Malte Zierden: Wenn Influencer sich beim Begehen von Straftaten filmen und es Aktivismus nennen

Was früher investigativer Journalismus mit klaren Regeln war, wird heute zunehmend durch Influencer-Aktivismus ersetzt. Im Mittelpunkt der jüngsten Debatte steht Malte Zierden – ein Influencer, der sich gemeinsam mit einer Tierrechtsorganisation dabei filmt, wie er nachts fremde Grundstücke betritt, Zäune überwindet und Aufnahmen aus laufenden Betrieben veröffentlicht. Verkauft wird das als „Aufklärung“. Tatsächlich handelt es sich um ein bekanntes Muster: Der dokumentierte Rechtsbruch wird selbst zum Inhalt, zur Story, zur Reichweitenmaschine.

Die Aktion auf finnischen Pelzfarmen zeigt exemplarisch, wie sich Influencer wie Malte Zierden zunehmend außerhalb journalistischer und rechtlicher Standards bewegen – und dafür nicht sanktioniert, sondern mit Millionen Klicks belohnt werden.

Der Rechtsbruch als Reichweitenmotor

Das Vorgehen folgt einer simplen Logik: Aufmerksamkeit entsteht dort, wo Grenzen überschritten werden. Malte Zierden filmt sich beim unerlaubten Betreten privater Grundstücke, beim Einsatz von Drohnen über fremdem Eigentum, beim nächtlichen Eindringen in landwirtschaftliche Betriebe. All das sind keine Grauzonen, sondern klar geregelte Tatbestände.

Doch genau dieser Regelbruch ist Teil des Konzepts. Er erzeugt Spannung, Authentizität und das Gefühl von „Mut“. Der Influencer wird zum Helden einer selbst erzählten Geschichte, in der Recht und Verfahren nur noch als hinderliche Formalien erscheinen. Die Kamera läuft – und mit ihr der Algorithmus.

Aktivismus vor Recht – und Klickzahlen vor Verantwortung

Gemeinsam mit der Organisation ANINOVA und der Aktivistin Phia Quantius inszeniert Malte Zierden diese Aktionen als moralisch zwingend. Die Botschaft ist eindeutig: Weil es um Tiere geht, seien Rechtsverstöße legitim.

Genau hier beginnt das Problem. Der Influencer ersetzt staatliche Kontrollmechanismen durch persönliche Moral. Er entscheidet, was gezeigt wird, was nicht, welcher Ausschnitt „die Wahrheit“ darstellt. Eine unabhängige Prüfung findet nicht statt. Aus Dokumentation wird Deutungshoheit – und aus Aktivismus eine Form digitaler Selbstjustiz.

„Tierwohl“-Labels als kalkulierter Skandal

In den veröffentlichten Aufnahmen tauchen Hinweise auf Zertifizierungen auf, etwa von Saga Furs. Für Influencer-Aktivismus ist das ein Geschenk: Ein Label lässt sich emotional leichter angreifen als komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen.

Statt nüchterner Einordnung folgt die übliche Dramaturgie. Einzelne Bilder werden zur Systemanklage erhoben, Zertifikate pauschal als „Greenwashing“ bezeichnet. Dass solche Labels Mindeststandards definieren und keine Werbeversprechen für Idylle sind, wird ausgeblendet. Der Skandal braucht keinen Kontext – nur einen klaren Gegner.

Malte Zierden und die Grenze zur Selbstjustiz

Spätestens hier wird deutlich, dass es nicht mehr um Aufklärung, sondern um Machtausübung geht. Malte Zierden agiert nicht als Beobachter, sondern als Ankläger. Er veröffentlicht Material, ohne dass eine rechtliche Bewertung erfolgt ist, und erzeugt öffentlichen Druck, der Betriebe, Behörden und Politik gleichermaßen trifft.

Das gängige Argument lautet: „Ohne solche Aktionen würde niemand hinschauen.“ Doch genau dieses Denken untergräbt den Rechtsstaat. Kontrollen, Anzeigen, Verfahren und Gerichte existieren nicht zufällig. Wer sie systematisch umgeht, ersetzt Rechtsordnung durch Influencer-Moral – abhängig von Reichweite und persönlicher Agenda.

Politische Kampagnen auf Influencer-Basis

Parallel wird der Aktivismus von Malte Zierden in größere politische Kampagnen eingebettet, etwa rund um Fur Free Europe. Ein EU-weites Pelzverbot ist das erklärte Ziel. Das Anliegen mag politisch legitim sein – die Methode bleibt fragwürdig.

Gesetzgebung lebt von belastbaren Daten, Anhörungen und Abwägungen. Influencer-Videos, die unter Rechtsverstößen entstanden sind, ersetzen diese Prozesse nicht. Sie emotionalisieren, polarisieren und verengen Debatten auf Gut-und-Böse-Narrative. Am Ende steht nicht mehr Tierschutz im Fokus, sondern maximale Mobilisierung.

Fazit: Malte Zierden, Klicks und kein Freibrief

Niemand bestreitet, dass Pelztierhaltung ein kontroverses Thema ist. Entscheidend ist jedoch das „Wie“. Malte Zierden steht exemplarisch für einen Aktivismus, der Rechtsbruch nicht nur in Kauf nimmt, sondern aktiv inszeniert. Klickzahlen werden zum moralischen Freibrief erklärt.

GERATI hält dagegen: Aufklärung ohne Regeln ist keine Aufklärung, sondern Meinungsmacht. Wer sich beim Begehen von Straftaten filmt und dies als Aktivismus verkauft, beschädigt langfristig nicht nur den Rechtsstaat, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Tierschutzes selbst.


Quellen:

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