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Schlagwort: Löwennachwuchs

  • Zoo Dortmund: Löwennachwuchs ohne EEP-Empfehlung – was steckt hinter der Kritik?

    Zoo Dortmund: Löwennachwuchs ohne EEP-Empfehlung – was steckt hinter der Kritik?

    Zwölf Löwenbabys im Zoo Dortmund sorgen für eine Diskussion über Erhaltungszucht, Tierwohl und die Verantwortung zoologischer Einrichtungen. Obwohl das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) keine Zuchtempfehlung ausgesprochen hatte, entschied sich der Zoo bewusst für Nachwuchs. Robert Marc Lehmann kritisiert die genetische Abstammung der Jungtiere und bezweifelt ihren Nutzen für den Artenschutz. Der Zoo begründet seine Entscheidung dagegen mit dem natürlichen Sozialverhalten seiner Löwen. Doch inzwischen gibt es auch Hinweise darauf, dass das zuständige Zuchtprogramm ausdrücklich zu einer Einschränkung der Zucht geraten hatte.

    Zwölf Löwenbabys innerhalb von drei Tagen geboren

    Ende Juli 2026 gab es im Zoo Dortmund gleich zweimal Löwennachwuchs. Die fünfjährige Löwin Zuri brachte am 28. Juli fünf Jungtiere zur Welt, ihre gleichaltrige Schwester Saba folgte am 31. Juli mit sieben weiteren Löwenbabys. Vater aller zwölf Tiere ist der sechsjährige Löwenkater Boeti. Für die beiden Löwinnen handelt es sich um ihren ersten Nachwuchs, weshalb die Tierpfleger die Entwicklung der Jungtiere zunächst besonders aufmerksam begleiteten.

    Bemerkenswert ist die gemeinsame Aufzucht durch die beiden Schwestern. Zuri und Saba säugen nicht ausschließlich ihre eigenen Jungtiere, sondern kümmern sich auch um den Nachwuchs der jeweils anderen Löwin. Dieses Verhalten ist auch aus natürlichen Löwenrudeln bekannt, in denen verwandte Weibchen häufig gemeinsam ihre Jungen großziehen. Bereits im August berichtete GERATI ausführlich über die zwölf Löwenbabys im Zoo Dortmund und die gemeinsame Aufzucht durch Zuri und Saba .

    Keine EEP-Empfehlung: Der Zoo entscheidet eigenverantwortlich

    Die Diskussion um den Nachwuchs entzündete sich insbesondere an der Rolle des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Nach Angaben des Zoos war die Zusammenführung der erwachsenen Löwen mit dem damaligen EEP-Koordinator abgestimmt worden. Eine ausdrückliche Empfehlung zur Zucht erhielt die Einrichtung jedoch nicht, ebenso wenig wie ein formelles Zuchtverbot. Die Verantwortlichen entschieden sich deshalb eigenständig dafür, den Tieren die Fortpflanzung zu ermöglichen.

    Allerdings geht die Debatte inzwischen über die Frage einer fehlenden Empfehlung hinaus. Nach Recherchen des WDR hatte das zuständige EEP dem Zoo Dortmund sogar geraten, die Zucht einzustellen oder zumindest einzuschränken. Eine öffentliche Bestätigung dieses konkreten Hinweises durch den verantwortlichen EEP-Koordinator lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor. Sollte sich die Darstellung bestätigen, wäre zwischen einer fehlenden Zuchtempfehlung und einem ausdrücklichen fachlichen Rat gegen weitere Fortpflanzung zu unterscheiden.

    Grundsätzlich bedeutet eine fehlende EEP-Empfehlung nicht, dass einem Zoo die Fortpflanzung seiner Tiere automatisch verboten wäre. Erhaltungszuchtprogramme koordinieren die Bestände zahlreicher Tierarten in europäischen Einrichtungen und sprechen auf Grundlage genetischer sowie populationsbiologischer Untersuchungen Empfehlungen aus. Dabei berücksichtigen sie nicht nur die Abstammung einzelner Tiere, sondern auch die verfügbare Haltungskapazität und die langfristige Entwicklung der gesamten Population. Entscheidet sich eine Einrichtung unabhängig von diesen Empfehlungen für Nachwuchs, muss sie insbesondere dessen spätere Unterbringung selbst sicherstellen.

    Robert Marc Lehmann kritisiert die genetische Abstammung

    Zu den Kritikern der Dortmunder Löwenzucht gehört der Meeresbiologe und Artenschützer Robert Marc Lehmann. Er stellt insbesondere den genetischen Wert der Jungtiere für eine gezielte Erhaltungszucht infrage. Hintergrund ist die Abstammung der Elterntiere, deren Vorfahren sowohl dem Nördlichen als auch dem Südlichen Löwen zugeordnet werden. Für Zuchtprogramme, die den Erhalt bestimmter Unterarten verfolgen, kann eine solche gemischte Abstammung die Verwendung der Tiere einschränken.

