Knautschke überlebte die Kriegszerstörung des Berliner Zoos und wurde mit Lebensmittelspenden aus der Bevölkerung versorgt. Das junge Flusspferd gehörte zu den nur 91 Zootieren, die das Kriegsende erlebten. Menschen brachten ihm Nahrung, obwohl sie selbst wenig zu essen hatten. Ihre Unterstützung reichte über das Ende der Kämpfe hinaus: Das Stadtmagazin Secret Berlin beschreibt, wie die Spenden anschließend auch durch die Hungerjahre der Nachkriegszeit halfen.
Ein Flusspferd zwischen Trümmern und Badewanne
Knautschke wurde 1943 geboren. Im historischen WDR-Rückblick wird geschildert, dass er gerade acht Wochen alt war, als seine Eltern nach einem Luftangriff unter den Trümmern des Flusspferdhauses begraben wurden. Secret Berlin berichtet ausdrücklich vom Tod seiner Mutter bei dem Angriff. Für das überlebende Jungtier fand eine Tierpflegerin nach Darstellung des WDR eine ungewöhnliche Unterkunft: Sie nahm Knautschke vorübergehend in ihrer Badewanne auf. Erst als der zerstörte Bau wiederhergestellt war, kam er zurück.
Die Zahl der überlebenden Tiere macht das Ausmaß der Zerstörung deutlich. Secret Berlin stellt den 91 Überlebenden einen früheren Bestand von mehr als 3.700 Tieren gegenüber. Das entspricht rechnerisch weniger als drei Überlebenden je hundert Tiere dieses Bestands. Auch der Zoo Berlin nennt in seinem Jubiläumsrückblick von 2024 die Zahl von 91 überlebenden Tieren. Knautschkes Geschichte steht damit vor dem Hintergrund eines Zoos, der im Krieg fast seinen gesamten Tierbestand verloren hatte.
Wasser von den Pflegern, Lebensmittel aus der Stadt
Zur Betreuung gehörte unter diesen Bedingungen mehr als die Suche nach einem sicheren Platz. Auch Knautschkes Wasserbecken war zerstört. Die Tierpfleger übergossen ihn deshalb mehrmals täglich mit Wasser, wie der Zoo in seinem historischen Rückblick beschreibt. Die beschädigte Anlage musste im Alltag durch wiederkehrende Handarbeit ausgeglichen werden. An diesem Detail wird greifbar, was die Kriegszerstörung für die Versorgung eines einzelnen überlebenden Tiers bedeutete.
Die Hilfe aus der Bevölkerung begann bereits während des Krieges. Der WDR schildert, wie Menschen immer wieder Brot und Äpfel von ihren eigenen knappen Essensrationen in den Zoo brachten. Damit halfen sie, das Jungtier aufzupäppeln. Die Lebensmittel kamen also von Menschen, für die das Abgeben selbst einen Verzicht bedeutete. Während die Pfleger die unmittelbare Betreuung übernahmen, trugen die Berliner mit ihren Gaben zur Ernährung des heranwachsenden Flusspferds bei.
Für die Zeit nach dem Krieg nennt Secret Berlin Kartoffeln, Kohl, Obst und Brot als Spenden. Nach Darstellung des Magazins halfen diese Lebensmittel, Knautschke durch die Nachkriegszeit und später durch die Berliner Blockade zu bringen. Die Unterstützung endete demnach nicht mit dem Überstehen der Luftangriffe und Kämpfe. Für das wachsende Tier musste weiterhin Nahrung beschafft werden, während die Menschen selbst unter Knappheit lebten. Gerade diese fortgesetzte Versorgung erklärt die besondere Verbindung zwischen dem Flusspferd und seinen Helfern: Sie beteiligten sich ganz praktisch an seinem Weiterleben.
Vom versorgten Jungtier zum Zuchtbullen
Nach dem Krieg bekam Knautschkes Überleben auch für die Flusspferdzucht Bedeutung. Der WDR berichtet, dass Zoodirektorin Katharina Heinroth 1949 in Leipzig eine Partnerin für ihn fand. Das Weibchen gelangte kurz vor der Gründung der DDR über bereits bestehende Zollgrenzen nach Berlin. Aus dem einst auf improvisierte Pflege angewiesenen Jungtier wurde ein Bulle für die Zucht im Zoo. Insgesamt zeugte Knautschke dem WDR zufolge 35 Nachkommen, die an Zoos weltweit abgegeben wurden.
1988 wurde Knautschke bei einem Rivalenkampf mit seinem Sohn Nante schwer verletzt. Der Zoo Berlin berichtet, dass er anschließend eingeschläfert wurde. Als Todestag nennt der WDR den 20. Juni 1988. In seinem Jubiläumsbeitrag von 2024 verweist der Zoo auf die Bronzestatue vor „Hippo Bay“, die an den Bullen erinnert. Wer ihr begegnet, hat damit einen Anknüpfungspunkt an einen konkreten Teil Berliner Geschichte: Hinter dem bekannten Flusspferd standen Pfleger und Menschen aus der Stadt, die seine Versorgung trotz zerstörter Anlagen und knapper Lebensmittel aufrechterhielten.
Quellen
- secretberlin.co – Er war einer von 91 Überlebenden und ein Liebling der Berliner – https://secretberlin.co/das-nilpferd-knautschke-vom-berliner-zoo/
- zoo-berlin.de – 180 Jahre Zoo Berlin: Knautschke – https://www.zoo-berlin.de/de/aktuelles/news/artikel/180-jahre-zoo-berlin-knautschke
- www1.wdr.de – Stichtag – 20. Juni 1988: Todestag des Nilpferds Knautschke – Stichtag – https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-nilpferd-knautschke-100.html

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