Brittany Ferries beendet Lebendtiertransporte von Irland nach Frankreich

Die französische Reederei Brittany Ferries will den Transport lebender Nutztiere von Irland nach Frankreich spätestens im September 2026 einstellen. Betroffen sind nach Angaben beteiligter Organisationen Rinder, Schweine und insbesondere nicht abgesetzte Kälber. Damit zieht sich das Unternehmen nur rund anderthalb Jahre nach der Wiederaufnahme der Lebendtiertransporte wieder aus diesem Geschäft zurück. Tierrechts- und Tierschutzorganisationen feiern die Entscheidung als Erfolg ihrer internationalen Kampagne – doch welche Faktoren für Brittany Ferries tatsächlich ausschlaggebend waren, bleibt offen.

Brittany Ferries zieht sich nach massiver Kampagne zurück

Brittany Ferries hatte im März 2025 erstmals seit rund 30 Jahren wieder Lebendtiertransporte angeboten. Daraufhin starteten mehrere Organisationen, darunter Compassion in World Farming, Ethical Farming Ireland, WELFARM, VIER PFOTEN, L214, Eyes on Animals und Eurogroup for Animals, eine koordinierte Kampagne gegen die Reederei. Unterstützt wurden die Aktionen außerdem von Southampton Animal Action und Dorset Animal Action.

Nach Angaben der beteiligten Organisationen wurden mehr als 100.000 E-Mails an Brittany Ferries verschickt. Zwei Petitionen sollen zusammen ebenfalls mehr als 100.000 Unterschriften erreicht haben, während in Irland, Frankreich und Großbritannien öffentliche Protestaktionen stattfanden. Hinzu kamen gezielte Aktivitäten in sozialen Netzwerken und auf Bewertungsplattformen; nach Darstellung der Kampagnenakteure war das Unternehmensprofil von Brittany Ferries auf Trustpilot zeitweise nicht erreichbar.

Die Organisationen berichten zudem von vier direkten Gesprächen mit Vertretern der Reederei. Damit ist klar, dass Brittany Ferries erheblichem öffentlichen und organisatorischen Druck ausgesetzt war. Nicht belegt ist jedoch, dass dieser Druck allein oder unmittelbar zum Rückzug geführt hat. Eine unabhängige Stellungnahme des Unternehmens zu den wirtschaftlichen, operativen oder strategischen Gründen liegt in den vorliegenden Quellen nicht vor.

NGOs sprechen von „historischem Erfolg“

Compassion in World Farming bezeichnet den angekündigten Rückzug von Brittany Ferries als bedeutenden Erfolg der eigenen Kampagne. Charlotte Reid, stellvertretende Direktorin für globale Kampagnen der Organisation, kündigte zugleich an, den Druck nun verstärkt auf Irish Ferries zu richten.

Nach dem Rückzug von Brittany Ferries und dem bereits zuvor gemeldeten Ausstieg von Stena Line wäre Irish Ferries nach derzeitiger Quellenlage der letzte größere Anbieter, der auf der Verbindung zwischen Irland und Frankreich weiterhin lebende Kälber und andere Nutztiere transportiert. Damit verschwindet der Handel jedoch keineswegs. Vielmehr konzentriert sich die noch vorhandene Transportkapazität auf weniger Unternehmen.

Genau dieser Punkt geht in vielen Erfolgsmeldungen der beteiligten Organisationen unter. Brittany Ferries erlässt kein Verbot und auch die Europäische Union hat Lebendtiertransporte nicht untersagt. Ein einzelnes Unternehmen beendet lediglich ein bestimmtes Transportangebot.

Nicht abgesetzte Kälber im Zentrum der Kritik

Besonders stark konzentrierte sich die Kampagne auf den Transport nicht abgesetzter Kälber. Compassion in World Farming behauptet, Tiere hätten bei der Ankunft in Frankreich mehr als 18 Stunden keine Nahrung erhalten. Die Organisation sieht darin einen Verstoß gegen die europäischen Vorschriften zum Schutz von Tieren während des Transports.

Die einschlägige Verordnung (EG) Nr. 1/2005 enthält tatsächlich umfangreiche Vorgaben zu Transportdauer, Versorgung, Ruhezeiten und Transportfähigkeit von Tieren. Ob die konkret kritisierten Transporte gegen diese Vorschriften verstießen, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Quellen allerdings nicht abschließend feststellen. Ein behördlicher Kontrollbericht, ein veterinärmedizinischer Befund oder eine gerichtliche Entscheidung zu den beanstandeten Fahrten wird nicht vorgelegt.

Damit sollte zwischen zwei Ebenen unterschieden werden: Die Kritik der Organisationen ist dokumentiert, ein rechtskräftig festgestellter Verstoß dagegen nicht. Gerade bei Kampagnen, die auf politischen oder unternehmerischen Druck abzielen, ist diese Trennung wesentlich.

