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Schlagwort: pflanzliche Herbstküche

  • Karpfensaison in Franken: PETA fordert Verzicht auf Fisch und mehr Gemüse

    Karpfensaison in Franken: PETA fordert Verzicht auf Fisch und mehr Gemüse

    Mit dem Start der traditionellen Karpfensaison in Franken fordert PETA Restaurants und Verbraucher dazu auf, Karpfen vollständig vom Speiseplan zu streichen. Stattdessen sollen nach Vorstellung der Tierrechtsorganisation Kürbis, Rotkohl, Wirsing und Rote Bete stärker in den Mittelpunkt der regionalen Herbstküche rücken. Hinter dem zunächst kulinarisch klingenden Vorschlag steckt allerdings keine Forderung nach besseren Haltungsbedingungen oder einer schonenderen Schlachtung. PETA nutzt den Saisonauftakt vielmehr erneut für die grundsätzliche Forderung, die Nutzung von Fischen als Lebensmittel zu beenden.

    Aus einer regionalen Tradition wird eine Grundsatzdebatte

    In Franken werden Karpfen traditionell vor allem in den Monaten mit „r“ angeboten, die Saison reicht entsprechend vom Spätsommer beziehungsweise Herbst bis in das Frühjahr. PETA-Fachreferentin Dr. Tanja Breining stellt diese Tradition grundsätzlich infrage und verweist darauf, dass während der Saison zahlreiche Karpfen für den menschlichen Verzehr getötet werden. Die daraus abgeleitete Forderung der Organisation lautet jedoch nicht, Haltung, Transport oder Schlachtung zu verbessern. PETA verlangt vielmehr einen Ausstieg aus der Fischhaltung und betrachtet Karpfen grundsätzlich als Individuen, die nicht zur menschlichen Ernährung genutzt werden sollten.

    Damit folgt die aktuelle Forderung der allgemeinen Tierrechtsposition von PETA. Die Organisation lehnt die Nutzung von Tieren für Lebensmittel grundsätzlich ab und begründet dies unter anderem mit dem Begriff des Speziesismus. Gemeint ist damit eine aus Sicht der Organisation ungerechtfertigte Bevorzugung menschlicher Interessen gegenüber denen anderer Tierarten. Für Restaurants und Verbraucher läuft der aktuelle Appell deshalb praktisch darauf hinaus, den traditionellen Karpfen durch rein pflanzliche regionale Gerichte zu ersetzen.

    Eine Aktion von 2018 wird erneut zum Argument

    Zusätzlichen Nachdruck verleiht PETA seiner Forderung mit dem Rückblick auf eine Veranstaltung zur Eröffnung der Karpfensaison im Jahr 2018. Nach Darstellung der Organisation wurden damals große Karpfen für Foto- und Videoaufnahmen aus dem Wasser genommen, zeitweise in trockene Eimer beziehungsweise in Behälter mit sehr wenig Wasser gesetzt und anschließend von Politikern in die Hände genommen. PETA kritisierte den Umgang mit den Tieren und verwies unter anderem auf deren sichtbares Zappeln.

    Der damalige Vorgang ist ein legitimer Anlass, den Umgang mit lebenden Fischen bei öffentlichen PR-Terminen kritisch zu hinterfragen. Er sagt allerdings wenig darüber aus, wie Karpfen in den zahlreichen fränkischen Teichwirtschaften tatsächlich gehalten werden. Aus einer einzelnen medial inszenierten Saisoneröffnung lässt sich keine pauschale Bewertung einer ganzen regionalen Wirtschafts- und Ernährungstradition ableiten. Genau diese Trennung geht in der aktuellen PETA-Kommunikation schnell verloren, weil der konkrete Fall von 2018 mit der grundsätzlichen Ablehnung jeder Fischhaltung verbunden wird.

    Was die Forschung über die Fähigkeiten von Fischen zeigt

    PETA verweist für seine Forderung außerdem auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Wahrnehmungs- und Lernfähigkeit von Fischen. Dass Fische zu deutlich komplexeren Leistungen fähig sind, als ihnen lange zugeschrieben wurde, wird durch verschiedene Studien gestützt. Daraus folgt allerdings zunächst eine Aussage über ihre kognitiven Fähigkeiten und nicht automatisch die politische oder ethische Forderung, jede Form der Fischhaltung und des Fischverzehrs abzuschaffen.

    Eine 2023 in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Untersuchung kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Putzerfische nach Erfahrungen mit einem Spiegel das eigene Gesicht auf Fotografien von fremden Artgenossen unterscheiden konnten. Die Forschenden interpretierten dies als weiteren Hinweis darauf, dass diese Tiere Merkmale ihres eigenen Erscheinungsbildes verarbeiten können. Die Bedeutung solcher Spiegeltests für weitergehende Aussagen über Selbstbewusstsein wird innerhalb der Forschung allerdings weiterhin diskutiert.

    Auch andere Untersuchungen zeigen bemerkenswerte Lernleistungen. Forschende des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie untersuchten wildlebende Fische im Mittelmeer und stellten fest, dass insbesondere Seebrassen lernen konnten, verschiedene Taucher anhand äußerer Merkmale ihrer Ausrüstung zu unterscheiden. Trugen die beteiligten Personen dagegen identische Tauchausrüstung, konnten die Tiere sie nicht mehr zuverlässig auseinanderhalten. Die Versuche sprechen damit vor allem für eine ausgeprägte visuelle Lern- und Unterscheidungsfähigkeit.

