Am Wochenende verbreitete sich ein Amateurvideo aus der Stuttgarter Wilhelma. Darauf ist das weibliche Leistenkrokodil Tong zu sehen, das mehrere Kunststoffgegenstände aus seinem Maul hervorwürgt. Bei den Gegenständen soll es sich unter anderem um Babyschnuller und Flaschendeckel gehandelt haben.
Die Wilhelma bestätigte den Vorfall. Nach Angaben des Zoos handelt es sich beim Auswürgen unverdaulicher Gegenstände um einen natürlichen Schutzmechanismus des Tieres. Als Reaktion kündigte die Wilhelma an, im unteren Bereich der Absperrungen an den Krokodilbecken ein feinmaschiges Netz anzubringen.
Schutznetz soll kleinere Gegenstände abfangen
Das geplante Netz soll verhindern, dass Schnuller, Deckel oder vergleichbare Kunststoffteile in die Bassins gelangen. Nach bisherigem Stand betrifft die Maßnahme ausschließlich den Bereich der Krokodilanlage. Einen konkreten Termin für die Montage nannte die Wilhelma bislang nicht.
Der Zoo erklärte zugleich, seine Anlagen würden regelmäßig auf mögliche Risiken überprüft. Die Entscheidung für das zusätzliche Netz wurde getroffen, nachdem das Video öffentlich bekannt geworden war. Technische Einzelheiten wie Material, Maschenweite oder Befestigung wurden bisher nicht veröffentlicht.
Die Nachrüstung ist eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die bisherigen Sicherungen mangelhaft oder unzulässig waren. Zusätzliche Schutzvorkehrungen können auch dann sinnvoll sein, wenn ein einzelner Vorfall zeigt, dass eine Anlage praktisch weiter verbessert werden kann.
PETA erhebt Vorwürfe ohne amtliche Feststellung
PETA bezeichnete die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen der Wilhelma als unzureichend. Belege für einen behördlich festgestellten Verstoß oder für wiederholte vergleichbare Vorfälle legte die Organisation nach bisheriger Quellenlage jedoch nicht vor.
Damit bleibt die Kritik zunächst eine öffentliche Bewertung der Tierrechtsorganisation. Eine freiwillige Nachrüstung durch den Zoo ist weder ein Schuldeingeständnis noch ein Beweis dafür, dass zuvor gegen tierschutzrechtliche oder sicherheitstechnische Vorgaben verstoßen wurde.
PETA nutzt öffentlichkeitswirksame Vorfälle regelmäßig für Kampagnen gegen zoologische Einrichtungen. Auch in diesem Fall wird aus einem dokumentierten Einzelereignis schnell eine grundsätzliche Kritik an den Sicherungssystemen des Zoos abgeleitet. Für eine solche Bewertung wären jedoch belastbare Nachweise über wiederholte Vorfälle, ignorierte Risiken oder amtliche Beanstandungen erforderlich.
Verantwortung der Besucher darf nicht ausgeblendet werden
In der bisherigen Debatte konzentriert sich die Kritik vor allem auf die Wilhelma. Dabei bleibt weitgehend offen, wie die Gegenstände überhaupt in das Becken gelangten. Denkbar ist, dass Besucher sie absichtlich hineinwarfen, versehentlich verloren oder Abfälle in der Nähe der Anlage liegen ließen.
Zoos müssen ihre Tiere angemessen schützen. Gleichzeitig können Anlagen nicht gegen jedes denkbare Fehlverhalten einzelner Besucher vollständig abgesichert werden. Wer Gegenstände in Tieranlagen wirft oder Abfall achtlos zurücklässt, trägt selbst Verantwortung für daraus entstehende Gefahren.
Ein zusätzliches Netz kann das Risiko künftig reduzieren. Es ersetzt jedoch nicht die Verantwortung der Besucher, Regeln einzuhalten und weder Müll noch persönliche Gegenstände in Tiergehege gelangen zu lassen. Statt vorschnell allein den Betreiber verantwortlich zu machen, müsste daher auch stärker über Besucherdisziplin und mögliche Konsequenzen bei vorsätzlichem Verhalten gesprochen werden.
Was bislang belegt ist
Gesichert ist, dass das Video existiert und Tong beim Auswürgen von Kunststoffgegenständen zeigt. Die Wilhelma bestätigte den Vorfall und kündigte ein feinmaschiges Schutznetz an. Außerdem erklärte der Zoo, das beobachtete Verhalten sei ein natürlicher Mechanismus zum Ausstoßen unverdaulichen Materials.
Nicht öffentlich bekannt ist bislang, ob Tong nach dem Vorfall tiermedizinisch untersucht wurde oder ob gesundheitliche Folgen festgestellt wurden. Ebenso fehlen Angaben dazu, wie lange sich die Gegenstände im Becken oder im Maul des Tieres befanden und auf welchem Weg sie in die Anlage gelangten.
Auch eine behördliche Gefährdungsfeststellung oder Beanstandung der bisherigen Absperrungen ist bisher nicht bekannt. Deshalb lässt sich aus dem Vorfall allein nicht ableiten, dass in der Wilhelma ein grundsätzliches oder dauerhaftes Sicherheitsproblem besteht.
GERATI-Einschätzung
Die Wilhelma reagiert mit dem angekündigten Schutznetz pragmatisch auf einen öffentlich dokumentierten Vorfall. Die Maßnahme kann dazu beitragen, kleinere Gegenstände künftig von den Krokodilbecken fernzuhalten. Dass ein Zoo seine Anlagen nach einem konkreten Ereignis zusätzlich absichert, ist sinnvoll und entspricht einem verantwortungsvollen Risikomanagement.
PETA versucht dagegen, den Vorfall als Beleg für unzureichende Sicherheitsvorkehrungen darzustellen. Dafür fehlen bislang unabhängige Prüfungen, amtliche Beanstandungen und Nachweise über wiederholte vergleichbare Ereignisse. Die Kritik bleibt daher eine kampagnenorientierte Interpretation und keine festgestellte Tatsache.
Entscheidend ist außerdem, die Verantwortung möglicher Verursacher nicht auszublenden. Schnuller und Flaschendeckel gelangen nicht von selbst in ein Krokodilbecken. Technische Nachrüstungen können Risiken senken, aber sie können rücksichtslose oder unachtsame Besucher nicht vollständig ersetzen.
Der Vorfall zeigt damit vor allem zweierlei: Die Wilhelma kann ihre Anlage durch ein zusätzliches Netz weiter verbessern, und Besucher müssen verantwortungsvoll handeln. Eine pauschale Systemkritik am Zoo lässt sich aus dem vorliegenden Einzelfall nicht ableiten.
Quellen:
- So will die Wilhelma Krokodile vor Plastikmüll schützen – DIE ZEIT – https://www.zeit.de/news/2026-07/15/so-will-die-wilhelma-krokodile-vor-plastikmuell-schuetzen
- PETA gegen die Wilhelma: Polemik statt konstruktiver Kritik? – https://gerati.de/2025/01/21/peta-gegen-die-wilhelma-peta-polemik-ja7w/
Weitere Berichterstattung:
- https://stuttgart.t-online.de/region/stuttgart/id_101344904/so-will-die-wilhelma-krokodile-vor-plastikmuell-schuetzen.html
- https://www.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article6a577b56b95fa94b3abc271f/so-will-die-wilhelma-krokodile-vor-plastikmuell-schuetzen.html
- https://www.n-tv.de/regionales/baden-wuerttemberg/So-will-die-Wilhelma-Krokodile-vor-Plastikmuell-schuetzen-id31088812.html
