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Schlagwort: Lili Paul-Roncalli

  • Zirkus Roncalli in Innsbruck: Jubiläumstournee mit Tiroler Glockenklang

    Zirkus Roncalli in Innsbruck: Jubiläumstournee mit Tiroler Glockenklang

    Das Gastspiel des Circus-Theater Roncalli in Innsbruck läuft vom 17. Oktober bis zum 8. November 2026 auf dem Freigelände der Olympiaworld. Die offizielle Veranstalterseite nennt für den Standort die Adresse Olympiastraße 10 und führt für die Station 32 Vorstellungen an. Die Station gehört zur Österreich-Reise der Jubiläumstournee. Die Innsbrucker Jubiläumspremiere hat bereits stattgefunden, wie Berichte von oe24 und der Kronen Zeitung über den Abend und dessen Gäste zeigen.

    Premiere an der Olympiaworld bereits gefeiert

    Die Jubiläumspremiere begann laut Kronen Zeitung bereits vor dem Zelt. Historische Circuswagen mit Blattgold, nostalgische Fahrgeschäfte und das blau-weiß gestreifte Chapiteau prägten den Platz bei der Olympiaworld. Auch der Duft von Popcorn und gebrannten Mandeln gehörte nach der Schilderung der Zeitung zur Atmosphäre vor dem Einlass. Im Zelt verband die Produktion Artistik, Livemusik und Clownerie mit einer Gestaltung, die an die Belle Époque anknüpft.

    Bei der Premiere waren zahlreiche bekannte Gäste anwesend. oe24 nannte unter anderem Markus Langes-Swarovski, Gregor Bloéb und Nina Proll, Alfons Haider, Martin Leutgeb, Melanie Binder, Eric Papilaya sowie Magdalena und Balthasar Hauser. Die Kronen Zeitung hielt zudem fest, dass Martin Leutgeb, Nina Proll, Gregor Bloéb und dessen Sohn Leopold die Vorstellung gemeinsam besuchten. Der Bericht nennt außerdem Tirols Landesrat Mario Gerber mit seiner Familie sowie den früheren Tirol-Werbung-Chef Josef Margreiter und dessen Ehefrau Gwendoline.

    Jubiläumsprogramm zwischen Geschichte und Ausblick

    Roncalli feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. Gründer und Circusdirektor Bernhard Paul beschreibt das Jubiläumsprogramm ausdrücklich nicht als Best-of und nicht als poetisch-verträumten Rückblick. Seine Absicht ist vielmehr, „eine Tür in die Zukunft“ zu öffnen, während das Programm Geschichte und Zukunft des Unternehmens zusammenführt. Paul erklärte zudem, dass Kleinkind und Intellektueller im gleichen Moment lachen und staunen können sollten.

    Die offizielle Innsbruck-Seite führt ein breit aufgestelltes Ensemble mit unterschiedlichen Disziplinen auf. Im Ensemble werden Housch Ma Housch, Gensi, Canutito Jr., Kevinski, Professor Wacko und Justin Philadelphia genannt. Alexandra Saabel & Company präsentieren Illusionen, Demian Gritsko arbeitet mit dem Team Russische Schaukel & Reck, Duo Vitalys zeigt Hand-auf-Hand-Akrobatik und Pavel Valla Bertini Einradkunst. Ergänzt wird das Programm durch Trio Rêve mit Partnerakrobatik, Duo Hair Suspension mit Zopfhang, Geraldine Philadelphia mit Ringjonglage sowie das Roncalli-Ballett und das Roncalli Royal Orchestra.

    Die Nummer von Venice Carnival verbindet Trampolin und Barren. Bei der Innsbrucker Premiere schnellen die Artisten nach dem Bericht der Kronen Zeitung vom Trampolin in die Höhe, überschlagen sich und fangen sich wieder am Barren. Die Kostüme und Posen erinnern dabei an spätmittelalterliche Moriskentänzer. Zum Finale kommen sämtliche Artisten erneut in die Manege und laden einige Gäste aus dem Publikum zu einem gemeinsamen Tanz ein.

    Lili Paul-Roncalli ist im aktuellen Programm mit Kontorsion angekündigt. Ihre Darbietung beginnt nach der Kronen Zeitung am Trapez und führt über Tanz und Kontorsion zur Stuhlbalance. Die Stühle greifen eine frühe Artistik ihres Vaters auf, der als Jugendlicher auf übereinandergestellten Stühlen auftrat. Lili Paul-Roncalli entwickelt aus dieser Erinnerung eine eigenständige Nummer und präsentiert damit eine eigens choreografierte Hommage an Bernhard Paul.

    Justin Philadelphia zeigt eine Darbietung am Flying Pole. Als Sohn der Kunstturnerin Eliza und des Geschäftsführers Patrick Philadelphia wuchs er nach der Künstlerbeschreibung des Circus in der Manege auf. Roncalli verweist bei seiner Vorstellung außerdem auf einen Sonderpreis des European Youth Circus Festivals in Wiesbaden. Alexandra Saabel wird vom Circus als Illusionistin vorgestellt. Ihre Company lässt in einer Inszenierung mit Nebel und märchenhaften Figuren Menschen verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Die Darbietung entwickelte sie nach den Veranstalterangaben für das Jubiläum über ein Jahr lang gemeinsam mit ihrem Partner Ilja Michajlovic Smyslov.

    Tiroler Glocke und Live-Sound

    Ein lokaler Bezug der Tournee ist die Roncalli-Glocke aus Innsbruck. Bernhard Paul ließ sie für die Jubiläumstournee in der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr gießen; sie wiegt 40 Kilogramm und erklingt vor den Vorstellungen. Seit April 2026 reist dieses Stück Tiroler Kunsthandwerk mit der Tournee. Ihr Ton ist auf den Kammerton des Roncalli Royal Orchestras abgestimmt, worüber sich auch Weißclown Gensi freut.

    Das Orchester ist für die Inszenierung mehr als eine musikalische Begleitung zwischen den Nummern. Musikdirektor Georg Pommer prägt den Roncalli-Sound seit mehr als vier Jahrzehnten und entwickelt ihn eng mit Bernhard Paul. Das Royal Orchestra spielt in Innsbruck unter anderem Beatles-Melodien und Rock’n’Roll, begleitet Bewegungen in der Manege und setzt Pointen musikalisch. Im Zentrum der Livemusik steht die Sängerin Lina Maria Posado Arroyane, deren Stimme den Abend nach der Premierenkritik mitprägt.

    Von den Anfängen zur nächsten Generation

    Roncalli geht auf die Vision eines jungen Wiener Art Directors zurück. Nach dem Rückblick von Hedi Grager kündigte Bernhard Paul 1975 seinen Beruf beim Nachrichtenmagazin „profil“, gründete in Wien den Circus Roncalli und übernahm die Rolle des Circusdirektors. Am 18. Mai 1976 feierte Roncalli auf der Bonner Hofgartenwiese Welturaufführung. Einen entscheidenden Erfolg begründete dann am 4. Juni 1980 in Köln die Premiere von „Die Reise zum Regenbogen“.

    Paul beschreibt seinen ursprünglichen Plan als kleinen Wanderzirkus und verweist rückblickend auf spätere Gastspiele von Hamburg und München über Wien und Innsbruck bis Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Moskau, Sevilla und New York. Sein Circus versteht sich dabei als Gesamtinszenierung, in der Musik, Licht, Kostüm, Dramaturgie und Artistik ineinandergreifen. Die Clownerie nimmt Elemente aus Commedia dell’arte, Pantomime und Straßentheater auf. Vivian, Adrian und Lili Paul-Roncalli gestalten die Zukunft des Familienunternehmens mit; Lili Paul-Roncalli ist bei der gesamten Österreich-Tournee 2026 dabei und kündigte ihre Vorfreude auf Innsbruck und Linz an.

    Österreich-Tournee mit Wien, Innsbruck und Linz

    Vor dem Tiroler Gastspiel war die Jubiläumstournee in Wien zu sehen. Hedi Grager berichtete über den dortigen Auftakt vor ausverkauftem Haus und über minutenlange Standing Ovations. Bei diesem Anlass bezeichnete Bernhard Paul den Wiener Rathausplatz als seinen „Heimatbahnhof“ und Wien als besonderen Höhepunkt für Roncalli. Zum Jubiläum wurde außerdem ein eigens verpackter Landtmann-Guglhupf angekündigt. Die Wiener Veranstaltung bildet damit eine frühere Station derselben Österreich-Reise. Nach Innsbruck ist Linz als nächster österreichischer Spielort vorgesehen. Die veröffentlichten Tourneedaten nennen dort den Zeitraum vom 13. November bis zum 6. Dezember 2026.

    Quellen