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Schlagwort: Sterilisation von Hunden und Katzen

  • Quartu investiert 112.000 Euro in Tierschutz und Sterilisation von Hunden und Katzen

    Quartu investiert 112.000 Euro in Tierschutz und Sterilisation von Hunden und Katzen

    Die sardische Gemeinde Quartu Sant’Elena startet ein neues Tierschutzprogramm mit einem Gesamtvolumen von 112.000 Euro. Im Mittelpunkt stehen die Sterilisation von Hunden und Katzen, die Eindämmung des Streunertums und die Unterstützung von Tierhaltern in schwierigen Lebenssituationen. Das Projekt „Zampe Quartesi“ verbindet veterinärmedizinische Maßnahmen mit der Kennzeichnung von Tieren, der Förderung von Adoptionen und zeitlich begrenzten Unterbringungsmöglichkeiten. Die Vereinbarung mit dem ausgewählten Projektträger wurde bereits unterzeichnet. Erste Maßnahmen sollen noch vor Ende 2026 beginnen.

    Quartu setzt auf praktische Maßnahmen gegen das Streunertum

    Die Stadtverwaltung von Quartu Sant’Elena auf Sardinien hat am 17. Oktober 2026 Einzelheiten zu ihrer neuen Tierschutzkampagne veröffentlicht. Das Programm soll unkontrollierte Vermehrung verhindern, die Zahl streunender Hunde und Katzen reduzieren und gleichzeitig die Gesundheit der Tiere schützen. Anders als bei rein auf Aufklärung ausgerichteten Kampagnen stehen konkrete Maßnahmen im Mittelpunkt, die unmittelbar bei den Ursachen des Streunertums ansetzen. Dazu gehören insbesondere Sterilisationen und eine bessere Erfassung der betroffenen Tierbestände.

    Mit der Durchführung wurde die Bau-Club Società Cooperativa Sociale ETS beauftragt. Ihr Projekt trägt den Namen „Zampe Quartesi – Una comunità che si prende cura“, übersetzt etwa „Quartu-Pfoten – Eine Gemeinschaft, die sich kümmert“. Die Auswahl erfolgte nach einem öffentlichen Interessenbekundungsverfahren, bei dem geeignete Organisationen Projekte zur Bekämpfung des Streunertums einreichen konnten. Mit der inzwischen unterzeichneten Vereinbarung sind die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um die Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde umzusetzen.

    Das Vorhaben zeigt, welche Bedeutung der praktische Tierschutz auf kommunaler Ebene besitzt. Unkontrollierte Vermehrung führt nicht nur zu zusätzlichen herrenlosen Tieren, sondern belastet langfristig auch Tierheime, kommunale Haushalte und ehrenamtliche Helfer. Vergleichbare Probleme sind aus Deutschland bekannt, wo GERATI bereits über die finanziellen Belastungen durch frei lebende Streunerkatzen in Sachsen berichtet hat. Frühzeitige Sterilisationen können dazu beitragen, solche Entwicklungen einzudämmen, bevor zusätzliche Unterbringungs- und Versorgungskosten entstehen.

    112.000 Euro für ein mehrjähriges Tierschutzprojekt

    Der finanzielle Gesamtrahmen des Projekts beträgt nach Angaben der Stadtverwaltung 112.000 Euro. Diese Summe ist für das gesamte Maßnahmenpaket vorgesehen und darf deshalb nicht ausschließlich als Budget für Sterilisationen verstanden werden. Das Vorhaben umfasst neben den medizinischen Eingriffen weitere Angebote zur Betreuung, Kennzeichnung und Vermittlung von Tieren. Die Gemeinde bezeichnet das Programm als dreijähriges Projekt und nennt dafür den Zeitraum 2026 bis 2029.

