Zum Welttierschutztag wird die Finanzierung zum Kernproblem
Der Tierschutzverein St. Pölten warnt zum Welttierschutztag am 4. Oktober vor wachsenden Belastungen im Tierheim. Rund 1.000 Tiere werden dort jedes Jahr betreut. Gleichzeitig steigen die Kosten für Versorgung, medizinische Behandlungen und die langfristige Unterbringung von Tieren, die kaum noch vermittelt werden können.
Nach Angaben des Vereins decken Förderungen derzeit etwa die Hälfte der laufenden Kosten. Für den verbleibenden Anteil ist das Tierheim auf Spenden angewiesen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage wird es zunehmend schwieriger, ausreichende Unterstützung zu erhalten. Gerade bei aufwendigen Fällen können Operationen, Nachbetreuung und eine dauerhafte Betreuung die finanziellen Möglichkeiten stark beanspruchen.
Obmann Thomas Kainz fordert deshalb entweder einen Gnadenhof für schwierige Fälle in Niederösterreich oder deutlich höhere finanzielle Mittel für Tierheime. Hintergrund sind unter anderem behördliche Abnahmen, bei denen Tiere nach schlechter Haltung oder sogenannten Animal-Hoarding-Fällen aufgenommen werden. Solche Tiere bleiben nach Darstellung des Vereins teilweise über Jahre im Tierheim. Kainz zufolge sind Hunde, die nach jahrelanger schlechter Haltung beschlagnahmt werden, trotz intensiver Betreuung oftmals nicht mehr vermittelbar.
Behördliche Abnahmen bringen besonders schwierige Fälle
Tierheimleiterin Victoria Bischof berichtet von unterschiedlichen Ursachen, aus denen Tiere nach St. Pölten kommen. Dazu gehören Fundtiere, behördliche Abnahmen, Fälle illegalen Welpenhandels sowie vernachlässigte oder misshandelte Tiere. Im Juni gelangten laut einem Bericht mehr als 20 Tiere aus einem einzelnen Tierschutzfall in die Einrichtung.
Unter den Tieren waren stark abgemagerte Katzen, misshandelte Hunde und verwahrloste Schildkröten. Sie stammten aus einem einzelnen Tierschutzfall mit mehr als 20 Tieren. Bischof zufolge erfordern solche Fälle häufig intensive medizinische Versorgung und eine monatelange Betreuung. Für die Einrichtung bedeutet das nicht nur zusätzliche Arbeit, sondern auch eine geringere Vermittlungschance und damit eine längere Bindung von Platz und Personal.
Kainz verwies zudem auf Hunde, die nach jahrelanger schlechter Haltung beschlagnahmt würden. Trotz intensiver Betreuung seien sie oftmals nicht mehr vermittelbar. Der Verein sieht darin ein strukturelles Problem: Tierheime übernehmen die Versorgung, obwohl die Tiere dauerhaft bleiben können und die Finanzierung nicht vollständig gesichert ist. Kainz fordert daher einen Gnadenhof in Niederösterreich oder deutlich höhere finanzielle Mittel für die Tierheime.
Zwischen Akuthilfe und dauerhafter Betreuung
Wie hoch der Aufwand im Einzelfall sein kann, zeigt die Geschichte der Katze Agathe. Sie wurde nach einem schweren Verkehrsunfall mit mehrfachen Kiefer- und Schädelverletzungen gefunden. Da sie zeigte, dass sie leben wollte, ließ das Tierheim sie operieren. Nach mehreren Operationen, spezieller Fütterung und monatelanger medizinischer Versorgung konnte sie Ende August in ein neues Zuhause vermittelt werden.
Solche erfolgreichen Vermittlungen entlasten das Tierheim, lösen das Finanzierungsproblem aber nicht grundsätzlich. Besonders ältere, traumatisierte oder dauerhaft behandlungsbedürftige Tiere benötigen oft lange Betreuung. Die Versorgung solcher Tiere erfordert häufig intensive medizinische Betreuung und bindet über längere Zeit Platz und Personal. Der Verein wies darauf hin, dass neben Kitten zahlreiche erwachsene Katzen neue Familien suchten und der Platz für weitere Notfälle knapp wurde.
Geschäftsführerin Alexandra Leitold setzt deshalb neben der unmittelbaren Versorgung auf Prävention. Im „Tierischen Klassenzimmer“ informiert der Verein Schulklassen und andere Besuchergruppen über artgerechte Haltung, Tierschutz und den Alltag im Tierheim. Bei Führungen erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in den Tierheimalltag und begleiten den Weg eines Tieres von der Aufnahme bis zur möglichen Vermittlung. Workshops, Vorträge und Sachkundekurse für Hundehalter sollen dazu beitragen, Tierleid möglichst früh zu vermeiden.
Spenden bleiben für den Betrieb entscheidend
Die praktische Konsequenz der aktuellen Lage ist klar: Ohne zusätzliche Spenden kann das Tierheim die Lücke zwischen Förderungen und tatsächlichen laufenden Kosten nur schwer schließen. Derzeit können Förderungen etwa die Hälfte der laufenden Kosten tragen, während der restliche Bedarf über Spenden finanziert werden muss. Gleichzeitig führen behördliche Abnahmen und komplexe medizinische Fälle dazu, dass Tiere nicht einfach kurzfristig aufgenommen und weitervermittelt werden können. Die langfristige Unterbringung schwer vermittelbarer Tiere stellt das Tierheim dabei vor große Herausforderungen.
Zum Welttierschutztag macht der Tierschutzverein auf die Herausforderungen durch langfristige Unterbringung und schwer vermittelbare Tiere aufmerksam. Die Forderung nach einem Gnadenhof zielt auf eine Entlastung für Tiere, die im klassischen Tierheim kaum eine Vermittlungsperspektive haben. Bis eine solche Lösung besteht, bleibt die Finanzierung über Spenden ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung in St. Pölten.
Quellen
- noen.at – St. Pöltner Tierheim kämpft mit Kosten und schwierigen Fällen – https://www.noen.at/st-poelten/welttierschutztag-st-poeltner-tierheim-kaempft-mit-kosten-und-schwierigen-faellen-541482788
- Kurier – Tierheim St. Pölten in Not: „So können wir nicht weitermachen“ | Kurier – https://kurier.at/chronik/niederoesterreich/tierschutzverein-tierheim-st-poelten-kainz-welpen/403195311
- Meinbezirk – Welttierschutztag: Tierheim St. Pölten fordert Gnadenhof für NÖ – St. Pölten – https://www.meinbezirk.at/st-poelten/c-lokales/tierheim-st-poelten-fordert-gnadenhof-fuer-noe_a8923503
- Meinbezirk – Sommerzeit ist Kittenzeit im Tierheim: Kitten sind auf Hilfe angewiesen – St. Pölten – https://www.meinbezirk.at/st-poelten/c-lokales/kitten-sind-auf-hilfe-angewiesen_a8821267
- TSVSTP – Welttierschutztag 2025 – Tierschutzverein St. Pölten – https://tsvstp.at/aktuelles/welttierschutztag-2025.htm
