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Schlagwort: Vier Pfoten Tiertransporte

  • Tiertransporte bei Hitze: Warum Tierschützer ein Verbot ab 25 Grad fordern

    Tiertransporte bei Hitze: Warum Tierschützer ein Verbot ab 25 Grad fordern

    Tiertransporte bei sommerlicher Hitze stehen regelmäßig in der Kritik. Österreichische Tierschutzorganisationen fordern deshalb deutlich strengere Regeln, insbesondere Vier Pfoten verlangt ein generelles Transportverbot ab 25 Grad Celsius Außentemperatur. Dass Hitze für Tiere auf Transportfahrzeugen problematisch werden kann, ist unstrittig. Ob eine starre Temperaturgrenze von 25 Grad dafür die richtige Lösung ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

    Hitze kann im Transporter schnell zum Problem werden

    Besonders kritisch können Tiertransporte werden, wenn Lastwagen längere Zeit stehen, etwa in Staus, an Grenzen oder während anderer Wartezeiten. Dann fällt ein Teil der Luftbewegung weg, während die Tiere selbst zusätzlich Wärme produzieren. Vier Pfoten weist darauf hin, dass sich das Fahrzeuginnere dadurch stärker aufheizen kann als die Umgebung. Ventilatoren sorgen zwar für Luftaustausch, stellen aber keine Klimaanlage dar und können hohe Temperaturen deshalb nicht in jedem Fall ausgleichen.

    Nach Darstellung von Vier Pfoten können die Folgen von Hitzestress von Unruhe und Erschöpfung bis hin zu schweren Kreislaufproblemen reichen. Schweine gelten als besonders hitzeempfindlich, weil sie ihre Körpertemperatur nur eingeschränkt über Schwitzen regulieren können und unter natürlichen Bedingungen unter anderem Suhlen nutzen. Auch Rinder und Geflügel können unter hohen Temperaturen leiden. Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein die Außentemperatur, sondern ebenso Luftfeuchtigkeit, Transportdauer, Besatzdichte, Belüftung, Wasserversorgung und die tatsächliche Temperatur im Fahrzeug.

    Vier Pfoten fordert ein Verbot ab 25 Grad

    Vier Pfoten verlangt, Tiertransporte grundsätzlich zu untersagen, sobald die Außentemperatur 25 Grad Celsius überschreitet. Zusätzlich soll die Transportdauer nach Vorstellung der Organisation grundsätzlich auf höchstens acht Stunden begrenzt werden. Für Geflügel und Kaninchen fordert Vier Pfoten maximal vier Stunden, während Kälber unter zwölf Wochen nach dieser Position überhaupt nicht transportiert werden sollten. Außerdem spricht sich die Organisation gegen Langstreckentransporte lebender Tiere in Drittstaaten aus.

    Der Verein gegen Tierfabriken verfolgt eine ähnliche Richtung und fordert unter anderem mehr Platz, Einstreu und einen stärkeren Wechsel vom Lebendtiertransport zum Transport gekühlter Schlachtkörper. Dabei muss jedoch klar zwischen Forderungen von Tierschutzorganisationen und geltendem Recht unterschieden werden. Gerade die Grenze von 25 Grad ist zunächst eine politische beziehungsweise tierschutzpolitische Forderung. Aus den vorliegenden Quellen ergibt sich kein Nachweis, dass genau diese Außentemperatur wissenschaftlich als allgemeingültige Grenze für sämtliche Tiertransporte festgelegt werden müsste.

    Eine starre Temperaturgrenze greift zu kurz

    Die geltenden Vorschriften unterscheiden nach Transportdauer und Fahrzeugausstattung. Für Langstreckentransporte von mehr als acht Stunden gelten zusätzliche Anforderungen, darunter Vorgaben zur Belüftung und Temperaturkontrolle. In den von Vier Pfoten veröffentlichten Informationen wird dabei für bestimmte Transporte eine Obergrenze von 30 Grad Celsius im Fahrzeug genannt. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, dass jeder Transport bis 30 Grad Außentemperatur erlaubt wäre, noch dass unterhalb von 25 Grad automatisch unproblematische Bedingungen herrschen.

