Drei Aktivisten der Organisation Vier Pfoten sind am Donnerstag auf das Zelt des Circus Krone auf dem Hamburger Heiligengeistfeld geklettert. Sie wollten dort ein Banner gegen Tierhaltung im Zirkus anbringen, wurden jedoch von Mitarbeitern des Zirkus aufgehalten. In acht bis zehn Metern Höhe kam es nach Polizeiangaben zu einer Auseinandersetzung, bei der auch Schläge gefallen sein sollen. Ein Aktivist verletzte sich an der Nase und wurde medizinisch versorgt.
Polizei ermittelt gegen beide Seiten
Die Polizei ermittelt gegen die Aktivisten wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch. Gegen mehrere Zirkusmitarbeiter wird wegen des Verdachts auf Körperverletzung ermittelt. Die Ermittlungen klären nun, wie es zu der Auseinandersetzung kam und wer welche Handlungen ausgeführt haben soll. Eine abschließende Bewertung des Vorfalls liegt damit noch nicht vor.
Nach Angaben des NDR waren die Aktivisten mit professioneller Kletterausrüstung auf das Zelt gelangt. Anschließend kletterten mehrere Mitarbeiter des Circus Krone hinterher, um sie vom Dach zu holen. Dass die Aktion in großer Höhe stattfand, verschärfte die Situation zusätzlich: Neben der möglichen Rechtsverletzung stand auch die Sicherheit aller Beteiligten auf dem Spiel.
Der Vorfall überschattete den Protest, den der Hamburger Tierschutzverein für den Nachmittag angekündigt hatte. Rund 100 Menschen demonstrierten vor dem Eingang des Zirkus gegen Tiernummern und insbesondere gegen die Haltung von Löwen und Tigern. Spiegel und rote Clownsnasen waren dabei als Protestmittel vorgesehen, um den Besuchern nach Vorstellung des Vereins einen kritischen Blick auf den eigenen Zirkusbesuch zu ermöglichen.
Streit um Wildtiere bleibt der Kern des Konflikts
Der Hamburger Tierschutzverein fordert einen Zirkus ohne Tiere. Er kritisiert vor allem Transporte, begrenzte Platzverhältnisse und die Dressur von Wildtieren. Bereits vor dem aktuellen Gastspiel hatte der Verein seine Ablehnung gegenüber den Großkatzenauftritten des Circus Krone deutlich gemacht. Die geplante Demonstration wurde dagegen als friedlicher Protest angekündigt und war zeitlich von der Kletteraktion getrennt.
Circus Krone weist die grundsätzliche Kritik zurück. Dompteur Martin Lacey erklärt, die Tiere seien Teil der Familie und würden verantwortungsvoll gehalten. Er verweist darauf, dass es den Löwen und Tigern gut gehe und keine stereotypen Bewegungen zu beobachten seien. Seine Position steht damit unmittelbar gegen die Forderung der Tierschutzorganisationen, Wildtiere grundsätzlich aus Zirkusprogrammen zu verbannen.
Die Debatte um die Tierhaltung beim Circus Krone zeigt dabei den entscheidenden Unterschied zwischen politischer Ablehnung und einem konkreten Rechtsverstoß: Die Forderung nach einem Verbot von Wildtiernummern ist nicht automatisch der Nachweis, dass im Einzelfall eine strafbare Tierquälerei vorliegt. Für den aktuellen Vorfall ist zunächst die Auseinandersetzung auf dem Zelt der rechtlich konkrete Kern.
Hamburg setzt weiterhin auf Bundesregelung
Die Auseinandersetzung fällt in eine länger laufende politische Debatte. Die Haltung bestimmter Wildtiere in Zirkussen ist in Deutschland unter tierschutzrechtlichen Auflagen weiterhin möglich. Mehrere Kommunen verzichten allerdings darauf, Zirkussen mit Wildtiernummern eigene Flächen bereitzustellen. Für Hamburg ist ein solcher Ausschluss öffentlicher Flächen derzeit nicht belegt.
Der rot-grüne Hamburger Senat unterstützt nach Angaben des NDR weiterhin eine bundesweite Regelung. Bis zu einer solchen Änderung bleibt die Entscheidung über das Gastspiel des Circus Krone jedoch von der geltenden Rechtslage abhängig. Der Streit zwischen Vier Pfoten und Circus Krone erhält durch die Ermittlungen deshalb eine zusätzliche rechtliche Dimension: Protest ist zulässig, das Betreten eines geschützten Zirkusgeländes und körperliche Auseinandersetzungen werden jedoch unabhängig von der politischen Forderung gesondert bewertet.
Für den Circus Krone geht das Gastspiel auf dem Heiligengeistfeld trotz des Zwischenfalls weiter. Die Vorstellungen sind bis zum 11. Oktober geplant. Ob aus der Kletteraktion strafrechtliche Konsequenzen entstehen, hängt nun von den weiteren Ermittlungen zu Hausfriedensbruch und Körperverletzung ab.
Quellen
- ndr.de – Tierschutz-Aktivisten klettern auf Zelt von Circus Krone | ndr.de – https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/tierschutz-aktivisten-klettern-auf-circus-krone-zelt,circus-krone-110.html
- mopo.de – „Circus Krone“ in Hamburg: Tierschützer planen Protest – https://www.mopo.de/hamburg/bekannter-zirkus-kommt-nach-hamburg-tierschuetzer-kuendigen-protest-an/4979866

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