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Schlagwort: tote Schafe Schmerz

  • Mutmaßlicher Wolfsangriff in Schmerz: Vier Schafe trotz Wildzaun tot aufgefunden

    Mutmaßlicher Wolfsangriff in Schmerz: Vier Schafe trotz Wildzaun tot aufgefunden

    Vier tote Schafe, ein vorhandener Wildzaun und der Verdacht auf einen Wolfsangriff: Ein Vorfall in Schmerz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld wirft erneut Fragen zum Schutz von Weidetieren auf. Obwohl die Schafe nach bisherigen Informationen eingezäunt waren, wurden sie mit schweren Verletzungen im Halsbereich aufgefunden. Ob tatsächlich ein Wolf für den Tod der Tiere verantwortlich ist, muss noch geklärt werden.

    Vier tote Schafe neben einer Grillstelle entdeckt

    Im Ort Schmerz in Sachsen-Anhalt sind vier Schafe tot neben einer Grillstelle aufgefunden worden. Die Tiere wiesen Verletzungen im Halsbereich auf, die den Verdacht auf einen Wolfsangriff begründen. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Schafe nach bisherigen Angaben hinter einem Wildzaun befanden. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach dem Verursacher, sondern auch danach, wie das bislang unbekannte Tier auf die eingezäunte Fläche gelangen konnte.

    Für den betroffenen Schafhalter bedeutet der Fund einen unmittelbaren Verlust seiner Tiere und die Ungewissheit, ob seine übrige Herde ausreichend geschützt ist. Noch ist nicht bekannt, ob der vorhandene Zaun beschädigt wurde, bereits eine Schwachstelle aufwies oder von einem möglichen Beutegreifer auf andere Weise überwunden werden konnte. Ebenso wenig ist bislang öffentlich belegt, dass die Einzäunung den vorgeschriebenen Anforderungen an einen wolfsabweisenden Herdenschutz entsprach. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ein gewöhnlicher Wildzaun ist nicht automatisch ein wirksamer Schutz gegen Wölfe.

    Wolfsverdacht: Was die Untersuchung jetzt klären muss

    Die Verletzungen am Hals der getöteten Schafe können auf einen Angriff durch einen größeren Beutegreifer hindeuten. Allein anhand solcher Verletzungen lässt sich ein Wolf jedoch nicht zweifelsfrei als Verursacher bestimmen. Dafür müssen unter anderem das Verletzungsbild, mögliche Bissspuren, der Zustand der Kadaver und die Situation am Fundort fachgerecht untersucht werden. Genetische Untersuchungen können zusätzliche Hinweise liefern und gegebenenfalls einen Wolf als Verursacher nachweisen.

    In Sachsen-Anhalt ist das Wolfskompetenzzentrum Iden (WZI) beim Landesamt für Umweltschutz für die Begutachtung gemeldeter mutmaßlicher Wolfsrisse zuständig. Das Zentrum dokumentiert die Schäden, bewertet die vorhandenen Hinweise und veranlasst bei Bedarf genetische Untersuchungen. Dabei wird zwischen einem genetisch bestätigten Wolfsriss, einem nicht auszuschließenden Wolfsangriff und Fällen mit anderen oder nicht feststellbaren Ursachen unterschieden. Für den Vorfall in Schmerz liegt bislang keine öffentlich nachgewiesene amtliche Endbewertung vor, weshalb der Wolfsverdacht ausdrücklich vorläufig bleibt.

    Wildzaun vorhanden – aber war die Herde ausreichend geschützt?

    Der entscheidende Punkt des Vorfalls ist die vorhandene Einzäunung. Ob sie tatsächlich wolfsabweisend war, ist noch offen.

    Ein Wildzaun kann Tiere auf einer Weide halten und das Eindringen bestimmter Wildtiere erschweren, erfüllt aber nicht zwangsläufig die Anforderungen an einen wirksamen Herdenschutz. Nach den Vorgaben des Landes Sachsen-Anhalt ist für Schafe und Ziegen unter anderem ein mindestens 90 Zentimeter hohes Elektronetz oder eine fünf­litzige elektrische Drahtzäunung mit entsprechend geringen Litzenabständen als wolfsabweisender Mindestschutz vorgesehen. Entscheidend ist dabei nicht allein die nominelle Zaunhöhe, sondern auch die fachgerechte Errichtung und der dauerhaft funktionsfähige Zustand. Gerade Bodenunebenheiten, Tore und andere Übergänge können die Schutzwirkung einer Einzäunung beeinträchtigen.

    Ob der Wildzaun in Schmerz über eine zusätzliche elektrische Sicherung verfügte, geht aus den bislang vorliegenden Informationen nicht eindeutig hervor. Deshalb wäre es voreilig, aus dem Fund der vier toten Schafe bereits ein grundsätzliches Versagen eines ordnungsgemäßen Herdenschutzzauns abzuleiten. Ebenso wenig darf jedoch allein aufgrund des Vorhandenseins eines Wildzauns angenommen werden, dass der Tierhalter seine Herde unzureichend geschützt hat. Welche Schutzmaßnahmen tatsächlich vorhanden waren und ob mögliche Schwachstellen eine Rolle spielten, muss die Untersuchung des konkreten Vorfalls ergeben.

