27 Pantherschildkröten in Südafrika ausgewildert – DNA weist den Weg zurück

Genetischer Abgleich ermöglicht Rückkehr in passende Lebensräume

27 Pantherschildkröten sind nach genetischen Untersuchungen und einer sechsmonatigen Eingewöhnungsphase in mehreren südafrikanischen Provinzen ausgewildert worden. Die Tiere stammten aus Auffangstationen und waren zuvor beschlagnahmt oder aus problematischen Haltungen übernommen worden. Beteiligt waren ein südafrikanisch-deutsches Forschungsteam unter Leitung der Senckenberg-Forscherin Melita Vamberger und Adrian J. Armstrong von Ezemvelo KZN Wildlife. Für den Artenschutz ist das Projekt relevant, weil die Tiere nicht einfach am Ort ihrer Sicherstellung freigelassen wurden, sondern anhand ihrer genetischen Herkunft passenden Populationen zugeordnet werden konnten.

Die Grundlage bildet eine genetische Referenzdatenbank mit Vergleichsdaten wild lebender Pantherschildkröten aus Südafrika und Eswatini. Nach Angaben des Informationsdienstes Wissenschaft wurden 50 Tiere genetisch untersucht; bei 27 war die Zuordnung ausreichend, um eine kontrollierte Rückführung zu ermöglichen. Die ausgewilderten Schildkröten leben nun in Schutzgebieten der Provinzen Ostkap, Nordkap, Freistaat und Limpopo. Die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse erfolgte im Fachjournal „Conservation Genetics“.

Auffangstationen zeigen die Folgen verschobener Herkunft

Besonders auffällig war der Vergleich zwischen Fundort und genetischer Herkunft. Von den untersuchten Tieren aus einer Auffangstation in KwaZulu-Natal stammte nach Angaben der Forschenden nur eines tatsächlich aus dieser Region. Die übrigen Tiere waren demnach über teilweise große Entfernungen transportiert worden. Damit wird aus der DNA-Analyse nicht nur ein Werkzeug für einzelne Freilassungen, sondern auch ein Hinweis darauf, wie stark der Handel mit Landschildkröten natürliche Verbreitungsmuster verändern kann.

Die Art Stigmochelys pardalis ist weit verbreitet und wird von der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur derzeit als nicht gefährdet eingestuft. Dieser globale Status schließt regionale Belastungen jedoch nicht aus. Der Senckenberg-Darstellung zufolge zählen illegaler Handel und Besitz, Lebensraumverlust, landwirtschaftliche Nutzung, tödliche Unfälle an Elektrozäunen sowie die Entnahme als Nahrungsquelle oder für die traditionelle Medizin zu den Problemen in Südafrika. Eine Auffangstation in KwaZulu-Natal nahm zwischen 2016 und 2025 mehr als 100 Pantherschildkröten auf. Eine Einrichtung in Durban verzeichnete im selben Zeitraum sogar mehr als 300 Tiere. Die Zahlen verdeutlichen den praktischen Druck, unter dem Einrichtungen stehen, die beschlagnahmte Tiere dauerhaft versorgen.

Warum eine direkte Freilassung nicht genügt

Pantherschildkröten können eine Panzerlänge von mehr als 50 Zentimetern und ein Gewicht von über 30 Kilogramm erreichen. Unterschiedliche Populationen sind an jeweils eigene Umweltbedingungen angepasst. Eine Freilassung ohne Herkunftsbestimmung kann deshalb nach Einschätzung der Forschenden zu einer Vermischung regionaler Linien führen oder die Überlebenschancen der Tiere beeinträchtigen; zusätzlich muss der Gesundheitsstatus vor einer Rückkehr in die Wildnis berücksichtigt werden.

Die 27 Tiere wurden zunächst rund sechs Monate in geschützten Gehegen innerhalb ihres späteren Lebensraums gehalten. Während dieser Soft-Release-Phase konnten die Verantwortlichen beobachten, ob sie mit Klima, Nahrung und Umgebung zurechtkamen. Erst anschließend erfolgte die endgültige Freilassung. Für die Auffangstationen ist die Frage nach der weiteren Unterbringung grundsätzlich schwierig: Nach Darstellung der Forschenden kommen bei solchen Tieren im Wesentlichen lebenslange Haltung, Auswilderung oder eine Tötung als Optionen infrage. Die genetische Zuordnung soll dabei eine fachlich vertretbare Rückkehr in die Wildnis ermöglichen.

Forschung wird zum Instrument gegen Wildtierhandel

Die Untersuchung verbindet damit zwei Aufgaben, die häufig getrennt betrachtet werden: Sie erleichtert die Rückführung beschlagnahmter Tiere und kann Behörden bei der Rekonstruktion von Handelswegen unterstützen. Die vorliegenden Angaben belegen allerdings vor allem die genetische Zuordnung und die anschließende Auswilderung. Konkrete strafrechtliche Verfahren, Beschlagnahmeentscheidungen oder einzelne Händler werden in den veröffentlichten Informationen nicht genannt.

Getragen wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit von Ezemvelo KZN Wildlife, weiteren südafrikanischen Naturschutzstellen, Auffangstationen und den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Der zusätzliche Wert der Referenzdatenbank liegt darin, dass sie Auswilderungsentscheidungen auf populationsbezogene Daten stützt, statt den Fundort als Herkunft zu behandeln. Für die 27 freigelassenen Tiere bedeutete das eine Rückkehr in Regionen, denen sie genetisch zugeordnet werden konnten – und nicht lediglich in den nächstgelegenen verfügbaren Lebensraum.

#### Quellen:: https://www.giessener-allgemeine.de/hessen/dank-forschern-aus-frankfurt-27-pantherschildkroeten-ausgewildert-zr-94435365.html

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