    Genau hier liegt das Problem einer pauschalen Außentemperaturgrenze. Ein kurzer regionaler Transport in einem gut belüfteten Fahrzeug ist nicht mit einem über Stunden stehenden Lastwagen an einer Grenze vergleichbar. Ebenso können 24 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit und schlechter Belüftung problematischer sein als 26 Grad während einer kurzen Fahrt mit funktionierender Ventilation. Wer tatsächlich Tierleid verhindern will, muss deshalb stärker auf die realen Bedingungen im Fahrzeug schauen und nicht allein auf die Zahl auf dem Außenthermometer.

    Langstreckentransporte bleiben der entscheidende Streitpunkt

    Besonders kritisch bewertet Vier Pfoten seit Jahren Transporte nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Die Organisation kritisierte bereits 2022, dass angekündigte Einschränkungen solcher Transporte aus ihrer Sicht nicht ausreichend umgesetzt worden seien. Nach Angaben von Vier Pfoten können einzelne Lebendtiertransporte sehr lange dauern, wobei die Organisation in diesem Zusammenhang Fahrzeiten von bis zu 82 Stunden nennt. Diese Angabe beschreibt allerdings die von Vier Pfoten kritisierte Situation und darf nicht mit einer pauschal zulässigen Transportdauer für jeden Tiertransport verwechselt werden.

    Gerade bei sehr langen Transporten steigt das Risiko durch Verzögerungen, Wetterwechsel, technische Probleme und mangelnde Versorgung. Hier erscheint eine strengere Kontrolle deutlich nachvollziehbarer als ein pauschales Verbot sämtlicher Transporte ab einer bestimmten Außentemperatur. Eine Fahrt von wenigen Kilometern zu einem regionalen Schlachthof stellt eine andere Belastung dar als ein mehrtägiger Transport quer durch Europa. Diese Unterschiede müssten bei einer Reform der Regeln deutlich stärker berücksichtigt werden.

    Ein Verbot ab 25 Grad hätte weitreichende Folgen

    Ein generelles Transportverbot ab 25 Grad würde in vielen Regionen Europas während der Sommermonate regelmäßig greifen. Betroffen wären dann nicht nur internationale Langstreckentransporte, sondern möglicherweise auch kurze Fahrten zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, Tierkliniken, Zuchtbetrieben und Schlachthöfen. Ob eine solche starre Grenze praktisch sinnvoll und verhältnismäßig wäre, müsste deshalb anhand belastbarer Daten geprüft werden. Die Forderung allein beantwortet diese Frage nicht.

    Sinnvoller erscheint eine stärkere Kontrolle der tatsächlichen Transportbedingungen. Dazu gehören funktionierende Belüftung, ausreichende Wasserversorgung, angemessene Besatzdichten, klare Regeln für Standzeiten und eine nachvollziehbare Temperaturüberwachung im Fahrzeug. Damit ließen sich problematische Transporte gezielter erfassen, ohne automatisch jeden Transport bei sommerlichen Temperaturen zu untersagen. Ein früherer Fall eines Tiertransports bei Hitze auf der A2 zeigt schließlich, dass akute Gefahren vor allem dann entstehen, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen.

    Fazit

    Dass Tiere auf Transportfahrzeugen vor Hitze geschützt werden müssen, ist keine Frage. Ob deshalb jeder Tiertransport bereits ab 25 Grad Außentemperatur verboten werden sollte, ist deutlich weniger eindeutig. Vier Pfoten formuliert hier eine weitreichende Forderung, deren praktische Folgen erheblich wären. Entscheidend sollte deshalb nicht nur eine starre Temperaturzahl sein, sondern vor allem, unter welchen Bedingungen Tiere tatsächlich transportiert werden.

    Quellen