    Eine Forschungsgruppe der Universität Bonn zeigte bereits 2022, dass Buntbarsche und Stachelrochen einfache Additions- und Subtraktionsaufgaben bewältigen können. Die Tiere lernten, einen Ausgangswert um eins zu erhöhen beziehungsweise zu vermindern und anschließend zwischen verschiedenen Ergebnissen zu wählen. Die Versuche bewegten sich im Zahlenraum von eins bis fünf und liefern weitere Hinweise darauf, dass die kognitiven Leistungen verschiedener Fischarten nicht auf einfache Reflexe reduziert werden können.

    Putzerfische erkunden offenbar sogar die Funktion eines Spiegels

    Eine Ende 2025 veröffentlichte Untersuchung ging bei Putzerfischen noch einen Schritt weiter. Die Forschenden beobachteten detailliert, wie sich das Verhalten der Tiere vor und nach dem Erkennen des eigenen Spiegelbildes veränderte. Vor der Selbsterkennung zeigten die Tiere zunächst Aggressionen gegenüber ihrem Spiegelbild und anschließend charakteristische Bewegungen und Blickrichtungen, mit denen offenbar überprüft wurde, ob sich die Spiegelbewegung entsprechend der eigenen Bewegung verändert. Diese Phase bezeichneten die Autoren als „contingency testing“.

    Nach der beobachteten Selbsterkennung veränderte sich das Verhalten deutlich. Drei Putzerfische nahmen an mehreren Versuchstagen Stücke frischer Garnele vom Boden auf, brachten sie in die Nähe des Spiegels, ließen sie dort fallen und verfolgten anschließend das sinkende Futter im Spiegelbild. Die Forschenden ordneten dieses Verhalten nicht der vorherigen Kontingenzprüfung zu, sondern interpretierten es als mögliche Erkundung der reflektierenden Eigenschaften des Spiegels. Die Ergebnisse zeigen damit interessante kognitive Fähigkeiten, sind aber kein wissenschaftlicher Beweis für PETAs weitergehende Forderung nach einem vollständigen Ende der Karpfenhaltung.

    Wissenschaftliche Erkenntnisse sind noch kein Ernährungsprogramm

    Gerade hier muss zwischen Forschungsergebnissen und deren politischer beziehungsweise ethischer Interpretation unterschieden werden. Dass Fische lernen, unterscheiden, einfache Mengenoperationen bewältigen und bei bestimmten Arten komplexe Verhaltensweisen zeigen können, ist wissenschaftlich interessant und für Fragen des Tierwohls relevant. Aus solchen Erkenntnissen lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass Menschen grundsätzlich auf Fisch als Lebensmittel verzichten müssen. Diese Schlussfolgerung entsteht erst durch die tierrechtliche Grundposition von PETA.

    Die Debatte über Fischhaltung, Fischfang und den Umgang mit Fischen wird deshalb nicht allein durch die Frage entschieden, ob Tiere kognitive Leistungen zeigen. Auch Anforderungen an Haltung, Wasserqualität, Transport und Schlachtung sind eigenständige Themen. PETA überspringt diese Reformebene bewusst, weil die Organisation nicht eine andere Form der Tierhaltung fordert, sondern deren vollständige Beendigung.

    Gemüse als Alternative – aber nicht als Ersatz für die Debatte

    Mit Kürbis, Rotkohl, Wirsing und Roter Bete nennt PETA regionale Produkte, die im Herbst tatsächlich Saison haben und sich selbstverständlich ebenfalls für eine regionale Küche eignen. Restaurants können solche Gerichte anbieten und Verbraucher können sich unabhängig von PETA jederzeit dafür entscheiden. Problematisch wird es erst dort, wo aus einer zusätzlichen kulinarischen Möglichkeit die Forderung entsteht, eine jahrhundertealte regionale Fischtradition grundsätzlich zu verdrängen.

    Damit bleibt der eigentliche Konflikt unverändert: Für die fränkische Karpfenteichwirtschaft ist der Fisch ein regional erzeugtes Lebensmittel und Bestandteil einer gewachsenen Esskultur. Für PETA ist bereits diese Nutzung selbst das Problem. Die Kritik an fragwürdigen PR-Aktionen oder Erkenntnisse über die Fähigkeiten von Fischen können eine Diskussion über den Umgang mit den Tieren begründen. Sie ersetzen jedoch nicht die gesellschaftliche Debatte darüber, ob Tierhaltung grundsätzlich reformiert oder – wie von PETA gefordert – vollständig abgeschafft werden soll.

    Quellen

    Scientific Reports – Rapid self-recognition ability in the cleaner fishhttps://www.nature.com/articles/s41598-025-25837-0

    PETA Deutschland – Start der „Karpfensaison“ in Franken: PETA fordert Ausstieg aus der Fischhaltung und Fokussierung auf saisonales Gemüsehttps://presseportal.peta.de/start-der-karpfensaison-in-franken-peta-fordert-ausstieg-aus-der-fischhaltung-und-fokussierung-auf-saisonales-gemuese

    PETA Deutschland – Dr. Tanja Breining, Author at PETA Deutschland e.V.https://www.peta.de/autoren/tanja-breining

    Proceedings of the National Academy of Sciences / PubMed – Cleaner fish recognize self in a mirror via self-face recognition like humanshttps://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36745814/

    Max-Planck-Gesellschaft – Fische können Menschen unterscheidenhttps://www.mpg.de/24172666/0211-ornr-fische-unterscheiden-taucher-987453-x

    Universität Bonn – Studie zeigt: Fische können rechnenhttps://www.uni-bonn.de/de/neues/060-2022