Der Steinbacher-Preis 2026 geht an drei Artenschützer, deren gemeinsame Arbeit zeigt, welchen Beitrag zoologische Einrichtungen zum Schutz bedrohter Wildvögel leisten können. Ausgezeichnet wurde ein Fachartikel über ein Kiebitzprojekt in Rheinland-Pfalz, bei dem die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) und der Zoo Landau ihre jeweiligen Kompetenzen zusammenbringen. Die Kooperation verbindet den Schutz gefährdeter Gelege in der Natur mit professioneller Kunstbrut und Aufzucht im Zoo. Damit steht die Auszeichnung zugleich für einen Artenschutzansatz, bei dem Naturschutzverbände und zoologische Einrichtungen gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Steinbacher-Preis 2026 würdigt Zusammenarbeit von Zoo und Naturschutz
Gerardo Unger Lafourcade, Kurt Belzer und Dr. Jens-Ove Heckel sind mit dem Elfriede-und-Joachim-Steinbacher-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Unger Lafourcade und Belzer engagieren sich bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz, während Heckel als Direktor des Zoos Landau die zoologische Expertise in das gemeinsame Vorhaben einbringt. Die Bekanntgabe der Auszeichnung erfolgte beim Züchterseminar der Fachzeitschrift „Gefiederte Welt“ im Vogelpark Walsrode. Gewürdigt wurde ein 2025 veröffentlichter Fachartikel, der die bestandsstützenden Maßnahmen für den Kiebitz in Rheinland-Pfalz sowie erste Erfahrungen aus der Zusammenarbeit dokumentiert.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein die Arbeit einzelner Fachleute, sondern das Zusammenspiel unterschiedlicher Einrichtungen mit einem gemeinsamen Ziel. Während Naturschutzorganisationen häufig über umfassende Kenntnisse der regionalen Brutgebiete und ihrer Gefährdungen verfügen, können zoologische Einrichtungen spezialisiertes Wissen über Vogelhaltung, Kunstbrut und Jungtieraufzucht einbringen. Der ausgezeichnete Fachartikel beschreibt, wie sich diese Kompetenzen bei einem konkreten Artenschutzprojekt ergänzen. Die Jury verbindet mit der Preisvergabe ausdrücklich die Hoffnung, dass die dokumentierten Erfahrungen weitere vergleichbare Kooperationen anregen.
Warum der Kiebitz in Rheinland-Pfalz Unterstützung benötigt
Der Kiebitz gehört mit seiner auffälligen Federhaube und seinem charakteristischen Flugbild zu den bekanntesten heimischen Wiesenvögeln. Früher war er auf feuchten Wiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen vielerorts regelmäßig anzutreffen. Doch der Verlust geeigneter Lebensräume, intensive landwirtschaftliche Nutzung und geringe Bruterfolge haben dazu beigetragen, dass die Bestände regional erheblich zurückgegangen sind. Besonders problematisch ist, dass geeignete Brutflächen nicht nur vorhanden sein müssen, sondern den Vögeln auch ausreichend Sicherheit bieten müssen, damit aus gelegten Eiern tatsächlich flügge Jungvögel werden.
Der Schutz des Kiebitzes erfordert deshalb Maßnahmen, die unterschiedliche Gefährdungen berücksichtigen. Geeignete Lebensräume müssen erhalten und gefährdete Brutplätze möglichst wirksam geschützt werden. Gleichzeitig können Situationen entstehen, in denen einzelne Gelege unter den Bedingungen vor Ort kaum Aussicht auf einen erfolgreichen Schlupf haben. Hier setzt das gemeinsame Projekt von GNOR und Zoo Landau an, indem es Maßnahmen im Freiland mit einer gezielten Unterstützung durch die zoologische Einrichtung verbindet.
