Der indische Megazoo Vantara will ein Jahr lang keine weiteren Wildtiere importieren. Die Entscheidung folgt auf Kritik an der schnellen Übernahme geschützter Tiere aus verschiedenen Ländern und an der Frage, ob dabei internationale Importregeln ausreichend eingehalten wurden. Künftig sollen stärker Geld, Fachwissen und veterinärmedizinische Unterstützung in die Herkunftsländer fließen – statt weitere Tiere nach Indien zu bringen.
Ein Megaprojekt mit Zehntausenden Tieren
Vantara liegt bei Jamnagar im Bundesstaat Gujarat. Anant Ambani, der Sohn des Milliardärs Mukesh Ambani, gründete das Zentrum. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung lebten dort bis zum Frühsommer 2025 mehr als 45.000 Tiere aus aller Welt. Vantara bezeichnet sich selbst als weltweit größtes Rettungszentrum für Wildtiere.
Der indische Premierminister Narendra Modi besuchte die Anlage im März 2025. Die schnelle Aufnahme von Tieren aus verschiedenen Ländern machte deren Herkunft und die Einfuhrverfahren zu einer internationalen Angelegenheit. Im Zentrum stehen dabei auch Fragen zur Haltung und zur veterinärmedizinischen Versorgung. Eine Eröffnung der Anlage zu Modis Besuchszeitpunkt lässt sich daraus nicht ableiten.
Kritik an Importen geschützter Arten
Im Mittelpunkt steht das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES. Öffentliche Bedenken richteten sich gegen die schnelle Beschaffung geschützter Tiere und gegen die Verfahren zur Genehmigung ihrer Einfuhr. Auch die Rolle staatlicher Stellen und die Einhaltung nationaler und internationaler Vorschriften wurden hinterfragt.
Die Debatte erhielt 2025 eine rechtliche Dimension. Das Oberste Gericht Indiens setzte ein Sonderermittlungsteam ein, das mögliche Unregelmäßigkeiten beim Erwerb von Tieren aus Indien und dem Ausland prüfen soll. Untersucht werden sollten dabei auch die Rolle staatlicher Stellen sowie Standards der Tierhaltung und tierärztlichen Versorgung. Eine abschließende gerichtliche Feststellung zu den erhobenen Vorwürfen liegt damit nicht vor.
Scanlon übernimmt Vorsitz im neuen Gremium
Für die Neuausrichtung berief Vantara John Scanlon zum Vorsitzenden eines neu geschaffenen Governing Council. Scanlon leitete CITES von 2010 bis 2018. Vantara erklärte, Scanlon solle die angekündigte Neuausrichtung unterstützen und die Arbeit des neuen Gremiums leiten. Welche konkreten Kontrollbefugnisse damit verbunden sind, wurde nicht näher beschrieben.
Vantara teilte außerdem mit, anhängige Anträge auf den Import lebender Tiere zurückzuziehen. Die einjährige Aussetzung der Importe soll der Einführung verschärfter Regeln und Kontrollen dienen. Ein darüber hinausgehender dauerhafter Verzicht auf bestimmte Tiergruppen ist nicht näher festgelegt. Statt weitere Tiere aus dem Ausland zu holen, will die Einrichtung Rettungsstationen, veterinärmedizinische Zentren und Schutzprogramme in den Herkunftsländern unterstützen.
In Indien soll die Zusammenarbeit mit Forstbehörden und bestehenden Rettungszentren ausgebaut werden. Vivaan Karani, ein leitender Vertreter von Vantara, formulierte den Kurswechsel mit dem Bild, künftig sollten die Ressourcen reisen und nicht die Tiere. Praktisch würde das bedeuten, dass Vantara seine Kapazitäten für Behandlung, Ausbildung und Schutz vor Ort einsetzt. Der Kurswechsel betrifft damit nicht nur die Zahl neuer Importe, sondern auch die geplante Rolle der Anlage in internationalen Artenschutzprogrammen.
Der Kurswechsel muss sich an Ergebnissen messen lassen
Entscheidend wird sein, welche Projekte Vantara unterstützt und wie ihre Wirkung kontrolliert wird. Die Einrichtung erklärte, sie habe freiwillige Verpflichtungen bei CITES eingereicht und diese zugleich dem Obersten Gericht Indiens vorgelegt. Dazu gehört der Rückzug aller anhängigen Anträge auf den Import lebender Tiere. Umfang und praktische Umsetzung der Verpflichtungen müssen sich an künftigen Entscheidungen und dokumentierten Projekten zeigen.
Vantara versucht damit, sein öffentliches Profil vom privaten Tiermagneten zum Partner für Schutzprogramme zu verändern. Die Größe und das bereits aufgebaute Fachwissen der Anlage können für die Versorgung geretteter Tiere nützlich sein. Zugleich bleibt die Glaubwürdigkeit des neuen Modells daran gebunden, dass Herkunft, Genehmigungen, Transporte und langfristige Haltung transparent dokumentiert werden. Der belastbare Stand ist die angekündigte einjährige Importpause samt Rückzug anhängiger Anträge; offen ist, ob daraus dauerhaft eine andere Praxis entsteht.
Quellen
- sueddeutsche.de – Oberstes Gericht Indien untersucht Vantara-Zoo – Wissen – SZ.de – https://www.sueddeutsche.de/wissen/zoo-indien-artenschutz-wildtiere-li.3303701
- thehindu.com – Anant Ambani’s giant Vantara zoo announces ‘reset’, rethinks imports – The Hindu – https://www.thehindu.com/sci-tech/energy-and-environment/indian-tycoons-giant-vantara-zoo-announces-reset-rethinks-imports/article71373268.ece
