59 tote Lämmer und acht weitere verletzte Tiere: Nach einem Hundeangriff am 21. Oktober 2026 bei Wigan kritisiert der betroffene Schafhalter den Umgang der Polizei mit dem Fall. Er berichtet, ihm sei nach zunächst erfolgter Beweissicherung mitgeteilt worden, weitere Ermittlungen würden aus Kostengründen nicht genehmigt. Die Greater Manchester Police erklärte gegenüber Farmers Weekly dagegen, umfangreiche Ermittlungen durchzuführen. Der am 26. Oktober veröffentlichte Bericht beschreibt damit einen deutlichen Widerspruch zwischen der Auskunft, die der Landwirt nach eigener Darstellung erhielt, und der anschließenden öffentlichen Stellungnahme der Polizei.
Beweissicherung am Angriffstag, widersprüchliche Auskünfte danach
Der Angriff ereignete sich auf einer gepachteten Fläche in Aspull, abseits des Hauptbetriebs des Halters. Farmers Weekly berichtet von zwei großen Schäferhunden, die an dem Angriff beteiligt gewesen seien. Dem Bericht zufolge kamen Polizeibeamte noch am selben Tag zum Ort des Geschehens, fotografierten die verendeten Tiere und nahmen Abstriche. Anschließend wurden die Hunde sichergestellt. Der betroffene Landwirt Blacklidge sagte dem Agrarmagazin, ihm seien außerdem DNA-Proben von den Hunden und eine umfassende Untersuchung angekündigt worden.
Als er sich 48 Stunden später nach dem Stand erkundigt habe, sei ihm jedoch eine andere Auskunft gegeben worden. Nach seiner Darstellung habe ein Beamter erklärt, die Beweise reichten nicht aus, um die Hunde als Verursacher festzustellen. Weitere Untersuchungen würden wegen Kosten- und Budgetbeschränkungen nicht mehr genehmigt; die Hunde sollten an ihren Besitzer zurückgegeben werden. Blacklidge wandte sich daraufhin schriftlich an Polizeichef Sir Stephen Watson und verlangte die sofortige Wiederaufnahme der Ermittlungen sowie die weitere Sicherstellung der Hunde. Ob diese tatsächlich zurückgegeben wurden, bleibt offen.
23.000 Pfund Schaden für den betroffenen Betrieb
Blacklidge beziffert seinen Schaden auf 23.000 Pfund. Darin enthalten seien der Wert der verlorenen Tiere und die Kosten für Ersatzkäufe. Neben einem kleinen Schlachthof in Wigan betreibt er einen Hof zwischen Wigan und Chorley, auf dem er Schafe, Schweine und Ziegen hält. Seine Forderung richtet sich damit auf die Aufklärung eines Vorfalls, der seinen Tierbestand und nach seiner Darstellung auch wirtschaftlich erheblich getroffen hat.
Auf Nachfragen von Farmers Weekly erklärte die Greater Manchester Police, Beamte führten umfangreiche Ermittlungen durch, um den genauen Hergang zu klären. Detective Chief Inspector Lee Shaw aus dem Polizeibezirk Wigan betonte die schweren Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Betroffenen. Er versicherte, die Polizei nehme den Fall sehr ernst und ermittle, um die Verantwortlichen zu identifizieren. Eine bestätigte Einstellung des Verfahrens lässt sich daraus nicht ableiten: Der Vorwurf des Halters und die Erklärung der Polizei müssen als unterschiedliche Darstellungen auseinandergehalten werden.
Neue Befugnisse betreffen genau die strittigen Maßnahmen
Besondere Bedeutung erhält die Auseinandersetzung durch eine Gesetzesänderung, die am 18. März 2026 in England und Wales in Kraft trat. Sie erhöhte die mögliche Geldstrafe für entsprechende Übergriffe auf Nutztiere von höchstens 1.000 Pfund auf eine Geldstrafe ohne feste Obergrenze. Außerdem darf die Polizei Hunde sicherstellen und festhalten, wenn hinreichende Gründe für die Annahme eines Angriffs oder einer Beunruhigung von Nutztieren bestehen und eine Wiederholungsgefahr angenommen wird. Hinzu kommen erweiterte Befugnisse zur Beweissicherung, darunter zur Gewinnung tierischer DNA. Gerichte können zudem anordnen, dass ein verurteilter Täter die Kosten der Sicherstellung und Unterbringung trägt.
Blacklidge berief sich in seinem Schreiben ausdrücklich auf die neuen Befugnisse. Sein Einwand trifft damit einen praktischen Punkt: Die Reform betrifft sowohl die Untersuchung solcher Angriffe als auch den Umgang mit den beteiligten Hunden. Eine Befugnis zur Sicherstellung beantwortet allerdings noch nicht, ob ihre Voraussetzungen im einzelnen Fall erfüllt sind. Für die Schafhaltung ist gerade die gesetzlich berücksichtigte Wiederholungsgefahr entscheidend, weil es dabei um den Schutz vor einem weiteren Angriff geht.
Für Hundehalter empfiehlt die britische Regierung, Tiere in der Nähe von Nutztieren stets unter Kontrolle und in Sichtweite zu halten sowie ein Entkommen aus Häusern und Gärten zu verhindern. Verantwortungsvolle Führung von Hunden beginnt im Alltag, bevor Behörden nach einem Vorfall eingreifen müssen. Tierhaltern rät die Regierung, Angriffe zu melden, Informationen und Beweise aufzubewahren und der Polizei zu übergeben. Für den Fall bei Wigan bat die Polizei im Bericht vom 26. Oktober um weitere Hinweise unter der Vorgangsnummer 1066 vom 21. Oktober 2026 – die öffentliche Erklärung lautete zu diesem Zeitpunkt, dass ermittelt werde.
Quellen
- fwi.co.uk – Farmer demands action after dog attack kills 59 lambs – Farmers Weekly – https://www.fwi.co.uk/news/crime/farmer-demands-action-after-dog-attack-kills-59-lambs
- gov.uk – New law comes into force to protect farm animals from dog attacks – GOV.UK – https://www.gov.uk/government/news/new-law-comes-into-force-to-protect-farm-animals-from-dog-attacks

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