-fuer-kinder-zum-anfassen.html
- Circus Hopplahopp (S. Rogall) – Tournee – CIRCUSWORLD.DE (Circusworld) – https://forum.circusworld.de/viewtopic.php?t=6437 – Rogall, Sven (NWZonline) – https://www.nwzonline.de/person/rogall,sven/
- GERATI: PETA vs. Circus Krone: Eine kritische Auseinandersetzung – https://gerati.de/2024/10/25/peta-vs-circus-krone/
