Ferkel Peri sorgt für Zuchterfolg im Kölner Zoo
Im Kölner Zoo ist erstmals Nachwuchs bei den Sulawesi-Hirschebern zur Welt gekommen. Das weibliche Jungtier namens Peri wurde Ende Mai geboren und entwickelt sich nach Angaben des Zoos gut. Inzwischen ist das Ferkel rund 50 Zentimeter groß und wiegt etwa sechs Kilogramm. Der Name „Peri“ bedeutet auf Indonesisch „Fee“ und wurde von einer Tierpflegerin ausgewählt.
Mutter Dua Hati lebt gemeinsam mit ihrem Nachwuchs in einem rund 1.000 Quadratmeter großen Gehege in Köln-Riehl. Die Elterntiere Kopa und Dua Hati kamen 2024 in den Kölner Zoo. Mit der erfolgreichen Nachzucht ist nun ein wichtiger Schritt gelungen, denn die aus Indonesien stammenden Sulawesi-Hirscheber gehören zu den bedrohten Tierarten.
Peri teilt sich die Anlage mit Banteng-Rindern und Prinz-Alfred-Hirschen. Solche Vergesellschaftungen verschiedener Tierarten aus derselben geografischen Region ermöglichen Besuchern einen abwechslungsreicheren Einblick in natürliche Lebensgemeinschaften. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an die Tierpflege, weil Verhalten, Rückzugsmöglichkeiten und die Beziehungen zwischen den einzelnen Tieren kontinuierlich beobachtet werden müssen.
Nach Medienberichten setzt Mutter Dua Hati gegenüber ihren deutlich größeren Mitbewohnern durchaus eigene Grenzen. Für die Tierpfleger gehört gerade dieses individuelle Verhalten zu den Faktoren, die bei einer solchen Gemeinschaftshaltung berücksichtigt werden müssen.
Vater Kopa lebt getrennt von Mutter und Jungtier
Vater Kopa ist derzeit nicht gemeinsam mit Dua Hati und Peri untergebracht. Damit berücksichtigt der Kölner Zoo die natürliche Sozialstruktur der Hirscheber. Männliche Tiere leben in freier Wildbahn nicht dauerhaft gemeinsam mit dem Muttertier und dessen Nachwuchs.
Die getrennte Haltung ist somit kein Zeichen einer problematischen Familienkonstellation, sondern orientiert sich am artspezifischen Verhalten. Moderne zoologische Tierhaltung bedeutet gerade bei wenig bekannten Arten, solche biologischen Besonderheiten in der Gestaltung der Haltung zu berücksichtigen.
Kölner Geburt ist Teil internationaler Erhaltungszucht
Sulawesi-Hirscheber stammen von der indonesischen Insel Sulawesi. Die Art steht unter zunehmendem Druck. Als wesentliche Gefahren gelten der Verlust geeigneter Lebensräume, Bejagung sowie Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest.
Gerade bei Arten mit schrumpfenden oder bedrohten Wildbeständen gewinnen koordinierte Zuchtprogramme zoologischer Einrichtungen an Bedeutung. Ziel ist dabei nicht lediglich, möglichst viele Jungtiere hervorzubringen. Entscheidend ist vielmehr der Aufbau genetisch stabiler und langfristig lebensfähiger Populationen in menschlicher Obhut.
Internationale Zoos und wissenschaftliche Einrichtungen arbeiten deshalb seit Jahren zusammen, um Bestände verschiedener bedrohter Tierarten Indonesiens koordiniert zu erhalten. Dazu gehören neben Hirschebern beispielsweise auch Banteng-Rinder und weitere seltene Arten aus der Region.
Solche Programme umfassen Zuchtbücher, genetische Empfehlungen, den Austausch geeigneter Tiere zwischen Einrichtungen sowie wissenschaftliche Untersuchungen. Die Geburt von Peri ist deshalb nicht nur ein lokaler Zuchterfolg des Kölner Zoos, sondern Teil einer wesentlich größeren internationalen Artenschutzarbeit.
Zoos schaffen Reservepopulationen bedrohter Arten
Bei Debatten über zoologischen Artenschutz wird häufig ausschließlich auf mögliche spätere Auswilderungen geschaut. Doch Erhaltungszucht beginnt deutlich früher. Voraussetzung für jede langfristige Perspektive ist zunächst eine stabile Population, deren genetische Vielfalt möglichst breit erhalten bleibt.
Sulawesi-Hirscheber erfüllen auch in ihrem natürlichen Lebensraum wichtige ökologische Funktionen. Beim Wühlen lockern sie den Boden auf und können zur Verbreitung von Samen beitragen. Gleichzeitig sind sie Bestandteil der Nahrungsketten ihres Ökosystems. Verschwindet eine Tierart, können deshalb Auswirkungen entstehen, die weit über die einzelne Art hinausreichen.
Eine Reservepopulation in zoologischen Einrichtungen ersetzt den Schutz natürlicher Lebensräume nicht. Sie kann jedoch verhindern, dass eine Tierart vollständig verloren geht, während gleichzeitig Schutzprojekte in den Herkunftsgebieten weiterentwickelt werden.
Für Peri selbst gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass eine spätere Auswilderung geplant wäre. Das schmälert den Wert der Nachzucht jedoch nicht. Entscheidend ist zunächst, dass die Art innerhalb koordinierter Populationen langfristig erhalten werden kann.
„Action Indonesia Day“ informiert über bedrohte Tierarten
Passend zum Nachwuchs will der Kölner Zoo beim „Action Indonesia Day“ über bedrohte Tierarten aus Indonesien informieren. Im Mittelpunkt stehen neben den Sulawesi-Hirschebern auch Banteng-Rinder und weitere Tiere der Region.
Zoobegleiter sollen am Zoomobil über die verschiedenen Arten, ihre Bedrohung und bestehende Schutzmaßnahmen informieren. Besucher erhalten damit die Möglichkeit, nicht nur einzelne Tiere zu sehen, sondern auch mehr über die Zusammenhänge zwischen Lebensraumverlust, Wildtierbeständen und zoologischer Erhaltungszucht zu erfahren.
Peri dürfte dabei zweifellos zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Hirscheber lenken. Gerade Jungtiere schaffen häufig einen Zugang zu Arten, von denen viele Besucher zuvor kaum etwas gehört haben.
Der erste Nachwuchs bei Sulawesi-Hirschebern ist deshalb für den Kölner Zoo mehr als lediglich eine erfreuliche Tiergeburt. Er zeigt exemplarisch, wie Tierhaltung, Zuchtmanagement, internationale Zusammenarbeit und Bildungsarbeit in modernen Zoos miteinander verbunden werden können.
Ob Tiere aus solchen Populationen eines Tages wieder zur Stabilisierung von Wildbeständen beitragen können, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Voraussetzung bleiben geeignete Lebensräume und ausreichender Schutz in den Herkunftsregionen. Ohne stabile Zoopopulationen würde im Ernstfall jedoch eine wichtige zusätzliche Möglichkeit zum Erhalt bedrohter Arten fehlen.
Quellen:
- Westdeutsche Zeitung (WZ) – Nachwuchs im Kölner Zoo – https://www.wz.de/nrw/burscheid-und-region/koeln_leverkusen/nachwuchs-im-koelner-zoo_aid-152792001
- GERATI – Elefantenreit Verbot Indonesien – viel Jubel, wenig Realität – https://gerati.de/2026/01/30/elefantenreit-verbot-indonesien-ar4r/