EU-Recht erlaubt Lebendtiertransporte weiterhin

Der Transport lebender Nutztiere innerhalb der Europäischen Union sowie in Drittstaaten ist weiterhin grundsätzlich zulässig. Maßgeblich ist derzeit die EU-Tiertransportverordnung, deren Regelwerk bereits seit Jahren politisch diskutiert und auf europäischer Ebene überarbeitet wird.

Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen nutzen den Fall Brittany Ferries deshalb, um weitergehende Forderungen nach einem Ende von Lebendtierexporten zur Mast oder Schlachtung zu stellen. Dabei handelt es sich jedoch um politische Forderungen dieser Organisationen und nicht um geltendes Recht. Weder die Entscheidung von Brittany Ferries noch die Kampagne selbst verändert die derzeitige Rechtslage.

Auch deshalb ist die Formulierung, der Rückzug bedeute ein „Ende der Lebendtiertransporte“, irreführend. Er beendet lediglich das Angebot eines einzelnen Fährunternehmens auf einer bestimmten Verbindung.

Landwirtschaft warnt vor Folgen für irische Betriebe

Während die beteiligten Organisationen den Rückzug begrüßen, wird die Entwicklung innerhalb der irischen Landwirtschaft deutlich kritischer gesehen. Der Irish Examiner zitierte Sean McNamara, Präsident der Irish Cattle and Sheep Association, mit der Einschätzung, Lebendexporte seien ein wichtiger Absatzweg für irische Landwirte. Sie sorgten nicht zuletzt dafür, dass mehrere Käufer um Tiere konkurrieren und sich dadurch zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten ergeben.

Weniger verfügbare Transportkapazitäten könnten insbesondere den Export von Kälbern erschweren. Das würde nicht zwangsläufig bedeuten, dass weniger Tiere gehalten oder vermarktet werden, sondern könnte Handelsströme verlagern, Transportwege verändern oder die Verhandlungsmacht einzelner Marktteilnehmer verschieben. Welche wirtschaftlichen Folgen der Rückzug von Brittany Ferries tatsächlich haben wird, dürfte deshalb erst nach einigen Monaten beurteilt werden können.

Im Zusammenhang mit der Debatte werden außerdem Zahlen von Bord Bia genannt. Demnach wurden 2025 insgesamt 253.836 Rinder lebend in die kontinentale EU exportiert. Für 2026 wurden bis zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt bereits 228.528 Tiere angegeben. Diese Zahlen beziehen sich jedoch auf den gesamten irischen Lebendexport und nicht speziell auf Transporte mit Brittany Ferries.

Nachhaltigkeitsimage machte Brittany Ferries angreifbar

Für die Kampagne war Brittany Ferries auch deshalb ein attraktives Ziel, weil die Reederei ihr öffentliches Profil stark mit Nachhaltigkeit, emissionsärmeren Schiffen und Umweltmaßnahmen verbindet. Die Organisationen stellten deshalb gezielt einen Widerspruch zwischen diesem Unternehmensimage und dem Transport lebender Nutztiere her.

Aus Kommunikationssicht ist diese Strategie nachvollziehbar: Unternehmen mit ausgeprägtem Nachhaltigkeitsmarketing reagieren häufig empfindlicher auf öffentliche Kritik, wenn Kampagnen unmittelbar an das eigene Markenversprechen anknüpfen. Ob dieser Reputationsdruck bei Brittany Ferries tatsächlich entscheidend war, lässt sich jedoch nicht belegen.

Ebenso denkbar sind wirtschaftliche Gründe, geringe Transportmengen, operative Schwierigkeiten oder eine strategische Neubewertung des Geschäfts. Solange Brittany Ferries hierzu keine detaillierte Begründung veröffentlicht, bleibt jede eindeutige Zuschreibung spekulativ.

Ein Erfolg der Kampagne – aber kein Ende des Tiertransports

Der Ausstieg von Brittany Ferries ist für die beteiligten Organisationen zweifellos ein sichtbarer Kampagnenerfolg. Sie haben ein Unternehmen über Monate öffentlich unter Druck gesetzt, Gespräche geführt und erhebliche Aufmerksamkeit erzeugt. Genau daraus ergibt sich aber noch kein Beweis dafür, dass sämtliche von ihnen erhobenen Vorwürfe zutreffen oder ihre politischen Forderungen zwangsläufig sachlich geboten sind.

Für irische Landwirte bedeutet der Rückzug zunächst vor allem weniger Auswahl bei der Vermarktung und beim Transport ihrer Tiere. Für die Tiere selbst bedeutet er nicht automatisch kürzere Transportwege oder bessere Bedingungen. Entscheidend wird sein, ob Transporte künftig entfallen, auf andere Anbieter verlagert oder über alternative Routen durchgeführt werden.

Brittany Ferries beendet damit ein Geschäftsfeld. Das europäische System der Lebendtiertransporte bleibt dagegen bestehen.

Quellen:

Good News Magazin – Brittany Ferries stoppt Lebendtiertransportehttps://goodnews-magazin.de/brittany-ferries-stoppt-lebendtiertransporte/tany-ferries-stoppt-lebendtiertransporte/

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