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Schlagwort: Zoo Liberec

  • Mähnenrobbe Hugo Zoo Liberec: Tod nach Verschlucken eines Puppenkopfs

    Mähnenrobbe Hugo Zoo Liberec: Tod nach Verschlucken eines Puppenkopfs

    Im Zoo Liberec in Tschechien ist die 17 Jahre alte Mähnenrobbe Hugo gestorben. Bei der unmittelbar nach seinem Tod vorgenommenen Obduktion wurde im Verdauungstrakt der Kopf einer Spielzeugpuppe gefunden. Nach Angaben des Zoos hat dieser Fremdkörper sehr wahrscheinlich Prozesse ausgelöst, die schließlich zum Tod des Tieres führten. Hugo war die letzte Mähnenrobbe der nordböhmischen Einrichtung, die diese Tierart seit 1975 gehalten hatte.

    Beschädigte Puppe bereits zwei Tage vor Hugos Tod entdeckt

    Tierpfleger fanden Hugo am Samstagmorgen leblos im Außenbecken seines Geheges. Bereits zwei Tage zuvor hatten Mitarbeiter den beschädigten Körper einer Spielzeugpuppe aus dem Robbenbecken entfernt und Hugo anschließend besonders beobachtet. Nach Angaben des Zoos zeigte das Tier jedoch weder gesundheitliche Auffälligkeiten noch Veränderungen seines Verhaltens und fraß weiterhin normal. Dass Hugo Teile der Puppe verschluckt hatte, war für die Pfleger deshalb nicht erkennbar.

    Eine vorsorgliche Untersuchung wäre zudem keineswegs unkompliziert gewesen. Der leitende Zoologe des Zoos, Luboš Melichar, erklärte, Mähnenrobben reagierten besonders empfindlich auf eine Narkose, weshalb das Betäuben des 17 Jahre alten Tieres mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden gewesen wäre. Hinzu kommt, dass Kunststoff bei gewöhnlichen Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen nicht zuverlässig sichtbar ist. Selbst eine Untersuchung hätte somit nicht zwangsläufig gezeigt, dass sich ein Teil der Puppe in Hugos Verdauungstrakt befand.

    Bei der unmittelbar nach Hugos Tod vorgenommenen Obduktion wurde schließlich der Kopf der Puppe im Bereich zwischen Magen und Dünndarm gefunden. Der Zoo erklärte zunächst, dass der Fremdkörper sehr wahrscheinlich jene Prozesse ausgelöst habe, die zum Tod des Tieres führten. Für eine endgültige Klärung wurden zusätzlich Laboruntersuchungen veranlasst. Damit sollte die Todesursache nicht weiter zugespitzt werden, als es die bisher veröffentlichten Befunde zulassen.

    Liberec hatte bereits früher Probleme mit Fremdkörpern

    Besonders bitter ist, dass gefährliche Fremdkörper im Robbengehege von Liberec kein völlig neues Problem sind. Bereits 2009 verschluckte das Robbenmännchen Nico einen großen Stein, den nach damaligen Angaben ein Besucher in das Becken geworfen hatte. Nico musste notoperiert werden, überlebte den Eingriff jedoch nicht. Rund zwei Jahrzehnte zuvor wurden bei der Obduktion des Männchens Felix sogar insgesamt 7,5 Kilogramm Fremdkörper in dessen Magen gefunden.

    Beim aktuellen Fall ist bislang nicht geklärt, wie die Spielzeugpuppe überhaupt in das Robbenbecken gelangte. Anders als beim Fall Nico kann deshalb derzeit nicht als Tatsache dargestellt werden, dass ein Besucher den Gegenstand absichtlich hineinwarf. Dennoch zeigen die Fälle ein grundsätzliches Risiko: Gegenstände, die in Tiergehege gelangen, können für die dort lebenden Tiere zur tödlichen Gefahr werden. Gerade deshalb stellt sich nun die Frage, welche zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen im Zuge der ohnehin laufenden Sanierung des Geheges möglich und sinnvoll sind.

    Zoo will Sicherheitsmaßnahmen überprüfen

    Die seit dem Frühjahr laufenden Arbeiten am Robbengehege sollen trotz Hugos Tod fortgesetzt werden. Nach Medienberichten prüft der Zoo nun, ob zusätzlich zu weiteren Überwachungskameras noch andere Maßnahmen notwendig sind. Welche Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden, steht bislang nicht fest. Entscheidend dürfte sein, den Eintrag von Gegenständen aus dem Besucherbereich möglichst weitgehend zu verhindern und problematische Gegenstände im Gehege schneller entdecken zu können.

    Aus Hugos Tod lässt sich allerdings nicht automatisch auf grundsätzliche Mängel der gesamten Tierhaltung im Zoo Liberec schließen. Die Mitarbeiter hatten die beschädigte Puppe gefunden, Hugo anschließend beobachtet und nach Angaben des Zoos keine Auffälligkeiten festgestellt. Gleichzeitig zeigt gerade die Vorgeschichte des Robbengeheges, dass Fremdkörper dort bereits mehrfach schwerwiegende Folgen hatten. Umso wichtiger wird sein, welche Konsequenzen der Zoo aus dem erneuten Vorfall zieht.

    Künftig wohl Kalifornische Seelöwen statt Mähnenrobben

    Mit Hugos Tod endet voraussichtlich auch die mehr als 50-jährige Haltung von Mähnenrobben im Zoo Liberec. Nach Angaben des leitenden Zoologen ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, erneut Tiere dieser Art für den Zoo zu bekommen. Die Population von Mähnenrobben in zoologischer Haltung sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, während Kalifornische Seelöwen wesentlich erfolgreicher gehalten und gezüchtet werden.

    Deshalb könnten nach Abschluss der Sanierungsarbeiten künftig Kalifornische Seelöwen in das Gehege einziehen. Einen konkreten Termin dafür gibt es bislang nicht. Zunächst muss die Anlage saniert werden, wobei der Zoo nun zusätzlich die Sicherheitsvorkehrungen überprüfen will. Hugos Tod beendet damit nicht nur die jahrzehntelange Geschichte der Mähnenrobben in Liberec, sondern dürfte auch Einfluss darauf haben, wie das künftige Robbengehege gegen gefährliche Fremdkörper geschützt wird.

    Quellen