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Schlagwort: Familienbetrieb Zirkus

  • Familienzirkus Piccolo in Schwaikheim: Weniger Gastspiele, gleiche Fixkosten

    Familienzirkus Piccolo in Schwaikheim: Weniger Gastspiele, gleiche Fixkosten

    Der Familienzirkus Piccolo reduziert seine Vorstellungen in Schwaikheim auf zwei Wochenenden. Während die Einnahmemöglichkeiten sinken, bleiben die laufenden Kosten bestehen. Für den traditionsreichen Familienbetrieb stellt sich damit eine wirtschaftliche Frage: Wie lässt sich ein reisender Zirkus finanzieren, wenn sich zusätzliche Vorstellungen unter der Woche kaum noch lohnen?

    Nur vier Vorstellungen in Schwaikheim

    Der Familienzirkus Piccolo gastiert vom 26. September bis zum 4. Oktober 2026 in Schwaikheim. Anders als bei längeren Gastspielen sind lediglich vier Vorstellungen vorgesehen. Gespielt wird am 26. und 27. September sowie am 3. und 4. Oktober, jeweils um 16 Uhr. Die Tageskasse öffnet an den Vorstellungstagen bereits um 13 Uhr.

    Auf zusätzliche Aufführungen unter der Woche verzichtet der Familienbetrieb, weil dann zu wenige Zuschauer erwartet werden. Damit entfallen zwar die unmittelbaren Kosten weiterer Vorstellungen, gleichzeitig verringern sich aber auch die möglichen Einnahmen. Die grundlegenden Betriebskosten lassen sich durch weniger Auftritte nicht im gleichen Umfang reduzieren. Der Zirkus muss deshalb seine Spielzeiten an die erwartete Nachfrage anpassen, anstatt möglichst viele Vorstellungen anzubieten.

    Mehrere Generationen arbeiten im Familienzirkus

    Die Geschichte der Zirkusfamilie reicht bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. Alexander und Monika Riedesel stehen hinter dem Familienunternehmen, das neben klassischen Gastspielen auch Mitmachprojekte anbietet. Ihre fünf Kinder unterstützen die verschiedenen Aktivitäten der Familie und haben sich nach eigenen Angaben zu ausgebildeten Artistenlehrmeistern entwickelt. Inzwischen gehören auch Schwiegersöhne, Enkel und weitere Mitarbeiter zum Team.

    Die Familie verbindet traditionelle Zirkuskunst mit Angeboten für Kinder und Jugendliche. Dabei beschränkt sich ihre Arbeit längst nicht mehr auf öffentliche Vorstellungen in der Manege. Schulen, Kindergärten und Ferienprogramme gehören ebenfalls zu den Einsatzbereichen des Mitmachzirkus Piccolo. Diese zusätzlichen Tätigkeiten ermöglichen es der Familie, ihre artistischen und pädagogischen Fähigkeiten auch außerhalb des regulären Gastspielbetriebs einzusetzen.

    Weniger Vorstellungen bedeuten nicht automatisch weniger Kosten

    Für einen reisenden Familienzirkus ist die Zahl der Vorstellungen nur eine Seite der wirtschaftlichen Rechnung. Zelt, Fahrzeuge, technische Ausstattung und die übrige Infrastruktur müssen unabhängig davon unterhalten werden, wie oft die Manege tatsächlich bespielt wird. Hinzu kommen die Kosten des laufenden Betriebs und der Lebensunterhalt der mitreisenden Familie. Wie hoch die einzelnen Ausgaben bei Piccolo ausfallen, ist öffentlich nicht beziffert.

    Zusätzliche Vorstellungen können die Einnahmen erhöhen, verursachen aber ebenfalls Kosten. Wenn unter der Woche nur wenige Zuschauer erscheinen, ist keineswegs sichergestellt, dass sich der zusätzliche Aufwand lohnt. Die Konzentration auf Wochenenden ist deshalb eine betriebliche Entscheidung, mit der sich unnötige Ausgaben vermeiden lassen. Ob die vier Vorstellungen in Schwaikheim wirtschaftlich ausreichen, lässt sich ohne konkrete Besucherzahlen und Einnahmen allerdings nicht beurteilen.

