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Schlagwort: genetisches Forschungsprojekt EAZA

  • Zoo Dortmund: Löwennachwuchs ohne EEP-Empfehlung – nach Angaben des Zoos eigene Entscheidung

    Zoo Dortmund: Löwennachwuchs ohne EEP-Empfehlung – nach Angaben des Zoos eigene Entscheidung

    Im Zoo Dortmund sind Ende Juli zwölf Löwenbabys geboren worden. Eine ausdrückliche Zuchtempfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) gab es nach Angaben des Zoos nicht. Der Zoo betont, die Entscheidung eigenverantwortlich getroffen zu haben – und weist einen Zusammenhang mit Besucherinteressen zurück.

    Zwei Würfe innerhalb weniger Tage

    Die fünfjährige Löwin Zuri brachte am 28. Juli fünf Jungtiere zur Welt. Drei Tage später folgten bei ihrer Schwester Saba sieben weitere. Vater aller zwölf Löwen ist der sechsjährige Kater Boeti. Die beiden erwachsenen Löwinnen und Boeti sind damit die Elterntiere der zwölf Jungtiere.

    Die Aufzucht findet zunächst weitgehend hinter den Kulissen statt. Der Zoo teilte mit, dass Zuri und Saba teilweise auch die Jungtiere der jeweils anderen Löwin betreuen. Für die aktuelle Situation ist vor allem entscheidend, wie sich die Jungtiere entwickeln und wann sie vermittelt werden können. Zu künftigen Haltungsorten für alle zwölf Tiere liegen bislang keine konkreten Angaben vor.

    EEP gab keine Zuchtempfehlung

    Die Debatte entzündete sich an der Rolle des EEP. Für die Zucht gab es nach Darstellung des Zoos keine Empfehlung, aber auch kein Verbot. Die Entscheidung zur Fortpflanzung ordnet der Zoo seiner eigenen Verantwortung zu.

    Nach Angaben des Zoos ist er für die Vermittlung möglicher Nachkommen selbst verantwortlich. Ob und inwieweit die fehlende Zuchtempfehlung über die Zuchtentscheidung hinaus Folgen für die spätere Vermittlung oder das geplante Forschungsprojekt hat, ist öffentlich nicht erläutert. Der Zoo gibt an, bereits mit Interessenten in Kontakt zu stehen.

    Kritik kam unter anderem von dem Meeresbiologen und Artenschützer Robert Marc Lehmann. Er bezweifelt, dass die Zucht dem gezielten Artenschutz dient, weil die Elterntiere unterschiedliche genetische beziehungsweise unterartliche Hintergründe haben. Boeti wird nach Angaben des Zoos und des EEP ungefähr zur Hälfte dem Nördlichen und zur Hälfte dem Südlichen Löwen zugerechnet. Für Saba und Zuri heißt es nach Angaben des Zoos unter Verweis auf eine aktuelle EEP-Auskunft, sie seien ungefähr zu 62 Prozent dem Südlichen Löwen zuzuordnen; bei einzelnen Vorfahren sei die geografische Herkunft nicht mehr vollständig nachvollziehbar.

    Für eine gezielte Erhaltungszucht ist die genetische Einordnung relevant, weil dabei auch berücksichtigt wird, welche Tiere miteinander Nachwuchs bekommen und welche Erbanlagen sie weitergeben. Das unterscheidet die Frage nach dem populationsgenetischen Erhaltungswert von der sozialen Funktion des Nachwuchses im Rudel. Welche populationsgenetische Bedeutung die Jungtiere künftig haben können und welche Folgen dies für ihre spätere Vermittlung oder eine weitere Zuchtplanung haben könnte, ist öffentlich bislang nicht abschließend erläutert.

    Tierwohl als Begründung, Artenschutz bleibt offen

    Der Zoo begründet die Zucht vor allem mit dem Verhalten der Tiere. Paarung, Geburt und gemeinsame Aufzucht seien zentrale Bestandteile des natürlichen Soziallebens von Löwen. Das Rudel sollte nach Angaben der Einrichtung wenigstens einmal die Möglichkeit erhalten, Jungtiere aufzuziehen. Der Nachwuchs ermögliche zudem zusätzliche soziale Kontakte innerhalb der Gruppe.

    Diese Argumentation betrifft in erster Linie das Verhalten und die soziale Struktur des Rudels – nicht automatisch den Wert der Tiere für ein Artenschutzprogramm. Der Zoo räumt selbst ein, dass sich die populationsgenetische Bedeutung der zwölf Löwen derzeit noch nicht abschließend bewerten lasse. Eine Auswilderung sei zu keinem Zeitpunkt Ziel der Zucht gewesen.

    Stattdessen sollen die Tiere künftig in ein genetisches Forschungsprojekt der EAZA einbezogen werden. Welche konkreten Daten dabei erhoben werden und welchen praktischen Nutzen die Untersuchung für europäische Löwenbestände haben kann, ist noch nicht öffentlich erläutert. Damit stehen zwei unterschiedliche Begründungen nebeneinander: Der Zoo verweist auf das Tierwohl im Rudel, während der Beitrag zum Artenschutz vorerst offen bleibt.

    Vermittlung bleibt offen

    Der Zoo weist ausdrücklich zurück, die zwölf Jungtiere zur Steigerung der Besucherattraktivität gezüchtet zu haben. Unabhängig davon bleibt die langfristige Unterbringung der Tiere ein offener Punkt neben Fragen der Zuchtplanung, genetischen Einordnung, des Tierwohls und des Forschungsnutzens. Konkrete Einrichtungen für die zwölf Jungtiere sind bislang nicht benannt. Nach welchen fachlichen, tierhalterischen oder organisatorischen Kriterien künftige Haltungsorte ausgewählt werden sollen und wie der Zoo verfährt, falls eine Vermittlung ausbleibt, ist öffentlich ebenfalls nicht erläutert.

    Die Stellungnahme des Zoos trennt die fehlende EEP-Zuchtempfehlung von der nach eigener Darstellung selbst getragenen Zuchtentscheidung. Für die Vermittlung verweist der Zoo auf eigene Verantwortung und auf Kontakte zu Interessenten. Offen bleibt damit, welche Haltungsorte tatsächlich infrage kommen und welchen praktischen Nutzen das geplante Forschungsprojekt haben wird.

    Quellen