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Wenn Spenden zur Zielscheibe werden
Der Jahreswechsel ist vorbei, die Debatten um Feuerwerk, Tierwohl und Verantwortung sind es nicht. Der Fall des Pasewalker Pyrotechnikers Matthias Waitz zeigt auf bedrückende Weise, wie schnell sich selbst ernannte Tierschützer in moralische Ankläger verwandeln – und dabei genau das zerstören, was sie angeblich verteidigen wollen. Statt Dankbarkeit für konkrete Hilfe erleben Menschen, die sich finanziell für Tiere einsetzen, digitale Hetze, Diffamierung und offene Beschimpfungen. Das Ergebnis ist fatal: dringend benötigte Spenden bleiben aus, weil Engagement bestraft wird.
Der Artikel aus der Region Ueckermünde beschreibt einen Vorgang, der weit über Pasewalk hinausweist. Er legt offen, wie eine lautstarke Minderheit in sozialen Medien den Ton bestimmt und dabei reale Unterstützung für den Tierschutz untergräbt. Im Zentrum steht Hass nach Tierschutzspende, ein Phänomen, das längst kein Einzelfall mehr ist, sondern symptomatisch für eine toxische Debattenkultur.
Der konkrete Fall: Matthias Waitz und 1000 Euro für Tiere
Matthias Waitz betreibt in Pasewalk im Nebenerwerb das Unternehmen Pyro-Fox Fireworks. Hauptberuflich arbeitet er als Windkraftanlagen-Techniker und Ausbildungsverantwortlicher bei Enertrag. Er ist kein Unbekannter, kein anonymer Geldgeber, sondern jemand, der offen zu seinem Tun steht. Zum Jahresbeginn 2026 entschied er sich, 1000 Euro an die Tierrettung Vorpommern-Greifswald zu spenden. Eine Summe, die für Vereine dieser Art nicht symbolisch, sondern konkret wirksam ist – für Tierarztkosten, Futter, Unterbringung, Notfälle.
Was folgte, war keine Anerkennung, sondern ein Shitstorm. In den sozialen Medien wurde Waitz beschimpft, diffamiert, teilweise sogar beschuldigt, für den Tod von Menschen und Tieren verantwortlich zu sein. Der Vorwurf richtete sich nicht gegen eine konkrete Handlung, sondern gegen seine berufliche Tätigkeit als Pyrotechniker. Die Spende selbst wurde zum Anlass für moralische Abrechnung.
Hier zeigt sich das erste zentrale Problem: Die Empörung richtet sich nicht gegen tatsächliches Fehlverhalten, sondern gegen ein Feindbild. Wer Feuerwerk verkauft, ist für manche per Definition Täter – unabhängig davon, was er tut oder wie er sich verhält.
Wiederholung mit Folgen: Die nicht erfolgte Spende 2024
Besonders brisant ist, dass dieser Vorgang kein Einzelfall war. Bereits im Jahr 2024 wollte Matthias Waitz an den Katzenschutzverein Pasewalk spenden. Auch damals setzte eine Welle von Hasskommentaren ein. Das Ergebnis: Die Spende wurde nicht ausgeführt. Stattdessen ging das Geld an die Jugendabteilung der Pasewalker Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks, bei dem Waitz selbst ehrenamtlich aktiv ist.
Man kann das kaum deutlicher formulieren: Aggressive Online-Kommentare haben ganz konkret dazu geführt, dass Geld, das für den lokalen Tierschutz vorgesehen war, dort nicht ankam. Nicht wegen mangelnden Willens des Spenders, sondern wegen einer feindseligen Atmosphäre, die Engagement sanktioniert.
Wer in solchen Fällen noch behauptet, Hasskommentare seien „nur Worte“, ignoriert ihre realen Konsequenzen. Sie verändern Entscheidungen, verhindern Hilfe und schwächen Strukturen, die ohnehin unter Druck stehen.
Pyrotechniker heißt nicht verantwortungslos
Ein weiterer Aspekt, der im Originalartikel klar benannt wird, aber in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Matthias Waitz positioniert sich selbst deutlich gegen illegales Feuerwerk. Er kritisiert sogenannte Polenböller, die an Granateneinschläge erinnern, und fordert ein härteres Durchgreifen der Justiz. Er spricht sich für leiseres Feuerwerk aus, bietet Schulungen an und erläutert bei Vorführungen den richtigen Umgang mit Pyrotechnik.
Diese Differenzierung interessiert viele seiner Kritiker offenbar nicht. Für sie zählt nur das Etikett. Dass jemand innerhalb seiner Branche Verantwortung übernimmt, wird ignoriert. Das ist kein Zufall, sondern Teil einer moralischen Vereinfachung, die komplexe Realität durch Schwarz-Weiß-Denken ersetzt.
Gerade im Kontext der Feuerwerksdebatte Silvester wäre eine solche Differenzierung dringend notwendig. Stattdessen dominieren Schlagworte, Empörung und persönliche Angriffe.
Wenn Tierwohl zur Waffe wird
Besonders perfide ist die Instrumentalisierung des Begriffs Tierwohl. Matthias Waitz besitzt selbst Katzen, die aus einem Brandhaus gerettet wurden. Er erkennt an, dass Tiere durch Feuerwerk gestresst werden können und dass es zu Vorfällen kommt. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Verantwortung auch bei Tierhaltern liegt – etwa wenn Tiere wie das erwähnte Pferd in Brandenburg in der Silvesternacht nicht eingestallt werden.