    Nach Angaben des Dortmunder Zoos wird Löwenkater Boeti ungefähr zur Hälfte dem Nördlichen und zur Hälfte dem Südlichen Löwen zugerechnet. Bei den beiden Löwinnen liegt der geschätzte Anteil des Südlichen Löwen bei etwa 62 Prozent, wobei sich die geografische Herkunft einzelner Vorfahren nicht mehr vollständig nachvollziehen lässt. Der Zoo bestreitet diese gemischte Abstammung nicht, verweist jedoch auf noch ausstehende genetische Untersuchungen. Welche Bedeutung die zwölf Jungtiere tatsächlich für zukünftige Zuchtprogramme haben könnten, lässt sich deshalb gegenwärtig nicht abschließend beurteilen.

    Die Kritik an der genetischen Eignung betrifft allerdings zunächst den möglichen Beitrag der Tiere zur gezielten Erhaltungszucht. Daraus ergibt sich nicht automatisch eine Aussage darüber, ob die Löwen unter geeigneten Bedingungen gehalten werden können oder ob ihre Aufzucht den erwachsenen Tieren zusätzliche Verhaltensmöglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig reicht der Verweis auf natürliches Sozialverhalten allein nicht aus, um einen konkreten Artenschutzbeitrag nachzuweisen. Beide Fragen müssen fachlich getrennt betrachtet werden.

    Tierwohl statt Artenschutz: Der Zoo erklärt seine Entscheidung

    Der Zoo Dortmund begründet seine Entscheidung in erster Linie mit dem Sozialverhalten seiner Löwen. Paarung, Geburt und die gemeinsame Aufzucht von Jungtieren gehören zum natürlichen Verhaltensrepertoire dieser Großkatzen. Die Verantwortlichen wollten ihrem Rudel deshalb wenigstens einmal die Möglichkeit geben, gemeinsam Nachwuchs großzuziehen. Die beiden Löwinnen können dadurch ihr mütterliches Fürsorgeverhalten ausleben, während die Jungtiere zusätzliche soziale Beziehungen innerhalb der Gruppe ermöglichen.

    Im September räumte Zoolotse Marcel Stawinoga gegenüber Radio 91.2 ausdrücklich ein, dass der Artenschutz bei der ursprünglichen Zuchtentscheidung keine Rolle gespielt habe. Zuvor hatte die Stadt Dortmund den Nachwuchs in ihrer öffentlichen Kommunikation mit dem internationalen Artenschutz in Verbindung gebracht. Stawinoga bezeichnete eine entsprechende frühere Formulierung als fachlich falsch und entschuldigte sich dafür. Der Zoo stellt inzwischen die bewusste Entscheidung zugunsten des natürlichen Verhaltens seiner Löwen in den Vordergrund.

    Diese Unterscheidung ist für die Beurteilung der Dortmunder Entscheidung wesentlich. Zoologische Einrichtungen verfolgen neben dem Artenschutz auch Aufgaben in der Tierhaltung, Forschung und Umweltbildung. Die Förderung natürlichen Verhaltens kann ein Bestandteil tiergerechter Haltung sein, muss allerdings immer im Zusammenhang mit den tatsächlichen Haltungsbedingungen betrachtet werden. Dazu gehört insbesondere, dass bereits vor einer geplanten Zucht die langfristige Versorgung und Unterbringung der Nachkommen berücksichtigt wird.

    Forschungsprojekt soll genetische Fragen klären

    Nach Angaben des Zoos könnten die Dortmunder Löwen künftig in genetische Untersuchungen im Rahmen eines Forschungsprojekts der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung EAZA einbezogen werden. Solche Untersuchungen können dazu beitragen, Abstammungsverhältnisse innerhalb zoologischer Populationen genauer zu bestimmen. Die gewonnenen Daten könnten langfristig bei der Beurteilung geeigneter Zuchtpaare und der genetischen Vielfalt europäischer Löwenbestände helfen. Ob die zwölf Jungtiere tatsächlich einen konkreten Nutzen für ein entsprechendes Programm haben werden, ist bislang jedoch nicht abschließend geklärt.

    Eine Auswilderung der Dortmunder Löwen war nach Darstellung des Zoos zu keinem Zeitpunkt vorgesehen. Auch die mögliche wissenschaftliche Verwendung des Nachwuchses bedeutet nicht automatisch, dass die ursprüngliche Zuchtentscheidung nachträglich zu einer empfohlenen Erhaltungszucht wird. Entscheidend wären die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen und deren tatsächliche Verwendung innerhalb entsprechender Forschungs- oder Zuchtprogramme. Konkrete Angaben zum Umfang, zum zeitlichen Ablauf und zu den erwarteten Ergebnissen des angekündigten Forschungsprojekts stehen bislang noch aus.

