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Studie zum weltweiten Wildtierhandel: IG kritisiert bevorstehende TerraExpo

KI-generiertes Symbolbild zur Studie zum weltweiten Wildtierhandel: bepflanztes Glasterrarium mit Holz und Steinen unter der Überschrift „Schweizer Nachzucht: Wie nachvollziehbar?“

Eine Untersuchung über mindestens 107.356 weltweit gehandelte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt der Auseinandersetzung um die TerraExpo in Spreitenbach neuen Stoff. Die IG Wild beim Wild greift die Ergebnisse in ihrem Beitrag vom 31. Oktober 2026 auf und verbindet sie mit ihrer Petition gegen Tierbörsen in der Umwelt Arena. Die Austragungsstätte kündigt die Messe für den 8. November an und wirbt mit Schweizer Nachzuchten. Im Zentrum der Debatte steht damit eine konkrete Frage: Was sagen globale Handelszahlen und Dokumentationslücken über das Angebot einer einzelnen Terraristikmesse aus?

Die Untersuchung reicht weit über Reptilienbörsen hinaus

Nach Darstellung von Wild beim Wild erschien die Studie unter Leitung der Universität Melbourne am 30. Oktober 2026 im Fachjournal „Science Advances“. Die Forschenden hätten Daten aus Artenschutz, Fischerei, Holzwirtschaft, Heimtierhandel und Medizin zusammengeführt. Dabei seien über 47.000 Tierarten, fast 50.000 genutzte Pflanzenarten sowie Pilze erfasst worden. Frühere Schätzungen hätten bei rund 50.000 international gehandelten Arten gelegen, also bei weniger als der Hälfte der nun genannten Gesamtzahl.

Die Zusammensetzung erklärt, weshalb die Zahl von 107.356 Arten keine Kennzahl allein für den Exotenhandel ist. Sie umfasst auch den Handel mit wildlebenden Pflanzen und Wirtschaftsbereiche wie Fischerei und Holznutzung. Zudem sei der größte Teil des Handels legal, berichtet Wild beim Wild. Die Zahl beschreibt also die Breite des Handels über verschiedene Artengruppen hinweg, weder eine Menge verkaufter Einzeltiere noch die Zahl illegal gehandelter Arten.

Bestandsvergleich mit weitreichender politischer Deutung

Besonders schwer wiegt der von Wild beim Wild wiedergegebene Befund zu gehandelten Populationen. Bei Arten mit verfügbaren Daten seien deren Bestände durchschnittlich 50 bis 60 Prozent kleiner als die nicht gehandelter Populationen. Außerdem habe der Handel der Untersuchung zufolge direkt oder indirekt zum Aussterben von 294 Arten beigetragen. Weitere 25 Arten seien in freier Wildbahn verschwunden und überlebten nur in menschlicher Obhut; in 192 Fällen seien Populationen lokal erloschen.

Die IG leitet daraus eine zugespitzte Verantwortung für Handelsveranstaltungen ab. Wer unter diesen Umständen Handel ermögliche, nehme eine Halbierung der Herkunftsbestände in Kauf, argumentiert sie im Zusammenhang mit ihrer Petition. Ein Vergleich unterschiedlich großer Populationen ist allerdings etwas anderes als die Messung eines Rückgangs derselben Population über die Zeit. Der berichtete Durchschnitt beschreibt deshalb keine pauschale Halbierung jedes Herkunftsbestands und erst recht keine entsprechende Wirkung eines einzelnen Verkaufs auf der TerraExpo.

Handelsdaten fehlen gerade beim internationalen Vergleich

Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung ist nach dem Bericht die lückenhafte Erfassung des Artenhandels. Als Beispiel für eine umfangreichere Dokumentation nennt Wild beim Wild das US-Informationssystem Lemis, das seit dem Jahr 2000 den Handel mit mehr als 21.000 Tierarten erfasse. Ein Viertel der erfassten gehandelten Vogelarten und 54 Prozent der Säugetierarten tauchten ausschließlich in dieser Datenbank auf. Das verdeutlicht, wie stark das sichtbare Artenspektrum davon abhängt, wo und wie Handelsvorgänge dokumentiert werden.

Die als Studienleiterin zitierte Alice Hughes hält einen ähnlich umfangreichen oder größeren Handel in Europa für möglich. Zugleich verweist sie auf nicht öffentlich zugängliche Daten und möglicherweise unzureichende Erfassungsstandards. Ihre Einschätzung ist damit keine bezifferte Feststellung über den europäischen Markt. Als Konsequenz fordern die Forschenden dem Bericht zufolge eine international abgestimmte Dokumentation auf Artniveau und schlagen vor, dafür bestehende Zoll- und Veterinärkontrollen zu nutzen.

Schweizer Nachzuchten sind das Versprechen der Messe

Für die TerraExpo nennt die Umwelt Arena Sonntag, den 8. November 2026, von 10 bis 15 Uhr als Termin. Angekündigt sind Angebote aus Terraristik, Aquaristik und exotischen Zimmerpflanzen von privaten Hobbyzüchtern und gewerblichen Ausstellern. Die Austragungsstätte beschreibt die angebotenen Tiere und Pflanzen als nachhaltige Schweizer Nachzuchten. Außerdem stellt sie Vorträge und Workshops über Haltung und Pflege in Aussicht. Die Nachzuchtherkunft ist somit ein ausdrückliches Verkaufsargument der Veranstaltung.

Wild beim Wild behauptet dagegen, am Messestand könne niemand diese Herkunft überprüfen, und begründet das mit fehlender öffentlicher Erfassung auf Artniveau. Eine Handelsstatistik und der Herkunftsnachweis eines einzelnen Tieres erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Die Statistik soll den Überblick über gehandelte Arten und Mengen ermöglichen; die Herkunftsfrage betrifft das konkrete Angebot. Aus einer Lücke in öffentlichen Gesamtdaten folgt nicht zwangsläufig, dass ein Anbieter keinerlei Auskunft oder Unterlagen zu seinem Tier haben kann. Für Kaufinteressenten ist daher entscheidend, wie nachvollziehbar der jeweilige Anbieter seine Herkunftsangabe macht.

Die Petition verlangt mehr als bessere Dokumentation

Die Petition der IG Wild beim Wild richtet sich an die Stiftung Umwelt Arena Schweiz und die Gemeinde Spreitenbach. Sie fordert, Jagdmessen, Fischereimessen und Tierbörsen dort keine Bühne mehr zu geben. Gemeint sind damit bestimmte Veranstaltungsformate und Handelsangebote, nicht jede Veranstaltung mit Tierbezug wie etwa ein Lichtfest im Zoo. Die politische Forderung der Organisation reicht zugleich deutlich über die berichtete wissenschaftliche Empfehlung einer besseren Handelsdokumentation hinaus.

Für die bevorstehende TerraExpo bleibt deshalb die konkrete Herkunft des Verkaufsangebots der praktische Drehpunkt. Die Umwelt Arena muss sich an ihrem eigenen Nachzuchtversprechen messen lassen. Die globale Artenzahl beantwortet die Herkunftsfrage für einzelne angebotene Tiere ebenso wenig wie die Messewerbung die weltweiten Dokumentationsprobleme löst. Ob ein bestimmtes Angebot nachvollziehbar aus Schweizer Nachzucht stammt, entscheidet sich an den Angaben zu diesem Angebot.

Quellen

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