Vom gefährdeten Kiebitzgelege bis zur Auswilderung
Die Aufgabenverteilung innerhalb des Projekts ist klar: Die GNOR übernimmt ihre Arbeit im praktischen Vogelschutz, während der Zoo Landau seine Einrichtungen und Erfahrungen bei der künstlichen Bebrütung und Aufzucht zur Verfügung stellt. Gefährdete Kiebitzgelege werden gesichert und geeignete Eier anschließend unter kontrollierten Bedingungen im Zoo ausgebrütet. Dort werden die geschlüpften Jungvögel fachkundig aufgezogen, bevor sie an geeigneten Standorten wieder in die Natur entlassen werden. Auf diese Weise können die Partner Brutversuche unterstützen, deren Erfolg im ursprünglichen Umfeld gefährdet wäre.
Entscheidend ist dabei, dass die zoologische Aufzucht nicht als Ersatz für den Schutz natürlicher Lebensräume verstanden wird. Auch erfolgreich aufgezogene Jungvögel benötigen nach ihrer Auswilderung geeignete Bedingungen, um sich in der Natur behaupten zu können. Die Zusammenarbeit verbindet deshalb zwei Bereiche des Artenschutzes, die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Die Fachkenntnisse der Naturschützer vor Ort und die Möglichkeiten der zoologischen Tierhaltung werden gezielt für dasselbe Schutzziel eingesetzt.
Zoo Landau zeigt die Bedeutung zoologischer Einrichtungen für den Artenschutz
Die Auszeichnung verdeutlicht, dass moderne Zoos weit mehr leisten können als die Präsentation von Tieren für Besucher. Ihre Infrastruktur, ihre Tierärzte und ihre Erfahrungen in der Haltung und Aufzucht verschiedener Tierarten können auch für den Schutz wildlebender Populationen von Bedeutung sein. Gerade bei gefährdeten Vogelarten kann die fachgerechte Bebrütung von Eiern und Aufzucht empfindlicher Jungtiere besondere Kenntnisse und technische Voraussetzungen erfordern. Das Projekt in Landau zeigt, wie solche Möglichkeiten in eine Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen eingebunden werden können.
Der Zoo Landau steht damit beispielhaft für eine Form zoologischer Arbeit, deren Nutzen sich nicht auf das eigene Gelände beschränkt. Auch der bereits bei GERATI thematisierte Welttierschutztag im Zoo Landau zeigt, dass zoologische Einrichtungen im Zusammenhang mit Tierwohl und dem verantwortungsvollen Umgang mit Tieren betrachtet werden müssen. Das ausgezeichnete Kiebitzprojekt ergänzt diese Perspektive um einen konkreten Beitrag zum heimischen Artenschutz. Es macht deutlich, dass sich die Arbeit im Zoo und der praktische Schutz wildlebender Tiere sinnvoll miteinander verbinden lassen.
Gerade in der öffentlichen Diskussion über die Zukunft zoologischer Einrichtungen bleibt dieser Aspekt häufig unterbelichtet. Eine pauschale Gegenüberstellung von Tierhaltung und Naturschutz wird Projekten wie dem in Landau nicht gerecht. Entscheidend ist vielmehr, welche konkreten Aufgaben eine Einrichtung übernimmt und welchen nachvollziehbaren Beitrag sie zum Schutz von Arten leisten kann. Der ausgezeichnete Fachartikel liefert dafür ein praxisnahes Beispiel, ohne dass aus den ersten dokumentierten Ergebnissen bereits eine langfristige Erholung der Kiebitzbestände abgeleitet werden müsste.
Steinbacher-Preis erinnert auch an Elfriede Steinbacher
Neben der fachlichen Würdigung besitzt die Preisvergabe 2026 eine weitere Bedeutung. Die Auszeichnung trägt wieder die frühere Bezeichnung Elfriede-und-Joachim-Steinbacher-Preis und erinnert damit ausdrücklich an beide Namensgeber. Während Joachim Steinbacher als Ornithologe bekannt wurde, soll durch die Nennung seiner Frau Elfriede auch die Bedeutung jener Menschen sichtbar gemacht werden, deren Unterstützung wissenschaftliche Leistungen häufig erst ermöglichte. Nach der Begründung der Jury soll die Namensgebung insbesondere Frauen würdigen, deren Beiträge zur ornithologischen Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung oft im Hintergrund blieben.