    Wohin mit den zwölf Löwenbabys?

    Neben der genetischen Einordnung stellt insbesondere die zukünftige Unterbringung der Jungtiere eine Herausforderung dar. Der Zoo Dortmund kann nicht sämtliche zwölf Löwen dauerhaft in seiner bestehenden Anlage behalten und muss deshalb geeignete Einrichtungen für einen Teil des Nachwuchses finden. Nach Angaben der Verantwortlichen bestehen bereits Kontakte zu interessierten zoologischen Einrichtungen. Verbindlich bestätigte Haltungsplätze für alle zwölf Jungtiere wurden bislang jedoch nicht öffentlich benannt.

    Die Verantwortung für die Vermittlung liegt nach Darstellung des Zoos vollständig bei der Dortmunder Einrichtung. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm wird die Unterbringung der eigenständig gezüchteten Löwen demnach nicht organisieren. Bei der Auswahl zukünftiger Haltungsorte müssen die verfügbaren Platzverhältnisse, die Zusammensetzung möglicher Sozialgruppen und die langfristigen Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden. Gerade angesichts der großen Zahl an Jungtieren ist deshalb eine nachvollziehbare Vermittlungsplanung von besonderer Bedeutung.

    Der Zoo weist außerdem die Vermutung zurück, die Jungtiere seien gezüchtet worden, um zusätzliche Besucher anzulocken. Tatsächlich wurde das Löwenhaus während der ersten Aufzuchtphase zunächst geschlossen und später nur zeitweise für Besucher geöffnet, um den beiden Müttern und ihrem Nachwuchs ausreichend Ruhe zu ermöglichen. Die erklärte Absicht des Zoos lässt sich allerdings unabhängig davon betrachten, welche Auswirkungen der Nachwuchs möglicherweise auf das Besucherinteresse hat. Für die weitere Entwicklung sind vor allem die erfolgreiche Aufzucht und die spätere Unterbringung der Tiere entscheidend.

    Die zwölf Löwenbabys zeigen damit, dass eine eigenverantwortliche Zuchtentscheidung weit über die Geburt der Jungtiere hinausreicht. Während der Zoo auf das natürliche Sozialverhalten seines Rudels verweist, bleiben die genetische Bedeutung des Nachwuchses und die langfristige Vermittlung zentrale offene Fragen. Auch der vom WDR berichtete Rat des EEP zur Einschränkung der Zucht bedarf einer abschließenden öffentlichen Einordnung. An der weiteren Entwicklung wird sich zeigen, wie Dortmund die selbst übernommene Verantwortung für alle zwölf Jungtiere praktisch umsetzt.

    Quellen

    • Stadt Dortmund – Zwölf junge Löwen bereichern den Zoo Dortmund | dortmund.de – https://www.dortmund.de/newsroom/presse-mitteilungen/zwoelf-junge-loewen-bereichern-den-zoo-dortmund.html 
    • Stadt Dortmund – Das erste Foto: Löwen-Jungtiere entwickeln sich gut | dortmund.de – https://www.dortmund.de/newsroom/nachrichten-dortmund.de/das-erste-foto-loewen-jungtiere-entwickeln-sich-gut.html 
    • WDR – Stadt verteidigt umstrittene Löwen-Zucht im Zoo Dortmund – https://www1.wdr.de/nrw/dortmund/loewen-zoo-dortmund-artenschutz-zucht-kritik-100.html 
    • Radio 91.2 – Dortmunder Zoo äußert sich zu Kritik an Löwenbabys – Radio 91.2 – https://www.radio912.de/artikel/dortmunder-zoo-aeussert-sich-zu-kritik-an-loewenbabys-2758369 
    • Radio 91.2 – Kritik um Löwenbabys im Zoo Dortmund – Radio 91.2 – https://www.radio912.de/artikel/kritik-um-loewenbabys-im-zoo-dortmund-2751249 
    • t-online Dortmund – 12 Löwen-Babys in Dortmund: Zoo reagiert auf Kritik von Robert Marc Lehmann – https://dortmund.t-online.de/region/dortmund/id_101440654/12-loewen-babys-in-dortmund-zoo-reagiert-auf-kritik-von-robert-marc-lehmann.html 
    • EAZA – Healthy animal populations – https://www.eaza.net/population-management/ 
    • EAZA – EAZA Population Management Manual: – https://eazawebsite-prod.s3.nl-ams.scw.cloud/uploads/EAZA_Population_Management_Manual_V6_2_67db7a6627.pdf