Tierquälerei Livestream: Wenn PR wichtiger ist als das Tier

Ein Welpe, ein Livestream, eine Anzeige – und am Ende eine Urkunde. Der Fall aus Brookhaven, Georgia, liest sich auf den ersten Blick wie eine Erfolgsgeschichte konsequenter Strafverfolgung. Nach einem öffentlich dokumentierten Vorfall von Tiermisshandlung griff die Polizei ein, beschlagnahmte das Tier und leitete ein Strafverfahren ein. Dafür erhielt die Brookhaven Police Department einen Preis von PETA.

Doch bei genauerem Hinsehen wirft dieser Tierquälerei Livestream weniger Licht auf gelebten Tierschutz als auf die altbekannte Inszenierungslogik einer Organisation, die Aufmerksamkeit und moralische Deutungshoheit sucht – während das konkrete Tier im Hintergrund verschwindet.

Der Originalbericht von CBS News Atlanta liefert dafür die nüchternen Fakten. Die kritische Einordnung ergibt sich aus dem, was dort auffällig fehlt.

Der dokumentierte Vorfall und das behördliche Eingreifen

Auslöser des Falls war ein Livestream auf Twitch. Zuschauer beobachteten, wie eine Influencerin einen wenige Monate alten Hund schlug und grob behandelte. Die Aufnahmen verbreiteten sich rasch über soziale Medien und erreichten schließlich auch Tierschutzorganisationen.

Nach Übergabe des Videomaterials schaltete sich die Brookhaven Police Department ein. Die Beamten durchsuchten die Wohnung der Beschuldigten, stellten den Hund sicher und erhoben Anzeige wegen Tierquälerei. Der Welpe wurde in die Obhut der DeKalb Animal Services überführt und befindet sich seither im Tierheim des DeKalb County.

Diese Abfolge – Social Media Beweise, Ermittlungen, Sicherstellung des Tieres – ist sachlich, rechtsstaatlich und notwendig. Daran lässt der Originalartikel keinen Zweifel.

PETA Award statt konkreter Hilfe

Kurz darauf folgte der nächste Schritt: PETA verlieh der Polizei einen PETA Award, konkret den „Compassionate Police Department Award“. Begleitet wurde die Auszeichnung von einer Pressemitteilung, Zitaten der PETA-Gründerin und dem Versand einer gerahmten Urkunde sowie veganer Süßigkeiten.

Auffällig ist jedoch, worüber nicht berichtet wird. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass PETA das Tierheim unterstützt, in dem der Hund nun untergebracht ist. Keine Spende, keine Übernahme von Tierarztkosten, keine konkrete Hilfe für den Hund selbst. Der Fokus liegt vollständig auf der symbolischen Ehrung und der medialen Verwertung.

Damit wird der eigentliche Kern des Falls – der Schutz und die Versorgung eines misshandelten Tieres – kommunikativ an den Rand gedrängt. Der Tierquälerei Livestream dient primär als Bühne für eine Selbstinszenierung.

Bekannte Muster und unbequeme Fakten

Diese Schwerpunktsetzung fügt sich nahtlos in ein seit Jahren bekanntes Muster ein. PETA tritt regelmäßig als moralische Instanz auf, während ihre eigene Praxis vielfach kritisiert wird. In den USA ist dokumentiert, dass PETA selbst hohe Tötungsquoten bei Tieren in eigener Obhut aufweist – in manchen Jahren lagen diese laut veröffentlichten Zahlen bei bis zu 90 Prozent.

Der Verweis auf den Fall „Maya“, bei dem ein gesunder Hund von PETA gestohlen und sofort eingeschläfert wurde, ist kein Einzelfall, sondern Teil dieser Debatte. Vor diesem Hintergrund wirkt es zumindest bemerkenswert, dass ausgerechnet eine Urkunde wichtiger erscheint als jede Form direkter Hilfe für einen real existierenden Hund im Tierheim.

Der Kontrast ist deutlich: Während örtliche Behörden und DeKalb Animal Services die Verantwortung für das Tier tragen, beschränkt sich PETA auf Pressearbeit, Zitate und Auszeichnungen.

Fazit: PR statt Tierschutz

Der Tierquälerei Livestream aus Brookhaven zeigt zwei Ebenen. Auf der einen Seite steht ein funktionierender Rechtsstaat, der auf Welpenmisshandlung reagiert, Beweise auswertet und ein Tier schützt. Auf der anderen Seite steht eine Organisation, die diesen Einsatz nutzt, um sich selbst in Szene zu setzen.

Eine Urkunde ersetzt keine Unterstützung für Tierheime. Eine Pressemitteilung füttert keinen Hund. Und vegane Pralinen helfen keinem Tier, das traumatisiert in einem Zwinger sitzt.

Was hier als Tierschutz verkauft wird, ist in Wahrheit Aufmerksamkeitspolitik. Es geht um Sichtbarkeit, Klicks und Spenden – nicht um das einzelne Tier. Genau deshalb hat dieses Vorgehen mit echtem Tierschutz nichts zu tun.


Quellen:

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