Diese nüchterne Abwägung wird von seinen Gegnern nicht akzeptiert. Stattdessen wird Tierwohl zur moralischen Keule, mit der jede Abweichung von der eigenen Haltung sanktioniert wird. Wer nicht die radikalste Position einnimmt, gilt als Feind.
Das ist gefährlich. Denn echter Tierschutz lebt von pragmatischen Lösungen, nicht von ideologischer Reinheit. Er braucht Dialog, nicht Ausgrenzung. Und er braucht Menschen, die bereit sind, Geld zu geben – unabhängig davon, ob sie in allen Fragen die „richtige“ Meinung vertreten.
Zentrale Feuerwerkszonen und Realitätssinn
Im Artikel wird auch die Idee zentraler Feuerwerkszonen angesprochen. Waitz hält den Vorschlag grundsätzlich für sinnvoll, verweist aber auf praktische Hürden: Naturschutzbehörden, fehlende kommunale Mittel, der Bedarf an Fachpersonal. Das ist keine Ablehnung aus Prinzip, sondern eine realistische Einschätzung.
Auch hier zeigt sich ein Muster: Forderungen werden laut erhoben, ohne die Umsetzung mitzudenken. Wenn sie dann an rechtlichen oder organisatorischen Realitäten scheitern, wird nicht nach Lösungen gesucht, sondern Schuldige benannt. Meist sind es dieselben: Pyrotechniker, Kommunen, „die Politik“.
Dabei wäre gerade in der Diskussion um zentrale Feuerwerkszonen ein konstruktiver Austausch nötig. Doch dafür bräuchte es Gesprächsbereitschaft – und die endet dort, wo Hass beginnt.
Die stille Mehrheit zahlt den Preis
Die lautesten Stimmen in sozialen Medien sind selten repräsentativ. Doch sie prägen die Wahrnehmung. Viele potenzielle Spender beobachten genau, was passiert, wenn jemand öffentlich hilft. Der Fall Waitz sendet ein klares Signal: Engagement kann gefährlich werden – zumindest für den eigenen Ruf und die eigene psychische Belastung.
Das führt zu einer stillen, aber folgenreichen Reaktion: Menschen spenden anonym oder gar nicht mehr. Sie ziehen sich zurück, um nicht Zielscheibe zu werden. Für Tierschutzvereine, die ohnehin mit knappen Ressourcen arbeiten, ist das verheerend.
Gerade in Zeiten, in denen staatliche Unterstützung oft nicht ausreicht, sind private Spenden essenziell. Wer durch Hasskampagnen dafür sorgt, dass diese Gelder ausbleiben, handelt nicht im Sinne des Tierschutzes, sondern gegen ihn.
Ausblick: Verbot statt Dialog?
Matthias Waitz geht davon aus, dass Pyrotechnik für Privatpersonen in den nächsten fünf bis zehn Jahren verboten werden könnte. Diese Einschätzung teilt er nüchtern, ohne Pathos. Sie zeigt, wie sehr die politische Debatte bereits von Konfrontation geprägt ist.
Doch selbst wenn es zu einem solchen Verbot käme, bleibt die zentrale Frage bestehen: Wie gehen wir miteinander um? Wird jede Spende, jede Abweichung von der Mehrheitsmeinung zum Anlass für digitale Gewalt? Oder schaffen wir es, Engagement unabhängig von Ideologie anzuerkennen?
Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über die Zukunft des Feuerwerks, sondern über die Glaubwürdigkeit des Tierschutzes insgesamt.
Fazit: Moralischer Lärm zerstört reale Hilfe
Der Fall aus Pasewalk ist ein Lehrstück. Er zeigt, wie Hasskommentare soziale Medien in ein Klima verwandeln, das Hilfe verhindert. Er zeigt, wie selbst ernannte Moralwächter dafür sorgen, dass geplante Spenden nicht ankommen. Und er zeigt, wie dringend eine Rückbesinnung auf das Wesentliche nötig wäre: Tiere zu schützen, statt Menschen zu attackieren.
Wer sich ernsthaft für Tierwohl einsetzt, sollte innehalten und fragen, wem der eigene Zorn nutzt. Sicher nicht den Tieren. Sicher nicht den Vereinen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Und sicher nicht einer Gesellschaft, die Lösungen braucht statt Spaltung.
Der Tierschutz braucht Geld, Engagement und Dialog. Er braucht keine digitalen Pranger. Wer das nicht erkennt, ist Teil des Problems – auch wenn er sich selbst als Retter inszeniert.
Quellen:
- Nordkurier – Nach Spende an Tierschutz wird Pasewalker Pyrotechniker beschimpft – https://www.nordkurier.de/regional/ueckermuende/nach-spende-an-tierschutz-wird-pasewalker-pyrotechniker-beschimpft-4268545
- GERATI – Tierrechts- Hass und Hetze macht nicht einmal vor Helfern aus dem Tierschutz halt – Der Fall Burgdorf – https://gerati.de/2022/08/24/tierrechts-hass-und-hetze-macht-nicht-einmal-vor-helfern-aus-dem-tierschutz-halt-der-fall-burgdorf/