    Für das Jahr 2026 ist ein kommunaler Beitrag von 10.000 Euro vorgesehen. In den Folgejahren kann dieser nach Angaben der Verwaltung um weitere 80.000 Euro verlängert beziehungsweise aufgestockt werden. Die ausdrücklich genannten kommunalen Beträge ergeben zusammen 90.000 Euro und liegen damit unter dem angegebenen Gesamtprojektwert. Eine vollständige Aufschlüsselung der Finanzierung wird in der veröffentlichten Mitteilung nicht vorgenommen.

    Das Projekt baut auf einem bereits bestehenden kommunalen Engagement auf. Schon in den vergangenen Jahren unterstützte Quartu Maßnahmen zur Kennzeichnung von Haustieren, private Adoptionen und örtliche Tierschutzvereine. Außerdem wurden Hundeauslaufflächen im Stadtgebiet und am Strand eingerichtet. Mit dem neuen Programm sollen diese Aktivitäten stärker miteinander verbunden und um zusätzliche Hilfsangebote ergänzt werden.

    Welche Hunde und Katzen von den Sterilisationen profitieren

    Die Sterilisationskampagne richtet sich nicht ausschließlich an herrenlose Tiere. Auch Hunde und Katzen in privater Haltung können berücksichtigt werden, sofern die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Hinzu kommen Hunde aus ländlichen und landwirtschaftlich geprägten Gebieten, darunter Tiere, die auf Schafhaltungsbetrieben leben. Außerdem sind Katzen aus bisher nicht offiziell anerkannten Gruppen und Katzenkolonien ausdrücklich in das Programm einbezogen.

    Damit berücksichtigt die Gemeinde unterschiedliche Ursachen für die Entstehung streunender Tierpopulationen. Nicht nur bereits herrenlose Tiere sind für die Entwicklung entscheidend, sondern auch die unkontrollierte Fortpflanzung von Haustieren und Tieren in landwirtschaftlicher Haltung. Werden solche Bestände nicht ausreichend erfasst, können immer wieder neue Tiere entstehen, für die später keine verantwortlichen Halter oder geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sind. Die Einbeziehung verschiedener Haltungsformen erweitert deshalb den Ansatz über die reine Versorgung bereits streunender Tiere hinaus.

    Anträge können Tierhalter und Tierhalterinnen mit Wohnsitz in Quartu Sant’Elena sowie Freiwillige und zuständige Vertreter von Katzenkolonien oder Schafhaltungsbetrieben stellen. Die notwendigen Formulare sind nach Angaben der Verwaltung auf der offiziellen Website der Gemeinde verfügbar. Die Bearbeitung erfolgt nach den im Projekt vorgesehenen Kriterien und in Abstimmung mit dem kommunalen Umweltressort. Das frühere Bewerbungsverfahren zur Auswahl des Projektträgers ist davon zu unterscheiden und bereits abgeschlossen.

    Mikrochip-Aktionen, Adoptionen und vorübergehende Unterbringung

    Neben den Sterilisationen sieht „Zampe Quartesi“ weitere Maßnahmen vor, die schrittweise umgesetzt werden sollen. Dazu gehören sogenannte Mikrochip-Tage, bei denen die Kennzeichnung von Tieren gefördert wird, sowie Initiativen zur Unterstützung von Adoptionen. Außerdem sollen Informationsangebote zur verantwortungsvollen Haustierhaltung entstehen. Ergänzt wird das Programm durch ein Notfallmanagement und zeitlich begrenzte Unterbringungsplätze für Tiere.

    Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Menschen, die sich vorübergehend nicht selbst um ihre Haustiere kümmern können. Die Gemeinde nennt ausdrücklich Krankenhausaufenthalte und andere persönliche Notlagen als Situationen, in denen eine zeitlich begrenzte Betreuung angeboten werden soll. Dadurch soll verhindert werden, dass Tiere wegen einer kurzfristigen Krise dauerhaft abgegeben oder ausgesetzt werden. Das Angebot verbindet damit klassische Tierschutzmaßnahmen mit kommunaler Sozialarbeit.

    Wie wichtig ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten sind, zeigt auch die Situation zahlreicher Tierheime. GERATI hat bereits über die Finanzierungsprobleme deutscher Tierheime berichtet, bei denen steigende Versorgungskosten und begrenzte Kapazitäten zu erheblichen Belastungen führen. Das Projekt in Quartu verfolgt deshalb einen vorbeugenden Ansatz: Tiere sollen möglichst in ihrer bestehenden Haltung bleiben können, wenn lediglich eine vorübergehende Notlage überbrückt werden muss. Ob sich dadurch die Zahl dauerhafter Tierheimaufnahmen tatsächlich reduzieren lässt, wird sich erst während der Umsetzung zeigen.

    Neue Beratungsstelle und Erfassung örtlicher Problemlagen

    Mit dem geplanten „Sportello Zampe Quartesi“ soll eine eigene Anlaufstelle für Fragen rund um das Projekt entstehen. Dort sollen die verschiedenen Aktivitäten zusammengeführt und der Kontakt zwischen Verwaltung, beteiligten Organisationen und Bevölkerung erleichtert werden. Ergänzend kündigt die Gemeinde die Entwicklung einer „Mappa Zampe Quartesi“ an. Diese soll örtliche Problemlagen erfassen und eine Grundlage für die gezieltere Planung künftiger Maßnahmen schaffen.

    Eine systematische Erfassung ist gerade bei streunenden Hunden und Katzen von Bedeutung. Ohne ausreichende Informationen über die betroffenen Gebiete, Tierbestände und bisherigen Maßnahmen lassen sich Ressourcen nur eingeschränkt zielgerichtet einsetzen. Die geplante Karte soll der Verwaltung helfen, örtliche Schwerpunkte besser zu erkennen. Gleichzeitig können solche Daten eine Grundlage dafür bilden, spätere Entwicklungen und den Erfolg einzelner Maßnahmen nachvollziehbarer zu bewerten.

    An der Umsetzung sind mehrere kommunale Stellen beteiligt. Neben dem Umweltressort arbeiten die Umweltüberwachungseinheit der örtlichen Polizei, die Sozialdienste, Tierschutzwachen und Freiwillige aus der Region zusammen. Quartus Umwelträtin Romina Mura betont dabei die Bedeutung eines gemeinsamen Netzwerks, das präventive Maßnahmen ermöglicht und das Tierwohl verbessern soll. Die Stadt setzt damit nicht allein auf einen beauftragten Träger, sondern auf die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen.

    Zahl der Hunde im kommunalen Vertragszwinger deutlich gesunken

    Die Gemeinde verweist im Zusammenhang mit ihrer bisherigen Tierschutzarbeit auf eine Entwicklung im Vertragszwinger der Shardana Srl. Dort sank die Zahl der untergebrachten Hunde innerhalb von weniger als einem Jahr von 431 auf 368 Tiere. Das entspricht einem Rückgang um 63 Hunde beziehungsweise rund 15 Prozent. Shardana Srl hat nach Angaben der Verwaltung außerdem den neuen Dreijahresauftrag für die Betreuung der Tiere erhalten.

    Der Rückgang ist ein konkreter Hinweis darauf, dass sich die Belegung der Einrichtung verändert hat. Aus den veröffentlichten Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ableiten, welche einzelnen Maßnahmen dafür verantwortlich waren. Denkbare Einflussfaktoren sind beispielsweise Adoptionen, Veränderungen bei den Neuaufnahmen oder andere Entwicklungen im Tierbestand. Eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Faktoren enthält die Gemeindemitteilung nicht.

    Unabhängig davon ist die Zahl der untergebrachten Tiere für Kommunen ein wichtiger Planungsfaktor. Jeder dauerhaft belegte Tierheimplatz verursacht laufende Ausgaben für Futter, Betreuung, tiermedizinische Versorgung und Unterbringung. Wie schwierig die Finanzierung solcher Einrichtungen werden kann, zeigt auch die von GERATI behandelte Klage des Deutschen Tierschutzbundes zur Tierheimfinanzierung. Maßnahmen, die ungewollten Nachwuchs und vermeidbare Tierabgaben reduzieren, können deshalb sowohl dem Tierwohl als auch den kommunalen Haushalten zugutekommen.

    Bereits 2024 gab es eine Sterilisationskampagne in Quartu

    Das neue Programm ist keine erstmalige Initiative der sardischen Gemeinde. Bereits im Februar 2024 wurde eine Sterilisationskampagne angekündigt, für die zunächst 20.000 Euro vorgesehen waren. Bei entsprechendem Bedarf konnte der Betrag um weitere 10.000 Euro erhöht werden. Die Durchführung sollte wie bei früheren Maßnahmen durch die Organisation Effetto Palla ODV erfolgen.

    Schon damals gehörten privat gehaltene Hunde und Katzen, Tiere aus landwirtschaftlichen Haltungen sowie Katzen aus nicht anerkannten Kolonien zur Zielgruppe. Eine Erweiterung betraf erwachsene männliche Hunde aus Schafhaltungsbetrieben, die ausdrücklich in die Maßnahmen einbezogen wurden. Daneben sollte die Erfassung von Katzenkolonien verbessert und die Kennzeichnung privater sowie landwirtschaftlich gehaltener Hunde unterstützt werden. Für das damalige Programm konnten ab dem 1. März 2024 Anträge eingereicht werden.

    Mit der neuen Kampagne erweitert Quartu diesen Ansatz um zusätzliche organisatorische und soziale Maßnahmen. Während die Sterilisation weiterhin einen Schwerpunkt bildet, sollen künftig auch Notfallbetreuung, Adoptionen, Beratung und eine systematischere Erfassung örtlicher Probleme eine größere Rolle spielen. Das Vorhaben entwickelt damit bestehende Strukturen weiter, statt ausschließlich auf eine einmalige Aktion zu setzen. Die Erfahrungen aus früheren Kampagnen bilden eine Grundlage für die neue Zusammenarbeit.

    Praktischer Tierschutz statt kurzfristiger Einzelaktionen

    Das Programm in Quartu verdeutlicht, dass nachhaltiger Tierschutz unterschiedliche Maßnahmen miteinander verbinden muss. Sterilisationen können ungewollten Nachwuchs verhindern, während Mikrochip-Kennzeichnungen die Zuordnung von Tieren zu ihren Haltern erleichtern. Adoptionsförderung und zeitlich begrenzte Unterbringung können zusätzliche Entlastung schaffen. Entscheidend ist dabei, dass die vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und langfristig aufeinander abgestimmt werden.

    Bemerkenswert ist insbesondere die Einbeziehung von Tierhaltern in sozialen Notlagen. Wer sein Haustier aufgrund eines Krankenhausaufenthalts oder einer vorübergehenden persönlichen Krise nicht versorgen kann, benötigt nicht zwangsläufig eine dauerhafte Abgabemöglichkeit. Eine zeitlich begrenzte Betreuung kann stattdessen helfen, die bestehende Mensch-Tier-Beziehung zu erhalten. Damit richtet sich das Projekt nicht nur gegen die Folgen des Streunertums, sondern auch gegen Situationen, aus denen neue Tierheimaufnahmen entstehen können.

    Die 112.000 Euro bilden den finanziellen Rahmen für ein ambitioniertes kommunales Maßnahmenpaket. Ob damit dauerhaft weniger Hunde und Katzen auf den Straßen leben und die örtlichen Unterbringungseinrichtungen entlastet werden, hängt von der konkreten Durchführung und den verfügbaren Mitteln ab. Die Kombination aus Sterilisation, Kennzeichnung, Adoption und sozialer Unterstützung schafft dafür einen nachvollziehbaren Ansatz. Der tatsächliche Erfolg wird sich daran messen lassen müssen, wie viele Tiere erreicht werden und ob die Zahl vermeidbarer Neuaufnahmen langfristig sinkt.

    Quellen