    Auch andere kleinere Zirkusunternehmen stehen vor ähnlichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wie eng der Erfolg eines reisenden Familienbetriebs mit den Besucherzahlen und den laufenden Ausgaben verbunden ist, zeigt der GERATI-Bericht über den Circus Hoppla Hopp in Niederlehme, dessen Direktor Sven Rogall ebenfalls über steigende Betriebskosten und schwankende Besucherzahlen berichtete.

    Mitmachzirkus als zusätzliches Standbein

    Neben den klassischen Gastspielen setzt die Familie auf Zirkusprojekte, bei denen Kinder und Jugendliche selbst aktiv werden. Der Mitmachzirkus bietet Schulprojekte und Ferienprogramme an, bei denen die Teilnehmer unter Anleitung artistische Fähigkeiten kennenlernen und eigene Aufführungen vorbereiten können. Die Familie verfügt nach eigener Darstellung über mehrere ausgebildete Artistenlehrmeister. Auch die jüngere Generation wirkt inzwischen bei den verschiedenen Projekten mit.

    Dieses zusätzliche Angebot eröffnet dem Familienunternehmen Einnahmemöglichkeiten außerhalb des regulären Spielbetriebs. Während öffentliche Vorstellungen davon abhängen, wie viele Zuschauer tatsächlich Eintrittskarten kaufen, können Schul- und Ferienprojekte bereits im Voraus vereinbart werden. Das erleichtert die Planung und ermöglicht eine bessere Auslastung der vorhandenen Ausstattung. Ob und in welchem Umfang die Einnahmen aus diesen Projekten mögliche Ausfälle bei Gastspielen ausgleichen, ist allerdings nicht bekannt.

    Tradition und wirtschaftliche Realität

    Familienzirkusse sind weit mehr als Unternehmen, die gelegentlich ihre Zelte aufschlagen und Vorstellungen geben. Hinter jeder Aufführung stehen organisatorische Arbeiten, der Transport der Ausrüstung und die Unterhaltung einer Infrastruktur, die auch außerhalb der Spielzeiten benötigt wird. Bei Piccolo kommt hinzu, dass mehrere Generationen gemeinsam im Betrieb arbeiten und ihre berufliche Zukunft mit dem Familienunternehmen verbunden ist. Die Entscheidung, in Schwaikheim nur an zwei Wochenenden aufzutreten, zeigt, wie stark sich ein solcher Betrieb an die tatsächliche Nachfrage anpassen muss.

    Die Familie ist nach eigener Darstellung nahezu das gesamte Jahr unterwegs und verbringt die Wintermonate in Plüderhausen. Mit den zusätzlichen Mitmachangeboten hat sie sich ein weiteres Standbein aufgebaut, das über den traditionellen Gastspielbetrieb hinausgeht. Ob diese Kombination langfristig ausreicht, hängt unter anderem von der Nachfrage nach Vorstellungen und Projekten sowie von den laufenden Kosten ab. Konkrete Hinweise auf eine unmittelbar drohende Schließung liegen nicht vor.

    Die Situation in Schwaikheim verdeutlicht vielmehr die wirtschaftlichen Herausforderungen kleiner reisender Zirkusse. Weniger Vorstellungen können helfen, zusätzliche Veranstaltungskosten zu vermeiden, lösen aber nicht das Problem der dauerhaft anfallenden Fixkosten. Gleichzeitig bieten Familienbetriebe wie Piccolo durch ihre langjährige Erfahrung und die Zusammenarbeit mehrerer Generationen Voraussetzungen, um unterschiedliche Angebote miteinander zu verbinden. Entscheidend bleibt letztlich, ob genügend Besucher und Projektpartner die Arbeit des Familienunternehmens unterstützen.

    Quellen