    Dass vorhandene Schutzmaßnahmen einen Angriff nicht unter allen Umständen verhindern können, zeigen auch andere dokumentierte Ereignisse. GERATI berichtete bereits über 31 getötete Schafe im Grenzgebiet zwischen Steiermark und Kärnten , bei denen ebenfalls ein vorhandener Herdenschutzzaun im Mittelpunkt stand. Auch dort war zunächst ungeklärt, welches Raubtier für den Angriff verantwortlich war und wie es auf die gesicherte Weide gelangen konnte. Solche Fälle verdeutlichen, weshalb sowohl die Feststellung des Verursachers als auch die konkrete Überprüfung der vorhandenen Schutzmaßnahmen notwendig sind.

    Wolfsrisse in Sachsen-Anhalt: Was die offiziellen Zahlen zeigen

    Der Vorfall in Schmerz steht vor dem Hintergrund einer seit Jahren geführten Diskussion über Wolfsmanagement und Herdenschutz in Sachsen-Anhalt. Nach dem offiziellen Wolfsmonitoringbericht des Landesamtes für Umweltschutz wurden im Monitoringjahr 2024/25 insgesamt 58 mutmaßliche Wolfsübergriffe mit 177 getöteten Nutztieren gemeldet und begutachtet. In 48 dieser Fälle mit insgesamt 159 getöteten Nutztieren wurde ein Wolf als Verursacher bestätigt oder konnte nicht ausgeschlossen werden. Bei 31 Übergriffen gelang sogar ein genetischer Wolfsnachweis.

    Nutztierschäden in Sachsen-Anhalt 2024/25

    Offiziell begutachtete Übergriffe mit vermuteter Wolfsbeteiligung

    • 58 gemeldete Übergriffe
    • 177 getötete Nutztiere insgesamt
    • 48 Fälle mit bestätigtem oder nicht auszuschließendem Wolf
    • 31 Übergriffe mit genetischem Wolfsnachweis
    Quelle: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Wolfsmonitoringbericht 2024/25.

    Die Statistik zeigt gleichzeitig, weshalb eine sorgfältige Unterscheidung zwischen einem vermuteten und einem bestätigten Wolfsangriff notwendig ist. Bei zwei der untersuchten Übergriffe wurden Hunde genetisch als Verursacher nachgewiesen, während weitere Fälle auf andere Ursachen zurückgeführt oder nicht abschließend bewertet werden konnten. Ein Wolfsverdacht ist deshalb ernst zu nehmen, ersetzt aber keine fachliche Untersuchung. Erst eine belastbare Bewertung erlaubt es, einzelne Schadensfälle korrekt in die offizielle Statistik einzuordnen.

    Welche Möglichkeiten hat der betroffene Schafhalter?

    Für den Besitzer der vier getöteten Schafe stellt sich neben der Ursachenklärung die Frage nach einem möglichen finanziellen Schadensausgleich. Sachsen-Anhalt sieht entsprechende Ausgleichszahlungen für bestimmte Nutztierschäden vor, bei denen ein Wolf als Verursacher bestätigt oder nicht ausgeschlossen werden konnte. Innerhalb des Ausbreitungsgebietes des Wolfes muss bei Schafen, Ziegen und Gatterwild grundsätzlich der vorgeschriebene Grundschutz nachgewiesen werden. Ob die Voraussetzungen im konkreten Fall erfüllt sind, hängt von der amtlichen Bewertung und der tatsächlich vorhandenen Sicherung der Weide ab.

    Das Wolfskompetenzzentrum empfiehlt, mutmaßliche Nutztierrisse möglichst schnell zu melden und vorhandene Spuren bis zur Begutachtung zu erhalten. Zuständig für die Bearbeitung entsprechender Anträge auf finanziellen Schadensausgleich ist das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt. Daneben bietet das WZI kostenlose individuelle Herdenschutzberatungen an, bei denen die Gegebenheiten einer Weide und mögliche zusätzliche Schutzmaßnahmen vor Ort beurteilt werden. Für betroffene Tierhalter ist eine solche Beratung besonders dann relevant, wenn die bisherige Einzäunung offensichtlich nicht ausgereicht hat oder eine erneute Gefährdung der Herde befürchtet wird.

    Vier tote Schafe und viele offene Fragen

    Der mutmaßliche Wolfsangriff in Schmerz zeigt, welche konkreten Probleme für Tierhalter entstehen, wenn Nutztiere trotz vorhandener Einzäunung tot aufgefunden werden. Vier Schafe sind verloren, während die Ursache und der genaue Ablauf des mutmaßlichen Angriffs noch nicht abschließend geklärt sind. Für die weitere Bewertung kommt es deshalb auf zwei Fragen an: Welches Tier hat die Schafe tatsächlich getötet, und welchen Schutz bot der vorhandene Wildzaun? Erst wenn diese Punkte untersucht wurden, lässt sich beurteilen, welche Maßnahmen für den betroffenen Betrieb sinnvoll und welche rechtlichen beziehungsweise finanziellen Folgen möglich sind.

    Dabei sollte die Diskussion nicht bei der pauschalen Forderung nach immer höheren Zäunen stehen bleiben. Herdenschutz ist ein notwendiger Bestandteil des Wolfsmanagements, verursacht aber laufende Kosten, zusätzlichen Arbeitsaufwand und regelmäßigen Kontrollbedarf. Werden selbst fachgerecht errichtete Schutzmaßnahmen überwunden, müssen auch solche Vorfälle dokumentiert und bei der Weiterentwicklung des Wolfsmanagements berücksichtigt werden. Für den Schafhalter in Schmerz zählt allerdings zunächst eine ganz praktische Frage: Wie lassen sich die verbliebenen Tiere vor einem möglichen weiteren Angriff schützen?

    Quellen