Die Rückkehr zum vollständigen Namen setzt damit ein Zeichen für die Anerkennung gemeinschaftlicher Leistungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und erfolgreiche Naturschutzprojekte beruhen häufig auf dem Zusammenwirken unterschiedlicher Menschen, Fachrichtungen und Institutionen. Dieser Gedanke findet sich auch im ausgezeichneten Kiebitzprojekt wieder, bei dem praktische Freilandarbeit und zoologische Fachkompetenz ineinandergreifen. Die Preisvergabe verbindet somit die Würdigung eines konkreten Fachartikels mit einem grundsätzlichen Bekenntnis zur Zusammenarbeit innerhalb der Ornithologie.
Ein Artenschutzprojekt mit Bedeutung über Rheinland-Pfalz hinaus
Der Steinbacher-Preis 2026 ist zunächst eine Anerkennung der wissenschaftlich-fachlichen Veröffentlichung und der darin beschriebenen Erfahrungen. Die Jury würdigt ausdrücklich die Dokumentation des gemeinsamen Vorgehens und seiner ersten Ergebnisse, nicht den bereits abgeschlossenen Wiederaufbau einer regionalen Kiebitzpopulation. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn langfristig erfolgreicher Artenschutz muss sich daran messen lassen, ob Maßnahmen unter den jeweiligen Bedingungen einen nachhaltigen Beitrag zum Erhalt der Tiere leisten. Dafür bleiben neben der Aufzucht auch geeignete Lebensräume, funktionierende Schutzmaßnahmen und die weitere Entwicklung der Bestände entscheidend.
Gerade die Veröffentlichung praktischer Erfahrungen kann anderen Artenschutzprojekten wertvolle Anregungen geben. Nicht jede Region verfügt über identische Brutgebiete, dieselben Gefährdungen oder eine zoologische Einrichtung mit den benötigten Möglichkeiten. Dennoch zeigt das Beispiel aus Rheinland-Pfalz, dass unterschiedliche Akteure ihre Fähigkeiten bündeln können, statt unabhängig voneinander an denselben Problemen zu arbeiten. Die Übertragbarkeit einzelner Maßnahmen muss dabei jeweils anhand der örtlichen Voraussetzungen beurteilt werden.
Für GERATI unterstreicht die Auszeichnung vor allem einen wichtigen Punkt: Zoologische Einrichtungen und praktischer Naturschutz stehen keineswegs grundsätzlich im Widerspruch zueinander. Der Zoo Landau und die GNOR demonstrieren mit ihrem gemeinsamen Projekt, wie sich Fachwissen aus der Tierhaltung und Erfahrungen aus dem Freiland für den Schutz einer bedrohten heimischen Vogelart nutzen lassen. Die Würdigung durch den Elfriede-und-Joachim-Steinbacher-Preis 2026 macht diese Zusammenarbeit über Rheinland-Pfalz hinaus sichtbar. Sie ist damit zugleich ein positives Signal für Artenschutzprojekte, bei denen Zoos nicht als Gegenspieler, sondern als kompetente Partner des Naturschutzes verstanden werden.
Quellen
- Stadt Landau in der Pfalz – Steinbacher-Preis 2026 für Fachartikel über den Kiebitzschutz in Rheinland-Pfalz – Auszeichnung für Gerardo Unger Lafourcade, Kurt Belzer und Dr. Jens-Ove Heckel – https://www.landau.de/Verwaltung-Politik/Pressemitteilungen/Steinbacher-Preis-2026-f%C3%BCr-Fachartikel-%C3%BCber-den-Kiebitzschutz-in-Rheinland-Pfalz-Auszeichnung-f%C3%BCr-Gerardo-Unger-Lafourcade-Kurt-Belzer-und-Dr-Jens-Ove-Heckel-f%C3%BCr-eine-Ver%C3%B6ffentlichung-in-der-Gefiederten-Welt-w%C3%BCrdigt-beispielhafte-Zusammenarbeit-von-GNOR-und-Zoo-Landau-in-der-Pfalz.php?object=tx,2644.5.1&ModID=7&FID=2644.20864.1&NavID=2644.13

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