Zollbeamte haben am Flughafen Köln/Bonn mehr als 90 Schlangen und Echsen in einem Koffer entdeckt, die unter grausamen Bedingungen geschmuggelt wurden.
92 Reptilien im Reisegepäck entdeckt
Am Flughafen Köln/Bonn haben Zollbeamte einen Koffer mit 92 Reptilien entdeckt. Darin befanden sich 55 Echsen und 37 Schlangen, bei denen es sich nach ersten Erkenntnissen überwiegend um giftige Vipern handelt. Die Tiere wurden in engen Verstecken transportiert; nach Angaben eines Sprechers des Hauptzollamts Köln seien sie beschlagnahmt worden. Der Fall betrifft damit nicht nur eine ungewöhnliche Gepäckkontrolle, sondern auch den Umgang mit seltenen und möglicherweise geschützten Tieren.
Die Reptilien sollen nach ersten Erkenntnissen sämtlich in den Gebirgen Südamerikas heimisch sein. Einige der Arten seien vom Aussterben bedroht und streng geschützt, erklärte der Sprecher laut dem Bericht. Unabhängig von der späteren genauen Artbestimmung beschreibt die Zahl den Umfang des Fundes: 92 Tiere waren in einem einzigen Koffer verborgen. Für die weitere Bewertung ist deshalb entscheidend, welche Arten konkret identifiziert werden und welche Herkunfts- und Einfuhrnachweise vorlagen.
Flug von Mexiko über Istanbul ins Rheinland
Als Besitzer des Koffers wird ein Feuerwehrmann aus Mexiko genannt. Er soll von Mexiko-Stadt über Istanbul ins Rheinland gereist sein. Während dieses Transports befanden sich die Tiere nach der Darstellung des Hauptzollamts in engen Verstecken, ohne Wasser und Nahrung. Die lange Flugroute verschärfte damit die Belastung für die Reptilien, weil sie über den Reisezeitraum hinweg weder artgerecht untergebracht noch versorgt worden sein sollen.
Einige Echsen hätten sich nach dem Transport nicht wieder erholt und seien gestorben. Die überlebenden, geschwächten Tiere wurden nach dem Fund zu einem Fachmann gebracht, der sich um ihre Stabilisierung und weitere Versorgung kümmern sollte. Die Beschlagnahmung beendete zwar den Transport, beseitigte aber nicht automatisch dessen gesundheitliche Folgen für die Tiere. Wie wichtig die anschließende fachgerechte Unterbringung ist, zeigt auch ein GERATI-Bericht über die Exotenauffangstation Balingen, deren Betreiber Polizei und Feuerwehr regelmäßig bei der Bergung und Versorgung exotischer Tiere unterstützt.
Ermittlungsverfahren gegen den Kofferbesitzer
Gegen den mexikanischen Staatsbürger wurde nach den vorliegenden Angaben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Damit ist der Fall strafrechtlich beziehungsweise behördlich in Bearbeitung; eine gerichtliche Feststellung seiner Schuld liegt damit nicht vor. Auch die genaue Einordnung der einzelnen Reptilien dürfte für das weitere Verfahren eine wichtige Rolle spielen. Bei seltenen oder streng geschützten Arten können Herkunft, Artbestimmung und erforderliche Einfuhrdokumente entscheidend sein.
Wie unterschiedlich die rechtliche Bewertung von Tierfunden im Reisegepäck ausfallen kann, zeigte bereits ein Fall am Flughafen Düsseldorf, über den GERATI im Juni berichtete. Dort hatte der Zoll tote Frösche, Geckos und Schlangen im Gepäck einer Reisenden entdeckt, ohne dass ein Verstoß gegen Artenschutzbestimmungen festgestellt wurde. Beim aktuellen Fund in Köln/Bonn stehen dagegen auch seltene und möglicherweise streng geschützte lebende Reptilien im Mittelpunkt. Die bisherigen Berichte nennen keine näheren Angaben dazu, für wen die Tiere bestimmt gewesen sein könnten. Diese Fragen sind vom laufenden Ermittlungsverfahren zu trennen und dürfen nicht durch die ungewöhnliche Menge der Tiere vorweggenommen werden.
Artenschutz und Tierwohl in einem Fall verbunden
Der Fund verbindet den Schutz einzelner Tiere mit dem Schutz ihrer wildlebenden Bestände. Werden seltene Reptilien ihrer Herkunftsregion entnommen und anschließend unter extrem beengten Bedingungen über mehrere Flugstrecken transportiert, entsteht für jedes einzelne Tier ein unmittelbares Risiko. Zugleich kann der illegale Handel besonders bei seltenen oder streng geschützten Arten den Druck auf die Populationen in den Herkunftsgebieten erhöhen. Welche konkrete Bedeutung der Fund für den Artenschutz hat, hängt deshalb auch von der endgültigen Bestimmung der Tiere ab.
Für die Behörden stehen nun mehrere praktische Schritte nebeneinander: Die überlebenden Reptilien müssen fachgerecht versorgt, die verstorbenen Tiere untersucht und die Arten sowie ihre Herkunft möglichst genau geklärt werden. Hinzu kommt die Prüfung, ob für die Einfuhr die erforderlichen Unterlagen vorlagen. Dass eine Beschlagnahmung nicht automatisch den Abschluss eines Tierschutzfalls bedeutet, verdeutlicht auch ein GERATI-Artikel über die behördliche Beschlagnahmung von 161 Tieren. Dort wird beschrieben, welche Anforderungen die weitere Unterbringung und Versorgung beschlagnahmter Tiere an die zuständigen Stellen stellt. Im Fall der 92 Reptilien wird entscheidend sein, wie viele Tiere sich von den Transportstrapazen erholen und welche Erkenntnisse die Ermittlungen über ihre Herkunft und den geplanten Verbleib liefern.
Quellen
- spiegel.de – Flughafen Köln/Bonn: Mehr als 90 Schlangen und Echsen in Koffer entdeckt – https://www.spiegel.de/panorama/justiz/flughafen-koeln-bonn-mehr-als-90-schlangen-und-echsen-in-koffer-entdeckt-a-0138aabd-b104-4c0e-a614-5acce75c46e6
- welt.de – 90 Giftschlangen und Echsen in Koffer aus Mexiko entdeckt – https://www.welt.de/regionales/nrw/article6acdfd12a3d42c2e8cd521da/90-giftschlangen-und-echsen-in-koffer-aus-mexiko-entdeckt.html
