Schweiz: Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelze – politischer Konflikt zwischen Bund, Tierschützern und Pelzindustrie

Hintergrund: Neue Schweizer Regelung zum Pelzimport

Seit dem 1. Juli 2025 gilt in der Schweiz ein Importverbot für Pelzprodukte, die unter als «tierquälerisch» eingestuften Bedingungen hergestellt wurden. Das Verbot ist mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren versehen, um Handel, Zoll und Vollzugsbehörden auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.

Künftig dürfen Pelz- und Pelzprodukte nur noch eingeführt oder gehandelt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass sie nicht aus tierquälerischer Haltung oder Tötung stammen. Bei Verstößen drohen Beschlagnahmungen sowie strafrechtliche Konsequenzen. Die Regelung ist Teil eines umfassenderen tierschutzpolitischen Kurswechsels des Bundes.

Auslöser war die Volksinitiative «Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte», die 2023 eingereicht wurde. Statt einer Verfassungsänderung entschied sich der Bundesrat für einen indirekten Gegenvorschlag über das Tierschutzgesetz, der zentrale Forderungen der Initiative auf Gesetzesebene umsetzt.

Politische und rechtliche Rahmenbedingungen

Volksinitiative vs. Bundesratsvorschlag

Die Volksinitiative verlangte ein generelles Importverbot für Pelzprodukte aus Tierquälerei auf Verfassungsstufe. Sie wurde von mehreren Tierschutzorganisationen getragen und erreichte die notwendige Zahl an Unterschriften.

Der Bundesrat legte als Alternative einen indirekten Gegenvorschlag vor. Dieser sieht ein Import- und Handelsverbot für Pelze vor, sofern diese nachweislich unter tierschutzwidrigen Bedingungen produziert wurden. Der Nationalrat nahm diesen Vorschlag im Herbst 2025 mit deutlicher Mehrheit an. Ausnahmen sind unter anderem für private Einfuhren wie persönliche Gebrauchsgegenstände oder Erbstücke vorgesehen.

Der Ständerat hat über die Vorlage noch abschließend zu entscheiden. Mit Annahme des Gegenvorschlags wurde die Volksinitiative zurückgezogen, wodurch sich die Auseinandersetzung auf die konkrete Ausgestaltung und den Vollzug des Gesetzes verlagert hat.

Kritikpunkte und Debattenlinien

Positionen der Tierschutzorganisationen

Tierschutzorganisationen begrüßen das Importverbot grundsätzlich als wichtigen Schritt. Die Schweiz würde damit international zu den Ländern gehören, die Pelzhandel explizit an Tierschutzstandards knüpfen.

Gleichzeitig verweisen sie auf Schwachstellen. Kritisiert wird insbesondere die enge Definition dessen, was als «tierquälerisch» gilt. Bestimmte Fang- und Haltungsformen könnten trotz erheblicher Leiden der Tiere weiterhin zulässig bleiben. Zudem stütze sich das System stark auf ausländische Zertifikate und Dokumentationen, deren Kontrolle und Aussagekraft begrenzt seien.

Aus Sicht des Tierschutzes besteht die Gefahr, dass das Verbot zwar politisch stark wirkt, in der Praxis jedoch durch Ausnahmen und Nachweisprobleme abgeschwächt wird.

Kritik und Vorwürfe der Pelzindustrie

Die Pelzindustrie reagiert mit deutlicher Ablehnung. Branchenvertreter werfen dem Bund vor, Regelungen von «Verwaltungsangestellten ohne fundierte Kenntnisse» ausarbeiten zu lassen. Die Vorgaben seien praxisfern, fachlich unzureichend und von einer ideologischen Haltung geprägt.

Besonders kritisiert wird, dass Unterschiede zwischen verschiedenen Produktionsländern und Haltungsstandards nicht ausreichend berücksichtigt würden. Moderne Pelztierhaltung werde pauschal diskreditiert, ohne die tatsächlichen Bedingungen differenziert zu bewerten.

Zudem warnt die Branche vor wirtschaftlichen Schäden für Händler und internationale Produzenten. Insbesondere in Ländern wie den USA oder Kanada, wo Pelztierhaltung wirtschaftlich relevant ist, wird das Schweizer Vorgehen als protektionistisch wahrgenommen.

Internationale Dimension und handelspolitische Spannungen

Internationale Reaktionen zeigen, dass das Thema über die Schweiz hinausreicht. In den USA, insbesondere in Bundesstaaten mit starker Pelzindustrie wie Wisconsin, wird das Importverbot kritisch verfolgt. Politiker und Branchenvertreter äußern Unmut und verweisen auf mögliche Konflikte mit internationalen Handelsabkommen.

Die Frage der Vereinbarkeit mit WTO-Regeln steht dabei regelmäßig im Raum. Während der Bundesrat argumentiert, dass Tierschutz ein legitimes öffentliches Interesse darstellt, sehen Kritiker ein erhöhtes Risiko von Handelsstreitigkeiten.

Einordnung in die Schweizer Tierwohlpolitik

Das Pelzimportverbot ist Teil einer breiteren Entwicklung. In den vergangenen Jahren hat die Schweiz verschiedene Maßnahmen zur Stärkung des Tierwohls ergriffen, darunter neue Deklarationspflichten für tierische Lebensmittel und Diskussionen über Einschränkungen bei besonders umstrittenen Produkten wie Stopfleber.

Die Politik verfolgt zunehmend das Ziel, ethische Mindeststandards nicht nur im Inland, sondern auch bei Importprodukten durchzusetzen. Dies stößt gesellschaftlich auf breite Zustimmung, wirft jedoch komplexe Fragen zur Kontrolle, Durchsetzbarkeit und internationalen Abstimmung auf.

Fazit

Der geplante Umgang mit Pelzprodukten zeigt exemplarisch, wie konfliktträchtig moderne Tierschutzpolitik sein kann. Zwischen ethischem Anspruch, wirtschaftlichen Interessen und rechtlichen Grenzen verläuft eine scharfe Trennlinie. Ob das Schweizer Importverbot zu einer realen Reduktion von Tierleid führt oder vor allem symbolische Wirkung entfaltet, wird sich erst im Vollzug zeigen.

Fest steht bereits jetzt: Der Streit um Pelz ist weniger eine Mode- oder Luxusdebatte als ein grundlegender Machtkampf um die Frage, wie weit staatlicher Tierschutz in globalisierten Märkten reichen darf.


Quellen:

1 Gedanke zu „Schweiz: Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelze – politischer Konflikt zwischen Bund, Tierschützern und Pelzindustrie“

  1. Ich habe keine Probleme mit Pelzen. Zudem sind sie nachhaltiger als synthetische Fasern, verrotten und geben kein Mikroplastik ab.
    Außerdem finde ich es wichtig, nach Möglichkeit so viel wie möglich von einem geschlachteten Tier zu verwenden.
    Wichtig ist mir, das es dem Tier, das ich am Körper trage, gut ging, bevor es starb, das es gut gehalten wurde (extensive Weidehaltung).
    Deswegen würde ich heimischem Lammfell immer den Vorzug geben und würde gar nicht darauf kommen, importierte Pelze zu tragen.
    Schlimm finde ich die Hysterie und die Verleumdung einiger Organisationen, z. B. P€TA.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar