Zwei betagte Tsushima-Leopardkatzen haben den heißen Sommer 2026 im Inokashira Park Zoo in Tokio gut überstanden. Die beiden Männchen Kyu und Fuyuto sind inzwischen etwa 17 Jahre alt und zeigen trotz altersbedingter Einschränkungen weiterhin guten Appetit und Interesse an ihrer Umgebung. Besonders bei Fuyuto passte das Pflegeteam die Haltung an die sommerlichen Temperaturen an. Der Bericht verdeutlicht, wie individuelle Betreuung, tiergerechte Haltung und langfristiger Artenschutz in zoologischen Einrichtungen zusammenwirken.
Zwei alte Wildkatzen trotzen der Sommerhitze
Der Inokashira Park Zoo in Tokio berichtet über den Gesundheitszustand seiner beiden Tsushima-Leopardkatzen Kyu und Fuyuto. Nach Angaben des Wildkatzenpflegers Karasawa haben beide Tiere den Sommer 2026 gut überstanden. Obwohl ihre Beweglichkeit und Gangart altersbedingt nachgelassen haben, zeigen sie weiterhin einen guten Appetit. Für das Pflegeteam steht mittlerweile weniger die Fortpflanzung als vielmehr die individuelle Betreuung der betagten Wildkatzen im Mittelpunkt.
Gerade hohe Sommertemperaturen stellen besondere Anforderungen an die Haltung älterer Tiere. Entscheidend ist dabei nicht allein die Temperatur im Gehege, sondern auch die Möglichkeit, unterschiedliche Aufenthaltsbereiche selbstständig aufzusuchen. Schattenplätze, geschützte Innenräume und die regelmäßige Beobachtung durch erfahrene Tierpfleger gehören deshalb zu einer angepassten Versorgung. Im Inokashira Park Zoo wird dieser Ansatz besonders am Beispiel von Fuyuto deutlich.
Fuyuto nutzt Innen- und Außenbereiche nach eigenen Bedürfnissen
Der 17-jährige Fuyuto wurde im Zoo von Fukuoka geboren und kam 2012 aus dem Zoologischen und Botanischen Garten Kujukushima nach Tokio. Trotz seines hohen Alters ist er weiterhin aktiv und erkundet regelmäßig sein Gehege. Vormittags kontrolliert er unter anderem Duftmarken an Bambusstangen und verfolgt aufmerksam die Bewegungen der Besucher. Bei starker Sonneneinstrahlung zieht er sich zeitweise in das schützende Gebüsch zurück.
Während der heißen Sommermonate ermöglichte ihm das Pflegeteam den freien Wechsel zwischen Innen- und Außenbereich. Dadurch konnte Fuyuto selbst entscheiden, wo er sich bevorzugt aufhalten wollte. Auch innerhalb des Gebäudes blieb er aufmerksam und beobachtete die Vorgänge außerhalb seiner Unterkunft. Sein Verhalten zeigt, dass eine altersgerechte Haltung nicht zwangsläufig mit einer Einschränkung von Aktivität und Beschäftigung verbunden sein muss.
Solche individuellen Anpassungen gehören zu den wesentlichen Aufgaben moderner zoologischer Tierhaltung. Nicht jedes Tier benötigt in jeder Lebensphase dieselben Bedingungen. Alter, Gesundheitszustand und Verhalten müssen bei der Gestaltung der Anlagen berücksichtigt werden. Auch bei der Neuausrichtung des Artenschutzes im Zoo Zürich wird deutlich, dass zoologische Einrichtungen ihre Tierbestände und Haltungskonzepte langfristig an fachlichen Anforderungen ausrichten.
Kyu hat eine besondere Bedeutung für den Artenschutz
Auch Kyu ist nach Schätzung des Zoos etwa 17 Jahre alt. Anders als Fuyuto stammt er ursprünglich aus der Natur und wurde in Tsushima City in der japanischen Präfektur Nagasaki gerettet. Anschließend gelangte er zunächst in den Zoo von Fukuoka, bevor er 2022 in den Inokashira Park Zoo wechselte. Seine Geschichte ist eng mit den japanischen Bemühungen verbunden, die seltene Tsushima-Leopardkatze langfristig zu erhalten.
Nach Darstellung des Zoos spielte Kyu eine wichtige Rolle beim Aufbau des Bestandes dieser Wildkatzen in menschlicher Obhut. Im Rahmen der Schutz- und Zuchtbemühungen konnten über die Jahre zahlreiche Tiere nachgezüchtet werden. Dabei ist zwischen der Bedeutung Kyus für das Programm und den gesamten Zuchterfolgen der beteiligten Einrichtungen zu unterscheiden. Die langfristige Sicherung einer bedrohten Population beruht auf der Zusammenarbeit mehrerer Zoos und Artenschutzeinrichtungen.
Gerade bei bedrohten Wildtierarten ist diese Zusammenarbeit entscheidend. Einzelne Tiere können aufgrund ihrer Herkunft und genetischen Eigenschaften einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer Reservepopulation leisten. Dabei geht es nicht ausschließlich um möglichst viele Jungtiere, sondern um den langfristigen Erhalt gesunder und genetisch vielfältiger Bestände. Wie solche Programme konkret funktionieren, zeigt auch die Wiederansiedlung des Vietnamesischen Fasans durch die Berliner Zoos.
Seit 2006 engagiert sich der Zoo für Tsushima-Leopardkatzen
Die Artenschutzarbeit des Inokashira Park Zoos reicht weit über die Betreuung von Kyu und Fuyuto hinaus. Bereits im Jahr 2000 begann die Einrichtung mit der Haltung und Zucht von Amur-Leopardkatzen, einer nah verwandten Wildkatzenform. Dabei sammelte das Pflegeteam Erfahrungen mit natürlicher Fortpflanzung und künstlicher Besamung. Diese Kenntnisse bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Beteiligung am Schutzprogramm der Tsushima-Leopardkatze.
Seit 2006 beteiligt sich der Zoo am Tsushima-Leopardkatzen-Schutz- und Zuchtprojekt. Die Initiative wird gemeinsam vom japanischen Umweltministerium und dem Japanischen Verband der Zoos und Aquarien getragen. Noch im selben Jahr kamen die ersten beiden Tsushima-Leopardkatzen in die Einrichtung, 2007 begann ihre öffentliche Präsentation. Damit verbindet der Zoo seit rund zwei Jahrzehnten praktische Tierhaltung mit Erhaltungszucht und der Information seiner Besucher über bedrohte japanische Wildtiere.
Solche langfristigen Programme zeigen, weshalb zoologischer Artenschutz nicht allein an einzelnen Geburten gemessen werden sollte. Fachwissen über Ernährung, Verhalten, Fortpflanzung und altersgerechte Betreuung entsteht häufig über viele Jahre. Die gewonnenen Erfahrungen können zwischen den beteiligten Einrichtungen weitergegeben werden und helfen, die Haltung bedrohter Arten zu verbessern. Auch die Erhaltungszucht der Kulane im Zoo Rostock verdeutlicht die Bedeutung koordinierter Zuchtprogramme und langfristiger Tierbestände.
Artenschutz bedeutet auch Verantwortung für alte Tiere
Der aktuelle Sommerbericht aus Tokio zeigt eine Seite zoologischer Arbeit, die in öffentlichen Diskussionen häufig weniger Aufmerksamkeit erhält. Während Jungtiere und spektakuläre Zuchterfolge regelmäßig im Mittelpunkt stehen, benötigt auch die Betreuung alter Tiere umfangreiche Erfahrung. Bei Kyu und Fuyuto gehören dazu die tägliche Beobachtung, die Anpassung der Haltungsbedingungen und der sensible Umgang mit altersbedingten Einschränkungen. Beide Wildkatzen werden weiterhin individuell betreut, obwohl ihre aktive Rolle innerhalb eines Zuchtprogramms nicht mehr im Vordergrund steht.
Für Besucher erfüllt ihre Haltung zugleich eine wichtige Bildungsfunktion. Tsushima-Leopardkatzen kommen natürlicherweise nur auf der japanischen Insel Tsushima vor und sind deshalb vielen Menschen außerhalb dieser Region kaum bekannt. Durch die Haltung im Inokashira Park Zoo erhalten Besucher in Tokio die Möglichkeit, diese seltenen Tiere kennenzulernen und mehr über ihren Schutz zu erfahren. Der Zoo verbindet damit die Verantwortung für einzelne Tiere mit dem langfristigen Ziel, das Bewusstsein für bedrohte heimische Wildtierarten zu stärken.
Kyu und Fuyuto stehen beispielhaft dafür, dass die Verantwortung zoologischer Einrichtungen nicht mit dem Ende der Zuchtfähigkeit eines Tieres aufhört. Eine fachgerechte Betreuung muss sämtliche Lebensphasen berücksichtigen, vom Jungtier bis ins hohe Alter. Der Sommer 2026 war für die beiden betagten Wildkatzen eine weitere Herausforderung, die sie nach Angaben ihrer Pfleger gut bewältigt haben. Ihr Beispiel zeigt, dass erfolgreicher Artenschutz nicht nur Nachwuchs hervorbringt, sondern auch die langfristige Fürsorge für Tiere in menschlicher Obhut einschließt.
Quellen
- Tokyo Zoological Park Society – Tiertagebuch des Wildkatzenpflegers Nr. 8 – Inokashira Park Zoo – [https://www.tokyo-zoo.net/de/inokashira/blog/13510/index.html]
- Tokyo Zoological Park Society – Tiertagebuch des Wildkatzenpflegers Nr. 5 – [https://www.tokyo-zoo.net/de/topics/news/ino/165_29312_2025-09-08.html]
- Tokyo Zoological Park Society – Über den Inokashira Park Zoo – Geschichte und Artenschutz – [https://www.tokyo-zoo.net/de/inokashira/about/index.html]
- Tokyo Zoological Park Society – Tsushima-Leopardkatzen kommen in den Inokashira Park Zoo (16. November 2006) – [https://www.tokyo-zoo.net/topics/news/ino/8049_5630_2006-11-16.html]
